Morgen #Frapalymo und abc.etüde

Morgen
geht die Sonne auf.
Wie jeden Tag.
Doch für dich
bleibt es Nacht.


Verbunden mit dem #Frapalymo, dem Lyrikmonat bei Frau Paulchen.

Klar gibt es den Schweigekrampf: Kennst du das Gefühl, wenn du deinem Gegenüber gerne die Wahrheit ins Gesicht, so richtig die Wahrheit, nackt und ungeschminkt, oder was auch immer du dafür hältst, wenn du deinem Gegenüber alles ins Gesicht sagen, nein schreien, er soll es ja auch richtig hören, wenn du alles vom Herzen putzen möchtest, alles, was du in vielen Jahren dort angesammelt, gestapelt und aufgestaut hast, und dann stehst du vor diesem Menschen, es ist die passende Gelegenheit, er ist ganz Ohr, er kann nicht weg, sondern muss dir in epischer Länge und Breite zuhören, du öffnest den Mund – und schließt ihn wieder. Auf und zu. Wie so ein Karpfen, der plötzlich vom Teich auf das Ufer schnellt und dort nach Luft schnappt. Du schnappst nach Luft, du willst alles sagen, was du schon immer sagen wolltest – und du sagst – nichts.

Deine Stimmbänder krächzen noch ein heiseres „Hallo, wie geht’s“, doch das ist alles, was du gesagt hast und dabei hättest du echt so viel sagen können.

Er hätte es verdient.

Er hätte es verdient, immerhin sitzt er fett in seinen Pfründen, gibt sich mondän und er hätte es wirklich verdient, dass ihm einer einmal sagt, was alle von ihm denken und was sie nur zu sagen wagen, wenn er nicht dazwischen ist.

Aber nein. Es ging nicht. Du hast es gelassen.

Verbunden mit: #abc.etüden. Die Wortinspiration lautete:  Pfründe, mondän und lassen.

Aller guten Dinge sind drei… #Frapalymo

Nicht nur alle guten Dinge sind drei,
auch die bösen: Weil
Du dich nicht gekümmert,
du etwas gefordert
du einfach deine Sachen gemacht hast.


Deswegen strafe ich dich
mit Verachtung
klage dich an
und wende mich ab.
Meine kalte Schulter ist gerade noch
warm genug für dich.
Du siehst: Der Ring ist zerbrochen,
mit dem du mich an dich
gekettet hast.

Ich gehe jetzt meinen eigenen Weg.

Verbunden mit: Frau Paulchen und dem #Frapalymo, dem Lyrikmonat November.

Drei Tage im Frankenwald

Ich war hier Gast
gehe meiner Wege
lasse die Landschaft
in meine Seele hinein
damit ich sie später
in mir tragen kann

nichts zu erledigen
nichts zu müssen
nichts zu schaffen
nichts zu kochen
nichts zu putzen
nichts zu waschen
nichts zu arbeiten

nur zu sein
nur zu sehen
nur zu hören
nur zu schreiben
nur zu.

Tagebuchbloggen am 5. September

Heute will ich dem Aufruf der freundlichen Blognachbarin Frau Brüllen zum gemeinschaftlichen Tagebuchbloggen mal wieder folgen, auch wenn der heutige Tag eher unspektakulär verlief.

Ich bin aufgewacht, weil ich irgendwas geträumt, mich allerdings nicht mehr erinnert habe. Da ich schon einmal munter, es jedoch noch zu früh zum aufstehen war, griff ich mein Buch, las ein bisschen, wurde wieder müde und rollte mich zu einem kurzen Schläfchen zusammen.

Kurz vor sieben war die Nacht allerdings endgültig vorbei – immerhin war es draußen längst hell. Also hab ich Kaffee gekocht und den Mitbewohner aus dem Schlaf gepelzt. Nach dem Kaffee habe ich erst die Raubtiere gefüttert, mich an meine Texte gesetzt und zwischendrin im Kühlschrank gestöbert, um zu sehen, was dringend in die Pfanne gehört. Da ich nur eine Kleinigkeit machen wollte – immerhin will der Mitbewohner für uns heute noch Windbeutel basteln – stiefelte nur der Mangold gemeinsam mit einer Zwiebel und zwei Möhrchen in die Pfanne.

Nach dem Mittagessen blieb nur noch wenig Text zu schreiben, so konnte ich gelegentlich ins Wohnzimmer spitzen. Schließlich wollte ich endlich wissen, wie sich die ausgesuchte Gummibaumtapete mit dem floralen Muster auf der Schräge verträgt.

Prima.

Während sich der Mitbewohner schließlich an die Zubereitung der Windbeutel gemacht hat, habe ich ein wenig gekramt, geräumt, staubgesaugt, was man halt so macht, wenn man am liebsten mit in der Küche gucken und fummeln würde.

Endlich war der Mitbewohner mit den Windbeuteln fertig, hatte alles hübsch angerichtet, dekoriert und fotografiert. Während sich auf dem Boden die Katzen darum stritten, wer das Sahnetöpfchen ausschleckt, schlemmten wir Windbeutel mit Schlagsahne, Vanilleeis und Zwetschgen.

Uff.

Auch wenn ich jetzt nichts lieber täte als kugelrund auf dem Sofa liegen und das nächste Paar Socken für die Lieblingshausziege zu nadeln (nach kunterbunt ist jetzt weiß-mint mit Muster an der Reihe), muss ich gleich noch einmal los.

Termin. Tja. Nutzt nix.

Edit: Wer übrigens wissen will, wie jetzt die Tapete an den Wänden genau aussieht, dem kann geholfen werden. Bitte sehr, hier entlang, zu den fränkischen Tapas.

Ein echtes Vorher-Foto: Die Raufaser war von der Wand, diese musste allerdings ein bissi gespachtelt und mit einer weißen Grundierung versehen werden.

Detail: Die Decke haben wir absichtlich nicht knallweiß, sondern in einem hübschen anderen Farbton gestrichen. Passt super.

Noch ein Detail: Zwischen zwei Türen hängt jetzt die Blumentapete. Rechts und links sind schmale rote Streifen, die kleine Goldkante gehört dagegen zu den beiden Türrahmen.

 

Hinter Stacheldraht verstaut…

Der ehemalige Bärenzwinger vor dem Konzentrationslager Buchenwald

Im „Buchenwald-Report“ des Historikers David Hackett ist zu lesen, dass es einer Bärin gelang, aus diesem Zwinger zu fliehen. Sie wurde erschossen, wie vieles in dieser Zeit zwischen 33 und 45, wer floh, ob von der Front oder aus einem Lager, den erwartete nur die Kugel.

Blick vom Bärenzwinger zum Eingangsgebäude des Konzentrationslagers Buchenwald

Für die im Lager inhaftierten Häftlinge war die Bärenburg gut vom Appellplatz aus zu sehen. Eingesperrt waren sie alle. Während jedoch die Häftlinge knapp vor dem Verhungern waren, ging es den Bären dagegen gut. Ein ehemaliger politischer Häftling verfasste 1946 eine satirische Bildergeschichte und schreibt in einem Vers: „So mancher von uns wäre froh gewesen, / wenn er ein Leben wie die kleinen Bären hätt‘. / Jedeinem war die Not vom Antlitz abzulesen / uns fehlt nicht nur der Zucker, auch das Fett!“

An den alten Pfeilern nagt inzwischen längst der Rost. Hoffen wir, dass es so bleibt und dass niemandem einfällt, dieses Rad der Zeit zurückzudrehen.

Verbunden mit: Der Rostparade von Cubus Regio.

 

Neue Tapete für die Wand

Jetzt ist die Hitze vorbei. Lange haben sich die Temperaturen gegen den Sturz gewehrt, sich hartnäckig an die Dachrinne gekrallt, doch es hat ihnen nichts genutzt. Wir haben jetzt eine gute Gelegenheit, lang gewünschte Änderungen zu erledigen. Eine dieser Änderungen betrifft das Wohnzimmer. Vor sechs Jahren in schnödem Weiß gestrichen, schließlich sollte es damals recht schnell gehen und weiße Raufaser war halt der Kompromiss, zu dem sich irgendwie erst einmal alles stellen ließ, war es jetzt Zeit für richtige Tapete. Eigentlich hatten wir schon den vergangenen Sommer angepeilt, zumal die Katzen an verschiedenen Stellen ein apartes Kratzmuster appliziert hatten, doch da kam Peri zu uns – und wir gaben der Raufaser vorsichtshalber noch ein Jahr.

Ausgesucht war die neue Tapete schnell: Kaum im Tapetenladen, grinste sie uns an und wollte mit. Der freundliche Mitarbeiter im Tapetenladen schnitt uns jeweils einen Meter Tapetenprobe ab, der Mitbewohner zwickte die Stücke an die Wände und die Lieblingshausziege gab auch noch ihren Senf dazu. Passt.

Auf die schräge Wand kommen Blümchen, auf die andere grüne Blätter. Für die Ecke passt es – der Rest vom Zimmer wird anders.

Da wir die Zimmerdecke auch streichen wollen und die Farbe darauf bereits dick genug klebt, zieht der Mitbewohner mit einem Spachtel die alte Farbe ab. Streifen für Streifen. Da inzwischen schon die Hälfte der Decke von der Farbe befreit ist, reicht es für heute – morgen ist schließlich auch noch ein Tag. Ich setze mich aufs Sofa und stricke die bunt geringelten Socken für die Lieblingshausziege fertig.

Weite #frapalywo

 

W – Wellen wogen weit, wenn Winde wehen.
E – Ein erstes Eintauchen endet endlich.
I – Im indigoblauen Indischozean ist irdenes Irresein irreversibel.
T – Tentakel trifft Teutone: tauche tief.
E – Endlose Ewigkeiten ersetzen eine extra Einfriedung.

(Der Impuls „Weite“ kommt von Frau Paulchen, dort sind viele weitere Lyriktexte zum Thema zu finden. Folgt einfach dem Link.)

Tiefsee #Frapalywo

Zwischen schwankenden Binsen und Schilf
wie taghelle Gedanken die Fischlein
spielen im funkelnden Sonnenschein
verstecken und manchmal hilft

die Tiefe des Wassers zu entschwinden
sie tauchen ab in nachtschwarze See
besuchen die Nixen – und wenn sich jäh
Ungeheuer der Tiefsee regen, sie finden

dann Schutz in zerklüfteten Steinen
mit viel Glück. Allen – bis auf den einen
gelingt die Flucht.

Erobern Tiefseewesen obere Räume
tarnen sie sich als verworrene Träume
der Nacht, die keiner sucht.

(Der Impuls „Tiefsee“ kommt von Frau Paulchen, dort sind viele weitere Lyriktexte zum Thema zu finden. Folgt einfach dem Link.)