Tagebuchbloggen am 5. September

Es ist ruhig im Haus, ich k√∂nnte noch schlafen. Das dauert der kleinen Katze zu lang, sie hilft nach und fordert lautstark ihr Futter ein. Da es das erst gibt, wenn auch die aush√§usige Mieze anwesend ist, muss Kleinkatz warten. Madame ist n√§mlich ein kleines Fressmaschinchen. Futter √ľbrig lassen gilt nicht.

Kaffee ist schnell gemacht und damit ich mich nicht an der Zeitung festlesen kann, hat sich die Kleinkatz auf ihr ausgebreitet. Damit ich in Ruhe Kaffee trinken und mich der Zeitung widmen kann, ziehe ich die Jalousie der Balkont√ľr hoch, lasse die zweite Katze ins Haus, f√ľlle die N√§pfe mit Futter und stelle sie vor die beiden Tiere, die sich so gierig darauf st√ľrzen, als w√§ren sie andernfalls verhungert.

Mein Vater ruft an, will so fr√ľh am Morgen wissen, ob sich denn Kleinkatz und Gro√ükatz bereits aneinander gew√∂hnt h√§tten, freut sich, weil er h√∂rt, dass sie miteinander kuscheln und sich gegenseitig putzen. Alles ist gut.

Ich flitze ins Bad. Dort steht das Katzenklo. Zwei Katzen hei√üt auch: Es wird oft benutzt, gerade nach dem Fressen. Logisch: Oben rein – unten wieder raus. Damit die beiden recht zimperlichen Damen ihr Klo akzeptieren, muss ich es wie einen japanischen Zen-Garten pflegen, die Klumpen herausr√§umen und alles h√ľbsch glatt harken. Andernfalls wird die Sch√ľssel unter der Sp√ľle als Katzenklo missbraucht, doch das ist mir noch lieber als ein Kissen oder die frisch gewaschene W√§sche im Korb.

Beide Katzen auf einem Stuhl.

Ja, das eine oder andere Wort schreibe ich.

Der Mitbewohner k√ľmmert sich in der Zwischenzeit um das Mittagessen: Es gibt gebratene Stallhasenkeulen. Diese werden erst in der Pfanne angebraten, dann im Backofen geschmort. Die Pfanne bleibt auf dem Herd stehen und wird von der Katze entdeckt. Die Katz versucht mit ihrer Reibeisenzunge, etwas von der angebrannten Kruste abzuraspeln, gibt irgendwann auf, weil sich die Ausbeute nicht lohnt.

Heute sind beide Katzen au√üerordentlich kuschelbed√ľrftig: Kaum setze ich mich, kommt erst eine, kurz danach die zweite an. Beide lassen sich auf mir nieder. Allerdings hat Kleinkatz noch nicht die Ruhe der gro√üen Katz, trappelt, zappelt, f√§llt nach unten und rappelt sich wieder auf. Sie liebt es, Stifte aus dem Becher zu mopsen und diese mit Pf√∂tchen und Schn√§uzchen durch die Wohnung zu bugsieren. Selbst der N√§hkorb ist nicht sicher vor den kleinen Pf√∂tchen, die Garnrollen sind einfach zu attraktiv.

Wird es der gro√üen Katz zu viel, tatzt sie nach der Kleinen und putzt ihr auf solch ruppige Weise die √Ėhrchen, dass jedem klar ist: Jetzt reichts. Nun benimm dich!

Nach dem Mittagessen ruht sich der Mitbewohner aus, ich schreibe noch ein bisschen unter erschwerten Bedingungen: Jetzt liegt die gro√üe Katze zwischen Monitor und Tastatur, wenn sie sich r√§kelt, tippt sie mit. Tja. Das f√ľhrt zu seltsamen Buchstabenkombinationen im Text. Gl√ľcklicherweise kann ichs ja l√∂schen.

Einen Tee, f√ľnf Katzenstreicheleinheiten und drei aufgesammelte und wieder angebappte K√ľhlschrankmagnete sp√§ter bin ich fertig. Selbstverst√§ndlich habe ich in der Zwischenzeit bestimmt sieben Mal den Katzenklo-Zengarten wieder glattgeharkt, selbstredend nicht ohne vorherige Ausgrabungen. Jetzt ist noch Zeit, den Mitbewohner im Keller zu besuchen, s√§mtliche geleistete Arbeiten in Augenschein zu nehmen. Wir besprechen, was noch erledigt werden muss, bevor, ja, nein, das wird noch nicht verraten.

Ich sammel noch alles vom Fu√üboden auf, was die kleine Katze dorthin verfrachtet hat, b√ľgele noch eine Runde, dann muss ich zur Gemeinderatssitzung.

Wenn ich heute wiederkomme, gibt es Federweißer. Das hab ich mir dann auch verdient.

Erg√§nzt, weil vergessen: Hier, bei Frau Br√ľllen gibt es s√§mtliche anderen Tagebucheintr√§ge.

Ein Gedanke zu „Tagebuchbloggen am 5. September

  1. Oh ja, liebe Jaelle,
    einen leckeren Federweißer hast Du Dir nach diesem ganzen Hin und Her etc. wirklich verdient. Zwei Kätzchen bringen eben doppelt Leben ins Haus. Aber es ist doch schon mal sehr gut, dass sie einander mögen, gell.
    Lieben Gruß
    moni

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