Über Jaelle Katz

Ich? Über mich?

Drei Bücher, kurz vorgestellt

Justamente zu dem Zeitpunkt, zu dem ich ein Buch über die Geschichte der Menschheit lese, fallen mir drei weitere Bücher ein, die ich bereits gelesen habe, die mir wichtig sind und thematisch irgendwie auch dazu gehören:
Wolfgang Ullrich: „Haben wollen“
Haynes: „Scheidung ohne Verlierer“
Viktor Klemperer: „LTI“
Wie sich das Leben wandelt, so ändern sich die Vorlieben für Bücher. Im Alter von 18 Jahren las ich alles, was mir zwischen die Finger und vor die Nase kam und war gewissermaßen ständig zwischen zwei Buchdeckeln zu Hause. Ich vergaß manchmal vor lauter Lesen alles um mich herum, schließlich gab so unglaublich viele interessante Bücher, dass ich befürchtete, ich würde bis zu meinem Lebensende nicht alle lesen können.
Irgendwann erkannte ich, dass ich doch nicht jedes Buch lesen muss, erst recht nicht, wenn ich es langweilig finde. Mag sein, dass mir dabei einige Bücher entgehen, die sogar zur Weltliteratur zählen, doch das ist mir inzwischen egal. Es gibt immer noch genug, was sich zu lesen lohnt.

Die versunkene Leserin sitzt irgendwo in Sevilla herum…

Haben wollen“ von Wolfgang Ullrich ist so ein Buch. Erschienen ist das Buch 2006, es ist noch keine zehn Jahre alt.
Es ist bewegend, es ist intensiv und es hat mich sehr nachdenklich gemacht. Ich hatte zwar schon immer den Verdacht, dass alle Werbung mich nur dazu verführen will, dass ich mir Dinge kaufe, die ich eigentlich und bei Licht betrachtet überhaupt nicht brauche, doch über die subtilen Mechanismen war ich mir nicht ganz klar.
Ullrich sucht den Grund für den Konsumwahn, warum wir bereit sind, Geld für Dinge auszugeben, die keinerlei Substanz besitzen. Dinge, die einfach nur unsere Stimmung ansprechen, gekauft werden und im Prinzip fast sofort wieder vergessen sind.
K…auft
O…hne
N…achzudenken
S…chnell
U…nseren
M…ist
So haben wir als Jugendliche Konsum definiert, ganz so, wie eben Mazda als: Mein Auto zerstört deutsche Arbeitsplätze, oder Opel: Ohne Power ewig Letzter.
Ullrich nähert sich in vier Schritten einem Phänomen, welches für moderne Menschen bestimmend ist, die sich nicht über Kultur oder Bildung definieren, sondern über ihren Konsum. Die Entwicklung der Konsumkultur erfolgte schrittweise, bis aus dem Menschen, der sich ein Ding kauft, weil er es einfach braucht, ein Mensch wurde, der sich ein Ding kauft, damit er sich besser fühlt. So gestalten die Firmen das Design ihrer Produkte immer mehr als Projektionsfläche. Schön fand ich das Beispiel mit den Hausgeräten wie Staubsauger und Mixer, die im Lauf der Zeit immer rundlichere Formen bekamen, bis sie immer mehr einem niedlichen, doch muskelbepackten Haustier ähneln. Inzwischen könnte man wahrscheinlich aufgrund der Produktwahl jedem Menschen an der Kasse auf dem Bon neben dem zu zahlenden Preis und der Mehrwertsteuer ein Psychogramm drucken, welches seine Vorlieben und geheimen Wünsche enthält, die er mit eben diesem Produkt befriedigt.
Der Text ist verständlich geschrieben, so dass ihn jeder lesen kann, auch wenn er sonst keine Ahnung von Werbung und Marketing hat. Für mich war es ein Buch, das mich bis heute darüber nachdenken lässt, ob ich etwas wirklich brauche – oder ob das, was ich gerade dringend haben möchte, nur ein Ersatz ist, ein Ersatz für etwas, das ich sowieso nie kaufen kann.
Scheidung ohne Verlierer“ von Haynes und anderen Autoren ist ein weiteres Buch, das mich bewegt hat und welches ich unglaublich wichtig finde. Während bereits die Kommunikation zwischen Männern und Frauen ein weites Minenfeld sein kann, wird sie im Fall einer Scheidung oft zu einer zerstörerischen Angelegenheit, die sich in ihren psychischen Auswirkungen mit einer Atombombe vergleichen lässt: Hinterher ist nichts mehr heil. Doch es geht auch anders. Weniger zerstörerisch für sich selbst, damit auch weniger zerstörerisch für den ehemaligen Partner. Das Zauberwort ist Mediation. Ich habe das Buch im Rahmen meiner eigenen Ausbildung zur Mediatorin kennen gelernt, und war von Anfang an begeistert. Konflikte bei einer Trennung oder einer Scheidung lassen sich besser und für alle Seiten verträglicher und selbstverständlich auch kostengünstiger regeln, als das bei einem Kampf der Anwälte vor Gericht der Fall ist. Mit Hilfe der Mediation such das (ehemalige) Paar selbst nach einer Lösung, einer Lösung, die gleichermaßen fair für beide Seiten ist. Und fair für die Kinder.
LTI“ von Viktor Klemperer. LTI heißt einfach: Lingua Tertii Imperii, die Sprache des Dritten Reiches. In seinem Tagebuch notierte Klemperer, der dank des Berufsverbotes der Nazis viel Zeit hatte, sprachkritische Notizen. In seinen Tagebüchern, die ebenfalls in meinem Bücherregal stehen, notierte der Romanist: „Auch die Studie über die Sprache des Dritten Reiches bewegt mich immer mehr. Literarisch auszubauen, etwa ,Mein Kampf‘ lesen, wo dann die (teilweise) Herkunft aus der Kriegssprache deutlich werden muss.“ Sieben Jahre später, am 8. Juli 1941, schrieb er dazu: „Die Sprache des Dritten Reiches ist immer um mich und lässt mich keinen Augenblick los. Bei der Zeitungslektüre beim Essen, auf der Tram, mit ihr lebe ich, für sie sammle und registriere ich absichtslos.“ Denn die gesprochene Sprache verrät den Sprecher, sie macht neben den Vorurteilen auch den sorgsam versteckten Hass und die Gedankenlosigkeit offenbar. Und die Sprache des dritten Reiches, die Sprache der nationalsozialistischen Ideologie, wirkte und wirkt immer noch. Sie hat sich so tief in die deutsche Sprache eingeätzt, dass sie dauerhaft geworden ist. Beispiele dafür gibt es viele: „Hundertprozentig“ ist eines dieser Worte, „organisieren“ ein anderes. Wer sich mit Sprache und deren tiefen Bedeutungen auseinandersetzt, kommt eigentlich um den Klemperer nicht herum. Es ist ein spannendes Buch, und es hat mich auf die Wirkung, die gesprochene Worte haben, aufmerksam gemacht. Gelesen habe ich „LTI“, da war ich vielleicht 18 Jahre alt. Doch ich lese immer wieder gerne darin.

Tagebuchbloggen am 5. Januar

Aufgewacht, als es gerade dämmerte. Zwar hatte der gestrige Wetterbericht was von Schnee und so weiter erzählt, aber im warmem Zimmer auf dem Sofa schien das alles noch weit weg. Doch heute morgen war die Welt weiß gepudert und der Winter auch bei uns angekommen. Kaffeewasser aufsetzen, Kaffeepulver in die Tassen löffeln, kochendes Wasser aufgießen – und schon war es Zeit, den Mitbewohner aus dem Bett zu pelzen.

Dann war ein bisschen kramen angesagt, Wäsche abnehmen, aufhängen, Spülmaschine aus- und einräumen, Katzen füttern und so weiter.

Kurz nach zehn zog ich mich an, kramte das Auto unter dem Schnee vor und fuhr nach Erlangen. Dort hatte ich für elf Uhr eine Verabredung, wir schwätzten im Teehaus bei Kaffee und Tee gut vier Stunden über Gott, die Welt und variable Schubladen, bevor ich wieder zum geparkten Auto wollte, doch nicht am Buchladen vorbeikam. Auf Twitter hatte ich eine Buchempfehlung gelesen:

und tatsächlich stand das Buch im Buchladen, zappelte schon und wollte mit.

(Wie es ist? Ich bin jetzt auf Seite 110 und kann die obige Aussage nur bestätigen) Daher: Viel ist nicht mehr passiert. Der Mitbewohner hat was zu essen gemacht und sich beschwert, dass ich nebenher las, kaum war der Teller leer, habe ich mich zum Sofa begeben und dort weitergelesen. Und genau das werde ich jetzt auch tun…

Ja, das bin nicht ich, das ist die Katz, aber das soll ja auch nur ein Symbolbild fürs Sofa sein.

Was alle anderen Tagebuchblogger machen, ist bei (klick) Frau Brüllen nachzulesen. Die freundliche Nachbarin lädt schließlich an jedem fünften des Monats zum Tagebuchbloggen ein und fragt: Was machst du eigentlich den ganzen Tag, oder kurz: WmdedgT?

Alltag in der Küche

Früher war alles besser?

Nein, nicht ganz. Der Umzug vor sechs Jahren nach Franken hat gezeigt: Ich habe noch zu viel Zeug.

Die Küche ist immer noch sehr schön und die Schubladen darin auch. Suche ich etwas, brauche ich nicht mehr vor den Schränken zu knien, auch dann nicht, wenn sich das Gesuchte weit nach hinten verzogen hat. Trotzdem ist relativ wenig Platz, daher ist dort nichts verstaut, was ich nicht wirklich brauche. Das macht mein Leben bedeutend einfacher. In den Kisten und im Keller ist das geblieben, was ich noch nicht verschenkt oder anderswie weiter gegeben habe, an Menschen, die es brauchen können oder haben wollen. Ich will nicht mehr.

Ich erinnere mich daran, dass meine Oma einen Küchenschrank hatte. So einen von früher: Das Brotfach war in der Mitte, dort stand der Brotkasten drin. Oben drüber gab es zwei Schranktüren, in denen standen Tassen und Teller.  Rechts und links vom Brotkasten waren Glasschuber, für Mehl, Zucker und Salz. Unter der schmalen Arbeitsfläche waren Schubladen für Besteck, Brettchen, Siebe und Kleinkram weiter unten noch weitere Schranktüren, hinter denen Töpfe und Teller zu finden waren. Mehr Schrank war nicht, jedenfalls nicht in der Küche und darin war irgendwie alles untergebracht: Tassen, Gläser, Teller, Töpfe und Besteck. Die Vorräte waren in Speisekammer und Keller untergebracht.

So alte Küchen gibt es in vielen Freilichtmuseen zu sehen, aber ganz so war dann die Küche von Oma doch nicht.

Oma hat auf dem Herd gekocht und dafür Holzscheite in das kleine Feuerloch gestopft, bis Topf, Pfanne oder Waffeleisen heiß wurden. Im geöffneten Backofen ließen sich vom Schlittenfahren völlig durchgefrorene Füße wunderbar auftauen. Kuchen stand in der Speisekammer, dort hing auch die Wurst an Stangen von der Decke. Im Keller warteten die Einweckgläser, gefüllt mit matschigen Erdbeeren, süß-sauren Einlegegurken oder Knochen vom Schwein und warteten darauf, dass jemand sie brauchte. Die Einweckringe, die dafür sorgten, dass das Glas verschlossen blieb, hatten eine Gummilasche. Zogen wir an dieser, zischte es leise. Dann war das Glas auf und die Leckereien frei zugänglich.

Ein Loblied auf die Einfachheit. Ganz so einfach, wie ich es von der Oma in Erinnerung habe, kann ich das noch nicht. Aber ich bin mir nicht sicher, ob sie sich diese Einfachheit frei gewählt hat. Vielleicht wäre mit einem mehr an Möglichkeiten, sprich: Platz im Schrank und Geld für Dinge im Laden, auch in ihrer Küche mehr Zeug gewesen. Kann schon sein. Ich habe mich jedenfalls gegen eine Kaffeemaschine entschieden. Wir haben sie verschenkt, weil sie sich auf der Küchenarbeitsplatte einfach zu breit machen wollte. Kommen Gäste, nutzen wir eine Kaffeekanne, in der sich das Pulver nach dem Aufgießen einfach nach unten drücken lässt. Sind wir alleine, sozusagen unter uns, löffele ich das Kaffeepulver einfach in eine große Tasse, gieße das kochende Wasser drauf, warte kurz, rühre alles um. Die Kaffeekrümel sinken auf den Tassenboden, fertig. Das geht. Den letzte Schluck lasse ich dabei allerdings in der Tasse, durchbeißen will ich mich nicht.

Neulich war sie da, die Lust auf Quarkbällchen. Die hab ich früher einfach in einer Friteuse gebacken. Einfach ist gut, einfach ist dann doch anders, nämlich ohne Friteuse: Oma hat ja auch Kräppel gebacken, im Fett, im Topf. Also: Öl in den Topf, Topf auf den Herd und Quarkbällchen rein. Klappte wunderbar. Die Lieblingshausziege war begeistert, weil die kleinen Teilchen auch noch besser schmeckten, als jemals zuvor. Könnte das daran liegen, dass ich jetzt Sonnenblumenöl genommen, statt diesen üblichen Block mit Friteusenfett? Hinterher ließ sich das kalte Öl einfach durch ein feines Sieb in ein Schraubglas gießen. Für die nächsten Quarkbällchen.

Was in den Profiküchen zur Standardausrüstung gehört, muss auch in die Privatküche? Nein. Jedenfalls nicht in meine. Ich brauche nicht zweihundert Gäste mittags schnell zu verpflegen, oder so. Im Allgemeinen sind wir zu zweit, zu dritt oder viert, das war es schon. Kommen Gäste, koche ich auch mehr. Doch dafür brauche ich keinen Herd, den ich erst programmieren muss und der dann noch mit mir redet. Es nervt schon genug, wenn alles piept und quiekt, nur weil die Spülmaschine fertig ist, oder ein Topf falsch auf dem Sensorfeld des Ceranfeldes steht, und so weiter. Zu meinem Glück brauche ich diesen zeitgemäßen Maschinenpark nicht. Hauptsache, das Messer ist scharf, mit dem ich die Zwiebeln schneiden will.

Zu meinem Glücks- Rezept gehört beispielsweise ein großer Topf mit Cassoulet, einem französischen Bohneneintopf. Aber das Wesentliche sind dabei die Gäste: Ohne Gäste kann es kein Festessen geben. Für ein solches Festessen ist es nicht so wichtig, wie die Salatblätter auf dem Teller liegen, da ist es wichtig, dass wir lachen und schwätzen und uns gut verstehen. Das ist heute so, und das war früher nicht anders. Denke ich mal. Ganz einfach.

Verbunden mit: Cafe Weltenall und dem Alltag.

Aus und vorbei – keine Juden mehr in Adelsdorf

Manchmal reichen kleine Gesten aus, die zeigen, ob man dazugehört oder eben nicht: Als am Kirmesmontag im Oktober 1938 die Kirmesburschen stumm am Haus von Salomo David in Adelsdorfvorbeizogen und hier kein Ständchen mehr spielten, fand Sohn Ludwig seinen Vater weinend in der Garage. Beide hatte verstanden, dass Juden ab jetzt nicht mehr zur Gesellschaft gehörten.
Bis zu dieser Zeit war die Familie im Dorf beliebt und hatte ein gutes Auskommen als Mehl- und Getreidehändler. Für die Kinder gab es beim Einkauf ein Bonbon und konnten die Erwachsenen nicht gleich bezahlen, durften sie anschreiben. Salomo David hatte den Adelsdorfer Sportvereins mitgegründet, die Trikots gesponsort – und durfte doch ab 1933 nicht mehr Mitglied sein.
An Stelle des ursprünglichen Wohnhauses von Famile David steht jetzt ein anderes Haus. Doch dahinter existiert das einstige Lagerhaus noch und beherbergt heute das Adelsdorfer Heimatmuseum.
Am Jahrestag der Kristallnacht, wie die Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 genannt wurde, führte Gästeführerin Christiane Kolbet durch das fränkische Dorf im Aischgrund. Sie erklärte, warum sich die Juden gerade in den fränkischen Dörfern niederlassen konnten, und zeigte, wie sie mitten im Dorf lebten, Tür an Tür mit den Christen und gelegentlich sogar unter einem Dach mit ihnen.


Dank moderner Technik erklang leise das „Kol nidre“, das gesungene Auftaktfest zum höchsten jüdischen Fest – genau dort, wo im Herbst 1938 noch die Synagoge stand, in der das letzte Jom Kippur gefeiert wurde.
Kurze Zeit später loderten in der Mitte des Ortes die Flammen, angezündet von SA-Leuten aus dem nahen Forchheim. Sie hatten sich noch Unterstützung von Arbeitsdienstlern geholt, die in Weppersdorf die Aisch begradigten. Adelsdorfer selbst waren bei der Aktion weniger dabei, lebten sie doch mit den Menschen seit vielen Jahren friedlich zusammen. Die SA-Leute verschafften sich einen gewaltsamen Zutritt zur Synagoge und verbrannten alles, was an Büchern, Schriftrollen, Gebetsmänteln, Vorhängen und Bänken in ihr war.


Der kurze Rundgang durch Adelsdorf zeigt: Die Juden wohnten mitten im Dorf, Christiane Kolbet zeigt Fotos von früher, von den Menschen, die hier lebten. Manche hatten Glück. Sie flohen bis Palästina oder in andere sichere Gebiete und überlebten. Doch die meisten Adelsdorfer Juden wurden deportiert, nach Riga, nach Lublin und damit nach Belzec, Majdanek, Sobibor oder Theresienstadt.
Heute gibt es hier keine jüdischen Mitbürger mehr. Dafür erinnert ein im Jahr 2000 errichtetes Denkmal an alle 29 Namen der einst von den Nationalsozialisten verschleppten und schließlich ermordeten Menschen.

Verbunden mit „Das war’s“ von Cubus Regio.
(erschienen im Fränkischen Tag, geschrieben und fotografiert von mir)

Zum Jahresanfang

Die Kerzen reichen für alle…

2018 war schon ein ziemlich verrücktes Jahr. Ich durfte mit einer Geschichte im Irrhain um den Goldenen Blumentopf lesen, diese hielt dann Einzug in die überhaupt erste Literaturzeitschrift des Pegnesichen Blumenordens. Andere Geschichten las ich bei den Rooftop-Stories in Fürth, auf der Kellerbühne Erlangen, den Poetikum in Erlangen und im Jungen Theater Forchheim hatte ich meinen ersten Auftritt beim Poetry Slam. Tja. Schön ist es, wenn Texte nicht nur auf der Festplatte herumlungern, sondern auf diese Weise einfach unters Volk kommen. Damit werde ich in diesem Jahr wohl weitermachen.

Im Juni erreichten uns ziemlich zeitgleich zwei Nachrichten, wie sie gegensätzlicher nicht sein können: Der Mitbewohner bekam etwas vom Anwalt mitgeteilt, und verabschiedete sich anschließend auf seine Weise:(klick) Letzte Erdbeeren für Nikolai. Tja, und an Heiligabend kam dann das Weihnachtskindchen zur Welt.

Also: In diesem Jahr werde ich hier wieder etwas regelmäßiger schreiben. Das habe ich mir jedenfalls vorgenommen. Manchmal wird es kurze Stücke zu den abc.etüden geben, manchmal andere Texte, manchmal einfach etwas, was mir durch den Kopf geht.

Das Bild oben stammt aus einer kleinen Kapelle. In ihr brennen ständig Kerzen, so dass im Lauf der Zeit die ganzen Wände schwarz gerußt wurden. Wir haben ebenfalls eine Kerze genommen, sie entzündet und alle unsere Wünsche, Hoffnungen und liebevollen Gedanken an die Menschen, die nicht mehr bei uns sind, von ihr gen Himmel tragen lassen.

Verbunden mit: Czoczo

Alles für die Katz #89

Jetzt liegt die Katzmatz wieder ganz entspannt auf dem Parkett vor dem Ofen. Den gestrigen Abend haben beide auch ganz lange ruhig verbracht, auch wenn die Katz immer wieder an der Balkontür gestanden und nicht verstanden hat, dass sie in dieser Nacht nicht nach draußen darf. Als gegen Mitternacht die Böller krachten, verschwand sie jedoch flugs unter dem Bett und kam erst wieder heraus, als es ruhiger wurde.

alles_fuer_die_katz_logo_120x120Wer sich gerne am Projekt “Alles für die Katz” beteiligen möchte, kann das an jedem 1. des Monats machen. (Momentan habe ich mich dazu entschlossen, dass es „Alles für die Katz“ nur noch einmal im Monat gibt, jeweils am 1.)

Einfach den eigenen Beitrag im Kommentar verlinken: Und schon freuen sich alle Katzenfans über schöne Bilder. Das von Kerstin gestaltete Logo darf sich auch jeder mitnehmen und verwenden, der bei “Alles für die Katz” dabei ist. Klickt euch durch die Galerie der Katzen, streichelt ihnen über den Kopf, lasst euch auch einmal anfauchen – und sagt einfach denen, die sie fotografiert haben, wie schön ihre Katzen sind.

Winterbaum, nasskalt, nachtrauern #abc.etüden

Erst musste ein Fremder kommen, ein Fremder, der seinen Mantel über sie breitete, schwarz, wie Rabenflügel, der ihre Hand nahm und zu ihr sprach:
Geh.
Du bist frei.
Hinter dem Hügel liegt der Wald, hinter dem Wald kommt eine Ebene, in dieser Ebene ist ein nasskalter See, an dessen Ufer steht ein Winterbaum und drei Erlen. Sie bilden einen Hain.
Dort kannst du wohnen.
Frei und allein.
Brauchst du etwas zu essen, fängst du Fische, pflückst Beeren, sammelst Gräser.
Aber.
Dort gibt es niemanden, der dich schlägt. Niemand, dessen Willen du erfüllen musst. Dieser deiner verlorenen Welt musst du nicht nachtrauern.
Allerdings ist dort auch niemand, der für dich sorgt, niemand der dich in den Arm nimmt, niemand, der dich streichelt und dir kleine Koseworte ins Ohr flüstert. Du kannst schreien, toben und weinen, niemand wird dich hören. Wird dir langweilig, kannst du mit den Mücken über dem See tanzen oder mit den Fröschen um die Wette hüpfen.
Dein Preis für deine ganz private Wahrheit ist Einsamkeit:Du allein wirst wissen, dass auch diese Wahrheit eine Lüge ist, so wie die meisten Wahrheiten, die nur gelten, wenn man fest genug an sie glaubt.
Sie ließ die Hand des Fremden los und ging ein paar Schritte, nicht viele, so einfach läuft es sich nicht in ein neues Leben. Sie wollte ihm den Mantel zurückgeben, der sie immer noch so warm umhüllte, doch als sie nach hinten sah, war niemand zu sehen. Niemand außer einem schwarzen Raben, der zwischen den Furchen im Feld hopste und im Auffliegen missmutig krächzte. Es klang wie: Du schaffst das. Oder nicht? Sie war sich nicht sicher. Sie war sich nie sicher, in dem, was sie wollte, sie hatte immer nur darauf geachtet, dass niemand etwas von ihren Lügen, ihrer Zerrissenheit, ihrem ich-weiß-nicht-was-in-mir-vorgeht mitbekam. Bis heute.

Drei Begriffe gilt es in 300 Worte zu verpacken, in diesem Fall waren es: Winterbaum, nasskalt und nachtrauern. Die anderen Geschichten der abc.etüden gibt es wie immer bei Christine.

Alltag? Gerne!

Alltag. Keine Überraschungen.

Alltag
Das ist der Tag, den ich am Abend
schon wieder vergessen habe, einfach weil
er so belanglos – wie immer eben – während
ich beschäftigt war, an mir vorübereilt.
Das ist der Tag, an dem ich zähle,
was nicht passiert – es ist nicht viel
und wenn ich wählen
könnte, wäre ein Tag als Alltag mein Ziel:
Den Kaffee genau richtig temperiert,
das Müsli mit Jogurt drauf garniert,
die Katz schnurrt zufrieden und springt
auf den Tisch. Das Essen gelingt
und schmeckt allen, die Arbeit flutscht
von der Hand, niemand rutscht
vor der Haustür aus, obwohl
ich noch nicht gestreut, aber es
ist ja noch warm, im Pool
schwimmen die Kröten, die, wenn sie
auf dem Konto, wär ich flüssig.
Doch es reicht für mehr als Brot
und Kartoffeln, überflüssig
zu erwähnen, dass auch der Rest vom Tag
bedeutungslos vorüberzog. Ich mag
den Alltag, muss nichts reparieren,
kann stattdessen flanieren,
den Nachmittag vorüber ziehen
lassen, bevor des Abends ein Bier
oder Tee die Lektüre, geliehen
aus der Bibliothek, begleitet. Das Papier
raschelt gelegentlich.Später geht es ins Bett,
ohne Katz. Die will jagen, Mäuse fett
vom Kompost und dem, was wir nicht mehr
essen, weil ein Datum behauptet,
die Zeit sei vorbei, doch jemand errechnet,
wann es lohnt, Neues zu schaffen
und zu verkaufen. Ich will lieber schlafen,
diesen Alltag beenden. Nichts mehr schaffen.

Verbunden mit dem Cafe Weltenall, in dem Viele von ihrem Alltag erzählen.

Alles für die Katz #88

Hachz. Da hab ich heute wegen etwas ganz anderem herumgestöbert – und dabei das Bild vom Miezchen gefunden, unserem schwarzen Miezchen, als sie noch ganz klein war und mit ihrem weißen Puschelmäuschen gespielt hat. Inzwischen tollt sie woanders herum, ist schon längst nicht mehr bei uns, kam einfach eines Abends nicht mehr nach Hause.

alles_fuer_die_katz_logo_120x120Wer sich gerne am Projekt “Alles für die Katz” beteiligen möchte, kann das an jedem 1. des Monats machen. (Momentan habe ich mich dazu entschlossen, dass es „Alles für die Katz“ nur noch einmal im Monat gibt, jeweils am 1.)

Einfach den eigenen Beitrag im Kommentar verlinken: Und schon freuen sich alle Katzenfans über schöne Bilder. Das von Kerstin gestaltete Logo darf sich auch jeder mitnehmen und verwenden, der bei “Alles für die Katz” dabei ist. Klickt euch durch die Galerie der Katzen, streichelt ihnen über den Kopf, lasst euch auch einmal anfauchen – und sagt einfach denen, die sie fotografiert haben, wie schön ihre Katzen sind.

 

Gestern und heute: #Frapalymo

Heute schon an
Morgen denken?
Lieber im jetzt leben.
Wir wissen nicht,
was später kommt.

Gestern ist vorbei.
Die Geschichten werden
Zu Geschichte.

Verbunden mit dem #Frapalymo, dem Lyrikmonat von Frau Paulchen. Heute habe ich gleich zwei Impulse, #heute und #gestern zusammengefasst.