fünfzig Ave Maria sind ein Rosenkranz

Ich weiß doch gar nicht, was Hunger heißt. Dabei haben ihn noch die Großeltern gespürt, selbst bei den Eltern war gelegentlich Schmalhans Küchenmeister, wie man damals so sagte. Es gab Zeiten, in denen altes und hartes Brot nicht weggeworfen, sondern kleingeschnitten in den Kaffee gebrockt wurde.

Ich weiß nicht, was es heißt, zu frieren.

Danken heißt, Abhängigkeiten einzugestehen. Ich bin nicht alleine. Ich kann nicht alles alleine. Auch wenn es heutzutage einfacher ist, alles zu kaufen, niemanden zu brauchen oder zu bitten.

Während ich heute am Vor- und Nachmittag einiges geschrieben habe, war später Zeit für ein ausgiebiges Telefonat. Glücklicherweise hat mich der Mitbewohner daran erinnert, dass Rosenkranzandacht für die Mutter seines Freundes angesetzt war. Wir kamen so rechtzeitig, dass wir den Zettel an der Kirchentür fanden, auf dem der korrekte Ort vermerkt war und waren trotzdem pünktlich anwesend.

In Nazareth hängen Marienbilder aus aller Welt.

In dieser Zeit zwischen Tod und Begräbnis ist die Rosenkranzandacht eine gute Möglichkeit, gemeinsam zu sitzen, zu beten und an die Verstorbenen zu denken. Eine Frau fing mit dem Beten an, die anderen fielen ein und murmelten mit.

Es ist schon seltsam: Meditationen sind schick. Besonders dann, wenn während dieser Zeit irgendwelche Mantras oder für uns unverständlichen Formeln gemurmelt werden. Dabei ist der Rosenkranz nichts anderes. Es ist eine Meditation: Eine betet vor, ich brauche nicht nachzudenken, sondern kann einfach mitmurmeln und in diese vertraute Gemeinschaft eintauchen, auch wenn ich kaum jemanden von denen kenne, die in der Kirche sitzen.

 

Teresa von Avila

Gestern war Premiere: Wir haben unseren Vortrag über Teresa von Avila zum ersten Mal gehalten. Angemeldet waren acht Teilnehmer, gekommen sind dreizehn.

Teresa war Nonne, Heilige, Mystikerin, lebte im Spanien des 16. Jahrhunderts.

Nicht für alle Menschen war sie bequem: „Diese Teresa von Avila ist ein unruhiges, ungehorsames und verstocktes Weibsbild, das unter dem Vorschein der Frömmigkeit verkehrte Lehren erfand und andere wie eine Lehrmeisterin belehrt – obwohl der Heilige Paulus anordnete, dass Frauen nicht lehren sollen“, urteilte der päpstliche Nuntius.

Glücklicherweise hatte sie mit König Philipp II. von Spanien einen mächtigen Beschützer. Für sie ist Selbsterkenntnis wesentlich – und so können wir heute noch etwas von Teresa lernen:

  • Geh deinen eigenen Weg.
  • Bilde dich stets weiter.
  • Lass dich von niemandem beeindrucken.
  • Erkenne dich immer mehr und besser.
  • Genieße das Leben.

Weil nicht alle Wahrheiten leicht verdaulich sind, hatten wir spanische Tapas vorbereitet und sie nach dem Vortrag gereicht. Wir saßen gemeinsam an einer Tafel und haben uns beim Essen gut unterhalten.

Der Palacio des Portico, einer der ältesten in der Alhambra.

Wer bedauerlicherweise an diesem Termin nicht dabei sein konnte, hat am 30. Juni Gelegenheit: Wir halten den Vortrag in der Benediktinerinnenabtei Kirchschletten noch einmal, selbstverständlich auch mit Tapas.

 

Wieder zurück

Drei Wochen in Israel sind vorbei und seit gestern sind wir wieder zu Hause. Die Zeit war großartig – und ich habe das Gefühl, dass ich über vieles Erlebte noch lange sinnieren und einiges davon in den Alltag retten kann. Auch wenn es für ein Fazit viel zu früh ist: Die Reise hat nicht nur meinen Blick auf Israel verändert.

im arabischen Viertel von Jerusalem

Jetzt sind die Koffer verräumt, ist die Wäsche gewaschen und gleich muss ich los. Der Alltag hat mich zurück. Doch nicht so ganz…

Israel 11., 12. und 13. Tag

Wir sind immer noch gut unterwegs und wenn nicht, dann gut im Gespräch. Da bleibt wenig Zeit zum Bloggen. Immerhin lade ich jeden Abend die Bilder von der Kamera auf den Laptop, schaue alles noch einmal an und freue mich über das Erlebte.

Ein Schawarma, wie hier der israelische Döner genannt wird.

Am 11. Tag waren wir in Afula, einer einigermaßen großen Stadt in der Nähe unserer Unterkunft. Dort habe ich meine Nase in so viele Gewürze gesteckt, dass ich bis zum Abend niesen musste.
Nach den Einkäufen haben wir einen israelischen Döner, Schawarma genannt, gefuttert. Lecker.

Am nächsten Tag sind wir nach Caesarea gefahren. Auch hier haben die Römer Zeug hingebaut, das bis heute steht.

Aquädukt in Caesarea

Aquädukt in Caesarea

Doch Wind und Wetter haben schon gut an den Steinen genagt.

Wir gingen am Strand entlang, ich lief mit blanken Füßen im Mittelmeer und jedes Mal, wenn die Wellen kamen, zogen sie mir den Sand unter den Sohlen weg. Ein Berg mit Muscheln ließ uns zu Kindern werden, wir sammelten, schließlich war eine schöner als die andere.

Die Opferung des Isaak

Heute fuhren wir mit dem Zug nach Tel Aviv. Zwar hatte das Kunstmuseum geschlossen – der Sonntag ist in Israel der Museumsschließtag analog unserem Montag – doch es stand noch genügend draußen herum. Eines der Kunstwerke hieß „Die Opferung des Isaak“: Statt des Sohnes opferte Abraham schließlich einen Widder.

Verbunden mit: Cubus Regio und der Rostparade

Israel, 8., 9. und 10. Tag

Da die letzten drei Tage recht lang und vollgepackt waren, gibt es heute nur eine kurze Zusammenfassung. Am 8. Tag waren wir ein Stück auf dem Jesus-Trail unterwegs, der von Nazareth zum See Genezareth führt. Die Karte und die Realität waren gelegentlich nicht immer derselben Meinung, so dass wir uns einfach einen Weg gesucht haben. Da wir kein spezielles Ziel hatten, lediglich am Ende des Tages zum Auto zurückfinden mussten, war das nicht weiter tragisch.

Hier hat noch jemand seiner Karte nicht mehr vertraut.

Der Weg war an den meisten Stellen sehr malerisch.

Am nächsten Morgen fuhren wir recht früh los, zur Festung Masada und zum Toten Meer.

Der Blick von der Festung Masada auf das Tote Meer.

Reste der Römerlager sind bis heute noch zu sehen.

Baden im Toten Meer.

 

Heute waren wir dann im Norden, an der Grenze zum Libanon. Dort sind Höhlen, in denen das Meer tost und Berge, auf denen Denkmäler stehen.

Höhle, in vielen, vielen Jahren vom Wasser ausgenagt.

 

Israel – 6. Tag

Heute ist Sonntag – und hier begann ganz normal eine neue Woche, für die Kinder mit Schule und die Erwachsenen mit Arbeit. Nach dem Frühstück fuhren wir heute zum Arbel, einem auffälligen Berg mit markanter Klippe und ebensolcher Geschichte. Dort angekommen, brauchten wir deshalb keinen Eintritt zu zahlen, weil es in der Nacht geregnet hatte und deswegen ein Teil der Wege gesperrt waren. Aber zu den Aussichtspunkten können wir gehen, sagte die nette Frau im Kassenhäuschen. Eine größere Gruppe geht uns voraus und lässt sich unter drei Olivenbäumen nieder. Dort erzählt einer vielen etwas für uns unverständliches, und das ziemlich lange. Wir warteten eine Weile, aßen unsere Brote, warteten noch ein Weilchen, doch an der Lage änderte sich nichts: Der Mensch redete immer noch. Wir schnappten unseren Kram, gingen an ihnen vorbei und folgten der weiß-blauen Markierung. Bei jedem Schritt raschelte es im Gebüsch und viele kleine Hüpfer sprangen in Sicherheit.

kleine Drachen sonnen sich auf warmen Steinen.

Wir gingen eine Weile und kehrten um, als wir sahen, dass der Weg nur nach unten führten. Inzwischen war die Gruppe aufgestanden und kam uns klassenweise entgegen.

Von unten dröhnte Musik herauf, wir sahen Klippschliefer und kleine Drachen, teilten uns die letzte Orange und waren dem Himmel näher als in mancher Kirche.

Aussicht von oben auf den See Genezareth

Später gingen wir unten im Tal, im Wadi entlang und bestaunten die Höhlen, in denen früher Menschen lebten.

Israel – 5. Tag

„Fahrt mal langsam und an der nächsten Einmündung einfach nach links“, wir folgen, halten, steigen aus und überqueren die Straße. Hinter der Leitplanke sind Löcher im Fels, eines ließe sich mit dem davor liegenden runden Stein verschließen. „Das sind alte Gräber“, erklärt Beni, die Straße sei extra um diese herum geplant.

Weiter geht es ins Carmel-Gebirge, es wird zunehmend diesiger und so trüb, dass wir von oben nur ahnen können, wo unten das Mittelmeer beginnt. Mitten im Grün steht ein mit Stacheldraht umzäunter Bau, ein Gefängnis, umrundet von grünen Büschen und vereinzelten Bäumen. Hier gab es einen so verheerenden Waldbrand, dass dieser mit Hilfe vieler Länder gelöscht werden musste, erzählt Beni. Die Insassen eines Busses kamen ums Leben, ein Denkmal erinnert an sie.


Mittags erlebten wir den Gottesdienst in einer christlichen Gemeinde, es war bewegend und ganz anders, als wir das aus Deutschland kannten.

Den restlichen Tag verbrachten wir dann heute eher ruhig.

Israel – 4. Tag

Langsam trödeln wir in den Tag hinein. Heute geht es nach Bet She’an, einem Ort, an dem Menschen schon seit mehr als 5.000 Jahren siedeln. Da 749 hier die Erde gebebt hat, purzelten die Säulen und Häuser, Tempel und was auch immer in sich zusammen. Noch immer liegen einige der großen Säulen zerbrochen herum, andere wurden bereits wieder aufgebaut.

Wir laufen zwischen den Steinen, auf alten Marmorbildern herum. Doch was wissen wir von dieser vergangenen Zeit? Wir wissen, wie eine Hypokaustenheizung damals funktioniert hat und wir wissen, dass die Akustik im dortigen Theater einfach großartig ist.

Was jedoch für Stücke dort gespielt wurden, wie sich die Menschen dort amüsiert haben, worüber sie lachten, worüber sie weinten – alles ist unbekannt.

Waren die Menschen damals auch so klug wie wir heute? Immerhin laufen hier heute einige Besserwisser und Nörgler herum: „Das hat die auch gesagt, aber die haben ja alle keine Ahnung!“

Unterwegs wollen wir was zu essen kaufen, doch der Wächter des Supermarktes verwehrt den Eintritt. Es ist schon nach 14 Uhr – heute Abend beginnt der Schabbat und die Läden schließen rechtzeitig. Glücklicherweise finden wir noch eine Tankstelle, an der wir Hummus zum bereits gekauften Pitabrot und essen alles in einem kleinen Park mit Blick auf den ruhigen See Genezareth, während hinter uns der Verkehr vorbeitost.

Anschließend fahren wir nach Tiberias, einer Hafenstadt. Hier stehen noch ein paar Ruinen aus der Zeit herum, in der das Land von den Osmanen beherrscht wurde.

Israel – 3. Tag

Heute war der Tag lang, die Eindrücke viel und deswegen gibt es nur drei Bilder von drei ganz unterschiedlichen Orten: Diese Kirche steht auf dem Berg Tabor.

Anschließend haben wir auf den Golan-Höhen gesehen, dass Damaskus gerade einmal 60 Kilometer entfernt ist.

Und die Sonne ging für uns am See Genezareth unter.

Israel – zweiter Tag

Nazareth: Das war vor mehr als 2.000 Jahren ein Kaff mit vielleicht 200 Einwohnern. Jetzt ist hier entschieden mehr los.

Eine Besuchergruppe nach der anderen steigt aus dem jeweiligen Bus, folgt ihrem Reiseführer und besucht die Kirche, die über den Fundamenten und der Treppe von Marias ehemaligem Wohnhaus erbaut wurde. Hier gibt es Messen im Halbstundentakt, gewissermaßen.

Draußen erkundigt sich der Mitbewohner nach dem Preis für Falafel. Fünfzehn Schekel, sagt der Verkäufer. Wir bestellen einen. Kurz nach uns kommt eine deutschsprachige Reisegruppe. Der Reiseführer schwätzt in hiesiger Sprache mit dem Falafelverkäufer, wendet sich danach an die Gruppe: Falafel kostet 20 Schekel, das ist ein wunderbarer Preis und ihr könnt auch eine Soße nach Belieben darauf machen.

Ja, die Kirchenfenster sind schön. Scheint die Sonne durch die bunten Fenster, fangen sie an zu leuchten.