Wie erfreue ich meine Leser?

fragt Martin vom Webmasterfriday.

Es macht Spa├č

Ich schreibe meinen Blog, einfach, weil es mir Spa├č macht. Ich schreibe ├╝ber Dinge, die mich bewegen, die ich beobachte und an denen ich andere Menschen teilhaben lassen kann. Wenn es vergn├╝glich zu lesen ist, dann erfreut es hoffentlich auch die Leser. Oder, um es einfach zu sagen: „Drum, wer uns langweilt oder ledert, verdient, dass man ihn teert und federt!“

Ich m├Âchte etwas erz├Ąhlen

Es ist wie im richtigen Leben: Es gibt immer etwas zu erz├Ąhlen. Und neu ist es auch immer. So, wie in jeder Frauenzeitung auch – ├ťberraschung – wieder f├╝rchterlich neue Erkenntnisse ├╝ber wundersam wirkende Di├Ąten stehen. Noch nie dagewesen, versteht sich. Neudeutsch hei├čt das, was jetzt irgendwo drin steht, ja auch nicht mehr Inhalt, sondern Content und dieser soll, ja muss sogar – superkategorischer Imparativ – unbedingt einen Mehrwert bieten. Da ich nicht wei├č, welches Vorwissen mein Leser hat, muss ich also versuchen, dass ich alles ordentlich erkl├Ąre. Kann sein, dass ich den einen langweile, der kennt eben schon alles, was auf Gottes weiter Welt sich abspielt, w├Ąhrend der andere mit offenem Mund sitzt und staunt. So what.

Ist das Content?

Nochmal zur├╝ck zum Content. Irgendwie klingt f├╝r mich ja das Wort: Container mit, ein Beh├Ąlter, der mit irgendwas gef├╝llt, dann durch die Gegend reisen soll. Mit einem Inhalt. Auf einer Webseite sollen also Inhalte zu finden sein. Das versteht sich eigentlich von selbst. Gibt es weder Interessantes, noch Informatives, kommen keine Leser, logisch. Das ist bei einer Zeitung, einer Zeitschrift oder einem Buch nichts anderes. Interessiert sich niemand f├╝r das, was drinsteht, wird sie nicht gekauft, sondern zur├╝ckgeschickt, eingestampft und zu D├Ąmmstoff verarbeitet. Oder so. Nur, warum muss f├╝r einen ganz normalen Inhalt, einen Artikel wieder ein neues Wort, Content, verwendet werden?

Nix Content, Schleichwerbung. Ha!

Das ist wie in den Kundenzeitschriften, die es in Apotheke, Reformhaus oder beim Edeka gibt: Da steht zwar Kram drin, der manchmal sogar richtig interessant ist, da werden Studien zitiert und informiert, aber schlussendlich ist es Werbung. Ich soll das lesen, das gut finden und die entsprechenden Produkte kaufen. Wer also Content ver├Âffentlicht, verschweigt dabei, dass er Reklame macht, f├╝r was auch immer. Immerhin steht ja am Content nicht dran: Lieber Leser, ich informiere dich zwar, aber eigentlich will ich, dass Du meine Neuigkeiten mitbekommst, mich f├╝r den Besten h├Ąltst und meinen Kram kaufst. Schleichwerbung nennt sich das. Nun ist das zwar nur ein Blog, in dem ich beispielsweise dar├╝ber informiert werden soll, wie Marketing funktioniert und das ultrahippe neue E-Book ├╝bers Marketing kaufen soll, aber dennoch.

Was ist der Mehrwert?

Ach, und Mehrwert soll der Content auch noch bieten: Da erschlie├čt sich mir der Sinn noch nicht ganz: Nach Marx ist der Mensch der einzige, der mit seiner Arbeitskraft einen Mehrwert schafft. Das kann schon mal nicht gemeint sein. Dann gibt es noch den Mehrwert, der per Mehrwertsteuer dann wieder versteuert werden muss. Und es gibt eine Mehrwertstrategie, mit der Kunden an das Unternehmen gebunden werden sollen. Damit soll der Kunde nicht mehr so auf den Preis, sondern vor allen Dingen auf die vielen kleinen Vergn├╝glichkeiten und Nettigkeiten achten, die er noch so nebenbei abkriegt. Wer die Kaffeemaschine kauft, kriegt als Mehrwert sozusagen noch die Sofadecke dazu, ob er sie nun braucht oder nicht. Dann scheint die Kaffeemaschine auch nicht mehr so teuer, es gab ja schlie├člich etwas gratis.

Hier gibt es nichts. Basta.

Hier im Blog gibt es jedenfalls weder etwas zu kaufen, noch etwas zu klicken oder zu gewinnen. Wer mag, kann einen Kommentar hinterlassen – oder auch nicht.

4 Gedanken zu „Wie erfreue ich meine Leser?

  1. Hallo Jaelle,

    das ist ja mal eine interessante Sicht der Dinge!

    „Nix Content, Schleichwerbung. Ha!“

    Ziemlich daneben, findest Du nicht? Der Content bzw. Inhalt eines Blogs ist wohl eher selten als solche zu bezeichnen, m├Âglich ist das nat├╝rlich schon. Wenn Du aber Artikel mit Links zu anderen Artikeln wie z. B. auf meinem Blog als Schleichwerbung betrachtest, dann hast Du irgendwie den Sinn und Zweck eines Blogs nicht verstanden und solltest deinen am Besten ganz einfach dicht machen. Genau durch solche Vernetzung leben Blogs und genau durch diese Vernetzung (Webmaster Friday) bin ich ja auch auf Deinen Artikel hier gekommen!

    Denke doch bitte vor dem Schreiben nach, was Du denn da von dir gibst, in diesem Zustand kann man das ja nicht einmal als Satire oder Ironie betrachten. Zur Beruhigung m├Âchte ich dir aber sagen, da├č dieser Beitrag von dir nun auch an meine Follower bei Twitter und … naja … „Freunde“ bei Facebook weiter gegeben wurde!

    Gr├╝├če aus TmoWizard’s Castle zu Augsburg

    Mike, TmoWizard

  2. Hallo Mike,
    meine Wahrnehmung ist tats├Ąchlich so: Spricht jemand von „Text“ oder „Inhalt“ als „Content“ und besonders noch in der Form „unique Content“, ist in irgendeiner Form eine Art von Schleichwerbung drin, weil diese eben nicht als Werbung gekennzeichnet ist. Ich will jetzt nicht behaupten, dass alles k├Ąufliche Lobhudelei ist, einiges aber leider schon.
    Links dagegen meinte ich nicht.
    Viele Gr├╝├če
    Jaelle

  3. Seit ich blogge und das sind 10 Jahre habe ich auch noch nie f├╝r irgendwas geworben – jedenfalls nicht bewusst. Alle Angebote f├╝r bezahlte Schreiberei oder so habe ich bisher stets abgelehnt.

    Trotzdem rutscht mir der Begriff Content schon mal raus. Wohl deshalb, weil andere Blogger und solche, die keine Blogger sind, ihre Bloginhalte halt so nennen ­čÖé Ich schimpfe gern ├╝ber Politik und Medien – eigentlich ├╝ber alles. Stoff hat man damit eigentlich genug. Leider will das aber kaum noch einer lesen. So ist es halt.

  4. Ich zitiere einfach mal: „Die Zeitung (hat) jetzt den Charakter einer Unternehmung, welche Anzeigenraum als Ware produziert, die nur durch den redaktionellen Raum absetzbar wird.“ Karl B├╝cher, zitiert nach Claudia Mast: Journalismus im Internet-Zeitalter. Und deswegen stolpere ich eben ein bissi, sobald ein Wort wie Content auftaucht.

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