Der beste Tag ist immer heute

Morgen. Morgen fange ich damit an – und schiebe doch wieder alles weiter, sämtliche Vorhaben und guten Vorsätze. Der nächste Tag ist dankbar und vor allem geduldig, er nimmt alles hin und mahnt nichts an. Dabei ist der Weg vom Wollen zum Machen überhaupt nicht mit Hindernissen gepflastert, ich allein bin es, die faul sitzen bleibt, wenn sie eigentlich laufen will, die lieber mit den Katzen schmust als zu bloggen.

Allerdings habe ich hier Hausrecht und kann – mein Blog sei Dank – so oft oder so wenig schreiben wie ich will. Seit jedoch nicht mehr die bei den Iron-Bloggern übliche Strafe von fünf Euro fürs wöchentliche Nicht-Bloggen droht, muss ich mich selbst antreiben, manchmal gelingt es, oft jedoch nicht.

Gerade habe ich mir eine Tasse Tee aufgegossen und erst in dem Moment bemerkt, dass der kalte Tee noch an dem Platz steht, auf den ich den heißen Tee stellen wollte.

Sonnige Lichtblicke gibt es immer und überall

Ein einziger fränkischer Ironblogger bloggt regelmäßig und tapfer und wird daher noch gelistet. Als ich mich übrigens dort angemeldet habe, war ich von der Aussicht auf Bier noch wenig begeistert, schließlich trank ich damals keins. Das hat allerdings den für den nordhessischen Regionalteil der Zeitung zuständigen Redakteur keineswegs daran gehindert, mich zu einer Bierverkostung zu schicken. Zu Hefeweizen, Pils und anderen Biersorten wurde Schokolade, Ahle Wurst, Käse oder Räucherfisch serviert. Ich hab alles brav probiert und – nach einem winzigen Schluck – das Bier an die neben mir Sitzenden weitergereicht. Die waren davon deutlich begeisterter.

Und heute? Die fränkischen Biere sind schon sehr lecker, genauso der fränkische Wein. So gesehen, habe ich mich – im Vergleich zu vorher – deutlich verbessert.

Neulich ein Gespräch belauscht, unfreiwillig selbstverständlich, andernfalls hätte ich mir die Finger in die Ohren stecken müssen: „Wenn ich auf etwas Appetit habe, muss ich es gleich machen, am nächsten Tag ist es zu spät“, sagt eine Frau zur anderen und erzählt, dass sie im Fernsehen gesehen hat, wie Tomaten für glatte Haut sorgen können: „Ich hab Tomaten gekauft, sie abgezogen, püriert, mit Honig als Maske verrührt und jetzt stehen sie schon 14 Tage rum, deswegen werfe ich sie weg“, worauf die andere entgegnet, dass sich ihre 99jährige Schwiegermutter ihr ganzes Leben lang nur mit Kernseife gewaschen hat. „Haut ist Veranlagung“, nickt sie wissend: „aber manche machen einfach alles mit dem Solarium kaputt“.

Ich will jetzt nichts versprechen, was ich dann nicht halten kann, aber ich habe mir echtundernsthaft vorgenommen, wieder mehr zu bloggen. Ideen und Gedanken dazu habe ich reichlich, ich muss sie nur hier festhalten.

12 Bilder vom 12. Oktober

Ich bin im Allgäu unterwegs. Zusammen mit Susanne Hausdorf und einigen anderen Bloggern und Journalisten.  Heute waren wir in Kempten  unterwegs und erfuhren beispielsweise, dass es die älteste Stadt in Deutschland ist.

Nachbildung römischer Backöfen in Kempten.

Blick von oben auf die Stadt.

Wir sind im Hofgarten unterwegs.

Ein Backkurs bei zwei Schwestern gehörte ebenfalls zum Programm.

Im Allgäu sind nicht nur die Wiesen, sondern auch die Streusel grün.

Kurz vor dem Abendessen warten die leeren Gläser auf ihre Befüllung…

Nachtisch. Jetzt bin ich echt satt – und gehe ins Bett. Auch wenn es noch keine zwölf, sondern erst acht Bilder sind. Gute Nacht.

Verbunden mit „draußen nur Kännchen“: Dort gibt es noch viel mehr Bilder zum Gucken.

Tag der Einheit

Dritter Oktober, Tag der Einheit. Was offizielle Feiertage alles so verkünden, Einheit.

Frieden. Am ehemaligen Point Alpha.

Ehrlich? Wir sind 1990, weil wir renoviert haben, in unseren alten Sachen in den Westen gefahren, nach drüben, wir wollten irgendwas kaufen. Auch wenn ich nicht mehr weiß, was wir gebraucht haben, weiß ich noch, dass mein Bruder ganz stolz darauf war, dass er in seinen alten Klamotten nicht als Ossi erkannt wurde.

Später habe ich in Kassel studiert und gearbeitet, immerhin gab es zwar Bafög, doch das war recht wenig. Die vorgesetzte Kollegin, eine ganz liebe Frau, hatte einen deutlich erkennbaren östlichen Akzent. Woher sie kommt? Neinnein, auf keinen Fall aus dem Osten.

Ich musste raus aus der alten Wohnung, mir eine neue suchen. Eine Bekannte zog ebenfalls um, ihre Wohnung wurde frei. Die Vermieterin winkte ab. Nebenan bei der Nachbarin wohnte schon ein Ossi, der holte sein Heizöl immer an der Tankstelle, das wollte sie nicht.

Das Kind wechselte von der Grundschule auf das Gymnasium. Seit dieser Zeit nannte sie nicht mehr den Osten als Herkunft, sondern unseren damaligen Wohnort, allein, damit sie deswegen nicht mehr gehänselt wurde.

Es hat viele Jahre gedauert, bis ich in Gesprächen wirklich auf die Frage geantwortet habe, woher ich kam. Manchmal ist das auch der Moment, an dem ich sicher weiß, mit wem ich mich danach nicht mehr unterhalten möchte.

 

Die alte Kegelbahn

Es ist noch gar nicht so lange her, erzählte der Begleiter, als wir auf dem Parkplatz vor dem Einstieg zur Hausbachklamm an einem Holzbau vorbeigingen. Der Gasthof auf der Straßenseite gegenüber hatte für immer geschlossen und neben dem Holzbau rann emsig Wasser in einen hohlen Baustamm, der zu einem hölzernen Trog geworden war.

Es ist noch gar nicht so lange her, und ältere Menschen aus umliegenden Dörfern erinnern sich wohl noch daran, dass die Kegel auf der Kegelbahn von Buben aufgestellt wurden, wenn sie von der Kugel getroffen gefallen waren. Jetzt tanzen nur noch Staubkörnchen im Licht, an den Seiten lehnen alte Fenster, weil es hier keine Sicht auf bessere Zeiten mehr gibt. Spinnen weben in den Ritzen ihre Netze, halten alles Vergangene fest, auch das Kollern der Kugeln, die, von der Hand gelassen, über die Bahn rumpeln, bis am Ende ein, zwei oder neun Kegel fallen.

Es riecht nach Staub, nach harzigem Holz in der Sonnenwärme, vielleicht auch nach einer letzten Zigarette. Warum ist die Sehnsucht nach Vergangenem so stark?

Es entspricht nicht mehr den modernen Bedürfnissen, heißt es, wenn ein Haus abgerissen wird, damit Platz für Neues kommt. Doch wer bestimmt, was genau die Bedürfnisse, unsere und damit auch meine Bedürfnisse sind? Ich würde gerne einen Besen nehmen, den Boden fegen, die Scheiben von den Spinnweben befreien und die Sonnenstrahlen einladen. Dann ist es warm genug für alle, für mich, die Mäuse, das trockene Laub und die Zeit. Hier ist sie zu Hause, scheint mir, hier wohnt alle Zeit, die in der Welt ist. Das Lachen perlt als Echo von den Wänden, Bierflaschen werden zischend geöffnet und stoßen mit den Böden aneinander, bevor die Menschen ihren ersten Schluck trinken.

Hier spielt es keine Rolle, wer jemand ist, was er macht, wie viel er hat, es gibt Brotzeit, Bier und Limo, das reicht völlig aus. Und alle sitzen gemeinsam auf Bänken, ist der Witz gelungen, schlagen sie zustimmend mit der Hand auf den Tisch, klopfen dem Nachbarn die Schulter und genießen einfach den Abend als echten Feierabend, nach getaner Arbeit, ob auf dem Feld oder im Wald. Sie können sehen, was sie geschafft haben, das ist mehr, als mancher von uns heutzutage sagen kann, vor allem dann, wenn Buchstaben virtuell bleiben und Zahlen über das Leben der Menschen verfügen.

Erinnern wir uns daran, was wirklich wichtig ist, die Nähe zu den anderen, eine Nähe, bei der ich die Wärme spüren kann, weil die Bank sonst nicht für alle reicht.

Verbunden mit Cubus Regio und „Das wars“.

Blitzableiter mit Winkelement #Rostparade

Ist ein Berg noch nicht hoch genug, lässt sich auf ihm ein Turm erbauen, so wie auf dem Schwarzen Grat an der Grenze zwischen Baden-Württemberg und Bayern. Der schwarze Grat ist der höchste Berg der Adelegg, einer dicht bewaldeten Berglandschaft im Westallgäu. Der Aussichtsturm ist noch einmal 30 Meter höher und wer sämtliche Stufen nach oben geschafft hat, wird mit einer rundum guten Aussicht belohnt.

Aber um die Aussicht geht es mir heute überhaupt nicht, die kommt später dran. Das hölzerne Turmdach war mit einem Blitzableiter versehen, so weit, so vorhersehbar. Doch was macht diese kleine runde Platte? Ich konnte sie wie einen kleinen Winker auf und ab bewegen, da es aber keinen Haken oder etwas ähnliches gab, fiel sie immer wieder in ihre Ausgangsposition zurück.

Da das kleine Winkelement mit Rost überzogen ist, kommt es jetzt einfach in die Rostparade bei Cubus Regio. Vielleicht kann mir jemand verraten, wozu es eigentlich dient.

Hoch hinaus

Insgesamt 120 Stufen muss ich steigen, will ich hoch oben vom Bismarckturm über das Kasseler Becken blicken. Er steht auf dem Brasselsberg, ist einer von ehemals 240, von denen noch 173 in ganz Deutschland verteilt stehen.

Stufen im Inneren des Bismarckturmes

Bis ich dorthin komme, gehe ich Stadtrand entlang, einem Stadtrand der ganz anderen Art. Während an anderen Rändern Industriegebiete die Ränder ausfransen, grenzt hier die Bebauung direkt an das Naturschutzgebiet. Alles ist mit Hecken blickdicht bepflanzt, selbst Kinderlachen klingt nur gedämpft hindurch. An der Straßenbahnschleife Druseltal weist der Wegweiser auf den linken der sternförmig verlaufenden Wege, wenn ich schnell und direkt zum Turm kommen will. Da ich die Wegmarkierung bereits an der nächsten Ecke nicht mehr finde, nehme ich den  längeren Weg, Zufall sei Dank.

Meine Schritte knirschen auf dem Splitt. Bleibe ich stehen und lausche, kann ich hören, wie die dürren Blätter von Buche und Ahorn leise raschelnd auf den Boden fallen. Ich bin im Habichtswald, doch nicht weit von mir entfernt ruft ein Falke, kurz danach ein zweiter. Als ich weitergehe, fliegt einer auf und der zweite bleibt sitzen. Ich gehe nicht zu ihm, was sollte ich da auch? Sind sie am Fressen, störe ich nur. Ist einer verletzt, kann ich ihm auch nicht helfen, zu groß wäre seine Angst vor mir. Ist es ein Jungvogel, der sich zu früh aus dem Nest gewagt und jetzt auf dem Boden nicht starten kann nun, der muss allein Fliegen lernen. Ich kann es nicht.

Ich laufe an den Bilsteinklippen vorbei, steige einer von ihnen auf den von hinten so unscheinbar anmutenden Rücken, und staune, wie weit es vorne in die Tiefe geht.

 

 

 

 

 

Bald ragt vor mir der Turm auf, quadratisch, fest aus Basalt gefügt. „Götterdämmerung“ nannte der Architekt seinen Entwurf, jetzt steht er da, mit dem Sockel im Schatten, in der Dämmerung, doch die Spitze sonnenbeschienen.

Von hier oben ist schließlich die Sicht weit, eine Tafel erklärt, was ich sehen kann. Die kleinen Sorgen, sämtliche Ausreden, alles, was mich tagsüber beschäftigt, bläst der Wind einfach fort. Ja, ich kann hier den ganzen Tag einsam und allein mit mir und fünf Katzen verbringen, am Computer sitzen, schreiben, lesen, nachdenken, manchmal klingen die Stimmen der Nachbarn und das Geschrei der Kinder bis zu mir und wenn ich denke, och mönsch, muss das jetzt, könnt ihr nicht leise, denke ich auch daran, dass das heute die einzigen menschlichen Laute sind, die ich höre.

Ich war nie viel allein, immer war noch jemand da, der was wollte, der mich brauchte, doch jetzt, seit die Lieblingshausziege nun ausgezogen ist, kann ich ganz allein und einsam sein, ausprobieren, ob mir das zusagt – oder eher nicht.

Sicher, ich habe hier in der Stadt mal gewohnt, einige Jahre sogar, ich könnte im Telefonbuch oder eher im Internet nachsehen, wer hier noch wohnt, von denen, die ich kenne.

Ich lasse es.

Ich wüsste im Moment nicht, woran ich knüpfen könnte, es gibt ja seit Jahren nichts Verbindendes mehr. Wir könnten uns nur gegenseitig erzählen, was wir jeweils erreicht, wo wir gewesen, was wir gemacht, doch danach geht jeder wieder seines Wegs, nach einem „schön war’s“ und „meld dich mal wieder“ vergisst jeder auch gleich, was der andere gesagt hat.

Das also nicht.

Verbunden mit: Czoczo und dem Black und White-Bild des September. 

Am Stadtrand unterwegs

Für eine Weile hüte ich fünf Katzen, ganz allein am Stadtrand. Ich habe Zeit für mich, für meine Texte, es ist niemand da, der etwas von mir will – außer eben den fünf Katzen, wenn sie Hunger oder ein Kuscheldefizit haben.

Gehe ich aus dem Haus und überquere die Allee, auf der gelegentlich die Feuerwehr mit lauter Sirene zu ihrem Einsatz ausrückt, bin ich schon in der Dönche, einem geschützten Gebiet. Die Vorboten des Herbstes sind unübersehbar, auch wenn es noch August und damit Hochsommer ist. Doch die sonnig gelb gefärbten Buchenblätter künden eher von Trockenheit, ebenso wie die Hüllblätter der Bucheckern, in denen in diesem Jahr keine Eckern wachsen. Vier stramm bewadete Frauen kommen mir entgegen, spießen ihre Stöcke im Takt der Schritte in den Boden, nicken mir zu. Viele Wege sind hier nur Pfade, verlaufen mäandernd, kreuzen sich wie zufällig, nur die Wege hinter den Häusern sind ebenso schnurgerade wie die beschilderten Hauptwege und mit Splitt bestreut.

Es scheint menschenleer, und ich bin mir für einen Moment nicht so sicher, ob meine Tasche klappert. Doch hinter einem winzigen Hügelchen sitzen drei junge Frauen auf Baumstämmen und reden miteinander. Trotz der Stadtnähe sind hier nur wenige Menschen unterwegs, vielleicht, weil es gerade gewittert und ziemlich heftig geregnet hat. Dabei ist vom Regen fast nichts mehr übrig, nur im hohen Gras werden die Schuhe nass.

Tief unten im Tal ein Rinnsal, ein Bächlein, es führt eine Brücke darüber und vor mir schnürt auf der Wiese ein Fuchs vorbei. Immer wieder sehe ich einsame Frauen mit großen Hunden und ich frage mich, sind die Tiere Ersatz für Partner, ich meine, schließlich widerspricht ein solcher Hund nicht, auch dann nicht, wenn Frauchen sich selbst nicht sicher ist, was sie will und das ist in der Regel mehr, als sich bei einem Partner erwarten ließe.

An der Infotafel bleibt ein Pärchen stehen, schmiegt sich eng aneinander und scheint nicht so recht zu wissen, wohin es heute gehen soll. Vielleicht suchen sie sich und ihren Umgang noch miteinander, bis sie in die wortlose Vertrautheit älterer Paare gelangen, bei der nichts mehr zu klären ist. Sie probieren noch, kosten ihre Zweisamkeit, bis sie Alltag wird, vielleicht einmal später. Nach einer Weile gehen sie weiter, in Richtung Westen, die Sonne umhüllt beide mit ihrem Glanz.

Auf der Wiese liegen Findlinge, große Buntsandsteine, richtig bequem zum Sitzen und Rasten, hier finde ich etwas, das ich nicht gesucht habe: Zwei Roste, Reste einer Grillparty, noch mit einem Bodensatz an Kohle. Warum können diejenigen, die diese Dinge ja einst mitgebracht, sie nicht wieder zurücknehmen und zu Hause entsorgen, wenn es denn schon so ein nur einmal benutzbarer Kram sein muss.

Eine Elster beschwert sich, gelegentlich keucht ein Jogger vorbei, das Hallo so munter betont, als müsse er beweisen, dass noch genügend Luft nach oben ist. Immer wieder sehe ich Kuhlen und Trichter in den Wiesen, vernarbte Wunden aus einer Zeit, in der hier Truppenübungsplatz war und von oben Bomben fielen.

Verbunden mit Cubus Regio und der Rostparade, auch wenn diesmal der Rost ein ganz anderer ist und dem Samstagsplausch bei Andrea Karminrot.

Die erste Eisenbahn #Rostparade

1835, also vor gut 184 Jahren, fuhr die erste Eisenbahn von Nürnberg nach Fürth. Sechs Kilometer weit ging die Reise auf gerade verlegten Schienen, da die kleine Bahn noch keine Kurven fahren konnte. Heute tobt der Verkehr am damals noch kleinen Bahnhof, der nicht etwa dort war, wo er heute liegt, sondern am Plärrer, einem großen Platz. Unten in der U-Bahn erinnern die Wandfliesen an die Geschichte der Eisenbahn. Das Denkmal auf der Strecke war mehrfach im Weg und wurde immer wieder an anderer Stelle errichtet, bis es heute direkt über der U-Bahn-Linie seinen – vielleicht – endgültigen Platz fand.

Neulich blieb uns nach einem Besuch im Germanischen Nationalmuseum noch genügend Zeit für ein: Ach, lass uns doch mal die Strecke zwischen Nürnberg und Fürth laufen, genau die Strecke, die damals die kleine Eisenbahn fuhr. Heute verläuft die Straße dort immer noch schnurgerade, auch wenn hier längst keine Schienen mehr liegen, sondern vierspuriger Verkehr auf Asphalt unterwegs ist.

An einer Stelle wird die Straße von einer neuen Eisenbahnbrücke überquert, auf der noch sämtliche Notizen der letzten Renovierung vermerkt sind.

Der Blick unter dieselbe zeigt: Irgendwie hat alles gut gehalten. Es ist kaum Rost zu sehen.

Verbunden mit: Der Rostparade bei cubusregio.

Samstagsplausch

Während der Regen heute ein leises Lied auf die Fenster getröpfelt hat, habe ich gebügelt. Ja, gebügelt. Ich finde bügeln nicht nur meditativ, sondern es eignet sich ausgezeichnet zum nachdenken.

Und da gab es so einiges:

Ganz egal ob der Ausstoß von Kohlendioxid nun besteuert oder qua Emissionshandel anderweitig teurer werden soll und ganz egal, ob die Regierung nun versichert, dass niemand unnötig und überhaupt dadurch belastet werden soll. Ganz gleich, wie hoch in den vergangenen Jahren der Benzinpreis gestiegen ist – fahren deswegen weniger mit unseren Autos? Werden statt dessen die (nicht mit Strom betriebenen) Fahrräder oder gar die eigenen Füße zur Fortbewegung genutzt? Statt dessen sollen jetzt E-Scooter kurze Entfernungen überbrücken, auf dass ja niemand mehr laufen muss.

Einkaufen: Steht der Einkaufsmarkt weit vor dem Ort, brauche ich das Auto. Logisch. Dafür gehe ich aber nicht mehr täglich hin, sondern wöchentlich. Ich kaufe mehr, schließlich soll es ja die Woche über reichen, und ich brauche mehr Platz im Kühlschrank, also wieder mehr Strom. Es ist wie eine Spirale, die sich stets höher dreht.

Kochen: Wer kochen lernt, braucht Zeit und Geduld. So ganz einfach ist es nicht, auch wenn sich manche Rezepte einfach lesen. Ich weiß noch genau, wie lange ich geübt habe, bis ich die Pfannekuchen unfallfrei und am Stück aus der Pfanne holen konnte. Bis dahin war es eher eine Art „Rupfkuchen“, oder, wie die älteste Lieblingshausziege sagte, Mama, lass mal, ich esse die Eierkuchen lieber bei Oma. Wer schon einmal auf der Hausfrauenmesse zusehen konnte, wie virtuos dort Küchen- und andere Geräte gehandhabt werden, ahnt sicher, dass diese nicht immer das Leben leichter, sondern nur die Schränke voller machen. Oft reicht es aus, Dinge lange genug zu üben: Ich weiß noch, wie ich meine Uroma bewundert habe, wenn sie mit einem einzigen Schnitt die dann geringelte Schale vom Apfel oder der Kartoffel geschält hat. DAS wollte ich auch hinkriegen. Inzwischen ist es mir nicht mehr so wichtig, aber ich nehme bis heute lieber ein kleines Messer zum Kartoffelschälen als einen für mich unbequemeren Sparschäler. Auf einer guten Reibe sind Kartoffeln und Möhren bereits fertig gerieben, wenn ich anderenfalls erst die Küchenmaschine aufgebaut hätte. Und damit wären die Einzelteile der Maschine nach der Arbeit noch nicht einmal sauber.

Abgestürzt. Wenn alles so weiter geht, wird das wohl irgendwann passieren.

Jedenfalls haben wir einen alten Gefrierschrank im Keller ausgeräumt und ausgeschaltet. Da der Mitbewohner neugierig war, hat er nachgemessen: Die Stromrechnung dürfte allein damit bereits fünf Euro monatlich geringer ausfallen.

Vielleicht sollte jeder ein bestimmtes Kontingent an Energie bekommen. Das kann er nach Herzenslust und -laune für Strom, Benzin und auch für Flüge oder Kreuzfahrten nutzen. Wenns nicht reicht, nun, dann kann er ja gucken, ob er jemandem, der weniger braucht, etwas abkaufen kann. Andernfalls, nun, dann ist eben noch Monat übrig.

Nein, die Energiewende ist nichts, was ich im eigenen Haushalt irgendwie hinkriegen könnte, auch dann nicht, wenn noch zehn andere Menschen mitmachen. Da brauchen wir deutlich mehr Menschen, die mitmachen. Bis es die Politiker endlich begreifen.

Statt dessen ist die rechte Spur auf den Autobahnen dicht von Lastkraftwagen besetzt. Es ist ja billiger, Milch aus Berchtesgaden nach Bayreuth in die Molkerei zu fahren, als gleich in Oberbayern in Flaschen zu füllen. Es ist auch billiger, Einzelteile für jeden Arbeitsschritt in ein anderes Unternehmen zu fahren, statt alles an einem Ort zu fertigen. Das kostet ja nur Sprit, verursacht Stau und zerstört die Fahrbahnen. Daran kann ich nichts ändern, die Politiker jedoch wohl.

Verbunden mit: Andrea Karminrot und ihrem Samstagsplausch. Auch wenn er heute wenig vergnüglich ausfiel.

 

Ideen wachsen wie Blumen

Raunen weise Frauen in Träumen, können nächtens seltsame Dinge geschehen:
Manchmal raunen sie, es sei nicht genug. Es ist nie genug. Ich hätte die Prüfungen nicht bestanden.
Aber wann ist es Zeit, wann ist es genug?
Nachts funkeln die Sterne und glitzern auch dann kalt, wenn es unten so warm ist, dass ich nicht schlafen kann. Sie sind unerreichbar, egal wie hoch ich mich recke. Mir reicht das Laken, doch die Katze will kuscheln und schmiegt sich mit ihrem dichten Fell an meinen Rücken.
Beginnt ein neues Jahr, halten die Menschen inne, zählen nach, denken, entwerfen Pläne und sortieren ihre Möglichkeiten. Ist alles da? Ob es reicht? Kaum drei Wochen später ist alles vergessen, alles geht seinen gewohnten Gang.
Doch manchmal kommt später ein Stups, ein Anstoß, etwas, das aufhorchen lässt, mich aus dem gewohnten Allerlei reißt.
Der Blogpost von Ich lebe jetzt! war im Februar ein solcher Anstoß: Tschüß, denkst. 
Jetzt ist Sommer.
Wir haben den Boden bereitet, alles Unkraut gezupft und Ideen gesät. Inzwischen keimen die ersten Ideen wie kleine Pflänzchen.
Seid neugierig. Bleibt neugierig. Ich verrate bald mehr davon.