Rites de passage – Irrwege

Vertreibung, Verirrung: Manchmal denke ich, die Welt ist aus den Fugen geraten. Ich irre zwischen schiefen WĂ€nden umher und muss aufpassen, dass ich mein Gleichgewicht nicht verliere.

Langsam entfaltet sich ein Muster.

Ein Wettbewerb ĂŒber die schlimmsten Ereignisse in der Kindheit fĂŒhrt nicht automatisch zu Vertrauen.

Es gibt keine Ă€ußere Wahrheit. Sie ist immer innen, hĂ€ngt von dem ab, was ich denke, fĂŒhle, wie ich die Welt sehe und bewerte. Die Suchmaschinen möchten jedoch die Wahrheit pachten, sammeln Daten und Informationen, wollen daraus eine allgemein gĂŒltige Wahrheit schaffen. Gegen Fakten lĂ€sst sich doch nichts einwenden, oder?

Ein Unbehagen bleibt. Ich bin weder vorhersehbar, noch berechenbar. Menschen sind keine Maschinen, eher black box.

Was heute gut war:

  • Ich habe per Mail Kontakt mit jemandem aufgenommen, den ich vor Jahren das letzte Mal gesehen und gesprochen habe – und eine gute Antwort bekommen.
  • Ich habe heute ein erfolgreiches Telefonat ĂŒber fast zwei Stunden per WhatsApp gefĂŒhrt. Danke, N.
  • Ich habe mit meiner Arbeit etwas bewirken können – jemand ist aufmerksam geworden und hat mich per Mail kontaktiert und heute sogar angerufen.

 

Tagebuchbloggen am 5. August

War es der Kaffee, den ich gestern zu spĂ€t noch trank? Ich weiß es nicht. Die Nacht jedenfalls war kurz und fĂŒr mich schon zu Ende, als die DĂ€mmerung noch fern. Ist der Schlaf anderswo unterwegs, schaue ich zu, wie die Sterne ĂŒber den Himmel ziehen und gelegentlich ein Auto mit seinem Scheinwerfer irrlichtert.

Als die Igel und WaschbĂ€ren ihren nĂ€chtlichen Putz beendet hatten, stand ich schließlich auf, goß heißes Wasser ĂŒber Kaffeepulver und begann mit dem Tagwerk, reihte Buchstaben, fĂŒllte Zeilen und Seiten.

Was machst du eigentlich den ganzen Tag, kurz: WMDEDGT, das will die freundliche Blognachbarin wissen und wie jeden Monat sitze ich und denke: Nichts. Irgendwie mache ich nichts. Ich sitze auf dem Stuhl, tippe mit den Fingern auf der Tastatur, aber es entsteht dabei nichts, was ich anfassen kann.

Gelegentlich nehme ich einen Schluck aus der Wasserflasche, es ist heiß, ja, vielleicht habe ich deswegen nur wenig Appetit und lasse das mit dem Essen, grĂ¶ĂŸtenteils jedenfalls.

Ich verpasse die Nachrichten, lasse die Welt nicht zu mir kommen, will nichts von dem wissen, was außen ist. Doch mir fĂ€llt etwas ein, ich blĂ€ttere im Kalender und ja, da steht demnĂ€chst ein Termin, es ist zwar noch etwas Zeit, aber ich weiß ja nicht, was alles so dazwischen kommt. Ich weiß ja noch nicht einmal, was in der nĂ€chsten Stunde ist, nichts ist sicher, alles fließt und ich kann ja nicht zweimal in den gleichen Fluß steigen. Ob das fĂŒr den See auch gilt? Hier schwimmen kleine Quallen und ĂŒberholen mich fast. Oben ist das Wasser warm, unten kalt, es liegt in Schichten und ich rĂŒhre beim Schwimmen das Untere auf.

Die Sonnenstrahlen sind warm, doch ich habe vergessen, dass ein Bikini nass aus dem Wasser kommt. Und so fahre ich wieder, fahre dorthin, wo Tomaten und Mozzarella im KĂŒhlschrank warten. Mehr mag ich heute nicht.

Stolpernde Zeiten

Die Zeit scheint zu stolpern: Wache ich morgens auf, ist es in der Wohnung gewohnt kalt, so lange, bis das Feuer im Ofen glĂŒht und den Rest der RĂ€ume wĂ€rmt. So weit ist es wie immer, auch der morgendliche Kaffee, das Warten der Katze auf den Rest vom Joghurt, die LektĂŒre von Zeitung und News ist gleich. Alles scheint wie immer, doch die Zeit hat sich geĂ€ndert, fast unmerklich. Ich brauche nicht mehr zu fahren, kann (fast) alles von zu Hause aus erledigen. Dabei verschwindet die Zeit, stiehlt sich davon, ich muss nachsehen, welches Datum wir haben und der Wochentag ist allein deshalb wichtig, weil ich nicht am Sonntag vor verschlossenem Laden stehen will.

In dieser Zeit – und schon zuvor – rĂŒckte das Virus nĂ€her, langsam, vom: Was geht es mich an, ob in China ein Sack Reis fĂ€llt oder eine Fledermaus auf dem Teller landet, ĂŒber: ach, da kam jemand aus China zurĂŒck und ist krank, bis hin zu: ups, im Landkreis hat sich auch jemand angesteckt, ebenso der Onkel eines Bekannten. Obwohl etwas noch weit weg scheint, betrifft es mich trotzdem, schließlich werden in China auch Sachen gefertigt und hierher transportiert, die ich – vermeintlich – brauche.

Wir sind weder unverwundbar noch unsterblich. Welch eine KrÀnkung.

Manche Dinge sieht man jetzt wie unter einer Lupe

Wir begreifen langsam, dass es Dinge gibt, die sich kaum beeinflussen lassen, oder doch, wenn wir Abstand halten, keinen sozialen, sondern realen, in Zentimetern und Metern messbar, ein unĂŒberwindlicher Graben fĂŒr das Virus, auf dass es nicht zu uns kommen möge, oder wenn schon, dann nicht jetzt, sondern spĂ€ter. Vielleicht.

Seit ĂŒber einer Woche gilt eine KontaktbeschrĂ€nkung, wir dĂŒrfen noch nach draußen, spazieren, einige tausend Schritte am Abgrund entlang, doch bitte alleine oder höchstens zu zweit.

Ich habe GlĂŒck. Wir haben ausreichend Platz, leben seit dem vergangenen Sommer zu zweit auf genĂŒgend Raum. Ich bin schon immer Team Stubenhocker und Leseratte, solange ich zwischen zwei Buchdeckeln wohnen kann, vermisse ich nichts. Fast nichts. In meiner Fantasie reise ich durch Zeiten, LĂ€nder und Welten und es stört mich nicht, dass die tĂ€glichen Wege ziellos sind.

Es gibt keine Ziele mehr. Und damit keinen Grund, mit dem Auto irgendwohin zu fahren, der Bierkeller ist ebenso geschlossen wie Eisdiele und Freibad. Alles, was nicht notwendig ist, hat zu. Das Gras wĂ€chst ĂŒberall gleich, die Ameisen laufen emsig, der Specht hĂ€mmert ĂŒber mir und in der Ferne tuckert ein Traktor. Zitronenfalter flattern umher, die Vögel zwitschern und uns bleibt nichts weiter ĂŒbrig, als ebenso ziellos geschĂ€ftig zu sein, besorgt um Wohnung und Futter. Selten sah ich auf den Wegen so viele Menschen, die spazieren, gehen, schlendern. Jetzt heißt es: Wir gehen mal raus und alles Quengeln nach Zielen nutzt nix, weil die Ziele gesperrt sind, selbst wenn es der heimische Spielplatz ist.

Am Weiher

Jetzt ist das BÀnkchen das Ziel, das, zufÀllig entdeckt, mitten im Wald am Weiher steht, in der Sonne, ringsum der Duft nach Kiefern.

Die Natur atmet auf, nicht nur in Venedig, doch mir scheint, es wird keinen Bestand haben. Alles erinnert mich an den Tsunami, damals, 2004, als sich das Wasser zurĂŒckzog, den Meeresboden freigab, noch hatten die Menschen Boden unter den FĂŒĂŸen, solange, bis das Wasser mit Wucht zurĂŒckkam. Wird die Wirtschaft wieder losgelassen, entfesselt, wird sie vermutlich weiter toben wie bisher, ĂŒber Befindlichkeiten von Tieren, Pflanzen und Ökosystemen hinweg.

Es ist eine Stresssituation, fĂŒr alle, nicht nur fĂŒr die Erkrankten. Und so zeigt sich in dieser stolpernden Zeit, bei wem der Lack der Zivilisation und der Menschlichkeit nur oberflĂ€chlich haftet, sofort abplatzt, sobald Bewegung ins Spiel kommt. Ohne ausreichenden Haftgrund ist das eigene Hemd nĂ€her als die Not der Schwachen.

Nein, es war noch nie genug fĂŒr alle da: Das im Notfall offenbarte Defizit ist ein Strukturelles, es macht sichtbar, wovon es in der Gesellschaft schon immer zu wenig gab. VerstĂ€rkt hat sich das in den Jahren, in denen nicht Mitmenschlichkeit und Zuwendung, sondern Wirtschaftlichkeit und Zertifizierung stĂ€rker gewichtet wurden. Jeder Ablauf, jeder Prozess kann als solcher optimiert werden, fehlerfrei abgespult werden, völlig unabhĂ€ngig davon, ob das Ergebnis sinnvoll ist. Jetzt gibt es Beifall und Lob fĂŒr diejenigen, die ihre Arbeit fĂŒr wenig Geld erledigen, die plötzlich systemrelevant wichtig sind.

Was wird sein, wenn das alles vorbei ist? Gehen wir dann nahtlos zur – unterbrochenen – Tagesordnung ĂŒber, lassen wir das Primat der Wirtschaft weiter gelten?

Ich hoffe nicht, aber ich weiß auch, dass meine Hoffnung zu klein ist, dass ich alleine zu wenig bin, dass Menschen etwas zu sagen haben, denen meine Meinung selbst dann egal ist, wenn ich laut werde. Hat jemand auf die „Fridays for future“ gehört?

 

Tagebuchbloggen am 5. MĂ€rz

Tja. Heute ist schon ein Tag spÀter. Das liegt einfach daran:

Aufstehen, Kaffee trinken, ĂŒber Biotopkartierung schreiben, Sachen packen, losfahren, drei Kurse geben, in der kurzen Pause zwischendrin lĂŒften, Wasser trinken, durchatmen, im Regen schnell Obst und KĂ€se kaufen, die Lieblingshausziege von der Arbeit abholen, mit ihr gemeinsam essen, es gibt Nudeln mit GemĂŒse und Kaiserschmarren mit Espresso als Nachtisch, dann gehen wir noch kurz zu ihr hoch, trinken einen Tee bevor ich wieder fahre, zurĂŒck nach Hause, Laptop schnappen, in die GeschĂ€ftsstelle der GrĂŒnen zur Vorstandssitzung fahren, dort lange diskutieren und schwĂ€tzen, spĂ€t heimkommen, kurz aufs Sofa und dann ins Bett.

Heute beginnt der Tag ebenso frĂŒh, ich habe quasi gleich nach dem Kaffee einen Termin mit einem Allianzmanager, weil das Amt fĂŒr LĂ€ndliche Entwicklung Projekte fördern will und die AntrĂ€ge dafĂŒr bis Ende MĂ€rz eingereicht werden mĂŒssen. Das ist sportlich knapp.

Deswegen fasse ich mich hier auch kurz.

Was die anderen Blogger so am 5. MĂ€rz gemacht haben, bitte sehr, hier entlang: Bei Frau BrĂŒllen lĂ€sst sich das genau nachlesen.

Bahnfahren

Der Winter atmet noch einmal aus und ĂŒberzieht alles mit seinem Raureif, hĂŒllt GrĂ€ser in weißen Hauch. Sie sehen aus wie frisch gezuckert, doch wer ein Blatt in den Mund nimmt, lutscht bittere KĂ€lte.
Was ist verschwunden? Die SchienenstĂ¶ĂŸe, die den Rhythmus des Reisens bestimmten, das ohrenbetĂ€ubende Quietschen der Zugbremsen, das Pfeifen der Lokomotive vor jedem BahnĂŒbergang. Wolkenweichzeichner hĂ€ngen zwischen Baumwipfeln, der Tag rĂ€kelt sich unter der Decke, zieht sie sich ĂŒber den Kopf. Trotzdem drehen sich die Uhrzeiger weiter, fahren die ZĂŒge wie im Fahrplan vorgesehen, wacht das Licht mit Druck auf den Schalter auf, erhellt den Raum, kriecht unter die Lider der Schlafenden, stört die TrĂ€ume, auf dass sie kein gutes Ende finden.
Auf dem Platz neben mir erledigt eine Frau ihre Korrespondenz, schreibt E-Mails in Briefform. Sie hĂ€lt den Laptop auf dem Schoß, weg vom Mittelgang und damit mir zugewandt, ich könnte mitlesen, mag aber nicht. Weiter vorne prosten sich Menschen zu – StĂ¶ĂŸchen – und tragen KĂ€ppchen als kleine HĂŒte, obwohl noch kein Fasching ist.
Jetzt, in dieser Zeit, in der Samen in der Erde ruhen, nutzen die MaulwĂŒrfe sĂ€mtliche Gelegenheiten, werfen ihre Haufen auf der OberflĂ€che ab, schließlich werden jetzt weder Wiesen gemĂ€ht noch Felder gepflĂŒgt. Genauso brauchen Menschen ihre Ruhe; nur dann können die Geister der Vergangenheit aus der Tiefe steigen, Verwerfungen werden sichtbar und die Wahrnehmung verschiebt sich. Wer stĂ€ndig tĂ€tig ist, muss auf den Augenblick achten, sonst setzt der Maurer den Stein falsch, der Schuster die Naht schief oder der Bauer wird von der Kuh getreten. Diese Art der körperlichen Konzentration lĂ€sst sich nur in langer Übung erlernen.
Auf einer Wiese parken Autos, AnhĂ€nger, PferdeanhĂ€nger. Menschen, Reiter, Pferde stehen neben ihnen, blasen weiße Wölkchen in die Luft. Wie es aussieht, fahren die Pferdebesitzer ihre Tiere nach irgendwo, laden sie aus, satteln sie, reiten, satteln wieder ab, packen die Tiere wie Spielzeug ein und fahren nach Hause.
Ein StĂŒck weiter steht eine Traktorenversammlung im Wald, mit HĂ€ngern und HolzstĂŒcken,
Das ist nur ein IC, der fÀhrt ohne W-LAN, monierte ein Reisender in sein Telefon, der Zug als solcher braucht es vermutlich nicht, wohl aber die Menschen, denen die Aussicht auf die Welt am Fenster zu wenig ist.

 

An ÜbergĂ€ngen hat sich Wildnis ausgebreitet, zwischen zwei Feldern, zwischen höheren und tieferen Ebenen, zwischen Bahngleisbett und Feld oder Ortschaft, an HĂ€ngen.
Beton bekommt keine Patina. Beton wird schwarzgrĂŒn von Mikroorganismen ĂŒberzogen, auf dem Geflecht bleibt Staub hĂ€ngen, BlĂŒtenstaub, dieser ergraut und fault mit der Zeit.
Im Netz schrumpfen Entfernungen auf Millisekunden, es ist nie leer, sondern unendlich weit. Es gibt keine letzte Seite, es gibt immer noch eine weitere und es fĂŒhlt sich seltsam an, wenn eine Meldung aufploppt, in der es heißt: Sie haben alle BeitrĂ€ge der letzten zwei Tage gesehen. Really? Das war alles? Mehr gibts nicht? Das kanns doch aber nicht gewesen sein, oder?
Jeder Zug hat einen genau definierten Anfang, dort werden die Wagen zusammengestellt, eingesetzt und fĂ€hrt los. Mit dem Zug reisen ist geschenkte Zeit. Im Auto muss ich selbst aufpassen, stehe im Stau, fahre langsam oder schnell, bin vermeintlich Herr ĂŒber den Ablauf und doch allen Widrigkeiten ausgesetzt. Ich habe die Hand am Steuer und das Navi reguliert die Ankunftszeit nach meiner Geschwindigkeit, ich komme immer pĂŒnktlich, sogar dann, wenn ich meinen Termin verpasse.
Die fest definierte Abfahrts- und Ankunftszeit der Bahn gilt dagegen ĂŒber die gesamte GĂŒltigkeit des Fahrplans. Jede UnpĂŒnktlichkeit kann somit genau registriert werden und fĂŒhrt zu Meckerbedarf.

Wer nicht hören kann, muss fĂŒhlen? (Werbung, weil Namen genannt werden)

Nein, so schlimm ist es nicht. Ohrenschmerzen sind aber so eine Sache, die kenne ich und die will ich nicht, noch nicht mal fĂŒr ein halbes StĂŒndchen. Das Ohr an sich ist ja schon eine komplizierte Angelegenheit: WĂ€hrend es außen auf den Lauschlöffeln ausreichend Platz fĂŒr Löcher, Piercings, Ohrringe und anderen Schmuck gibt, versteckt es sein kompliziertes Innenleben aus winzigkleinen Knöchelchen innen. Wie auch immer, der Biologieunterricht ist lange her und solange die Ohren quasi ungestört und damit unbemerkt ihrer Arbeit nachgehen, ist alles in Ordnung.

Sie fangen zuverlĂ€ssig den Schall aus der Umgebung ein, ob ich das will oder nicht. Ohren lassen sich nicht einfach verschließen, sie hören das Rauschen des Meeres, die Rufe der Möwen, aber auch das Hupen des Transporters, der damit den Radfahrer vom Weg scheuchen will. Funktioniert alles passabel, merken wir das kaum, wichtige GerĂ€usche werden markanter wahrgenommen als allgemeines Hintergrundrauschen.

Die Ohren lassen mich in Ruhe und ich sie ebenfalls, ich wasche sie und putze das, was sie an Ohrenschmalz von innen nach außen schieben, vorsichtig mit OhrenstĂ€bchen weg. Daher hatte ich keine Ahnung, dass es solche Dinge wie Ohrenkerzen gibt – und wĂ€re ihnen auch nicht begegnet, wenn Katrin Wiesneth nicht gewesen wĂ€re. Ich kenne sie schon lĂ€nger, wusste auch, dass sie eine eigene Praxis in Frauenaurach bei Erlangen hat. Und weil ich neugierig bin und Angeboten nur schwer widerstehen kann, haben wir einen Termin vereinbart und ich habe sie ausprobiert.

Rechts die beiden StÀbe: Das sind Ohrenkerzen.

Ohrenkerzen sind aus Bienenwachs, erklÀrt die Heilpraktikerin. Sie sind innen hohl, leicht trichterförmig geformt und vielleicht etwas mehr als 20 Zentimeter lang.

Ob ich vorher Ohren putzen sollte? Katrin lacht ĂŒber meine Frage. Saubere Ohren sind ihr nicht wichtig. DafĂŒr will sie wissen, ob ich ein Loch im Trommelfell, Paukenröhrchen oder Implantate habe und inspiziert jedes Ohr mit dem Otoskop. Alles ist in Ordnung. Ich darf mich auf der Liege ausstrecken und zunĂ€chst auf eine Seite legen. Die Heilpraktikerin zĂŒndet die erste Ohrenkerze an und steckt sie in mein rechtes Ohr.

Es knistert leise, wie bei einem weit entfernten Lagerfeuer. Ich liege entspannt, Katrin hÀlt die Kerze und passt auf, dass nichts heruntertropft. Als die erste Kerze abgebrannt ist, drehe ich mich um und bekomme die zweite Ohrenkerze in das andere Ohr. Hinterher sind beide Ohren von innen schön gewÀrmt, ebenso ein Teil des Gesichts.

Katrin Wiesneth mit den Ohrenkerzen.

Brennt die Ohrenkerze langsam ab, wird die Durchblutung verstĂ€rkt und ein leichter Unterdruck wirkt auf das Trommelfell. Dieser ist wirklich sanft und reicht lĂ€ngst nicht aus, um eventuell vorhandenes Ohrenschmalz aus dem Gehörgang zu ziehen. Bei chronischem Schnupfen, langwierigen Erkrankungen der Nebenhöhlen, aber auch bei Kopfschmerz und MigrĂ€ne können Ohrenkerzen helfen und sorgen fĂŒr eine bessere BelĂŒftung zwischen Nase und Ohr. Sie können selbst bei Kindern angewendet werden, sagt die gelernte Krankenschwester, vorausgesetzt, sie bleiben zehn Minuten still auf einer Seite liegen.

Alles zusammen dauert etwa zehn Minuten pro Ohr, dazu kommt noch ein kurzer Moment zum Nachruhen. In den nĂ€chsten 24 Stunden soll ich weder tauchen noch mit offenem Fenster Auto fahren, ermahnt mich Katrin. Dann bin ich draußen und fahre vergnĂŒgt nach Hause.

Lieblingsblogger in Leipzig

Ich bin ein Lieblingsblogger. Sagt Susanne und fragt im Hotel nach, ob ich – da alles ausgebucht ist – das Bett neben ihr belegen kann. Also packe ich nicht nur meinen Koffer fĂŒr ein Wochenende, sondern auch zwölf kleine TĂŒten mit Minzcrossies. Wer sie nachmachen will, bittegerne, am Sonntag wird das Rezept auf den frĂ€nkischen Tapas nachgeliefert.

In Leipzig waren wir recht schnell, das Navi hat uns zielsicher zum Hotel gelotst und zum ersten Programmpunkt ging es mit dem Leipziger Nahverkehr. Dass mit S-Bahn nicht die Straßenbahn gemeint war, haben wir erst nach einer Weile gemerkt, vielleicht lag es auch daran, dass alle miteinander geredet haben.

Warum Ossis immer sofort wĂŒssten, wann ein Wessi vor ihnen steht, wunderte sich eine der Bloggerinnen, als wir schließlich auf dem richtigen Bahnsteig standen und auf die S-Bahn nach Möckern warteten. Nun, dafĂŒr gibt es deutliche Anzeichen, Wessis senden feine Signale aus, unbemerkt von ihnen selbst und dafĂŒr von Ossis deutlich wahrnehmbar. Es ist ein kaum wahrnehmbarer Hauch von Kolonialisierung, Bevormundung, Besserwisserei, die in der Regel aus Unkenntnis entspringt und sich nicht wirklich fĂŒr den anderen interessiert. Warum auch, haben wir doch als Ossis selbst gerne dazu beigetragen, haben uns bemĂŒht, so sehr, dass wir fast bessere Wessis geworden wĂ€ren. Fast.

Vielleicht lÀsst sich das mit dem Besuch der Schwiegermutter vergleichen, die, kaum ins Haus gelassen, sofort ihre Vorstellungen von Ordnung und Sauberkeit durchsetzen möchte, ungeachtet dessen, dass hier eine andere Familie das eigentliche Sagen hat.

In einem Interview mit der ZEIT hat Birgit Breuel, frĂŒhere Chefin der Treuhand, eingerĂ€umt:  „In Westdeutschland wĂ€re es nicht möglich gewesen, den Leuten eine VerĂ€nderung dieses Ausmaßes zuzumuten. Sie hĂ€tten das nicht durchgehalten.“

Im Atelier von Franziska Klee

Die Lieblingsblogger im Atelier von Franziska Klee

Den Freitagabend verbrachten wir im Atelier von Franziska Klee, sie erzĂ€hlte viel von sich und ihren Taschen, RucksĂ€cken, SchlĂŒsselbĂ€ndern und dem Leder, das sie fĂŒr ihre Produkte verwendet. Anschließend ging es nach nebenan, ins le caphe, das extra fĂŒr uns geöffnet hatte. Es gab vietnamesisches Essen, alles war familiĂ€r und einfach wunderbar. Auch hier blieb genĂŒgend Gelegenheit fĂŒr Austausch ĂŒber all das, was uns interessierte, es war einfach Zeit.

Gleich gibt es Abendessen im Le Caphe

Das FrĂŒhstĂŒck am nĂ€chsten Morgen gab es im Cafe Cantona, es war gut und die Toilette im Keller. Ich nahm auf dem Weg dorthin eine Nase voll Luft, so wie immer, ich stelle ja das Atmen nicht ein, nur weil ich eine Treppe nach unten gehe – und landete in der Vergangenheit, alles nur, weil ein leichter Hauch an Kohlenstaub in der Luft lag, kaum wahrnehmbar und unverkennbar fĂŒr mich. SpĂ€ter stand eine der anderen Bloggerinnen vor dem Cafe und sinnierte, ob abends in den RĂ€umen geraucht wĂŒrde. FĂŒr sie war der Geruch ein anderer, sie roch Zigarettenrauch, keinen Braunkohlenstaub.

Feinkost Leipzig

Nach den Stadtrundgang, unter anderem bei Feinkost Leipzig, der MĂ€dler-Passage mit Auerbachs Keller und einem kurzen Imbiss ging ich noch kurz in die Nikolaikirche und durch die Ausstellung im Zeitgeschichtlichen Forum, dann war Zeit fĂŒr unser Barcamp und den Austausch der Goodie-Bags, jede hatte schließlich fĂŒr jede eine Kleinigkeit mitgebracht. Wer eine Frage hatte, konnte sie stellen, es wurde nicht nur gefachsimpelt, sondern auch ĂŒber den Tellerrand hinaus geschaut.

Immer wieder wurden Fotos gemacht

Den Sonntag beschlossen wir im Kunstkraftwerk Leipzig, inzwischen hatte sich Regen eingestellt und spielte uns gewissermaßen den feuchten Kehraus.

Vielen Dank fĂŒr das wunderbare Wochenende.

Das obligatorische Bild aller FĂŒĂŸe rund um einen Kanaldeckel.

Mit dabei waren:

Susanne von Ichlebejetzt! Inka von blickgewinkelt, Cora von Raumideen.plus, Annette von Blick7, Yna von Ynasdesign, Sibylle von Billas Welt, Steffi von Stefilicious, und Anja von Lebenistansteckend.

FĂŒr diesen Beitrag wurde ich selbstverstĂ€ndlich nicht bezahlt. Ich setze die Links einfach fĂŒr bessere Vernetzung, vielleicht mag ja jemand stöbern gehen.

Tagebuchbloggen am 5. Oktober

Draußen war es noch recht dunkel, doch die Katzen benahmen sich wie kleine Kinder und beschlossen, dass die Nacht jetzt vorbei sei. Also goss ich mir einen Kaffee auf, setzte mich an den KĂŒchentisch und las Zeitung. Unarten muss ich ja nicht mit Futter belohnen, oder?

Der Mitbewohner blieb jedoch noch anderthalb Stunden liegen, bevor er seine Tasse mit Kaffee fĂŒllte und sich zu mir setzte. Das Wetter war wolkenverhangen, genau richtig, um in der Wohnung herumzukruschen. Da frische Burgerbrötchen im Backofen lungerten, habe ich rote Zwiebeln in dĂŒnne Ringe geschnitten und in der Pfanne glasiert. FĂŒr das Innenleben haben wir rote Linsen gekocht. Als diese abgekĂŒhlt waren, war auch kein Wasser mehr im Kochtopf. Also haben wir sie noch gewĂŒrzt, passend zur GrĂ¶ĂŸe der Burgerbrötchen zu kleinen Pattis geformt und in der Pfanne gebraten. Ja, es hat funktioniert, es war kein Matsch, da ich sie jedoch etwas trocken fand, gibt es da noch Verbesserungsbedarf. Wir werden weiter probieren.

Rote Zwiebeln in der Pfanne. Damit sie gut schmecken, kommt noch ein Löffel Honig dazu.

SchrĂ€g ĂŒber die Wiese hinweg entsteht etwas, das nach einem Hochbunker aussieht: Ein sehr weißes, sehr kubistisches GebĂ€ude mit dunklen und quer liegenden Fenstern, die mich doch sehr an Schießscharten erinnern. Dort haben am Vormittag die Fliesenleger Fliesen zersĂ€gt, am Nachmittag ist der Nachbar mit dem RĂŒttelfrosch stundenlang ĂŒber seine kĂŒnftige Einfahrt spaziert. Immer wenn ich dachte, oh, prima, jetzt ist Ruhe und jetzt könnte ich mich ganz entspannt an den Computer setzen, lĂ€rmte er weiter. So konnte ich mich nicht konzentrieren, jedenfalls nicht an meinem gewohnten Arbeitsplatz. Menno.

Weil der Mitbewohner morgen Besuch zum Essen erwartet, war er heute mit KĂŒchendienst dran. Die Katzen schlichen ihm immer wieder nach, schauten, ob was abfĂ€llt und guckten ihn ausdauernd an, immer in der Hoffnung, dass er ihnen etwas gibt. Mit der Zeit schlich ein leckerer Duft durch die Wohnung und mir tropfte langsam der Zahn.

Seit vorgestern habe ich eine neue Maus, eine ergonomische und muss mich erst daran gewöhnen, wie damals bei der ergonomischen Tastatur. Aber ich bin mir sicher, es dauert nur zwei, drei Tage und ich kann sie mindestens so gut hÀndeln wie die vorherige.

Ich saß dagegen immer wieder auf dem Sofa – weil draußen LĂ€rm, ihr erinnert euch? – und habe meine Buchrezension zu „gottgewollt“ (link) mit Bleistift auf Papier vorbereitet. Das Buch fasziniert mich schon sehr.

Der geplante Workshop in NĂŒrnberg lĂ€sst sich ebenfalls mit Papier und Bleistift vorbereiten, schließlich kann ich noch mit der Hand schreiben. Überhaupt schreibe ich gerne eine erste Fassung auf Papier, nicht in den Computer, jedenfalls dann, wenn es ein Text ist, ĂŒber den ich lĂ€nger sinniere und den ich nicht einfach so heruntertippe, wie beispielsweise eine Gemeinderatssitzung.

Außerdem warte ich auf die Post und darauf, dass sie mir mein Belegexemplar von Echt Oberfranken (link) bringt. FĂŒr ein Interview mit einem JĂ€ger bin ich Anfang September nach Pressig/ Grössau gefahren, dorthin, wo der Frankenwald am tiefsten ist und sich Fuchs und Hase sprichwörtlich gute Nacht wĂŒnschen.

Irgendwie ging damit der Samstag recht unspektakulĂ€r vorbei, ich gucke nachher in der KĂŒche, ob ich was essbares finde, ohne dem Mitbewohner das Futter fĂŒr morgen zu stibitzen, ich werde mich aufs Sofa setzen, einen PulloverĂ€rmel fĂŒr die Lieblingshausziege stricken, schließlich wird es bald Winter und ich werde sehen, was der Fernseher so an Programm zu bieten hat. Außerdem habe ich fĂŒr morgen Appetit auf einen saftigen Schokoladenkuchen, der will noch gebacken werden.

Damit endet das heutige Tagebuchbloggen, oder, wie es bei Frau BrĂŒllen heißt: WMDEDGT. 

 

Nicht auszudenken, nicht drĂŒber nachdenken

Alltag ist wie alle Tage, das Leben funktioniert auf Autopilot und das ist gut so. Ich muss nicht alles hinterfragen, nicht ĂŒber alles nachdenken, nicht alles neu erfinden. Alles im Fluss, gewissermaßen. WĂ€re da nicht dieser Stachel, der sagt: Das kann doch nicht alles gewesen sein, du musst doch immer wieder was neu und was neues und ĂŒberhaupt kann doch nicht alles so bleiben, wie es ist. Das wĂ€re doch Stillstand, Ruhe in Frieden oder so, das kann es ja nicht gewesen sein.

Ich erinnere mich, dass ich vor einiger Zeit einem GedĂ€chtnistrainer zugehört habe, einem Trainer, der mir erzĂ€hlen wollte, wie ich es anstellen kann, dass ich nicht mehr so viel vergesse. Dabei vergesse ich gar nicht viel, vorausgesetzt, ich habe es mir notiert. Das ist ein bisschen wie beim Spickzettel-Schreiben: Ist er fertig, brauche ich ihn nicht mehr. Eigentlich muss ich mir nicht mehr viel Neues merken, jedenfalls nichts, was anschließend abfragebereit im GedĂ€chtnis verbleibt. Schule und Studium sind schließlich lange vorbei und das Internet erlaubt mir schnellen Zugriff auf Namen, Daten und Fakten. Die brauche ich mir nicht mehr zu merken, ganz egal, was der Geschichtslehrer damals behauptet hat.

Da allerdings das Gehirn ebenso faul wie andere Muskeln ist, gilt auch hier: Wer rastet, rostet. Soll das Denken gut funktionieren, braucht das Hirn Sauerstoff, Trinken und ausreichend Schlaf. So weit, so klar.

Dann allerdings zeigte der GedĂ€chtnistrainer nur solche Tricks, die im Alltag völlig unbrauchbar sind: Ich brauche weder Zahlen durch 5 oder durch 9 zu teilen, falls doch, nehme ich einen Taschenrechner. Er erklĂ€rte, wie sich Vokabeln durch Bilder leichter einprĂ€gen: Adler frisst Igel, ergo Adler heißt Eagle. Diese Technik brauche ich nicht, ich kann dividieren und wenn ich Vokabeln lerne, lieber im Zusammenhang, in der Situation, in der ich sie auch tatsĂ€chlich anwenden kann.

GedĂ€chtnisweltmeister trainieren so, sagte der GedĂ€chtnistrainer. Ich will aber kein GedĂ€chtnisweltmeister werden, ich will meinen Alltag leben. DafĂŒr brauche ich weder Listen noch Zahlenreihen. Eigentlich will ich ja etwas anderes: Ich will Namen, Daten, Orte und andere Dinge nicht nur speichern, sondern die Informationen viel lieber kreativ verarbeiten. Der Alltag funktioniert genau deswegen so gut, weil er ja alle Tage gleich ablĂ€uft. Ich muss mir keine Gedanken ĂŒber die Dinge machen, die gut funktionieren.

Allerdings hat der Alltag auch seine TĂŒcken: Habe ich mich einmal fĂŒr einen Ablauf oder eine bestimmte Reihenfolge entschieden, möchte diese, dass ich das immer so weiter mache. Glaube ich, dass ohne Kaffee am Morgen nichts geht, könnte es auch anders sein, es gab auch lange Jahre, in denen ich ĂŒberhaupt keinen Kaffee trank. Es gibt Reihenfolgen, die sich als so sinnvoll erwiesen haben, dass sie nieundnimmernicht geĂ€ndert werden. Wer zuerst den Boden putzt und anschließend die KrĂŒmel von Tisch und Arbeitsplatte wischt, muss sich nicht wundern, dass der Boden nur fĂŒr kurze Zeit sauber war.

Manchmal begleiten Engel den Tag, den Alltag.

Nur wenn ich Alltag bei mir habe, kann ich aufmerksamer durch den Tag gehen, die kleinen Dinge wahrnehmen und achtsam sein. Haben sich meine Spuren auf alltÀglichen Wegen tief eingegraben, kann ich sie verlassen, neue Wege gehen.

Selbstredend hatte der GedĂ€chtnistrainer seine BĂŒcher dabei und pries sein Seminar fĂŒrs GedĂ€chtnistraining an, beides allerdings nicht kostenlos.

Verbunden mit: Cafe Weltenall und dem Projekt „Alltag“.

Tagebuchbloggen am 5. September

An jedem 5. des Monats versammeln sich alle Tagebuchblogger zum WMDEDGT, „was machst du eigentlich den ganzen Tag“ will Frau BrĂŒllen wissen. Bitte, hier steht’s:

Hier habe ich nicht einen Wecker, hier habe ich fĂŒnf Wecker: Wird es draußen langsam dĂ€mmerig, finden die Katzen, dass ich doch jetzt genug geschlafen habe und es Zeit zum Aufstehen ist. Da ich anderer Meinung bin, ziehe ich mir die Decke ĂŒber den Kopf und lasse sie nölen. Bequeme ich mich aus dem Bett, gibt es erst Kaffee fĂŒr mich, bin ich damit fertig, Futter fĂŒr die Raubtiere.

Mein Beitrag fĂŒr die nĂ€chste Ausgabe von „Echt Oberfranken“ ist fertig, die Layouterin hat mir den Entwurf gemailt, damit ich noch die Bildunterschriften schreiben kann. Mitte September geht das Heft in Druck, irgendwann wird es dann auch im Zeitschriftenregal liegen.

Radfahrer ĂŒber der Werra.

Weil es heute noch sonnig ist und sich fĂŒr morgen Regen angedroht hat, telefoniere ich mit der Touristinformation in Wanfried, ob jemand ein bisschen Zeit fĂŒr mich hat. Das kleine StĂ€dtchen diente nĂ€mlich Wagner als Inspiration fĂŒr den Namen seiner Villa, er hat eben nur noch ein „h“ zusĂ€tzlich eingefĂŒgt, „Wahnfried“ eben.

Der Wanfrieder Hafen.

Am Hafen legen lĂ€ngst keine LastkĂ€hne aus NĂŒrnberg mehr an, nur noch Schlauchboote und Kanus, ich trinke in der Wirtschaft einen Kaffee und frage die Bedienung, ob sie was von Wagner weiß. Sie ist nur Aushilfe, antwortet sie, gibt mir die Speisekarte und sagt, dass auf den ersten Seiten etwas ĂŒber die Hafengeschichte steht.

Die Kirche in echt war offen, hier steht sie als Deko in einem andernfalls leeren Schaufenster

Weil die Touristinformation Mittagspause hat, strolche ich durchs StĂ€dtchen, lese, was auf den Schildern ĂŒber die alten HĂ€user steht, fotografiere. Weil die Kirche gerade offen ist, gehe ich hinein und krame in den dort zum Mitnehmen ausgelegten BĂŒchern, finde die „Judenbuche“ von Droste-HĂŒlshoff und nehme das schmale BĂ€ndchen mit. Die anderen BĂŒcher waren eher erbauliche Texte, so Ă  la: Gottesdienst ohne Pfarrer, erstaunlicherweise fand ich aber auch einen Koran und BĂŒcher ĂŒber weitere Religionen in der Kiste.

Das Rathaus von Wanfried.

Der freundliche Mensch in der Touristinfo hatte in der Zwischenzeit, seit meinem morgendlichen Anruf also, Texte ĂŒber Richard und Cosima Wagner, SekundĂ€rliteratur, zusammengefasste Werke ĂŒber alles, was ĂŒber die Namenswahl Wagners bezĂŒglich seiner Villa bekannt ist, aus dem Archiv gesucht und schickt es mir per Mail. Wir unterhalten uns noch eine Weile, schließlich finde ich das StĂ€dtchen schick, obwohl viele GeschĂ€fte leer stehen, auch wenn die Schaufenster dekoriert sind.

Noch ein dekoriertes Schaufenster, in diesem wird Werbung fĂŒr die samstĂ€glichen StadtrundgĂ€nge gemacht.

Anschließend habe ich noch ein bisschen eingekauft und bin zurĂŒckgefahren, dieses Mal ĂŒber die neu und immer noch nicht fertig gebaute Autobahn, das letzte Projekt der Deutschen Einheit. Ist schon irre, wie viel Erde dafĂŒr bewegt wurde, damit jetzt Kies, Beton und Asphalt in der Landschaft liegen.

Autobahnwahnsinn. Das war mal Landschaft, frĂŒher.

Ich schließe die HaustĂŒr auf und werde zum Dank von den Katzen angemault. Nein, jetzt gibt es erst einmal fĂŒr mich was zu Essen, spĂ€ter seid ihr dran.