Über Jaelle Katz

Ich? Über mich?

Drei Tage im Frankenwald

Ich war hier Gast
gehe meiner Wege
lasse die Landschaft
in meine Seele hinein
damit ich sie später
in mir tragen kann

nichts zu erledigen
nichts zu müssen
nichts zu schaffen
nichts zu kochen
nichts zu putzen
nichts zu waschen
nichts zu arbeiten

nur zu sein
nur zu sehen
nur zu hören
nur zu schreiben
nur zu.

Tagebuchbloggen am 5. September

Heute will ich dem Aufruf der freundlichen Blognachbarin Frau Brüllen zum gemeinschaftlichen Tagebuchbloggen mal wieder folgen, auch wenn der heutige Tag eher unspektakulär verlief.

Ich bin aufgewacht, weil ich irgendwas geträumt, mich allerdings nicht mehr erinnert habe. Da ich schon einmal munter, es jedoch noch zu früh zum aufstehen war, griff ich mein Buch, las ein bisschen, wurde wieder müde und rollte mich zu einem kurzen Schläfchen zusammen.

Kurz vor sieben war die Nacht allerdings endgültig vorbei – immerhin war es draußen längst hell. Also hab ich Kaffee gekocht und den Mitbewohner aus dem Schlaf gepelzt. Nach dem Kaffee habe ich erst die Raubtiere gefüttert, mich an meine Texte gesetzt und zwischendrin im Kühlschrank gestöbert, um zu sehen, was dringend in die Pfanne gehört. Da ich nur eine Kleinigkeit machen wollte – immerhin will der Mitbewohner für uns heute noch Windbeutel basteln – stiefelte nur der Mangold gemeinsam mit einer Zwiebel und zwei Möhrchen in die Pfanne.

Nach dem Mittagessen blieb nur noch wenig Text zu schreiben, so konnte ich gelegentlich ins Wohnzimmer spitzen. Schließlich wollte ich endlich wissen, wie sich die ausgesuchte Gummibaumtapete mit dem floralen Muster auf der Schräge verträgt.

Prima.

Während sich der Mitbewohner schließlich an die Zubereitung der Windbeutel gemacht hat, habe ich ein wenig gekramt, geräumt, staubgesaugt, was man halt so macht, wenn man am liebsten mit in der Küche gucken und fummeln würde.

Endlich war der Mitbewohner mit den Windbeuteln fertig, hatte alles hübsch angerichtet, dekoriert und fotografiert. Während sich auf dem Boden die Katzen darum stritten, wer das Sahnetöpfchen ausschleckt, schlemmten wir Windbeutel mit Schlagsahne, Vanilleeis und Zwetschgen.

Uff.

Auch wenn ich jetzt nichts lieber täte als kugelrund auf dem Sofa liegen und das nächste Paar Socken für die Lieblingshausziege zu nadeln (nach kunterbunt ist jetzt weiß-mint mit Muster an der Reihe), muss ich gleich noch einmal los.

Termin. Tja. Nutzt nix.

Edit: Wer übrigens wissen will, wie jetzt die Tapete an den Wänden genau aussieht, dem kann geholfen werden. Bitte sehr, hier entlang, zu den fränkischen Tapas.

Ein echtes Vorher-Foto: Die Raufaser war von der Wand, diese musste allerdings ein bissi gespachtelt und mit einer weißen Grundierung versehen werden.

Detail: Die Decke haben wir absichtlich nicht knallweiß, sondern in einem hübschen anderen Farbton gestrichen. Passt super.

Noch ein Detail: Zwischen zwei Türen hängt jetzt die Blumentapete. Rechts und links sind schmale rote Streifen, die kleine Goldkante gehört dagegen zu den beiden Türrahmen.

 

Kleine Poesie aus dem Erlanger Schlossgarten

Ob sich ein vierblättriges Kleeblatt unter den scharfen Messern der Rasenmäher wegducken kann? Wer es findet, ist der Glückspilz und kann sich ganz ohne Drogen berauschen. Er braucht nur dem Wasserstrahl zu lauschen, wie er im Brunnen sein ewig gleiches Lied singt und singt und wenn er dann mit den spitzen Beinen des Gartenstuhls in den Boden sinkt, liegt er im Gras, dort, wo nur ein paar niedrige, weiße Blüten wohnen. Sie recken ihre Köpfe nicht zu hoch – Rasenmäher, you know – und werden doch täglich von Rasenlatschern und Trampeltieren plattgetreten.

Ganz anders die Blüten der Rabatten, unermüdlich entfaltet hier eine Apfelblüte nach der anderen ihre Blätter. Ob die Menge der Studentenblumen mit der Anzahl der Erlanger Studenten übereinstimmt? Was passiert mit dem menschlichen Pendant, wenn der Gärtner eine verwelkte Tagetes köpft?

In dieser Stadt bin ich nie und nimmer nicht alleine, auch nicht im Schlossgarten. Überall sind Menschen: Große, kleine, dicke, dünne, alte, junge, gefräßige, hungrige, satte, gelangweilte, glatzköpfige, keiner sieht wie der andere aus. Sie machen Geräusche, reden, lachen, atmen, ziehen einen Rollkoffer hinter sich her.

Sie kommen, setzen sich, bleiben eine Weile und gehen wieder. Nur die Bäume bleiben – und das Schloss mit dem Springbrunnen und der Zaun und die Bänke.

Ist es nachts dunkel, sind die Tore geschlossen. Die Eule öffnet ihre Augen, breitet die Schwingen aus und sieht, ob ihre Weisheit ausreicht, ein Mäuschen zu fangen.

Alles für die Katz #85

Im dunklen kühlen Eckchen lässt sich auch die größte Hitze verschlafen

Heiß war es. Viele Wochen lang. Während wir Menschen kurze und kürzeste Sachen anziehen und tragen können, müssen die Katzen ihr Fell auch in der größten Hitze anbehalten. Ausziehen geht nicht. Fell rasieren ist auch keine Option. Also haben sich die beiden Dachhasen die Stellen ausgesucht, an denen ein leises Lüftchen wehte und keine Sonnenstrahlen den Schlaf stören konnten. Peri lag gerne hier in der Ecke im Flur, glücklicherweise ist nie jemand über sie gestolpert. Aber das wusste sie sicher vorher, sonst hätte sie nicht so ruhig und entspannt geschlafen.

alles_fuer_die_katz_logo_120x120Wer sich gerne am Projekt “Alles für die Katz” beteiligen möchte, kann das an jedem 1. des Monats machen. (Momentan habe ich mich dazu entschlossen, dass es „Alles für die Katz“ nur noch einmal im Monat gibt, jeweils am 1.)

Einfach den eigenen Beitrag im Kommentar verlinken: Und schon freuen sich alle Katzenfans über schöne Bilder. Das von Kerstin gestaltete Logo darf sich auch jeder mitnehmen und verwenden, der bei “Alles für die Katz” dabei ist. Klickt euch durch die Galerie der Katzen, streichelt ihnen über den Kopf, lasst euch auch einmal anfauchen – und sagt einfach denen, die sie fotografiert haben, wie schön ihre Katzen sind.

Hinter Stacheldraht verstaut…

Der ehemalige Bärenzwinger vor dem Konzentrationslager Buchenwald

Im „Buchenwald-Report“ des Historikers David Hackett ist zu lesen, dass es einer Bärin gelang, aus diesem Zwinger zu fliehen. Sie wurde erschossen, wie vieles in dieser Zeit zwischen 33 und 45, wer floh, ob von der Front oder aus einem Lager, den erwartete nur die Kugel.

Blick vom Bärenzwinger zum Eingangsgebäude des Konzentrationslagers Buchenwald

Für die im Lager inhaftierten Häftlinge war die Bärenburg gut vom Appellplatz aus zu sehen. Eingesperrt waren sie alle. Während jedoch die Häftlinge knapp vor dem Verhungern waren, ging es den Bären dagegen gut. Ein ehemaliger politischer Häftling verfasste 1946 eine satirische Bildergeschichte und schreibt in einem Vers: „So mancher von uns wäre froh gewesen, / wenn er ein Leben wie die kleinen Bären hätt‘. / Jedeinem war die Not vom Antlitz abzulesen / uns fehlt nicht nur der Zucker, auch das Fett!“

An den alten Pfeilern nagt inzwischen längst der Rost. Hoffen wir, dass es so bleibt und dass niemandem einfällt, dieses Rad der Zeit zurückzudrehen.

Verbunden mit: Der Rostparade von Cubus Regio.

 

Neue Tapete für die Wand

Jetzt ist die Hitze vorbei. Lange haben sich die Temperaturen gegen den Sturz gewehrt, sich hartnäckig an die Dachrinne gekrallt, doch es hat ihnen nichts genutzt. Wir haben jetzt eine gute Gelegenheit, lang gewünschte Änderungen zu erledigen. Eine dieser Änderungen betrifft das Wohnzimmer. Vor sechs Jahren in schnödem Weiß gestrichen, schließlich sollte es damals recht schnell gehen und weiße Raufaser war halt der Kompromiss, zu dem sich irgendwie erst einmal alles stellen ließ, war es jetzt Zeit für richtige Tapete. Eigentlich hatten wir schon den vergangenen Sommer angepeilt, zumal die Katzen an verschiedenen Stellen ein apartes Kratzmuster appliziert hatten, doch da kam Peri zu uns – und wir gaben der Raufaser vorsichtshalber noch ein Jahr.

Ausgesucht war die neue Tapete schnell: Kaum im Tapetenladen, grinste sie uns an und wollte mit. Der freundliche Mitarbeiter im Tapetenladen schnitt uns jeweils einen Meter Tapetenprobe ab, der Mitbewohner zwickte die Stücke an die Wände und die Lieblingshausziege gab auch noch ihren Senf dazu. Passt.

Auf die schräge Wand kommen Blümchen, auf die andere grüne Blätter. Für die Ecke passt es – der Rest vom Zimmer wird anders.

Da wir die Zimmerdecke auch streichen wollen und die Farbe darauf bereits dick genug klebt, zieht der Mitbewohner mit einem Spachtel die alte Farbe ab. Streifen für Streifen. Da inzwischen schon die Hälfte der Decke von der Farbe befreit ist, reicht es für heute – morgen ist schließlich auch noch ein Tag. Ich setze mich aufs Sofa und stricke die bunt geringelten Socken für die Lieblingshausziege fertig.

Weite #frapalywo

 

W – Wellen wogen weit, wenn Winde wehen.
E – Ein erstes Eintauchen endet endlich.
I – Im indigoblauen Indischozean ist irdenes Irresein irreversibel.
T – Tentakel trifft Teutone: tauche tief.
E – Endlose Ewigkeiten ersetzen eine extra Einfriedung.

(Der Impuls „Weite“ kommt von Frau Paulchen, dort sind viele weitere Lyriktexte zum Thema zu finden. Folgt einfach dem Link.)

Tiefsee #Frapalywo

Zwischen schwankenden Binsen und Schilf
wie taghelle Gedanken die Fischlein
spielen im funkelnden Sonnenschein
verstecken und manchmal hilft

die Tiefe des Wassers zu entschwinden
sie tauchen ab in nachtschwarze See
besuchen die Nixen – und wenn sich jäh
Ungeheuer der Tiefsee regen, sie finden

dann Schutz in zerklüfteten Steinen
mit viel Glück. Allen – bis auf den einen
gelingt die Flucht.

Erobern Tiefseewesen obere Räume
tarnen sie sich als verworrene Träume
der Nacht, die keiner sucht.

(Der Impuls „Tiefsee“ kommt von Frau Paulchen, dort sind viele weitere Lyriktexte zum Thema zu finden. Folgt einfach dem Link.)

Strandläufer #Frapalywo

Auf dem schmalen Saum
zwischen Sand und Meer bleiben kaum
Spuren zurück. Für dich
gibt es keine ausgetretenen Pfade.
Du musst deinen Weg täglich
zwischen Treibholz und Schlick neu bahnen.


Zum Wächter bestimmt bist du
unentwegt auf dem schmalen Grat unterwegs
der das Land vom Meer trennt.
Unbewaffnet trittst du zwischen zwei Giganten,
die seit Anbeginn der Welt
einander erbittert bekämpfen.

Lauf, kleiner Vogel. Lauf
und achte darauf,
dass im Streit zwischen Land und Meer
die Küste bleibt.

(Der Impuls „Strandläufer“ kommt von Frau Paulchen, dort sind viele weitere Lyriktexte zum Thema zu finden. Folgt einfach dem Link.)

Auf dem Holzweg

Wer auf dem Holzweg unterwegs ist, hat die richtige Abzweigung verpasst. Auch wenn diese Wege auf den ersten Blick bequem, breit und richtig einladend wirken, enden sie irgendwo im Nichts. Sie wurden angelegt, damit auf ihnen das Holz aus dem Wald heraustransportiert werden kann, nicht dafür, dass Wanderer ihnen folgen und auf ihnen zu einem Ziel gelangen.

Dieser Holzweg wird im Winter heizen.

Mit seinem Sprung fügte N. der heilen Welt einer vollkommen erscheinenden Illusion einen Riss zu. Das Mene mene tekel u-parsin geriet zur Bedrohung, in der die morphogenetischen Felder Raum fanden. Zwischen dem, was Menschen für richtig oder falsch erachten, liegen oft nur Nuancen. So wie bei einer Tür. Sie verschließt den Raum – und wir können trotzdem nur eine Seite von ihr sehen.

„Ich war da, ich mußte geh’n.
Ich machte keine Spuren.
Aber der Wind hat mein Lied gehört.“
(indianische Weisheit)

Es mutet irgendwie seltsam an: N. wurde immer noch nicht begraben, obwohl seit seinem Tod inzwischen mehr als zwei Monate vergangen sind. Allein diese Tatsache gibt den Menschen hier im Ort zu denken und Mutmaßungen Raum.

„Was passiert eigentlich, wenn N. einfach überhaupt nicht beerdigt wird?“

— „Das würde gegen das hier geltende Recht verstoßen. Dafür gibt es sogar Fristen, die einzuhalten sind.“

„Wieso beerdigen die ihn nicht einfach?“

— „Sie haben – wie es scheint – den Zeitpunkt verpasst.“

Bei den alten Griechen war Kairos der für den richtigen Zeitpunkt zuständige Gott: Mit geöltem Körper, Flügeln an den Füßen und einem – bis auf eine Haarsträhne – glatt geschorenen Kopf. Er flitzt vorbei und wer versäumt, seinen Schopf zu packen, muss zusehen, wie er entschwindet. In den Texten der Bibel steht Kairos für einen von Gott gegebenen Zeitpunkt, eine besondere Gelegenheit, den erteilten Auftrag zu erfüllen.

Und jetzt? Jetzt geschieht etwas Merkwürdiges im Dorf: Ein Mythos bildet sich, eine Legende. Keiner weiß nichts Genaues, aber jeder hat genügend Fantasie, eben diese ungenannten Leerstellen zu füllen.

So wird diese Geschichte wohl noch über Generationen erzählt werden, irgendwie, vermutlich schrammt sie immer haarscharf an der Wahrheit vorbei. Aber das macht nichts, das machen Geschichten eigentlich immer. So wie die Geschichte vom Bummberdoner, einem Menschen aus dem Dorf. Obwohl sie aus dem Jahr 1905 stammt, gibt es immer noch Menschen, die sich daran erinnern. Nicht an den Bummberdoner, natürlich nicht, der ist tot, längst begraben und selbst das Grab existiert nicht mehr. Aber die Geschichte über dessen Schmach und Schande, die bleibt.