Tagebuchbloggen am 5. Januar

Warum es heute morgen bereits zehn Uhr war, als ich endlich munter wurde, weiß ich nicht. Vielleicht lag es an der gestrigen Feier, vielleicht am getrunkenen Schwarztee, vielleicht auch an dem Buch, das ich einen Tag zuvor aus der Grabbelkiste der Buchhandlung befreit und adoptiert habe: „Der Rummelplatz“ von Werner Bräunig.

Schon der erste Satz ist einer, der in die Geschichte hineinzieht und das nicht nur, weil er sich einen ganzen Absatz lang ausbreitet:

Nach Kaffee und Müsli waren auch die Katzen gefüttert und weil die Sonne noch vor dem Mittag lockte, fuhren wir in den Aischgrund, dorthin, wo bereits die Ortsnamen wie Biengarten und Moorhof davon künden, dass hier kein Bär steppt, sondern Weiher die Entfernung zum Himmel etwas schrumpfen lassen.

Winters ist es hier ruhig, nur gelegentlich waren ein oder zwei andere Spaziergänger unterwegs zu sehen. Die Schwäne zogen ruhig und weiter entfernt ihre Kreise, die Enten schnatterten viel leiser als sonst, vielleicht hatten sie sich jetzt auch nichts mehr zu sagen. Die ewig kreischenden Möwen waren verschwunden und die Frösche hielten irgendwo im Schlamm ihren Winterschlaf, nahmen ein kaltes Moorbad sozusagen.

Das war wieder einmal so ein Moment inniger Ruhe, es gab nichts zu beschwätzen, nichts zu sagen, was nicht heißt, dass wir uns nichts zu sagen hätten, sondern manchmal ist es genau so gut, so ein quasi wortloses Miteinander zu haben und zu wissen, dass es richtig ist. Weil jetzt Winter ist, konnten wir auch die Wege gehen, die ab dem Frühjahr wieder gesperrt sind. Dann wollen die Vögel im dichten Schilf brüten und keine neugierigen Nasen in den Nestern haben.

Das oben erwähnte Buch beschäftigt mich, auch wenn ich noch nicht viel davon gelesen habe, Bräunig erzählt von einer längst vergangenen Zeit, einer Zeit, in der im Erzgebirge Uran für die sowjetische Atomindustrie gefördert wurde. Der Roman durfte damals, 1965, nicht veröffentlicht werden und erschien erst 2007, mehr als 30 Jahre nach dem frühen Tod des Autors.


Nach dem Spaziergang wärmen wir einen Rest vom Linsencurry auf, ich fummel noch ein bisschen auf Twitter und Instagram herum. Dann fällt mir glücklicherweise sehr rechtzeitig ein, dass ich für morgen Kuchen backen und mitbringen wollte, ich fange an und die Katze will selbstverständlich assistieren. Weil aber Schokokuchen nichts für Katzenzungen ist, schiebe ich sie aus der Küche und rühre allein in der Schüssel herum.
Während der erste Kuchen in der Schublade abkühlt – rumstehen lassen geht nicht, sonst knabbert die Katze – backe ich den zweiten, der bestimmt auch gleich fertig ist. Dann kriegt der erste Kuchen noch eine Schokoglasur, der zweite eine Staubzuckerschicht und für heute ist Ende, aus, Schluss, vorbei.
Was alle anderen in Bloggerhausen so am 5. gemacht haben, lässt sich bei Frau Brüllen nachlesen: Was machst du eigentlich den ganzen Tag, fragt sie jeden Monat aufs Neue.

Eine Bettgeschichte im Lyrimo

Lass mich doch in Ruhe schlafen, was gehen mich schließlich die Mäuse an???

Mit Sack und Pack zieht Familie Maus
im letzten Winter ins warme Haus,
draußen klimpert leise der Wind
auf den Eiszapfen ein Lied. Geschwind
graben sich die Mäuse zwischen Lehm
und Balken ein Loch, wo sie bequem.
Ließen gesammelte Schätze unten im Garten
Die würden – tiefgekühlt – bis zum Frühjahr warten.
Plötzlich war der Käse verschwunden,
auch die Pralinen wenige Stunden
später fort. Trotz zweier Kater
Die schliefen, sie ging das Theater
überhaupt nichts an. Meinten sie, bis
in kalter Nacht die Maus vergisst
ihre Angst vor Katzen und mir.
Sucht Wärme und das kleine Tier
kriecht unter die Decke, kuschelt, strampelt
mit ihren Füßen, sucht mit Gehampel
ein sicheres Plätzchen, nur mir ist’s
zu eng mit Maus. Sie merkt es
und huscht wieder weg. Am Morgen
danach such ich ihr Loch. Voll Sorgen
doch hinter dem Bett
sind Wollmäuse nur. Ich saug sie weg,
leg die Kündigung hin: Drei Tage
bleibt Zeit, auszuziehen. Sonst klage
ich nicht, sondern hole die Fallen
aus dem Speicher. Und stell sie vor allem
gefüllt mit Nutella und Käse
und hoffe, dass keine Askese
die Mäuse betreiben.
(Sonst würden sie bleiben).

 

einsilbig

ein – sil – big
will der Tag
sein. Wert ist
die Ruh, nur kein Geld
der Welt
reicht, ihn zu sehn.
Wer will, kann ihm
Zeit sein –
die Uhr zeigt den Grad
der Näh an
und der Zahn nagt
am Tuch.

 

 

 

 

 

 

Während der Tag als solcher heute aus den drei T: texten, telefonieren und Teetrinken bestand, klang der Abend mit einer Lesung aus. Moni hatte sich zu selbstfahrenden Autos Gedanken gemacht, und mir gefielen besonders die lyrischen Texte.

abendgrün


abendgrün
glimmt das Katzenauge
in der Dunkelheit
gib acht
sie sitzt regungslos
und wartet nur
dass du kommst

 

Gestern wurde die Lieblingshausziege als Jahrgangsbeste von der IHK Mittelfranken geehrt – gemeinsam mit rund 50 anderen Azubis. Jeder marschierte im Festsaal einzeln nach vorne, es gab eine Urkunde und einen Acrylblock mit einer Lasergravur vom „Haus der Wirtschaft“ am Nürnberger Hauptmarkt, der Adresse, in dem seit 1560 die Verwaltung der Nürnberger Kaufleute zu Hause ist. Da sich jeder für den Weg vom Platz zur Bühne ein Lied wünschen durfte, wählte die Lieblingshausziege mit dem Imperial March aus StarWars ein sehr markantes Theme.

Zur Belohnung durfte sie sich in Evas Teeplantage Tee aussuchen, wir haben noch eine Tasse miteinander getrunken, dann fuhr ich wieder nach Hause.

Immerhin war ich vormittags beim Friseur, habe Azubischreck gespielt: Mich mit meinen nun schon recht langen Haaren hingesetzt, die Spange gelöst und gesagt, joa, machen Sie mal. Spoiler: Es wurde sehr gut, hat allerdings gut anderthalb Stunden gedauert.

 

Tagebuchbloggen am 5. November

Sonderfahrt
zum Abstellgleis –
doch vorher: Gas geben und
mit Volldampf
gegen den Rammbock fahren.

 

Schon wieder November. Ich hätte es ja längst merken müssen, schließlich ist es jeden Abend zwei Minuten früher dunkel und jeden Morgen zwei Minuten später hell. Doch wie an jedem fünften des Monats möchte die freundliche Blognachbarin Frau Brüllen wissen, was ich den ganzen Tag so gemacht habe. Nun denn:

Nach der Raubtierfütterung fuhr ich in die große Stadt, die Metropole, wie sie auch genannt wird, war auf zwei Terminen und habe mir anschließend so lange Nüsse knabbernd und schwätzend die Zeit vertrieben, bis es spät genug war, die Lieblingshausziege von der Arbeit abzuholen. Ich hatte noch allerhand Kleinkram für sie im Auto, wir fuhren gemeinsam zu ihr, räumten alles in ihre Wohnung und aßen die gestern übrig gebliebenen gefüllten Nudeln mit einer Sauce aus Kürbis und Tomaten. Es blieb noch Zeit für einen Tee, dann fuhr ich zurück.

Der Frankenschnellweg war dank Unfall zum Frankenstehweg mutiert, es dauerte also eine Weile, bis ich wieder zu Hause war. Fürs Abendessen war es inzwischen zu spät, ich habe mir also nur einen Block geschnappt und fuhr wieder los. Gemeinderatssitzung in einer Gemeinde, in der ich noch nie war. Der Bürgermeister war so nett und hat mir auf einem Zettel notiert, wer auf welchem Platz rund um den Tisch saß. Andernfalls hätte ich nämlich nicht gewusst, wer da zu welchem Thema was zu sagen hatte. Zwar hat mich der Geschäftsleitende Beamte vor der Sitzung noch gewarnt, dass die Sitzung gewöhnlich sehr friedlich und kooperativ abläuft, aber irgendwie wollten die Herren nicht so. Bevor sie über ihre Beschlüsse abstimmten, haben sie hin und her und gar nicht einmütig, sondern recht kontrovers diskutiert und ich schrieb fleißig mit.

Jetzt ist ein langer Tag vorbei, es ist spät und ich bin müde. Gute Nacht.

Ganz im Vertrauen

Ganz im Vertrauen
trau ich dir über den Weg,
den wir ein Stück gemeinsam
gehen, von dem wir
abweichen und ins Grüne
laufen, immer wenn es uns gefällt.

Wer unterwegs ist, braucht ebenfalls jemanden, dem er vertrauen kann, jemand, der ihm den rechten Weg weist, ein Wanderführer, so wie dieser:

„Sagenhafter Aischgrund“

Mehr als ein Wanderführer von Christiane Kolbet und Werner Rosenzweig

Vor vielen hundert Jahren wurden im Aischgrund die ersten Fischweiher angelegt. Bis heute existieren noch 7.000 von ihnen, eine fast unvorstellbar große Zahl. Dabei ist die Aisch an sich ein recht kleiner Fluss, der von der Quelle bis zur Mündung gerade etwas mehr als 80 Kilometer braucht. Er ist eine kleine Lebensader, die von Marktbergel über Bad Windsheim, Neustadt an der Aisch, Uehlfeld, Adelsdorf bis Hallerndorf führt, selbst weiter entfernte Orte zählen sich zu ihrem Einflussbereich.

Über dieses Land der Karpfenteiche, Bierkeller, Weinhänge und Heilquellen hat Christiane Kolbet gemeinsam mit Werner Rosenzweig einen Wanderführer verfasst, der nicht nur Lust auf vernetzte Wege zum Wandern und Radfahren einlädt, sondern gleichzeitig viel Wissenswertes und Sagenhaftes rund um den Aischgrund verrät. Insgesamt 21 kleine Städte und Gemeinden werden ausführlich beschrieben. Was diesen Wanderführer so ungewöhnlich und liebenswert macht, sind die Sagen und Geschichten, die er rund um die Orte erzählt, wie beispielsweise die Sage um das Steinkreuz am Karlsweg bei Weisendorf, die von einem bösen Vogt erzählt und von zwei jungen Burschen, die ihm auflauerten und töteten.

Wander- und Radwege, ganz gleich, ob sie rund um das Dorf oder von einem Ort zum anderen führen, werden in dem Buch beschrieben, ebenso die Daten, an denen Veranstaltungen im jeweiligen Ort diesen zu einem besonderen Magneten werden lassen. Selbstverständlich gibt es Tipps, wo ein hungrige und durstige Wanderer einkehren und fränkische Küche genießen können, zu denen in dem Monaten mit „r“ auch der berühmte Aischgründer Spiegelkarpfen gehört. Auf über 225 Seiten stehen viele gut aufbereitete und vor allem gut geschriebene Informationen und Anekdoten, so dass der Wanderführer ein echter Schmöker ist, Pflichtlektüre für alle, die den Aischgrund lieben.

Buchinformation
„Sagenhafter Aischgrund“
Christiane Kolbet und Werner Rosenzweig
Engelsdorfer Verlag Leipzig
ISBN 978-3-96145-787-8
Preis: 12 Euro
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Der beste Tag ist immer heute

Morgen. Morgen fange ich damit an – und schiebe doch wieder alles weiter, sämtliche Vorhaben und guten Vorsätze. Der nächste Tag ist dankbar und vor allem geduldig, er nimmt alles hin und mahnt nichts an. Dabei ist der Weg vom Wollen zum Machen überhaupt nicht mit Hindernissen gepflastert, ich allein bin es, die faul sitzen bleibt, wenn sie eigentlich laufen will, die lieber mit den Katzen schmust als zu bloggen.

Allerdings habe ich hier Hausrecht und kann – mein Blog sei Dank – so oft oder so wenig schreiben wie ich will. Seit jedoch nicht mehr die bei den Iron-Bloggern übliche Strafe von fünf Euro fürs wöchentliche Nicht-Bloggen droht, muss ich mich selbst antreiben, manchmal gelingt es, oft jedoch nicht.

Gerade habe ich mir eine Tasse Tee aufgegossen und erst in dem Moment bemerkt, dass der kalte Tee noch an dem Platz steht, auf den ich den heißen Tee stellen wollte.

Sonnige Lichtblicke gibt es immer und überall

Ein einziger fränkischer Ironblogger bloggt regelmäßig und tapfer und wird daher noch gelistet. Als ich mich übrigens dort angemeldet habe, war ich von der Aussicht auf Bier noch wenig begeistert, schließlich trank ich damals keins. Das hat allerdings den für den nordhessischen Regionalteil der Zeitung zuständigen Redakteur keineswegs daran gehindert, mich zu einer Bierverkostung zu schicken. Zu Hefeweizen, Pils und anderen Biersorten wurde Schokolade, Ahle Wurst, Käse oder Räucherfisch serviert. Ich hab alles brav probiert und – nach einem winzigen Schluck – das Bier an die neben mir Sitzenden weitergereicht. Die waren davon deutlich begeisterter.

Und heute? Die fränkischen Biere sind schon sehr lecker, genauso der fränkische Wein. So gesehen, habe ich mich – im Vergleich zu vorher – deutlich verbessert.

Neulich ein Gespräch belauscht, unfreiwillig selbstverständlich, andernfalls hätte ich mir die Finger in die Ohren stecken müssen: „Wenn ich auf etwas Appetit habe, muss ich es gleich machen, am nächsten Tag ist es zu spät“, sagt eine Frau zur anderen und erzählt, dass sie im Fernsehen gesehen hat, wie Tomaten für glatte Haut sorgen können: „Ich hab Tomaten gekauft, sie abgezogen, püriert, mit Honig als Maske verrührt und jetzt stehen sie schon 14 Tage rum, deswegen werfe ich sie weg“, worauf die andere entgegnet, dass sich ihre 99jährige Schwiegermutter ihr ganzes Leben lang nur mit Kernseife gewaschen hat. „Haut ist Veranlagung“, nickt sie wissend: „aber manche machen einfach alles mit dem Solarium kaputt“.

Ich will jetzt nichts versprechen, was ich dann nicht halten kann, aber ich habe mir echtundernsthaft vorgenommen, wieder mehr zu bloggen. Ideen und Gedanken dazu habe ich reichlich, ich muss sie nur hier festhalten.

12 Bilder vom 12. Oktober

Ich bin im Allgäu unterwegs. Zusammen mit Susanne Hausdorf und einigen anderen Bloggern und Journalisten.  Heute waren wir in Kempten  unterwegs und erfuhren beispielsweise, dass es die älteste Stadt in Deutschland ist.

Nachbildung römischer Backöfen in Kempten.

Blick von oben auf die Stadt.

Wir sind im Hofgarten unterwegs.

Ein Backkurs bei zwei Schwestern gehörte ebenfalls zum Programm.

Im Allgäu sind nicht nur die Wiesen, sondern auch die Streusel grün.

Kurz vor dem Abendessen warten die leeren Gläser auf ihre Befüllung…

Nachtisch. Jetzt bin ich echt satt – und gehe ins Bett. Auch wenn es noch keine zwölf, sondern erst acht Bilder sind. Gute Nacht.

Verbunden mit „draußen nur Kännchen“: Dort gibt es noch viel mehr Bilder zum Gucken.