Was ist das Maß?

Viele reden von Nachhaltigkeit. Andere rechnen aus, an welchem Tag wir Menschen der Erde mehr entreißen, als sie jährlich liefern kann – und beschränkt sich dabei auf die biologische Kapazität.

Doch was ist das Maß? Wie groß ist mein Maß?

Was steht mir zu, wie viel darf ich brauchen, verbrauchen, und wann ist es genug, wann ist es zu viel? Ist ein Paar Schuhe im Jahr angemessen? Ist es zu viel? Muss ich sie drei Jahre tragen? Was ist, wenn sich die Sohle des einen Schuhs bereits nach drei Tagen löst?

Wie viel Kleidung steht mir zu? Soll nur das verteilt werden, was vorhanden ist und regeneriert werden kann, muss es in irgendeiner Weise reglementiert und zugeteilt werden: Ich bekomme dann Spritz für eine bestimmte Menge an Emissionen, fahre ich ein Auto, das nur wenig braucht, komme ich weiter als mit einem Spritfresser, einer Schrankwand auf Rädern.

Das gleiche gilt für Strom, der für drei helle Zimmer, einen Kuchen am Sonntag und wahlweise drei Stunden am Laptop reicht. Brauche ich mehr, muss ich mittels Photovoltaik selbst Strom erzeugen, kostenneutral, emissionsfrei, aber ich kann auch den Verbrauch reduzieren und nur das Zimmer beleuchten, in dem ich sitze.

Ist das Haus zu groß oder ungedämmt, reicht die Heizenergie nur für ein Zimmer aus oder so viele Quadratmeter, wie mir eben zustehen. Das erinnert mich an meine Oma: Während es in der Küche immer mollig warm war, wurde der Ofen im Wohnzimmer nur dann geschürt, wenn Gäste kamen.

So ließe sich alles berechnen, was ein Mensch so braucht.

Auch die tägliche Kalorienanzahl ist bekannt, immerhin könnte ich wählen, ob ich lieber dreimal Salat oder ein Nutellabrötchen hätte.

Dann ließe sich das mehr-haben-wollen nicht mehr durch mehr Geld erreichen. Ich bräuchte nur noch so viel zu arbeiten, bis ich mir das kaufen kann, was mir zusteht. Vielleicht muss ich dann beim Kauf von neuen Schuhen die getragenen Schuhe vorweisen, zeigen, dass sie nicht mehr reparabel sind oder ich gebe sie ab, damit sie weiter getragen werden, nur nicht mehr von mir.

Es lässt sich sicher auch berechnen, wie viel Klopapier, Duschgel und Zahnpasta ein Mensch braucht, selbst dann, wenn er es großzügig verwendet. Die Daten sind in den Kassensystemen der Supermärkte und im Internet längst vorhanden. Geht etwas zur Neige, wird automatisch nachgeliefert.

Algorithmengesteuerte Planwirtschaft. Bargeld ist bis dahin ohnehin überflüssig.

Bleibt nur: Was mache ich mit der freien Zeit? Der Zeit, in der ich bisher arbeiten muss, um das zu finanzieren, was mir jetzt nicht mehr zusteht?

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