Der Anfang #txt

Wann beginnt etwas mit einem eindeutigen Zeichen, wie beispielsweise eine Schulstunde mit dem Klingeln, wenn der Lehrer die Klasse betritt, alle aufstehen, gu-ten-Mor-gen brüllen und wann beginnt etwas eigentlich wirklich? Es gibt jeden Tag einen Anfang, der einfach das Ende des vorhergehenden Tages übernimmt, einfach an ihn anknüpft. Das gilt auch dann, wenn in den Geschichtsbüchern später steht: Seit fünf Uhr wird zurückgeschossen. Das war ja nicht der Anfang, sondern es setzt bereits Begonnenes fort.

Das war bei G. nicht anders: Kriegsbeginn im Juni 41 setzte für ihn nur einen Zustand fort, unterbrochen von ein paar Wochen Langeweile. Schließlich war das bereits sein dritter Krieg, nach dem Einmarsch in Polen und später in Frankreich – auch wenn das Wort Einmarsch das Vorrücken in geschlossener Front suggeriert, ein Fortsetzen des bisherigen, des gewohnten Lebens, aber ein Anfang war es nicht.

Wann fing es denn an? Begann es, als G. ein amtliches Schreiben erhielt, mit Stempel und Unterschrift, das ihn zu einer festgelegten Uhrzeit in die Kaserne befahl?

Oder fing es an, als er seine zivile Kleidung auszog, seine Hosen – wie gerne er auch noch kurze Hosen getragen hätte und Kind geblieben wäre – doch er war nicht Oscar, er war G., hatte gerade die Lehrzeit im Büro überstanden, lebte noch zu Hause bei den Eltern und war gleichzeitig für alt genug befunden, am Gewehr ausgebildet zu werden.

Wann fangen Dinge an? Sind an einem kalten Tag genügend Menschen in einem Raum mit großen Fenstern, beschlagen diese, bis innen das Wasser herabrinnt. Die Feuchtigkeit kondensiert auf den kalten Scheiben, bildet zunächst einen leichten Hauch, wird dichter, bald sind die Konturen der Straßen gerade noch erkennbar. Irgendwann wird alles zu einem dichten Nebel, undurchdringlich für alles, was von außen an Licht eindringen möchte. Dann gibt es den Punkt, an dem sich das Kondensat verdichtet, es zieht sich zu einem Tropfen zusammen, sammelt sich immer weiter, so lange, bis dieser so schwer ist, dass er an der Scheibe herunterrinnt und eine Spur hinterlässt. Dann ist die Welt draußen wieder sichtbar – aber nur in dem schmalen Streifen, die der herabrinnende Tropfen in den Nebel gezogen hat.

Der Steg hat einen Anfang. Oder?

Wann fängt also etwas an?

Fängt ein neues Leben mit dem Zeitpunkt der Befruchtung an? Oder beginnt es nicht schon in dem Moment, in dem sich zwei Menschen begegnen, erkennen, lieben?

Jeder Anfang ist nur ein gesetzter, der, den wir sehen, weil wir aus der Gegenwart die Vergangenheit betrachten und – weil sie uns nicht mehr unmittelbar zugänglich ist – ordnen möchten. Da: Zu diesem Zeitpunkt hat es angefangen.

Doch die Setzung ist genauso willkürlich wie jede andere Ordnung auch.

Ein Buch hat einen Anfang: Es hat einen Einband, eine erste Seite. Doch vorher wurde es gedruckt, geschrieben und lebte schon lange in den Gedanken seines Autors.

Es gibt keinen Anfang.

Alles war schon immer da.

Verbunden mit: Projekt txt. Das erste Wort lautete „Anfang“.

Heimat aus Männer- und Frauensicht #Frapalywo

Einst
zogen Männer in die Ferne,
kämpften, eroberten, arbeiteten in der Zuckerfabrik
die Frauen gebaren, sorgten, bestellten Haus und Hof
hüteten Kinder und Garten.
Jetzt
gehen Frauen los,
lernen, studieren, erobern die Städte
ziehen in die Welt
nur die Dummen und Alten und Immobilen bleiben
an die Scholle gebunden.
Erst wenn das Müllauto
nicht mehr kommt
macht der Letzte
das Licht aus.

Verbunden mit: Frau Paulchen und der Frapalywo, der Frau Paulchen Lyrikwoche. Dieses Mal habe ich einfach zwei Impulse miteinander verknüpft.

Tagebuchbloggen am 5. Februar

Da Katzmatz mitten in der Nacht die Stifte auskramen und mit ihnen spielen wollte, habe ich sie kurzerhand aus dem Schlafzimmer verbannt. Lange hat es nicht genützt: Bei nächster Gelegenheit kam sie wieder und legte sich dann aber brav zu mir. Allerdings war damit die Nachtruhe perdu, ich habe das Leselicht angeknipst und eine Weile gelesen. Morgens wunderte sich die Lieblingshausziege, warum ich noch im Bett lag, obwohl doch die Sonne schien.

Der Sonnenschein war tatsächlich prächtig, nach so langer Zeit ohne selbigen fällt mir allerdings viel besser auf, wo sich in der Zwischenzeit Staub angesiedelt hatte. Auf dem Fensterbrett lagen noch Blumenzwiebeln, bei denen inzwischen das Grün spitzte, obwohl sie noch ganz ohne Erde waren. Jetzt sind Amaryllis, Hyazinthen und die restlichen Tulpen auf Töpfchen verteilt, die vergessenen Osterglocken habe ich erst mal gewässert. Schaunwermal ob die noch leben. Jetzt sind Schuhschränke und Treppe geputzt, der Mitbewohner kramte dafür im Keller herum und filterte seine Likörchen.

Zum Mittag gab es Suppe aus halben Schälerbsen, Möhrchen, Würstchen und was sonst noch so wegwollte.

Bei Instagram gibt es eine Challenge, initiiert von Anne Kubik und Gorana Guiboud-Ribaud, die habe ich im Januar bereits verfolgt. Da galt es, alles nur in Blau zu malen, jetzt im Februar ist unter dem Hashtag #einefarbereicht Gelb dran. Seit ein paar Tagen sitze ich also und male. Es geht schnell und macht Spaß.

Hach. In Trithemius‘ Teestübchen geht es dafür um die Handschrift, unsere Handschrift, die oft so unleserlich ist und nicht nur deswegen oft selten genutzt wird. Da genügend Zeit war, habe ich die Seite gleich geschrieben.

Aber irgendwie ist es seltsam: Kaum mache ich Dinge, die nicht zum gewöhnlichen Tagesprogramm gehören, scheint sich der Tag zu dehnen und es passt viel mehr in die Stunden hinein. Ich meine, heute bin ich schon später aufgestanden, habe länger herumgesessen, Mittag gekocht, Zwiebeln gepflanzt, gemalt – gut, das war heute nur ein Bild mit zwei Gummistiefeln – und eine Seite mit der Hand geschrieben.

Text mit Kalligrafiefüller geschrieben

Verbunden mit: Frau Brüllen, die wie jeden fünften des Monats sämtliche Tagebuchblogger unter ihren Fittichen versammelt. Wer wissen will, was die anderen alle so gemacht haben, klickt einfach auf obigen Link.

Heimat ist Erde #Frapalywo

Nebel nieselt nass
Sonne senkt sich sonderbar sanft
leise lispelt lindgrün Laub
es erzählen Erlen
von vergangenen Verhältnissen
Brücken binden behutsam beide
unüberwindlichen Ufer und
Wurzeln wachsen winters weiter
in irdische
Tiefen.

Verbunden mit: Frau Paulchen und der Frapalywo, der Frau Paulchen Lyrikwoche. Der Impuls lautete: Heimat ist Erde, das Stück Gras vor der Tür.

Heimat ist Sprache, Sprache ist Heimat #Frapalywo

Muttersprache im Vaterhaus
Kirchturmglocke schlägt die Stunde
und die Nachbarin fragt:
Sind das Eure?
Achte
auf das
was die Leute denken.
Was weiß ich denn
von ihnen
oder vo
mir.
Wie Gespinste hüllen Worte
wärmen und fesseln,
sind heimatliche Fremde
und fremde Heimat zugleich.

Verbunden mit: Frau Paulchen und der Frapalywo, der Frau Paulchen Lyrikwoche mit dem Impuls: Heimat ist Sprache, Sprache ist Heimat.

Alles für die Katz #73

Noppenfolie. Liegt Noppenfolie auf dem Tisch, dem Fußboden oder einer anderen Stelle herum, die von der Katz gut erreicht werden kann, dann ist sie begeistert. Sie zerrt die Folie auf den Fußboden, tatzt mit den Pfötchen, krallt sich hinein und ackert so lange mit der Folie herum, bis sämtliche Noppen luftleer und platt getatzt.

Katze mit Noppenfolie

Katze mit Noppenfolie

alles_fuer_die_katz_logo_120x120Wer sich gerne am Projekt “Alles für die Katz” beteiligen möchte, kann das an jedem 1. und 15. des Monats machen.

Einfach den eigenen Beitrag im Kommentar verlinken: Und schon freuen sich alle Katzenfans über schöne Bilder. Das von Kerstin gestaltete Logo darf sich auch jeder mitnehmen und verwenden, der bei “Alles für die Katz” dabei ist. Klickt euch durch die Galerie der Katzen, streichelt ihnen über den Kopf, lasst euch auch einmal anfauchen – und sagt einfach denen, die sie fotografiert haben, wie schön ihre Katzen sind.

Tagebuchbloggen am 5. Januar

Es ist wieder der Monatsfünfte, da will die freundlichen Nachbarin Frau Brüllen gerne wissen, was wir den ganzen Tag so machen. Ja, dann:

Da ich Weihnachten nicht bei den Eltern war, haben wir uns einfach gestern auf die Socken gemacht, ins Auto gesetzt und sind gefahren.

Heute morgen stand dann schon fast das Frühstück auf dem Tisch, als ich mich endlich dazu aufraffen konnte und aufstand. Da es regnete, haben wir uns anschließend ins Wohnzimmer gesetzt, ich habe einen Socken genadelt und die Mutter erzählte, wie Weihnachten ablief, wer was gemacht, gesagt oder gemeint hat. Selbstverständlich nicht ohne ihre Wertung – aber dieses Mal habe ich das einfach überhört. Schließlich weiß ich schon, warum ich dort recht selten bin. Ja, ich weiß, wer nicht anwesend ist, über den wird erzählt, bis sich die Balken biegen – aber deswegen erzähle ich ja auch nicht viel. Und schon gar nicht von den Sachen, die mir wirklich wichtig sind.

Allerdings habe ich auch die Gelegenheit genutzt und gefragt, mit was die Urgroßeltern und die Großeltern ihren Lebensunterhalt verdient haben und was sie dafür gelernt haben. Das war durchaus interessant – es kommen immer neue Aspekte zu den Dingen hinzu, die ich schon weiß.

Der Vater hat – auf meinen Wunsch – am Morgen schon einen Heringssalat zubereitet, den es abends dann zu essen gab. Nach dem Mittag klarte es ein wenig auf, so war Gelegenheit für einen ausgiebigen Spaziergang, bei dem wir eigentlich durch die Stadt gehen wollten, dann jedoch ganz spontan lieber die andere Richtung nahmen.

Jetzt ist es schon wieder dunkel und es passiert nicht mehr viel. Deswegen könnt ihr gerne bei den anderen Tagebuchbloggern nachlesen, was sie den heutigen Tag über gemacht haben.

Verbunden mit: Frau Brüllen