Alles demokratisch, oder was?

Es ist die Mehrheit, die regiert. Nicht die Vernunft. Will diese etwas schützen, etwas begrenzen, grätscht das europäische Gericht im Namen des Marktes dazwischen. Dieser soll alles richten und gerecht verteilen.

Wir bekommen nicht immer das, was wir wollen – aber ziemlich genau das, was wir wählen: so Toni Hofreiter bei seiner Buchvorstellung: „Fleischfabrik Deutschland“.

Was Familien wert sind, zeigt sich in dem, was Staat und Gesellschaft ihnen abnehmen: An Mieten für kinderfreundliche Wohnungen und Gebühren für Kindertagesstätten, Betreuungen und – hoffen wir, dass das Kind nicht krank wird, oder nicht zu lange, schließlich müssen die zehn freien Arbeitstage jährlich dafür reichen.

Das Parlament ist demokratisch. Es wurde von allen gewählt, doch es scheint nur der Industrie verpflichtet. Der Markt soll alles richten, was nicht geregelt ist. Die Verbraucher sind schließlich mündig. Wer sich jedoch zwischen Arbeit, Kinderbetreuung und Haushalt aufreibt, dessen Balance ist schon kräftezehrend genug. Da bleiben kaum Möglichkeiten, sich umfassend über alles zu informieren und vor allen Dingen die Sachinformationen vom Marketingsprech zu unterscheiden.

„Uns haben doch die Bürger gewählt, damit wir entscheiden, was für sie das Beste ist.“, beschwert sich ein Gemeinderat darüber, dass ebenjene Bürger den Bau des x-ten Supermarktes in ihrer recht nahen Umgebung – nur jetzt auf hoheitlichem Gemeindegebiet – schlichtweg ablehnen.

Das Parlament bringt Dinge auf Vordermann, macht sie zukunftsfähig – damit sie hinterher nicht mehr funktionieren. Das gilt für öffentlichen Personennahverkehr, für Fahrradwege und alles, was mir jetzt nicht einfällt, sondern nur dann, wenn ich gerade davon betroffen bin.

Werden Hilfe- oder Arbeitssuchende zu Klienten qua Neudefinition der Ämter, die längst nicht mehr so genannt werden, was soll ihnen dort eigentlich verkauft werden?

Bemisst sich der Wert eines Menschen am Geld, das er bekommt, werden diejenigen, die sich um Menschen kümmern, am geringsten bezahlt. Sie schaffen schließlich keine Werte, sondern Mitmenschlichkeit. Diese schlägt sich jedoch nicht in den Renditen der Fondseigner und Investoren als bares Geld nieder. Warum müssen Krankenhäuser und andere soziale Einrichtungen Gewinne erwirtschaften, die von allen (dank der Beiträge zur Kranken- und anderen Sozialversicherungen) bezahlt, aber von nur wenigen abgeschöpft werden?

Der Wert eines Menschen bemisst sich am Lohn für die Arbeit. Immer mehr Maschinen übernehmen Routinen und schwere Arbeiten, doch damit es der Mensch nicht zu leicht habe, wird der Takt stetig verdichtet. Pflegen, waschen, füttern, kämmen im Akkord: Hauptsache, satt und sauber. Obwohl: Satt stimmt auch nicht immer. Das Geld für Mahlzeiten ist knapp bemessen… Das Drehen übernimmt die Dekubitus-Matratze, das Streicheln ein Plüschtier und Gespräche werden ohnehin überbewertet. Bei der Visite im Krankenhaus trifft der Blick des Arztes nicht den Patienten, sondern den Monitor.

Vor den Wahlen wecken viele Parteien Begehrlichkeiten und Wünsche, machen Versprechen. Das war vor rund dreißig Jahren nicht anders: Während die Bürger der DDR Reisefreiheit und Bananen wählten, bekamen sie Treuhand, Arbeitslosigkeit und Wessis, die ihnen auf einmal sagen wollten, wo der Hase läuft. Ihnen ging es wie dem Kind, das zu seinem Besten nur Salat und Gemüse statt gewünschten Nutellabrot aufgetischt bekam.

Trotzdem würde ich mit keiner der Alternativen zur Demokratie tauschen wollen.

Verbunden mit: Blogparade: Was bedeutet mir die Demokratie 

Zeitunglesen hilft. Meistens jedenfalls.

Israel, 8., 9. und 10. Tag

Da die letzten drei Tage recht lang und vollgepackt waren, gibt es heute nur eine kurze Zusammenfassung. Am 8. Tag waren wir ein Stück auf dem Jesus-Trail unterwegs, der von Nazareth zum See Genezareth führt. Die Karte und die Realität waren gelegentlich nicht immer derselben Meinung, so dass wir uns einfach einen Weg gesucht haben. Da wir kein spezielles Ziel hatten, lediglich am Ende des Tages zum Auto zurückfinden mussten, war das nicht weiter tragisch.

Hier hat noch jemand seiner Karte nicht mehr vertraut.

Der Weg war an den meisten Stellen sehr malerisch.

Am nächsten Morgen fuhren wir recht früh los, zur Festung Masada und zum Toten Meer.

Der Blick von der Festung Masada auf das Tote Meer.

Reste der Römerlager sind bis heute noch zu sehen.

Baden im Toten Meer.

 

Heute waren wir dann im Norden, an der Grenze zum Libanon. Dort sind Höhlen, in denen das Meer tost und Berge, auf denen Denkmäler stehen.

Höhle, in vielen, vielen Jahren vom Wasser ausgenagt.

 

Israel – 7.Tag

Via Haifa geht es nach Akko.
Einstige Kreuzfahrerhafenstadt.

Auf Reisen spielt die Zeit eine andere Rolle.

In der wieder ausgegrabenen Zitadelle hinterließen Phönizier, Griechen, Römer, Kreuzritter, Muslime, Osmanen und Engländer ihre jeweiligen Spuren. Die Zeiten sind vergangen und haben nur einzelne Scherben, Relikte, Knochen, was auch immer in der Erde versteckt, so lange, bis sie wieder ausgegraben wurden.

Das ehemalige Refektorium.

Eine Schicht legt sich über die jeweils vorherige. Wird davon der Durchmesser der Erde nicht mehr, so Staubschicht für Staubschicht?

An den Mauern nagt das Mittelmeer.

Kleine Poesie aus dem Erlanger Schlossgarten

Ob sich ein vierblättriges Kleeblatt unter den scharfen Messern der Rasenmäher wegducken kann? Wer es findet, ist der Glückspilz und kann sich ganz ohne Drogen berauschen. Er braucht nur dem Wasserstrahl zu lauschen, wie er im Brunnen sein ewig gleiches Lied singt und singt und wenn er dann mit den spitzen Beinen des Gartenstuhls in den Boden sinkt, liegt er im Gras, dort, wo nur ein paar niedrige, weiße Blüten wohnen. Sie recken ihre Köpfe nicht zu hoch – Rasenmäher, you know – und werden doch täglich von Rasenlatschern und Trampeltieren plattgetreten.

Ganz anders die Blüten der Rabatten, unermüdlich entfaltet hier eine Apfelblüte nach der anderen ihre Blätter. Ob die Menge der Studentenblumen mit der Anzahl der Erlanger Studenten übereinstimmt? Was passiert mit dem menschlichen Pendant, wenn der Gärtner eine verwelkte Tagetes köpft?

In dieser Stadt bin ich nie und nimmer nicht alleine, auch nicht im Schlossgarten. Überall sind Menschen: Große, kleine, dicke, dünne, alte, junge, gefräßige, hungrige, satte, gelangweilte, glatzköpfige, keiner sieht wie der andere aus. Sie machen Geräusche, reden, lachen, atmen, ziehen einen Rollkoffer hinter sich her.

Sie kommen, setzen sich, bleiben eine Weile und gehen wieder. Nur die Bäume bleiben – und das Schloss mit dem Springbrunnen und der Zaun und die Bänke.

Ist es nachts dunkel, sind die Tore geschlossen. Die Eule öffnet ihre Augen, breitet die Schwingen aus und sieht, ob ihre Weisheit ausreicht, ein Mäuschen zu fangen.

Tagebuchbloggen am 5. November

Heute habe ich nichts gemacht. Immerhin waren wir gestern fleißig, vielmehr: Der Mitbewohner war fleißig, sein Zwillingsbruder ebenso und dessen Musikerfreund. Ich habe ja auch da nichts weiter gemacht. Weil aber das gestrige Nichtstun so lange gedauert hat, mussten die Katzen heute auch etwas länger auf ihr Fressen warten. Das fanden sie nicht ganz so schön, sie maulten, miezten, hüpften über Tische und Bänke und benahmen sich überhaupt fast so, als wären sie kurz vor dem Verhungern. Also völlig normal.

Bis zum Mittag habe ich ganze vier Zeilen geschrieben, ansonsten fast nichts gemacht, nur meinen Kaffee getrunken und darauf gewartet, dass der Mitbewohner mit den Flammkuchen fertig wird. Doch, gegessen habe ich selbst. Auf das gefüttert-werden habe ich lieber verzichtet.

Die Baumpilze sitzen doch auch ganz ruhig da, warum werde ich also durch die Gegend gescheucht?

Einen ganzen Tag sollte ich jedoch nicht im Haus verbringen, fand der Mitbewohner. Er lockte mich zum Auto, ließ mich einsteigen und kutschierte mit mir in die Fränkische Schweiz, nach Gößweinstein. Von dort aus wanderten wir auf einem alten Pilgerpfad bis kurz vor Pottenstein, guckten von oben auf den Ort, liefen einmal um die kleine Kapelle herum – immerhin wurde sie bereits 1725 hier gemauert und hat damit eine ältere Holzkapelle ersetzt.

Wallfahrerkapelle oberhalb von Pottenstein.

Auf dem Rückweg von Pottenstein nach Gößweinstein.

Jetzt ist es draußen dunkel, ich sitze hier vor dem Computer und tippe diese Zeilen. Weiter mache ich aber heute nichts mehr.

Wer jedoch noch gucken möchte, wie viele andere ihren heutigen Tag verbracht haben, bitte sehr: Bei Frau Brüllen sind alle Tagebuchblogger versammelt.

Friedliche Höfe der Ruhe #Kultblick

Ich gehe gerne auf Friedhöfen spazieren. Sie strahlen selbst dann eine überirdische Ruhe aus, wenn sie mitten in einer quirligen Stadt oder neben der Autobahn liegen. Ging ich mit der Uroma über den alten Friedhof im Städtchen, war ich fasziniert, besonders dann, wenn sie erzählte, dass hier einst ein Kind von ihr beerdigt worden war.

Während der Tod für das Individuum eine unumkehrbare Grenze darstellt, geht die Kultur schöpferisch darüber hinaus: Es entsteht etwas, was von jedem Menschen bleibt, auch dann noch, wenn es ihn nicht mehr gibt. Irgendwann hat jeder Mensch verstanden, dass er sterblich ist. Ist es das, was uns vom Tier unterscheidet? Sicher, auch Tiere kennen Todesangst – doch keines von ihnen bestattet die Verstorbenen und errichtet Grabmäler zum Gedenken an jene.

Das übernehmen die Hinterbliebenen, die Überlebenden, wenigstens in den meisten Fällen. Ich kenne nur wenige Ausnahmen:

Auf dem dörflichen Friedhof wies mich der Mitbewohner auf einen Grabstein hin, der bis vor kurzem nur ein Datum, das Geburtsdatum trug. Inzwischen ist auch das Todesdatum eingemeißelt und mit Gold gefärbt. Beide Daten liegen über 100 Jahre voneinander entfernt.

Heinrich Brummack: Vogeltränke

Am Kasseler Stadtrand beginnt der Habichtswald. Initiiert von Harry Kramer, Kunstprofessor in Kassel, entstand dort mit der Künstlernekropole ein öffentlicher Ort der besonderen Art. Künstler können ihre eigenen Grabmale gestalten, müssen sich jedoch im Gegenzug verpflichten, dass sie sich nach ihrem Tod hier auch tatsächlich beisetzen lassen.

1992 eröffnet, sucht das Kuratorium die Künstler aus und fragt sie an. Mittlerweile stehen acht Grabzeichen, maximal vierzig sind möglich. Die Skulpturen überschreiten die Grenze zwischen Kunst und Alltag, zwischen Leben und Tod. Da jeder Künstler sein eigenes Grabmal gestaltet, ist er auch sein eigener Auftraggeber. Zwar sind private Friedhöfe in Deutschland nicht erlaubt, sie müssen entweder von einer Glaubensgemeinschaft oder Kommune betrieben werden. Im Fall der Künstlernekropole wurde jedoch eine Utopie Kramers Realität. Er wurde übrigens selbst hier bestattet, allerdings ist seine Grabstätte nicht mit einem Grabmal gekennzeichnet, nur ein Baum trägt seine Initialen.

„Die Künstler haben keinen Einfluß auf Kulturpolitik, Museumsankäufe und Programme internationaler Ausstellungen. Genau besehen, ist das auch gut so; sie würden sich sonst als Gladiatoren in der Arena selbst ausrotten. Der Wettstreit auf dem Friedhof der Eitelkeiten ist ein unblutiger. Melancholie, Einsamkeit und Repräsentanz dieses Berufs kann sich keinen geeigneteren Ort der Selbstrealisierung und Selbstinszenierung wünschen. Der Künstler kann nur beim eigenen Grabmal sich selbst Auftraggeber und Mäzen sein. Allein das ist Legitimation genug.“

– Harry Kramer
Der Tod stellt die Frage nach dem Sinn, allerdings ist für uns Menschen nicht der Tod das Problem, sondern das Wissen um ihn. Er stellt alles komplett in Frage. Während die Sinnfrage von der Religion einfach damit erklärt wurde, was die Menschen nach ihrem Tod erwarte, müssen moderne Menschen diese Frage selbst beantworten.

Uwe Timm

„Denken Sie stets daran, mich zu vergessen“, vom Grabmal Timm Ullrichs sieht man nur eine Glasplatte. Die Skulptur selbst ist eine Negativform, ein ausgesparter Mensch, in den der Spaziergänger via Fußsohlen hineinschauen kann – so bleibt er als Anwesender abwesend und ist doch nicht mehr zu sehen.

Karl Oscar Blase

Bei dem Grabmal von Karl Oskar Blase verschmilzt der Augenblick oder Moment zu einem Monument. Es gibt Augenblicke, die für das ganze Leben eine Bedeutung haben und in der Erinnerung überdauern, auch wenn das Vergessen bereits zu Lebzeiten einsetzt.

Es gibt viele Situationen im Leben, die nur begrenzt antizipierbar sind, das Sterben als Übergang ist eine davon. In der Sprache lässt sich die Statusveränderung nachweisen und bedeutende Veränderungen wie Taufe, Heirat oder Schulanfang werden durch besondere Feiern gewürdigt.
Hier sind Grabmäler Lebenswerke.

Die Vorstellung, dass nach dem Tod, dem Nicht-mehr-sein die Erinnerung bleibt, kann tröstlich wirken. Und der Umgang mit dem Tod, der Verweis über das Leben hinaus, der ist für mich ein Teil dessen, was Kultur ausmacht. Sie hat ihren Ursprung im Wissen von Tod und Sterblichkeit und versucht, über die Begrenztheit des Menschen und dessen Planen, Handeln und seine Erfahrung hinauszudenken. Wer nicht daran glauben kann oder mag, dass ein Teil von ihm unsterblich ist und somit über den Tod hinaus lebendig bleibt, für den mag sein Handeln wenig sinnvoll sein.

Verbunden mit: Blogparade Kulturblick.

 

Nebenan gebloggt: Die Cadolzburg und der #Hohenzollernwalk

Die Cadolzburg bei herrlichem Sommerwetter.

Es war in diesem Jahr, im Juli, als ich auf die Cadolzburg eingeladen wurde. An die traurigen Reste habe ich neulich anlässlich der Rostparade erinnert, heute habe ich den Beitrag über die Burg geschrieben und ihn auf meinem Frankenblog veröffentlicht: Er passt wunderbar und ist garantiert eine von 111 Sachen in Franken (der Link führt zum Beitrag) die es zu machen lohnt.

Viel Spaß beim Lesen.

Dank an Meike von Crafteln.de

Ein Überraschungspaket aus Hamburg.

Endlich ist es Herbst – die Tage werden kürzer, das Laub wird bunter und die Temperaturen sinken. Auf diesen Moment habe ich tatsächlich lange gewartet, vor allem dann, wenn ich mir aus unserer Kleiderkammer das nächste Sommerkleid oder die nächste kurzärmelige Bluse herausgeholt habe. Hier hing mein Stadtmantel und guckte mich fast vorwurfsvoll an: Als ich ihn im April erfolgreich fertiggenäht hatte, fielen zwar noch die letzten Schneeflocken vom Himmel, doch insgesamt war es seit dieser Zeit einfach zu warm für Walk. Tja. Das ist Oberfranken. Oft sonnig, warm und viel zu trocken.

Ich im Stadtmantel

Da nutzt der schönste Schnitt nix. Jedenfalls dann nicht, wenn das Kleidungsstück, der Stadtmantel, einfach zu warm ist. Aber auch heiße Tage gehen vorbei, jetzt ist es zwar immer noch sonnig, doch deutlich kühler.

Neulich wollte Meike wissen, wie ich – und andere auch – mit den Schnittmustern von Crafteln.de beim Nähen zurechtgekommen sind: Was wir an ihnen gut fanden, was es beim Nähen für Schwierigkeiten gab, wo die Erklärungen ausreichend waren und an welchen Stellen – immerhin sind ja die meisten Hobbynäherinnen keine gelernten Schneiderinnen – es noch hakte.

Zwar vergebe ich im Internet weder Sterne, Daumen-hoch oder andere Bewertungen, wenn ich jedoch höflich um meine Meinung gebeten werden, nun, warum nicht. Dann kann ich ja sagen, was ich gut finde und wo – meiner Meinung nach – noch etwas Verbesserungsbedarf besteht.

Als Dank kam neulich ein Überraschungspäckchen an. Ich hatte gewonnen. Dort war neben einer ganzen Menge an kleinen Nettigkeiten vor allen Dingen dieses großartige Buch zu finden: Printed at Home (Link zum Verlag). Ich habe schon kurz darin geblättert und hoffe, dass ich bald ausreichend Zeit finde, um Dinge auszuprobieren, die darin beschrieben werden.

Und weil der Schnittmusterkiosk von Meike seinen ersten Geburtstag feierte, das alles in Hamburg stattfand – und damit viel zu weit weg für mich, verlinke ich einfach noch die Beschreibung der dortigen Mädchenparty von Kittykoma, die so schön und ausführlich ist, dass ich Faultierchen mir das glatt sparen kann. Folgen Sie einfach dem Link, lesen Sie dort und lassen Sie mich mit meinem Buch in Ruhe auf dem Sofa liegen.

Tagebuchbloggen am 5. August

Die Sonne scheint auf die Bettdecke, die große Katze hat es sich an meinen Beinen gemütlich gemacht: Zeit, aufzustehen und Kaffee zu trinken. Der Mitbewohner ist wie jeden Samstag so nett und holt frische Brötchen vom Bäcker, ich fülle derweil den Katzen die Näpfe. Inzwischen sitzen sie etwa dreißig Zentimeter voneinander entfernt, futtern, gelegentlich knurrt die große Katz, doch die kleine Katz beeindruckt das nicht.

Ganz im Gegenteil: Kaum ist der Kaffeetisch abgeräumt, dekoriert sich die große Katze längelang obenauf, die kleine Katze nimmt auf dem Stuhl Platz. Jetzt sind sie in Tatzweite, und so langt die große Katz immer mal nach unten zur kleinen Katz, sie probieren aus, ob und wie sie miteinander spielen können. Die Annäherung geschieht vorsichtig, ein leises Grollen bleibt, aber sie stupsen ihre Nasen aneinander und geben Nasenküsschen.

Der Mitbewohner belegt zwei Brötchen und sucht seine Wanderkarten, findet sie jedoch nicht. Also fahren wir so los, ohne Karte, einfach der Nase nach, fahren durch einen Ort, biegen ab, fahren zum nächsten kleinen Ort, dort wieder links hoch, parken an einer Wiese und laufen los.

Der Weg ist mit Obstbäumen gesäumt

Alte Obstbäume säumen den Weg, an einigen sind die Äpfel schon reif. Sie leuchten so schön rot-gelb-gestreift, dass wir zwei von ihnen pflücken und essen. Sie sind so saftig, dass ich den Saft von der Frucht regelrecht saugen muss, damit er mir nicht aufs T-Shirt tropft. Allerdings hat noch jemand entdeckt, dass der Apfel lecker ist und sich ein Loch hindurch genagt. Vor dem Maisfeld biegen wir links ab, hier geht es am schattigen Waldrand weiter. In der Ferne staubt ein Mähdrescher durchs Feld und das erste gelbe Blatt liegt auf dem Weg.

Die Buche lässt bereits das erste Blatt fallen.

Kaisermantel auf Blüte

Hochsommerzeit. Wir gehen langsam: Über den Blüten torkelt erst ein Bläuling, ein Stückchen weiter tanzen zwei Kaisermäntel umeinander, naschen nur gelegentlich an Blütenkelchen. Wildbienen, Käfer, es summt und bei jedem Schritt stieben die Grashüpfer in die Höhe.

Wildbienchen an wildem Majoran

Wir wollen nirgendwo hin, haben kein Ziel, laufen einfach vor uns hin und freuen uns an dem, was neben uns läuft, fliegt und krabbelt. Da wir langsam genug unterwegs sind, haben wir Zeit, das alles zu entdecken.

Der Weg ist ein Traum. Hier gibt es nichts, niemand außer uns ist unterwegs, hier gibt es einfach kein Ziel, nichts zu erreichen und so trödelt der Tag vor sich hin und verliert seine Zeit.

Käfer auf Blüte.

Irgendwann kehren wir zum Auto zurück und fahren ein Stück, kehren ein und genießen eine ortstypische Kleinigkeit: Kloß mit Soß. Der junge Wirt erzählt stolz von seinem Spezialkrug, der so schwer sei, dass die manchmal so angeberisch starken Kletterer diesen nicht lange in einer Hand halten könnten und den er sich extra anfertigen ließ.

Ein Motorrad mit SW-Kennzeichen knattert auf der Straße vorbei. Ich wäre ja dafür, dass ein Mikrofon direkt am Auspuff den Lärm abfängt und ihn direktemang unter den Helm zu den Ohren lenkt. Dann hat wenigstens der was davon, der den Lärm bereitet – und nicht immer diejenigen, die gar nichts dafür können.

Dass die Urlaubszeit jetzt ihre Hochsaison hat, lässt sich an der Wirtschaft nicht übersehen: Die Kennzeichen aus ganz Deutschland sind hier versammelt: M, DON, HDH, R, OHV, HA, MD, HH, OF, D, BZ, dazu Holländer und Franzosen. Anschließend fahren wir zurück und der Mitbewohner fängt bei dieser Gelegenheit fünf große Forellen ein.

Zu Hause angekommen, stecken wir den Fischen Kräuter, Salz und Pfeffer in den Bauch und packen sie gut ein. Die kommen erst morgen auf den Grill.

Die Katzen spielen immer noch seeehr vorsichtig miteinander.

Heute gibt es für die beiden recht früh schon das Futter, wir wollen noch einmal los, nach Kronach. Dort wird „Das Wirtshaus im Spessart aufgeführt“, der Mitbewohner hat die Karten besorgt.

Damit habe ich die Frage der freundlichen Blognachbarin beantwortet, die an jedem Monatsfünften wissen möchte, was ich eigentlich so mache. Bei ihr gibt es noch viele andere Tagebucheinträge zu lesen: Frau Brüllen.