Webmasterfriday: Neue Leser braucht der Blog

Ein etwas boshafter Spruch lautet, dass ein Journalist schreibt, damit er von den anderen Journalisten gelesen werden kann. Manchmal scheint es mir, als sei es in der BlogosphÀre nicht anders: Ich blogge und lese andere Blogs und andere Blogger lesen meinen Blog. So fing es bei mir ja auch an: Ich las andere Blogs, und dachte mir irgendwann, dass ich auch meinen Senf gelegentlich an andere Dinge streichen und von dem erzÀhlen will, was ich erlebe.

unfug 128

Leser, die auch kommentieren sind fĂŒr Blogger das SahnehĂ€ubchen

Öffentlich. ZunĂ€chst hat sich das etwa so angefĂŒhlt, wie bei den Artikeln, die ich fĂŒr die Zeitung schrieb: Ich schrieb etwas und veröffentlichte es im Blog. Wer es dann liest, kann ich genauso wenig sehen, wie bei der Zeitung. Ähnlich wie der Leserbrief ist der Kommentar im Blog: Die meiste Resonanz gibt es, wenn ich ĂŒber ein Thema schreibe, das viele interessiert und wo es etwas Witziges zu gucken gibt, wie bei meiner Wasserkatz. Das ist das Schöne am Blog, so wie die Schokolade nach dem Salat: Ich kann machen, was ich möchte, gebe mir redlich MĂŒhe und freue mich, wenn jemand liest. Ein Kommentar ist dann das SahnehĂ€ubchen auf dem sĂŒĂŸen Teilchen.

Statistiken. Die sagen mir, wie viele Besucher jeden Tag sich im Blog tummeln. Aber ob es stimmt? Ich weiß, dass manche Besucher ĂŒber eher skurrile Suchanfragen kommen. Die dĂŒrften schneller wieder weg sein, als eine Katze von der heißen Herdplatte.

Lesen. Ich lese eine ganze Menge anderer Blogs, mal mehr und mal weniger regelmĂ€ĂŸig. Das kommt immer darauf an, wie viel Zeit ich habe – und ob mich das Thema anspricht. Wenn mir dazu etwas einfĂ€llt, was ĂŒber ein „Boah, gefĂ€llt mir!“ hinausgeht, etwas, das einen Gedanken darin weiterspinnt oder einen Widerspruch herausfordert, dann kommentiere ich gerne. Das ist aber auch abhĂ€ngig von der Zeit, die ich habe. Über diese Kommentare kommen wiederum Leser auf meinen Blog. Welche Leser ĂŒberhaupt regelmĂ€ĂŸig bei mir lesen, das weiß ich nicht. Wie gesagt: Auch wenn ich andere Blogs abonniert habe, lese ich sie nicht immer. Wenn ich also von meinen eigenen Lesegewohnheiten auf andere schließe, dann heißt das: Gelegentlich wird mein Blog gelesen. Das ist doch schon etwas.

Zeit. Ein Tag hat vierundzwanzig Stunden – wenn das nicht reicht, ist ja noch die Nacht da. Irgendwie ist aber immer zu wenig Zeit, um alles ausgiebig zu lesen, zu kommentieren, zu wĂŒrdigen. Das kann immer nur punktuell sein. Immerhin schaffe ich es, seit ich bei den Ironbloggern Franken bin, jede Woche wenigstens einen Blogpost zu schreiben. Da dieser Blog mein privater Blog ist, ich damit kein Geld verdiene, werde ich auch weiterhin das machen, was ich möchte. WĂŒrde ich jetzt auf mehr Leser spitzen, dĂŒrfte ich wahrscheinlich nur noch Bilder von meiner nassen Katze zeigen.

franken 543

Mit Speck fÀngt man MÀuse, und mit Katzenfotos Leser.

Vertrautheit. Lese ich andere Blogs, lerne ich darĂŒber den jeweiligen Verfasser oder die Verfasserin kennen. Je lĂ€nger ich lese, desto vertrauter scheint mir der/ die andere, ohne dass wir uns jemals in der Wirklichkeit begegnet sind. Und im Lauf der Zeit werden auch meine Kommentare persönlicher. Dabei gibt es immer noch eine Hemmschwelle: Gerade bei den bekannten Blogs in denen viele Menschen kommentieren denke ich manchmal: Da muss ich jetzt nicht auch noch… (Zumal viele der Kommentare oft nur ein „wie toll“ in Variationen bieten)

Blogparaden. Ich finde Blogparaden wie den Webmasterfriday wunderbar. Wenn ich etwas zum Thema sagen kann. Einfach so daran teilnehmen, nur um wie ein HĂŒndchen auch an diesen (Themen) Baum zu pinkeln, dazu habe ich zu wenig Zeit. Schließlich habe ich neben diesem virtuellen Leben auch ein reales Leben, und das heißt: Jetzt ist es kurz vor Mittag, ich muss den Salat aus der Abokiste verbasteln und mich duschen, denn heute hat die Lieblingshausziege ihren Tanzstundenabschlussball.

12 Gedanken zu „Webmasterfriday: Neue Leser braucht der Blog

  1. Ein paar Tatsachen, die auch mich beschĂ€ftigen, auf den Punkt gebracht – und das kurz vorm Hausziegenabiball- wow!
    Gepflegte, ausgiebige Kommentare sind Sehnsuchtsware 🙂
    Es gibt Blogs, da wuseln hunderte Damen um einen vermeintlichen KĂŒnstler, och ne.
    So ein Hahn-im-Korb-Ding möchte ich nicht auch noch begackern.
    Und wir sind uns schon mal beim Jahresendschreibkurs von Claudia begegnet?
    Jedenfalls lese ich nun hier mit.

    • Hallo Sonja,
      schön, dass Du mitliest. Ich habe tatsĂ€chlich mal an einem Jahresendschreibkurs bei Claudia mitgemacht, vielmehr, ich wollte es. Leider haben mich ausgerechnet in diesem Jahr gleich zwei Redaktionen so durch die Gegend gescheucht, dass ich kaum zum Schreiben (dafĂŒr) kam. Ein weiteres Mal habe ich es dann lieber nicht gewagt.

  2. Hi,
    interessanter Artikel, den ich gerade per Mail bekommen habe. Wenn ich per Mail abonniere, besteht eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass ich zum Lesen komme, als wenn ich via RSS-Feed abonniere. Nun bin ich hier und kommentiere :).

    Ja, es ist nicht einfach, an neue vor allem wirklich neue Blogleser zu gelangen. Ich versuche es immer wieder ĂŒber Social Media KanĂ€le, wo ich meine neuen Artikel stets verbreite.

    Dann kann man noch in den Foren in Kontakt treten und hier und da mal das eigene Blog bewerben. Da wird man vll. ein paar Besucher abgreifen können und vll. können dadurch auch mal Stammleser werden.

    Ansonsten ja, das Übliche halt, schreiben, lesen und woanders kommentieren. Viel mehr kann man nicht machen und Recht hast du, dass der Tag auch nur 24 Stunden hat und man sich auch noch um das RealLife kĂŒmmern muss und auch sollte. Das Internet liegt auch bei mir an Platz 2 :).

    Bei diesem WebmasterFriday mache ich doch auch glatt mit und verlinke die Teilnehmer!

    • Hi Alex,
      Danke fĂŒr den Kommentar und den Link. Manchmal denke ich, es ist ein bisschen so, wie bei einer Fete. Da können zwar fĂŒrchterlich viele GĂ€ste sein (aka Leser auf dem Blog), aber zu einem wirklichen Kontakt komme ich nur mit wenigen. Vielleicht ist das Ă€hnlich. Wobei ich den Unterschied sehe, den es zu meinem Blog und beispielsweise einem gibt, mit dem der Betreiber Geld verdienen möchte. Da kommt es weniger auf den Austausch, denn auf die Menge der Besucher an. Allerdings vertreibt mich ein Wechsel von privat auf kommerziell (und somit nicht mehr Plaudereien aus dem NĂ€hkĂ€stchen, sondern informative BeitrĂ€ge fĂŒr alle) als interessierten Leser sehr schnell.

  3. Hi,
    mir ist es gleich, ob nun jemand mit dem Blog etwas einnehmen will oder nicht. Die Werbung auf dem Blog interessiert mich auch wenig, wobei mich nur die Themen interessieren.

    Wenn ich Blogs ĂŒber Blogging, OpenSource, internet-affine Themen und SocialMedia treffe, dann besteht eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, dass ich zum Leser werde.

    Ja, klar, das ist manchmal so. Man hat auf dem Blog so und so viele Besucher und kommuniziert mit nur einigen. Der Rest sind Besucher und manche dĂŒrften aber auch stille Leser sein. Diese Ziffer hat mich mal interessiert, aber man findet es ja nicht heraus, ausser einer Umfrage. Aber auch da melden sich die stillen Leser nicht.

    Schöne jedenfalls, dass man diese stillen Leser manchmal hat.

  4. Pingback: Bloggst du auch nur, um neue Leser zu gewinnen? â€ș Netzexil.de

  5. Hallo, schöner Artikel. Ich finds schön, wenn man gedanklich vertrauter wird mit dem ein oder andren Blogger Gut, das wird nicht jeden Tag vorkommen, aber immerhin. Es ist interessant zu lesen, wie der Mensch da so tickt. Ich hinterlasse auch gerne SahnehĂ€ubchen, aber der Tag ist endlich. Das hast ja auch schon fest gestellt. Und die meisten haben ja Gott sei Dank auch ein Leben außerhalb des Blogs. Ist auch gut so. Wie soll man sonst auch an die „spannenden“ Erlebnisse kommen, die man dann irgendwann verbloggt.
    HG Hans

    • Hallo Hans, das mit dem „Vertraut-werden“ funktioniert vor allen Dingen mit den Bloggern, die von sich erzĂ€hlen. 😉 Und deswegen ist es wie im richtigen Leben: Dort kann ich auch nur mit einer ĂŒberschaubaren Anzahl an Menschen schwĂ€tzen und mich unterhalten. FĂŒr alles brauche ich Zeit. 🙂

  6. Ich habe auch schon ĂŒberlegt, ob ich was zum Thema schreibe, aber ich kann dazu nicht wirklich etwas sagen. Es kommt wohl immer auf die Inhalte des Blogs an, ob man Leser hat oder nicht. Da ich schreibe, was mir gerade so in den Sinn kommt und ich meist nicht auf Tagesaktuelle Dinge eingehe, besuchen meinen Blog auch nicht so viele Menschen. Außerdem kommt es ja auch auf den Schreibstill (letzte Woche 😉 ) an, ob Menschen nun lesen oder nicht. Ich habe meinen Schreibstil, ob der den Leuten gefĂ€llt weiß ich nicht, kommt auch ziemlich selten Feedback dazu.

    Somit glaube ich, dass es mehr Zufall ist, wenn mein Blog neue Leser bekommt, ich wĂŒsste auch nicht, wie ich das wirklich beeinflussen sollte.

    • Viele Leser kommen, wenn ich in anderen Blogs mehr als ein „Oh, wie schön“ kommentiere. Und ich stelle inzwischen fest, dass ich gerne bei anderen in der Blogroll stöbern gehe. Somit wird eine Blogroll bei mir demnĂ€chst auch erscheinen, sobald ich kapiert habe, wie ich das machen muss und Zeit dazu habe.

  7. Pingback: Bloggst du auch nur, um neue Leser zu gewinnen? » 2bier.de

  8. Pingback: Bloggst du auch nur, um neue Leser zu gewinnen? | ERFTNETZ

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.