Rites de passage – Plan

Ich habe keinen Plan. Ich habe manchmal ein paar Termine, ich versuche, an diese zu denken, habe aber keinen Plan, den ich erfĂŒllen muss. ErfĂŒllen muss, um jemand zu werden, jemand, den ich vorher grĂŒndlich antizipiert habe, weil es andernfalls nichts wird.

Werden Menschen nur so geplant etwas? Wo bleibt dann der Zufall, der Kairos, der beim MĂ€andern auf dem Weg an mir vorbeiflitzt?

Ach, du meinst, ich verpasse ihn ohnehin, einfach, weil ich nicht aufpasse, sondern lieber dem Schmetterling auf der Blume am Wegrand folge? Nein, ich bin nicht jeden Moment in Hab-acht-Stellung, versuche mich eher in frei schwebender Aufmerksamkeit, weniger fokussiert, dafĂŒr aber achtsam fĂŒr die Dinge, die sich fast außerhalb des Blickfeldes am Rand bewegen. Daher bleibe ich im Moment lieber etwas zurĂŒckgezogen von der Welt und sehe zu.

Was heute gut war:

    • Der Take-Over des Accounts der Metropolregion hat funktioniert. FĂŒr eine Woche werde ich jetzt Bilder von lohnenswerten Zielen dort posten und darf meinen eigenen Account und die Website verlinken. : Instagram Metropolregion 
    • Schnippeln, kochen, schwĂ€tzen und essen mit U.
    • Abendessen, gehen, schwĂ€tzen und schreiben mit N.

Klar, so eine Stadt hat einen Plan. Aber ich nicht.

AugenBlicke – anknĂŒpfen


Die Zahl der Katzenfutterdosen wird geringer: Das ist ein mehr als deutliches Zeichen dafĂŒr, dass die Zeit hier bald zu Ende geht. Außerdem herbstelt es langsam, da kann sich der Sommer noch so sehr anstrengen. Seine Zeit ist so gut wie vorbei. Heute morgen war selbst die Heizung der Meinung, sie mĂŒsste was tun – und hat mir die Seite gewĂ€rmt.

Das Morgengrauen lĂ€sst Gedanken und Konturen gleichermaßen verschwinden, nimmt Schutz und Sicherheit, lĂ€sst nur die Decke zurĂŒck. Die langsam verschwindende Nacht hört mir zu, ist jedoch kein guter Ratgeber. Das Licht lĂ€sst sich so viel Zeit, als wĂ€ren wir in Ankh-Morpork.

Die Sterne sind mir ja eigentlich schnuppe. Aber wenn die Perseiden vom Himmel fallen und wie Leuchtraketen ihre Bahnen ziehen, schaue ich ihnen hinterher. Zeus kam als Goldregen zu Danae, daraus erwuchs Perseus. Als er groß wurde, bekam er von Pallas Athene einen spiegelnden Schild. Mit dessen Hilfe besiegte er die Medusa, die, bei deren Anblick alles zu Stein erstarrt.

Manchmal hĂ€tte ich auch gerne einen Spiegel, einen, der mir manch direkten Blick erspart. Stattdessen packe ich meine TrĂ€ume in weiche TĂŒcher, passe auf, dass meine Hand nicht an den Rand der Nacht rĂŒhrt.

Was noch? Ja, Texte, was sonst. Ich sitze unter dem Dach, von Katzen bewacht, genieße solange den Blick ins GrĂŒn, bis die Arbeit getan und ich selbst wieder raus kann. Ich bin erstaunt darĂŒber, wie sehr ich mich hier noch zu Hause fĂŒhle und wie schnell ich an lose FĂ€den anknĂŒpfen kann.

Was heute gut war:

  • Ich habe bis zum Mittag gut und konzentriert gearbeitet.
  • Ab dann schien draußen wieder die Sonne und ich habe auf der Terrasse gelesen.
  • Heute kam die Nachricht, dass ich Sonntag ins FrĂ€nkische Weinland eingeladen bin- und K will mit mir ĂŒber die Hohenzollern reden. Es wird spannend.

 

AugenBlicke – Richtungswechsel

Im Erteilen schlecht gemeinter RatschlĂ€ge sind manche Menschen Meister. Meinen sie es gut, und sind es sozusagen gute Vertraute, ist es fast noch schlimmer, dann kann man ihnen noch nicht einmal ganz herzhaft „Halt’s Maul“ sagen.

Immer dann, wenn andere besser wissen, was ich machen sollte, mĂŒsste, könnte, setzt bei mir automatisch ein: „jetzt erst recht“ ein. Das macht es nicht zwingend besser, vor allem dann nicht, wenn das GegenĂŒber doch mal Recht haben sollte. Was hilft, ist Abwarten. Tee trinken. Oder, wie die Schwiegermutter selig sagte: „das mendelt sich aus“.

Immerhin hat sich gegen Mittag der Regen verzogen, die Sonne scheint und selbstredend hĂ€tte ich meckern können, dass ich damit die Fenster auf der Westseite nicht putzen konnte. Mache ich aber nicht. Stattdessen habe ich mich auf die Terrasse gesetzt und das von A. empfohlene Buch „juristische Weltkunde“ gelesen, ein Buch, in dem Entwicklung und Struktur des juristischen Herrschaftswissens verstĂ€ndlich  dargelegt wird. Sehr nett.

Was heute gut war:

  • Katzmatz ist wieder gesund. Seit Samstag braucht sie keine Antibiotika mehr, heute war Kontrolluntersuchung und die TierĂ€rztin sehr zufrieden.
  • Die vermutlich letzten frischen Erdbeeren in diesem Jahr gegessen. Reif, saftig und sehr lecker.
  • Rezept ist online: Kuchen wie Karibik

AugenBlicke – das FĂŒllhorn

Zwei kurze Episoden von mir sind in Projekt *txt, einer Anthologie erschienen: (Klick auf den Link) , es hat zwar lange gedauert, das heißt aber nicht, dass es jetzt schlecht ist.

Heute morgen habe ich mich zum Schreiben verabredet, schreibe ich gemeinsam mit anderen, entstehen intensivere Texte. Woran das liegt? Keine Ahnung, vielleicht schwirren ja irgendwelche kreativen Inspirationen in der Luft und manifestieren sich dann auf dem Papier? Ich verfolge ja seit Wochen eine Idee, nĂ€here mich immer wieder, asymptotisch gewissermaßen, schleiche um sie, finde Worte fĂŒr Bilder, fĂŒr Szenen, schreibe und streiche, verschiebe und verdichte. Lasse die RegenwĂŒrmer unter dem Gras hustend den Sand zur Seite schieben, bis sie an den Scherben der Vorfahren abbiegen mĂŒssen. Was bleibt? Was bleibt, wenn ich alles aufhebe, alles bleibt in mir, verborgen, dem Blick entzogen, der Luft, dem Licht, es ist in mir, wandelt sich, bis nach der Zeit nur SchwĂ€rze bleibt. Es bleibt fĂŒr die Augen unsichtbar, Sicht ist etwas, das nur nach außen gelingt, innen finden wir mit geschlossenen Lidern unseren Irrweg, suchen zwischen Wurzeln einen Ausweg, halten nichts fest. Das Gras schwankt und der Wind verrĂŒhrt GrĂŒn mit Himmelblau, wenn die Nachtigall den Tag herbeisingt, sie braucht dafĂŒr drei fremde Federn, einen Luftsprung und ein Eichhörnchen, das schon morgen nicht mehr weiß, wo sein Schatz vergraben liegt.

Rites de passage – wer loslĂ€sst, hat die HĂ€nde frei

Ich bin alleine, zunĂ€chst erst einmal, bis ich nach Nordhessen fahre. Da die Katze nur auf dem Sessel döst und nichts von mir will, nutze ich die plötzlich vorhandene Energie und rĂ€ume ein Regal aus, wische Staub und sortiere nur das wieder hinein, was bleiben darf. Alles andere kann weg. Selbst bei den BĂŒchern ĂŒberlege ich, bei einigen wenigstens, stelle sie aber trotzdem zunĂ€chst zurĂŒck. Vielleicht sortiere ich spĂ€ter weiter. Im PapiermĂŒll landen: Zwei Ordner mit Zeitungsartikeln, ich hatte sie zunĂ€chst aufgehoben, um die Abrechnungen zu prĂŒfen, spĂ€ter, naja, vielleicht brauche ich ja mal Arbeitsproben. Jetzt sind sie weg.

Zwei Fotoalben. Ja, voll mit Fotos. Und nein, ich will sie nicht mehr. Da sie nicht in den PapiermĂŒll gehören, war die RestmĂŒlltonne genau richtig.

Jeweils ein Stapel „Federwelt“ und ein Stapel „TextArt“ liegen noch im Flur. Wenn sie niemand mag, kommen sie noch in die Papiertonne.

Zwei ErinnerungsstĂŒcke, Geschenke meiner Eltern, noch aus der Jugend. Wie fast alle Geschenke von ihnen sind diese im Prinzip zu nichts nĂŒtze. Also weg damit.

Die NĂ€hzeitschriften habe ich der JĂŒngsten hingelegt. Sie ist seit ein paar Tagen fertig ausgebildete Schneiderin und kann selbst entscheiden, ob sie diese behalten mag oder wegwirft.

Dann habe ich noch alte Kalender entsorgt, solche, wo jede Woche ein schönes Foto mit sinnvollem Spruch, und, was soll ich sagen? Ich erinnere mich an kein einziges Blatt. Ich denke, da kann ich mir den Kalender fĂŒr das kommende Jahr auch sparen.

Wer loslÀsst, hat die HÀnde frei.

Es ist ein ganzes Sammelsurium, das sich so im Verlauf vieler Jahre so ansammelt. Was bleibt, wenn nichts mehr zĂ€hlt? Was ist wichtig, was darf bleiben, was wird tatsĂ€chlich gebraucht und was ist einfach schön, aber unnĂŒtz? Welche Dinge dĂŒrfen kommen und bleiben, gerade von denen, die nicht notwendig sind, sondern einfach nur nice Scheiß?

Ich will keine Kisten mehr, keine Schubladen, in denen ich den Krempel in die Finsternis wegsperren kann. Dort vermehrt er sich, wie es scheint, kommt langsam aus den dunklen Ecken gekrochen, robbt sich auf den KĂŒchentisch, erobert von dort Sessel und Regal, bis ich ihn fange und zurĂŒck in die Kiste schubse. Oder ich wĂ€hle gleich den MĂŒlleimer, ohne temporĂ€ren Schubladenumweg.

Weg damit.

AugenBlicke #2

Im Traum jage ich einer Idee hinterher, doch es reicht nicht, sie ins Wachsein zu ziehen. Der Kaffee ist schneller, im Wachen verziehen sich halbdunkle Gedanken lieber, bleiben einzeln fĂŒr sich, wollen nicht ans Licht. Dabei weiß ich noch nicht einmal, ob nur die Zeit fĂŒr den Traum zu knapp oder die Gedanken ohnehin von der Sorte, die nur schwer zu fassen sind. Ich gehe raus, in das, was heute Natur genannt, doch von Menschen bearbeitet, kultiviert wurde. Dort bin ich Teil von allem, bin auch Leben, keine Kunst.

Im Wald ist Werden und Vergehen gleichermaßen vereint, die BĂ€ume werden grĂŒner, das alte Laub zu ihren FĂŒĂŸen gleicht mit jedem Tag dem Erdboden ein wenig mehr, sinkt in diesen ein, verwĂ€chst, wandelt sich.

Erinnert sich noch jemand an den Sonntagsspaziergang? In Werktags geschonter Sonntagskleidung waren Eltern und Kinder unterwegs, die einen an der Hand der anderen, zugehörig, festgehalten, Gelegenheit, bei Sonnenschein den guten Rock, die gebĂŒgelte Hose herauszuziehen, mit Sitte und Anstand zu gehen, durchs Dorf, am Dorfrand entlang: nicht rennen, schon gar nicht hinfallen, nicht im Dreck spielen, nicht schmutzig werden. Der ganze Weg ein einziges Passauf und wer sich nicht fĂŒgen wollte, wurde an die große Hand genommen, aus der es kein Entrinnen gab, der Zugriff fest, die kleine Hand umschlossen.

 

AugenBlicke #1

Habe gestern den Tag zu ungeduldig begonnen, mit dem Kaffee in der Hand geplant und in den Ideen und Möglichkeiten von weit weg zu lieber nĂ€her dran gewechselt. Welcher Weg wĂ€re demnach am Vatertag, am MĂ€nnertag, an Christi Himmelfahrt besser geeignet, als der, der an eine Seherin erinnert: Vor mehr als 700 Jahren sagte Sybilla Weis voraus, dass Frauen einst Hosen tragen und große Maschinen durch die Luft fliegen werden.

Ob es stimmt? Keine Ahnung. Wer hĂ€tte denn geglaubt, was heute gilt? Kein Denken im Futur II, sehe ich doch oft noch nicht einmal das, was gegenwĂ€rtig ist. Weit vor den WindrĂ€dern warnten Schilder vor „Eisschlag“, ein leises Surren hĂ€ngt in der Luft. Doch es ist kein Wespenschwarm, es ist das Summen der Energie, die Produktion von Elektronen durch Drehung. In unregelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden knackt es laut, wie ein Knall, von der Sonne erhitzt dehnt sich das Material in zugewiesenen Toleranzen und baut Spannungen ab.
Die FlĂŒgel rotieren in der Mailuft, WolkenhochdrĂŒber und die kleine TĂŒr ist der Eingang zu einem sehr sauberen und abgezirkelten Reich. Gedreht vom Wind, rundum, immer um die Nabe, hier oben weht mindestens ein LĂŒftchen, wird es zum Sturm, krallen sich die BĂ€ume rundum mit ihren Wurzeln fest, halten die Erde, halten sich in der Erde. Dem Windrad bleibt dieser Widerstand nicht, es steht statisch, muss sich auf errechnete Zahlen verlassen. Stimmen diese mit der Wirklichkeit ĂŒberein, hĂ€lt es stand, wenn nicht, liegen 7.000 Tonnen Schrott im Wald.