Was habe ich eigentlich gestern gemacht?

Da ich gestern von unterwegs aus nicht schreiben konnte – und hinterher lieber mit dem Mitbewohner, der Lieblingshausziege und ihrem Freund geschw├Ątzt habe, verrate ich erst heute, was ich gestern so den ganzen Tag getan habe, verlinke alles noch mit Frau Br├╝llen, so dass ich ihre Frage „Was machst du eigentlich den ganzen Tag“ oder kurz: WMDEDGT angemessen beantworten kann.

Die Nacht war gegen halb eins vorbei, der Wecker des Mitbewohners hat geschellt, er hat ihn noch zweimal auf „weiterschlafen“ gestellt, ich war wach und stand auf. Anziehen, den Rest in den Koffer packen, alles zuklappen, ja, passt. Fr├╝hst├╝cken. Eigentlich wollten wir ja erst fr├╝hst├╝cken und anschlie├čend die Koffer f├╝r den Transport zum Flughafen bereitstellen, da aber der Speisesaal noch durch einen unter den Griff geklemmten Stuhl versperrt war, haben wir kurzerhand die Reihenfolge ge├Ąndert, sind zur├╝ck aufs Zimmer und haben die Koffer und Taschen und Jacken geholt.

Wir stellten alles an der Seite ab, damit niemand dar├╝ber stolpern musste, doch der Speiseraum war immer noch versperrt. Die anderen Mitreisenden tigerten ebenfalls erwartungsvoll durch die Hotellobby, eine ├Ąltere Frau regte sich f├╝rchterlich dar├╝ber auf, dass es Fr├╝hst├╝ck erst halb zwei geben sollte, da h├Ątte sie ja nur eine halbe Stunde Zeit, die reiche ihr gerade aus, sich das Besteck zusammenzusuchen. Der Koch kam, grinste, zuckte mit den Schultern, ging wieder nach hinten, kam durch die K├╝che nach vorne in den Speisesaal und zog den Stuhl unter den T├╝rgriffen weg. Der Weg war frei. Es gab: Ein ┬ágro├čes Blech mit s├╝├čen Teilchen, einen gro├čen Korb mit Baguettes, vier Salatsch├╝sseln mit Marmelade, abgepackte Butter und Kaffee aus vier Automaten. Eigentlich ausreichend, so mitten in der Nacht, zumal es sp├Ąter im Flugzeug ebenfalls etwas geben w├╝rde und niemand der Anwesenden so aussah, als sei er kurz vorm Verhungern, ganz im Gegenteil. Nochmal zur Erinnerung: Es war kurz nach eins, mitten in der Nacht, eine Zeit also, die von den meisten verschlafen wird. Ich meine, es wird kaum jemand um die Uhrzeit wach, nur weil er Hunger hat.

Nichtsdestotrotz st├╝rmten die Menschen den Raum, als h├Ątten sie seit Wochen nichts mehr gegessen, belagerten die Kaffeeautomaten, zogen die Tassen zu fr├╝h weg, bzw. lie├čen die Milch vom Cappuccino einfach nach unten und bis auf den Boden laufen: „So viel wollte ich nicht“. Hey, daneben stand eine Kanne mit Milch, da h├Ątte sich jeder nach Belieben den Kaffee mit Milch auff├╝llen k├Ânnen, aber nein. Jeder schnitt sich wenigstens ein halbes Baguette auf: „F├╝r unterwegs“, jaklar. Die Marmelade wurde mit Gabeln auf Untertassen gel├Âffelt, die Kuchenst├╝cke auf Tellern gestapelt. Einer nahm das rohe Gem├╝se, das als Deko herumlag, packte die dicken M├Âhren ein, den Kohlkopf ebenso. Wollte er sich im Flugzeug eine Kohlsuppe kochen?

Nach dem Fr├╝hst├╝ck ging das Drama vor dem Hotel weiter: Inzwischen standen die vier gro├čen Reisebusse bereit, in denen die Urlauber zum Flughafen gebracht werden sollten. Es waren die immergleichen, die bereits innen sa├čen, w├Ąhrend alle anderen noch schauten. Ein Mann hatte eine Sitzreihe mit Tasche reserviert, seine Frau wusste das nicht, sah die Tasche nicht, suchte ihren Mann, rannte hin und her, als er irgendwann in den Bus kam, sa├č sie l├Ąngst in einem anderen. Also fuhren sie getrennt voneinander und hofften, dass sie ihre Koffer wiederfinden w├╝rden. Die kurze Fahrt zum Flughafen war recht unspektakul├Ąr, schlie├člich schlief alles und niemand war unterwegs. Nur ein Auto schlingerte vor dem Bus von einer Stra├čenseite zur anderen. Der hatte sicherlich keinen Alkohol getrunken, hier in Marrakesch, das gibt es hier bestimmt nicht.

Kaum angekommen, flitzten die ersten so schnell in den Flughafen hinein, dass die Zigarettenpackung im wahrsten Sinne des Wortes auf der Strecke blieb. Ein bisschen Schwund ist bei der Geschwindigkeit bestimmt einkalkuliert. Noch war alles dunkel, doch die Schlange formierte sich brav. Immerhin waren es ja nur dreieinhalb Stunden bis zum Abflug, da will jeder der erste sein. Es k├Ânnte ja sein, dass einer zur├╝ckbleiben muss, wenn er nicht rechtzeitig und ausgiebig wartet. So ging das an allen Stationen weiter. Als sich der Mitreisende vom Stuhl erhob, nur um seine Jacke anzuziehen, setzte sich eine Frau drauf: „Hab gar nicht gesehen, dass hier schon besetzt ist“.

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Marrakesch von oben.

Da es noch dunkel war, als der Flieger endlich startete, ja, es hatten alle Platz gefunden, ja, sogar die letzten hatten einen Sitzplatz bekommen und mussten nicht stehen, war von der Umgebung nicht so viel zu sehen, nur ein bisschen von der Stra├čenbeleuchtung.

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Sonnenaufgang ├╝ber den Wolken.

Sp├Ąter ging die Sonne am Horizont auf. Allerdings war die Wolkendecke unter uns ziemlich dicht, da gab es nichts zu sehen. Also habe ich die Augen f├╝r ein Weilchen zugeklappt und ansonsten ein bisschen gelesen, da verging die Zeit wie im Flug.

Der Flugkapit├Ąn meldete sich kurz vor der Landung auf dem Stuttgarter Flughafen, verk├╝ndete gutes Wetter und nur wenige Minusgrade. Das Flugzeug rollte noch, als die ersten aufstanden, ihre Taschen von oben herabkramten, sich in den Gang stellten und, ja, warteten. Bis die T├╝r ge├Âffnet wurde. Dann flitzten sie zum Bus, warteten wieder, bis dieser abfuhr und warteten am Gep├Ąckband. Warum, um Himmelhergottswillen, diese Eile? Gibt es etwas zu verpassen? Am Gep├Ąckband begann der Kampf um die Koffer, ich hielt mich zur├╝ck, setzte mich mit Rucksack und Tasche weit entfernt, w├Ąhrend der Mitreisende unsere beiden Koffer einfing. Meiner war nass, allerdings nur von au├čen. Da mag wohl jemandem etwas ausgelaufen sein…

Der Abholdienst, mit dem wir zur├╝ck zu unserem Auto gebracht wurden, hat gut funktioniert, auch wenn wir zun├Ąchst auf der falschen Etage gewartet hatten. Gep├Ąck in den Kofferraum, der Mitreisende setzte sich ans Steuer, ich nahm auf dem Beifahrersitz Platz. Dort l├Ąsst sich n├Ąmlich viel sch├Âner tr├Ąumen als hinter dem Steuer.

Bevor wir endg├╝ltig zu Hause eintrafen, kauften wir noch ein bisschen ein, so nach zwei Wochen Abwesenheit ist der K├╝hlschrank eher leer, der Brotkasten auch. ├ťberhaupt: Endlich wieder frisches Sauerteigbrot. Echtes. Vom B├Ącker.

Dann das ├╝bliche: Der Mitbewohner sch├╝rte die ├ľfen an. Auch wenn der Freund der Lieblingshausziege so nett gewesen war und bereits am Morgen Feuer gemacht hatte: Die Butze war kalt. Das blieb sie auch noch eine Weile, aber hei├čer Tee hilft gegen kalte Finger und flinkes Aufr├Ąumen ebenfalls.

Sp├Ąter kam die Lieblingshausziege mit ihrem Schatz, bekam ihren Schal, wir a├čen eine Kleinigkeit und teilten uns die Flasche Wein, die ich als etwas versp├Ątetes Geburtstagsgeschenk von einem Verein auf der Treppe gefunden hatte. Die mitgebrachten Mandarinen mundeten, ebenfalls die Kekse, die wir f├╝r zehn Cent pro St├╝ck auf dem Markt gekauft hatten. Ob wir daf├╝r jemals ein Rezept finden, damit wir sie nachbacken k├Ânnen? Dann war es jedenfalls sp├Ąt genug und ich zu m├╝de, um den Beitrag noch zu schreiben. Deswegen kommt er erst heute.

Nachlesen kann man alle anderen Tagebuchblogger bei: Frau Brüllen. 

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