AugenBlicke #2

Im Traum jage ich einer Idee hinterher, doch es reicht nicht, sie ins Wachsein zu ziehen. Der Kaffee ist schneller, im Wachen verziehen sich halbdunkle Gedanken lieber, bleiben einzeln für sich, wollen nicht ans Licht. Dabei weiß ich noch nicht einmal, ob nur die Zeit für den Traum zu knapp oder die Gedanken ohnehin von der Sorte, die nur schwer zu fassen sind. Ich gehe raus, in das, was heute Natur genannt, doch von Menschen bearbeitet, kultiviert wurde. Dort bin ich Teil von allem, bin auch Leben, keine Kunst.

Im Wald ist Werden und Vergehen gleichermaßen vereint, die Bäume werden grüner, das alte Laub zu ihren Füßen gleicht mit jedem Tag dem Erdboden ein wenig mehr, sinkt in diesen ein, verwächst, wandelt sich.

Erinnert sich noch jemand an den Sonntagsspaziergang? In Werktags geschonter Sonntagskleidung waren Eltern und Kinder unterwegs, die einen an der Hand der anderen, zugehörig, festgehalten, Gelegenheit, bei Sonnenschein den guten Rock, die gebügelte Hose herauszuziehen, mit Sitte und Anstand zu gehen, durchs Dorf, am Dorfrand entlang: nicht rennen, schon gar nicht hinfallen, nicht im Dreck spielen, nicht schmutzig werden. Der ganze Weg ein einziges Passauf und wer sich nicht fügen wollte, wurde an die große Hand genommen, aus der es kein Entrinnen gab, der Zugriff fest, die kleine Hand umschlossen.

 

AugenBlicke #1

Habe gestern den Tag zu ungeduldig begonnen, mit dem Kaffee in der Hand geplant und in den Ideen und Möglichkeiten von weit weg zu lieber näher dran gewechselt. Welcher Weg wäre demnach am Vatertag, am Männertag, an Christi Himmelfahrt besser geeignet, als der, der an eine Seherin erinnert: Vor mehr als 700 Jahren sagte Sybilla Weis voraus, dass Frauen einst Hosen tragen und große Maschinen durch die Luft fliegen werden.

Ob es stimmt? Keine Ahnung. Wer hätte denn geglaubt, was heute gilt? Kein Denken im Futur II, sehe ich doch oft noch nicht einmal das, was gegenwärtig ist. Weit vor den Windrädern warnten Schilder vor „Eisschlag“, ein leises Surren hängt in der Luft. Doch es ist kein Wespenschwarm, es ist das Summen der Energie, die Produktion von Elektronen durch Drehung. In unregelmäßigen Abständen knackt es laut, wie ein Knall, von der Sonne erhitzt dehnt sich das Material in zugewiesenen Toleranzen und baut Spannungen ab.
Die Flügel rotieren in der Mailuft, Wolkenhochdrüber und die kleine Tür ist der Eingang zu einem sehr sauberen und abgezirkelten Reich. Gedreht vom Wind, rundum, immer um die Nabe, hier oben weht mindestens ein Lüftchen, wird es zum Sturm, krallen sich die Bäume rundum mit ihren Wurzeln fest, halten die Erde, halten sich in der Erde. Dem Windrad bleibt dieser Widerstand nicht, es steht statisch, muss sich auf errechnete Zahlen verlassen. Stimmen diese mit der Wirklichkeit überein, hält es stand, wenn nicht, liegen 7.000 Tonnen Schrott im Wald.