Tagebuchbloggen am 5. Mai

Jetzt sitze ich hier, der Tag ist noch nicht ganz vorbei und die freundliche Blognachbarin will wissen, was ich den ganzen Tag lang so gemacht habe, oder in kurz: WMDEDGT.

Ja, was mache ich den ganzen Tag? H├Ątte meine Mutter diese Frage gestellt, w├Ąre sie eher rhetorisch, die Antwort ein schlichtes „Nichts“. Irgendwie f├╝hlt sich der Tag auch so an, es scheint, als h├Ątte ich nichts gemacht, oder wenigstens fast nichts, habe ich mich doch fast nicht von Tastatur und Bildschirm wegbewegt.

Das Fenster ist gekippt, so kommt Luft in den Raum und ich kann das Gezeter der Elstern h├Âren. Sie beschweren sich, weil sie nicht die einzigen sind, die im Kirschbaum hoch oben r├Ąubern, dabei sind die Fr├╝chte noch gar nicht richtig reif. Kriegen sie halt Bauchweh, was geht es mich an. Ich schreibe Protokoll, ein Skript, einen n├Ąchsten Text, antworte auf Mails, verschicke welche, in den Pausen zwischendrin inspiziere ich den K├╝hlschrank, sch├Ąle M├Âhren, Zwiebeln, Kartoffeln und Kohlrabi, schneide alles in W├╝rfel und schubse die St├╝cke vom Brett in die schwere Pfanne. Schmoren kann das Essen alleine, ich gehe zur├╝ck zum Computer, schreibe noch ein wenig weiter, dann gibt es etwas zu essen und mir ist nach Pause.

Katz liegt auf der Jacke. Da kannste nix machen…

Weil der Mitbewohner am Internet basteln m├Âchte, ist Eile statt Pause angesagt, doch p├╝nktlich zum Kaffee bin ich fertig. Puh. Will zwei Reihen stricken, doch die Katz gibt nicht nach, bleibt liegen und ich lasse es. Fahre statt dessen zur Goldschmiedin, die jetzt wieder offen hat und bringe Schmuckst├╝cke zum Reparieren. Die Ohrringe f├╝r das Kind sind ebenfalls fertig, und, was soll ich sagen, grinst mich doch eine Kette so unversch├Ąmt an, ja, jetzt ist sie bei mir.

Schnell einkaufen, ich brauche Jogurt und Milch, flitze durch die G├Ąnge, brauche nicht lange an der Kasse zu warten, doch als ich dort alles zur├╝ck in den Wagen packe, fehlt der Autoschl├╝ssel. Wo, zum Kuckuck, hat er sich versteckt? Die Kassiererin r├╝ckt meinen Einkaufswagen an ihre Seite, passt auf und ich gehe z├╝gig durch den Laden, immer mit einem Blick auf Regale und K├╝hltruhen, dort entlang, wo ich gerade eben gegangen, doch zu finden war nichts. Ich gehe an den Kassen vorbei, nach drau├čen, ├╝ber den Parkplatz zum Auto und siehe da, er steckt im Z├╝ndschloss. Super. Mein erstes Mal, gewisserma├čen.

Zur├╝ck nach Hause, den Einkauf verr├Ąumen und eine Brotzeit richten, die Blumen gie├čen, weil es nur au├čen regnet, nicht im Haus. Jetzt sitze ich hier, immer noch und f├╝hle mich, als h├Ątte ich den ganzen Tag nichts gemacht, nur hier auf dem Stuhl gesessen und Tasten auf der Tastatur gedr├╝ckt. Nichts, was bleibt, gewisserma├čen, nichts war vorzeigbar, schau her, das habe ich gemacht, ganz allein mit meinen H├Ąnden.

Da schickt das Kind ein Foto, mit neuen Socken an den F├╝├čen, es freut sich und findet, ich solle die Katz doch mit Speck von der Jacke locken, dann k├Ânne ich weiterstricken, sie braucht diese bald.

So habe ich doch noch was geschafft, was Bleibendes, etwas, das getragen wird, Socken, bei denen es sich lohnt, L├Âcher zu stopfen und nein, die L├Âcher da vorne, die m├╝ssen so. Ganz genau so.

Wer jetzt von anderen den Tag nachlesen m├Âchte, bitte sehr, hier entlang: Frau Br├╝llen.

Ach und, bevor ich es vergesse: Ich schrieb einen Text, schickte ihn ab und bekam vor zwei Wochen die Nachricht: Er ist im Finale – und damit ich auch, stehe also am 20. Juni auf der B├╝hne im Irrhain und lese. Wer nach Kraftshof bei N├╝rnberg kommen mag, sei herzlich Willkommen. Es kostet auch keinerlei Eintritt.

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