Rites de passage – wer loslässt, hat die Hände frei

Ich bin alleine, zunächst erst einmal, bis ich nach Nordhessen fahre. Da die Katze nur auf dem Sessel döst und nichts von mir will, nutze ich die plötzlich vorhandene Energie und räume ein Regal aus, wische Staub und sortiere nur das wieder hinein, was bleiben darf. Alles andere kann weg. Selbst bei den Büchern überlege ich, bei einigen wenigstens, stelle sie aber trotzdem zunächst zurück. Vielleicht sortiere ich später weiter. Im Papiermüll landen: Zwei Ordner mit Zeitungsartikeln, ich hatte sie zunächst aufgehoben, um die Abrechnungen zu prüfen, später, naja, vielleicht brauche ich ja mal Arbeitsproben. Jetzt sind sie weg.

Zwei Fotoalben. Ja, voll mit Fotos. Und nein, ich will sie nicht mehr. Da sie nicht in den Papiermüll gehören, war die Restmülltonne genau richtig.

Jeweils ein Stapel „Federwelt“ und ein Stapel „TextArt“ liegen noch im Flur. Wenn sie niemand mag, kommen sie noch in die Papiertonne.

Zwei Erinnerungsstücke, Geschenke meiner Eltern, noch aus der Jugend. Wie fast alle Geschenke von ihnen sind diese im Prinzip zu nichts nütze. Also weg damit.

Die Nähzeitschriften habe ich der Jüngsten hingelegt. Sie ist seit ein paar Tagen fertig ausgebildete Schneiderin und kann selbst entscheiden, ob sie diese behalten mag oder wegwirft.

Dann habe ich noch alte Kalender entsorgt, solche, wo jede Woche ein schönes Foto mit sinnvollem Spruch, und, was soll ich sagen? Ich erinnere mich an kein einziges Blatt. Ich denke, da kann ich mir den Kalender für das kommende Jahr auch sparen.

Wer loslässt, hat die Hände frei.

Es ist ein ganzes Sammelsurium, das sich so im Verlauf vieler Jahre so ansammelt. Was bleibt, wenn nichts mehr zählt? Was ist wichtig, was darf bleiben, was wird tatsächlich gebraucht und was ist einfach schön, aber unnütz? Welche Dinge dürfen kommen und bleiben, gerade von denen, die nicht notwendig sind, sondern einfach nur nice Scheiß?

Ich will keine Kisten mehr, keine Schubladen, in denen ich den Krempel in die Finsternis wegsperren kann. Dort vermehrt er sich, wie es scheint, kommt langsam aus den dunklen Ecken gekrochen, robbt sich auf den Küchentisch, erobert von dort Sessel und Regal, bis ich ihn fange und zurück in die Kiste schubse. Oder ich wähle gleich den Mülleimer, ohne temporären Schubladenumweg.

Weg damit.

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