Zurück in den Alltag #1

Lange Zeit fanden keine Termine statt, weder Gemeinderatssitzungen noch andere. Der letzte seiner Art war am 12. März, da war ich erst noch in Nürnberg, dann in Erlangen unterwegs. Als der Zeitungsbericht einige Tage später erschien, war es wie ein Erinnern an eine Vergangenheit, eine Zeit, die auf unbestimmte Weise erst einmal verloren schien:  Rosmarin und der blaue Himmel.

Weiter geht es. Der Gingko streckt auch schon die Blätter nach außen.

Gestern war dann der erste Marktgemeinderat. Da der Sitzungssaal des Rathauses für den gebotenen Abstand zu klein war, tagten die Räte in der großen Veranstaltungshalle. Jeder saß einzeln an seinem Tisch, immer mit dem nötigen Sicherheitsabstand zum nächsten. Es wirkte ein bisschen wie in einer Prüfung, doch da müssen die Prüflinge so weit auseinander sitzen, damit sie nicht abschreiben können. Der Bürgermeister saß vorne, führte dort den Vorsitz mit seinen Stellvertretern, auch diese mit gehörigem Abstand voneinander entfernt. Die Grüße wurden – wie es der Vorschrift entsprach – über Entfernungen hinweg ausgetauscht und an den sonst geführten kleinen Unterhaltungen kann jeder teilnehmen. Sie sind auch sonst nicht geheim, jeder kann sie hören, aber es ist schon ein Unterschied, ob zwei Menschen dicht beieinander stehen und sich leise miteinander unterhalten oder ob sie auf zwei Meter Mindestabstand achten und daher etwas lauter reden müssen. Die Intimität geht dabei verloren, das Augenzwinkern vielleicht auch, ich werde es sehen.

Zu runden Geburtstagen werden normalerweise die Jubilare im Gemeinderat geehrt, es werden die Hände geschüttelt und ein Präsent überreicht. Das Händeschütteln fiel aus, dafür gab es allerdings Applaus von allen und als eine Gemeinderätin ein Geburtstagslied anstimmte, sangen alle anderen auch mit. Das Präsent schob der Bürgermeister vorsichtig zu dem jeweiligen Geburtstagskind, der Abstand, versteht sich.

„Hoffentlich geht diese Sache schnell vorbei, wenn nicht, müssen wir uns gedulden“, konstatierte der Bürgermeister, der erst vor kurzem wieder gewählt worden war.

Ich werde sehen, wie es weiter geht.

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