Friedliche Höfe der Ruhe #Kultblick

Ich gehe gerne auf Friedhöfen spazieren. Sie strahlen selbst dann eine überirdische Ruhe aus, wenn sie mitten in einer quirligen Stadt oder neben der Autobahn liegen. Ging ich mit der Uroma über den alten Friedhof im Städtchen, war ich fasziniert, besonders dann, wenn sie erzählte, dass hier einst ein Kind von ihr beerdigt worden war.

Während der Tod für das Individuum eine unumkehrbare Grenze darstellt, geht die Kultur schöpferisch darüber hinaus: Es entsteht etwas, was von jedem Menschen bleibt, auch dann noch, wenn es ihn nicht mehr gibt. Irgendwann hat jeder Mensch verstanden, dass er sterblich ist. Ist es das, was uns vom Tier unterscheidet? Sicher, auch Tiere kennen Todesangst – doch keines von ihnen bestattet die Verstorbenen und errichtet Grabmäler zum Gedenken an jene.

Das übernehmen die Hinterbliebenen, die Überlebenden, wenigstens in den meisten Fällen. Ich kenne nur wenige Ausnahmen:

Auf dem dörflichen Friedhof wies mich der Mitbewohner auf einen Grabstein hin, der bis vor kurzem nur ein Datum, das Geburtsdatum trug. Inzwischen ist auch das Todesdatum eingemeißelt und mit Gold gefärbt. Beide Daten liegen über 100 Jahre voneinander entfernt.

Heinrich Brummack: Vogeltränke

Am Kasseler Stadtrand beginnt der Habichtswald. Initiiert von Harry Kramer, Kunstprofessor in Kassel, entstand dort mit der Künstlernekropole ein öffentlicher Ort der besonderen Art. Künstler können ihre eigenen Grabmale gestalten, müssen sich jedoch im Gegenzug verpflichten, dass sie sich nach ihrem Tod hier auch tatsächlich beisetzen lassen.

1992 eröffnet, sucht das Kuratorium die Künstler aus und fragt sie an. Mittlerweile stehen acht Grabzeichen, maximal vierzig sind möglich. Die Skulpturen überschreiten die Grenze zwischen Kunst und Alltag, zwischen Leben und Tod. Da jeder Künstler sein eigenes Grabmal gestaltet, ist er auch sein eigener Auftraggeber. Zwar sind private Friedhöfe in Deutschland nicht erlaubt, sie müssen entweder von einer Glaubensgemeinschaft oder Kommune betrieben werden. Im Fall der Künstlernekropole wurde jedoch eine Utopie Kramers Realität. Er wurde übrigens selbst hier bestattet, allerdings ist seine Grabstätte nicht mit einem Grabmal gekennzeichnet, nur ein Baum trägt seine Initialen.

„Die Künstler haben keinen Einfluß auf Kulturpolitik, Museumsankäufe und Programme internationaler Ausstellungen. Genau besehen, ist das auch gut so; sie würden sich sonst als Gladiatoren in der Arena selbst ausrotten. Der Wettstreit auf dem Friedhof der Eitelkeiten ist ein unblutiger. Melancholie, Einsamkeit und Repräsentanz dieses Berufs kann sich keinen geeigneteren Ort der Selbstrealisierung und Selbstinszenierung wünschen. Der Künstler kann nur beim eigenen Grabmal sich selbst Auftraggeber und Mäzen sein. Allein das ist Legitimation genug.“

– Harry Kramer
Der Tod stellt die Frage nach dem Sinn, allerdings ist für uns Menschen nicht der Tod das Problem, sondern das Wissen um ihn. Er stellt alles komplett in Frage. Während die Sinnfrage von der Religion einfach damit erklärt wurde, was die Menschen nach ihrem Tod erwarte, müssen moderne Menschen diese Frage selbst beantworten.

Uwe Timm

„Denken Sie stets daran, mich zu vergessen“, vom Grabmal Timm Ullrichs sieht man nur eine Glasplatte. Die Skulptur selbst ist eine Negativform, ein ausgesparter Mensch, in den der Spaziergänger via Fußsohlen hineinschauen kann – so bleibt er als Anwesender abwesend und ist doch nicht mehr zu sehen.

Karl Oscar Blase

Bei dem Grabmal von Karl Oskar Blase verschmilzt der Augenblick oder Moment zu einem Monument. Es gibt Augenblicke, die für das ganze Leben eine Bedeutung haben und in der Erinnerung überdauern, auch wenn das Vergessen bereits zu Lebzeiten einsetzt.

Es gibt viele Situationen im Leben, die nur begrenzt antizipierbar sind, das Sterben als Übergang ist eine davon. In der Sprache lässt sich die Statusveränderung nachweisen und bedeutende Veränderungen wie Taufe, Heirat oder Schulanfang werden durch besondere Feiern gewürdigt.
Hier sind Grabmäler Lebenswerke.

Die Vorstellung, dass nach dem Tod, dem Nicht-mehr-sein die Erinnerung bleibt, kann tröstlich wirken. Und der Umgang mit dem Tod, der Verweis über das Leben hinaus, der ist für mich ein Teil dessen, was Kultur ausmacht. Sie hat ihren Ursprung im Wissen von Tod und Sterblichkeit und versucht, über die Begrenztheit des Menschen und dessen Planen, Handeln und seine Erfahrung hinauszudenken. Wer nicht daran glauben kann oder mag, dass ein Teil von ihm unsterblich ist und somit über den Tod hinaus lebendig bleibt, für den mag sein Handeln wenig sinnvoll sein.

Verbunden mit: Blogparade Kulturblick.

 

Nebenan gebloggt: Die Cadolzburg und der #Hohenzollernwalk

Die Cadolzburg bei herrlichem Sommerwetter.

Es war in diesem Jahr, im Juli, als ich auf die Cadolzburg eingeladen wurde. An die traurigen Reste habe ich neulich anlässlich der Rostparade erinnert, heute habe ich den Beitrag über die Burg geschrieben und ihn auf meinem Frankenblog veröffentlicht: Er passt wunderbar und ist garantiert eine von 111 Sachen in Franken (der Link führt zum Beitrag) die es zu machen lohnt.

Viel Spaß beim Lesen.

Dank an Meike von Crafteln.de

Ein Überraschungspaket aus Hamburg.

Endlich ist es Herbst – die Tage werden kürzer, das Laub wird bunter und die Temperaturen sinken. Auf diesen Moment habe ich tatsächlich lange gewartet, vor allem dann, wenn ich mir aus unserer Kleiderkammer das nächste Sommerkleid oder die nächste kurzärmelige Bluse herausgeholt habe. Hier hing mein Stadtmantel und guckte mich fast vorwurfsvoll an: Als ich ihn im April erfolgreich fertiggenäht hatte, fielen zwar noch die letzten Schneeflocken vom Himmel, doch insgesamt war es seit dieser Zeit einfach zu warm für Walk. Tja. Das ist Oberfranken. Oft sonnig, warm und viel zu trocken.

Ich im Stadtmantel

Da nutzt der schönste Schnitt nix. Jedenfalls dann nicht, wenn das Kleidungsstück, der Stadtmantel, einfach zu warm ist. Aber auch heiße Tage gehen vorbei, jetzt ist es zwar immer noch sonnig, doch deutlich kühler.

Neulich wollte Meike wissen, wie ich – und andere auch – mit den Schnittmustern von Crafteln.de beim Nähen zurechtgekommen sind: Was wir an ihnen gut fanden, was es beim Nähen für Schwierigkeiten gab, wo die Erklärungen ausreichend waren und an welchen Stellen – immerhin sind ja die meisten Hobbynäherinnen keine gelernten Schneiderinnen – es noch hakte.

Zwar vergebe ich im Internet weder Sterne, Daumen-hoch oder andere Bewertungen, wenn ich jedoch höflich um meine Meinung gebeten werden, nun, warum nicht. Dann kann ich ja sagen, was ich gut finde und wo – meiner Meinung nach – noch etwas Verbesserungsbedarf besteht.

Als Dank kam neulich ein Überraschungspäckchen an. Ich hatte gewonnen. Dort war neben einer ganzen Menge an kleinen Nettigkeiten vor allen Dingen dieses großartige Buch zu finden: Printed at Home (Link zum Verlag). Ich habe schon kurz darin geblättert und hoffe, dass ich bald ausreichend Zeit finde, um Dinge auszuprobieren, die darin beschrieben werden.

Und weil der Schnittmusterkiosk von Meike seinen ersten Geburtstag feierte, das alles in Hamburg stattfand – und damit viel zu weit weg für mich, verlinke ich einfach noch die Beschreibung der dortigen Mädchenparty von Kittykoma, die so schön und ausführlich ist, dass ich Faultierchen mir das glatt sparen kann. Folgen Sie einfach dem Link, lesen Sie dort und lassen Sie mich mit meinem Buch in Ruhe auf dem Sofa liegen.

Tagebuchbloggen am 5. August

Die Sonne scheint auf die Bettdecke, die große Katze hat es sich an meinen Beinen gemütlich gemacht: Zeit, aufzustehen und Kaffee zu trinken. Der Mitbewohner ist wie jeden Samstag so nett und holt frische Brötchen vom Bäcker, ich fülle derweil den Katzen die Näpfe. Inzwischen sitzen sie etwa dreißig Zentimeter voneinander entfernt, futtern, gelegentlich knurrt die große Katz, doch die kleine Katz beeindruckt das nicht.

Ganz im Gegenteil: Kaum ist der Kaffeetisch abgeräumt, dekoriert sich die große Katze längelang obenauf, die kleine Katze nimmt auf dem Stuhl Platz. Jetzt sind sie in Tatzweite, und so langt die große Katz immer mal nach unten zur kleinen Katz, sie probieren aus, ob und wie sie miteinander spielen können. Die Annäherung geschieht vorsichtig, ein leises Grollen bleibt, aber sie stupsen ihre Nasen aneinander und geben Nasenküsschen.

Der Mitbewohner belegt zwei Brötchen und sucht seine Wanderkarten, findet sie jedoch nicht. Also fahren wir so los, ohne Karte, einfach der Nase nach, fahren durch einen Ort, biegen ab, fahren zum nächsten kleinen Ort, dort wieder links hoch, parken an einer Wiese und laufen los.

Der Weg ist mit Obstbäumen gesäumt

Alte Obstbäume säumen den Weg, an einigen sind die Äpfel schon reif. Sie leuchten so schön rot-gelb-gestreift, dass wir zwei von ihnen pflücken und essen. Sie sind so saftig, dass ich den Saft von der Frucht regelrecht saugen muss, damit er mir nicht aufs T-Shirt tropft. Allerdings hat noch jemand entdeckt, dass der Apfel lecker ist und sich ein Loch hindurch genagt. Vor dem Maisfeld biegen wir links ab, hier geht es am schattigen Waldrand weiter. In der Ferne staubt ein Mähdrescher durchs Feld und das erste gelbe Blatt liegt auf dem Weg.

Die Buche lässt bereits das erste Blatt fallen.

Kaisermantel auf Blüte

Hochsommerzeit. Wir gehen langsam: Über den Blüten torkelt erst ein Bläuling, ein Stückchen weiter tanzen zwei Kaisermäntel umeinander, naschen nur gelegentlich an Blütenkelchen. Wildbienen, Käfer, es summt und bei jedem Schritt stieben die Grashüpfer in die Höhe.

Wildbienchen an wildem Majoran

Wir wollen nirgendwo hin, haben kein Ziel, laufen einfach vor uns hin und freuen uns an dem, was neben uns läuft, fliegt und krabbelt. Da wir langsam genug unterwegs sind, haben wir Zeit, das alles zu entdecken.

Der Weg ist ein Traum. Hier gibt es nichts, niemand außer uns ist unterwegs, hier gibt es einfach kein Ziel, nichts zu erreichen und so trödelt der Tag vor sich hin und verliert seine Zeit.

Käfer auf Blüte.

Irgendwann kehren wir zum Auto zurück und fahren ein Stück, kehren ein und genießen eine ortstypische Kleinigkeit: Kloß mit Soß. Der junge Wirt erzählt stolz von seinem Spezialkrug, der so schwer sei, dass die manchmal so angeberisch starken Kletterer diesen nicht lange in einer Hand halten könnten und den er sich extra anfertigen ließ.

Ein Motorrad mit SW-Kennzeichen knattert auf der Straße vorbei. Ich wäre ja dafür, dass ein Mikrofon direkt am Auspuff den Lärm abfängt und ihn direktemang unter den Helm zu den Ohren lenkt. Dann hat wenigstens der was davon, der den Lärm bereitet – und nicht immer diejenigen, die gar nichts dafür können.

Dass die Urlaubszeit jetzt ihre Hochsaison hat, lässt sich an der Wirtschaft nicht übersehen: Die Kennzeichen aus ganz Deutschland sind hier versammelt: M, DON, HDH, R, OHV, HA, MD, HH, OF, D, BZ, dazu Holländer und Franzosen. Anschließend fahren wir zurück und der Mitbewohner fängt bei dieser Gelegenheit fünf große Forellen ein.

Zu Hause angekommen, stecken wir den Fischen Kräuter, Salz und Pfeffer in den Bauch und packen sie gut ein. Die kommen erst morgen auf den Grill.

Die Katzen spielen immer noch seeehr vorsichtig miteinander.

Heute gibt es für die beiden recht früh schon das Futter, wir wollen noch einmal los, nach Kronach. Dort wird „Das Wirtshaus im Spessart aufgeführt“, der Mitbewohner hat die Karten besorgt.

Damit habe ich die Frage der freundlichen Blognachbarin beantwortet, die an jedem Monatsfünften wissen möchte, was ich eigentlich so mache. Bei ihr gibt es noch viele andere Tagebucheinträge zu lesen: Frau Brüllen. 

Unter der Laterne #Rostparade

Die Lomonossov-Universität in Moskau.

Oben auf den Sperlingsbergen hatten wir eine fantastische Sicht auf Moskau und auf die Lomonossov-Universität, ein riesiges Gebäude, von dem es heißt, dass darin so viele Räume sind, dass ein Mensch sein ganzes Leben darin verbringen kann. 50.000 Räume sollen es sein, ob es stimmt, habe ich nicht nachgezählt. Im Gebäude selbst ist alles zu finden, was zum Leben nötig ist: Es gibt Studentenzimmer, Kantinen, Friseur, Post, Schuhreparatur und sogar ein Polizeirevier. Wer mag, braucht hier wochenlang nicht aus dem Haus zu gehen.

Laterne in Moskau

Die Laternen sehen aus, als stammten sie aus der gleichen Zeit wie das Uni-Gebäude. An ihnen hängen nicht nur unglaublich viele Drähte, sondern auch die Oberleitungen der Busse. Was so lange an der freien Luft herumsteht und dabei Wind und Wetter ausgesetzt ist, das muss doch irgendwo Rost angesetzt haben.

Der Laternensockel.

Der Sockel ist dick mit Farbe bestrichen. Da wurde wohl eine Schicht über die andere gelegt.

Laternenmast.

Ich gucke etwas weiter oben: Hier wurde geklotzt und gekleckert: Die Farbe ist so dick aufgetragen, dass sie Nasen bildet.

Rost auf dem Laternenmast.

Doch dem aufmerksamen Auge entgeht nichts: Hier ist Rost zu sehen. Hurra. Ab mit ihm, in die Tonari’sche Rostparade.

Kanonenkugeln zu Pyramiden #Rostparade

Famagusta war 1571 die letzte venezianische Festung auf Zypern, die sich ganze elf Monate lang der osmanischen Invasion widersetzte. Am 1. August sicherte Lala Mustafa (nach ihm ist bis heute die Moschee in Famagusta benannt), den Verteidigern erst freies Geleit zu, nahm aber doch den venezianischen Statthalter Bragadin mitsamt Gefolgschaft fest. Marcantonio Bragadin wurde erst gefoltert, anschließend lebendig gehäutet und getötet. Die Haut wurde mit Heu gefüllt, mit einer Uniform bekleidet, auf einen Ochsen gesetzt und durch Famagusta getrieben. Mustafa Pascha schmückte seine Galeere mit dem Kopf Bragadins und den Köpfen der anderen venezianischen Befehlshaber und brachte diese nach Konstantinopel.

1580 zahlten die Venezianer ein hohes Lösegeld dafür, dass die Haut von Bragadin nach Venedig überführt werden und in der Kirche Santi Giovanni e Paolo bestattet werden konnte.

Die Kanonen und Kugeln in Famagusta sind aus ebendieser Zeit. Damals verfügte das osmanische Reich über die beste Kanonentechnik, schwärmt der Reiseführer. Waren doch die Mauern von Famagusta drei Meter dick und wurden letztendlich bezwungen.

Eine Ruine in Famagusta

Rostige Kanonen und Kugeln in Famagusta.

Rostige Kanonenkugeln. Ganz schön schwere Dinger.

Rostig. Doch nicht minder gefährlich.

Tja. An diese Technik möchten moderne Türken gerne anknüpfen, damit sie wieder Kanonen und Panzer bauen können um damit gegen Menschen in ihrem eigenen Land vorzugehen. Oder warum möchte Rheinmetall unbedingt eine Panzerschmiede in der Türkei aufbauen?

Rheinmetall: Baut Panzer in der Türkei. 

Und die Bundesregierung schaut zu. Ignoriert. Sagt mal, habt ihr sie noch alle?

Verbunden mit: Frau Tonaris Rostparade. 

Aber egal, wie sehr diese Kanonenkugeln poliert werden, blank werden sie hoffentlich nicht mehr. Verbunden mit: Daily prompt „polish“

Mein Stadtmantel ist fertig

Auch wenn der Mitbewohner in den vergangenen Tagen über: „Ein Mäntlein steht im Walde“ gewitzelt hat und ich gerne bei etwas besserem Wetter dort spazieren gegangen wäre, haben wir die Fotos vom Mantel lieber direkt am Haus gemacht. Wer genau guckt, kann im Gras noch die Reste des Schnees liegen sehen, der eben noch in dichten Flocken vom Himmel fiel.

Der Mantel gefällt mir sehr gut, andernfalls hätte ich mir die Mühe mit dem Nähen sparen können.

Es gab schon die eine oder andere knifflige Stelle, doch wozu gibt es schließlich einen Nahttrenner? Die liebsten Kleidungsstücke sind ohnehin diejenigen, die sich einer einfachen Herstellung ein wenig widersetzen. Dafür hat die als schwierig beschriebene Stelle mit dem Einnähen der Futterärmel hervorragend geklappt, vielleicht lag es auch daran, dass ich erst kürzlich unter Aufsicht und Anleitung einer zweifachen Schneidermeisterin (Damen- und Herrenfach) meinen fränkischen Kittel genäht habe.

Also: Besten Dank an Frau Crafteln für den Schnitt und die ausführliche Nähanleitung. Immerhin winkte der Sew-Along mit Fertigstellung am Ostermontag genügend mit dem inneren „Nun-mach-doch-mal-endlich“ und der Mantel ist tatsächlich fertig geworden. Und das von mir, der Queen der angefangenen (und nie beendeten) Dinge.

Detail von innen

Verbunden mit: Me made Mittwoch.

Verbunden mit: Daily prompt: Netty.

Beuteltasche

Neulich war ich zu Besuch in Kassel. An diesem Wochenende fand dort ganz überraschend und völlig ungeplant der holländische Stoffmarkt statt, selbstredend konnte ich diesen nicht ignorieren, nachdem ich davon erfuhr und selbstverständlich fand ich Stoff. So weit, so vorhersehbar.

Hach. Dort kaufte ich einen Stoff, wunderschön grün mit Pfauen, ganz passend für eine repräsentative Einkaufstasche, eine, die so schön werden könnte, dass ich sie gerne nehmen würde. Ich meine, auch eine simple Einkaufstasche darf doch schön werden, oder?

Damit nichts schief geht, wenn ich mich an diesen grünen Stoff mache, ihn zerschneide und neu zusammensetze, habe ich erst einmal eine Probetasche genäht. Der blaue Stoff lag noch im Schrank, als Innenfutter habe ich einen alten, löcherigen Bettbezug so zurechtgeschnitten, schließlich war glücklicherweise noch genügend Stoff zwischen den Löchern.

Außen- und Innentasche nebeneinander.

Schnell waren die Nähte genäht (außen weiß, innen lila, weil der Faden gerade auf dem Spulchen war), blauer Stoff auf das Band appliziert und die Tasche fertig. Kam die Jüngste des Wegs, beguckte sich die Tasche von allen Seiten und monierte: „Och Mutter, hättste aber wenigstens den Unterfaden mal wechseln können.“

Die fertige Tasche.

Ach was, das ist nur eine Probetasche. Da ist das nicht so wichtig. Da die Tasche aber schon das Weite gesucht hat, resp. von der Lieblingshausziege okkupiert wurde, werde ich wohl noch so eine blaue Tasche nähen und die grüne Tasche (mit Pfau!) ebenfalls. Aber vorher brauche ich neues Band für die Träger.

Verbunden mit: Daily Prompt „Volume“

Tagebuchbloggen am 5. April

Wie jeden 5. des Monats ruft die freundliche Nachbarin Frau Brüllen zum gemeinsamen Tagebuchbloggen auf:

Da ich mitten in der Nacht munter wurde – und dann eine Weile gelesen habe – schlief ich heute morgen etwas länger. Das war auch nicht weiter schlimm, manche Texte sind da ganz geduldig. Da heute der erste Mittwoch im Monat war, fuhr ich am späten Vormittag nach Forchheim, parkte das Auto auf der Sportinsel und freute mich über die Spinnweben am Brückengeländer.

Spinnwebe mit Tautropfen im Morgenlicht.

In der Forchheimer Stadtbibliothek traf ich mich mit den anderen Mitgliedern des Literaturkreises. Wir lasen uns gegenseitig Texte vor und kommentierten diese.

Fenster der Stadtbibliothek. Die Buchstaben sieht man doch, oder?

Auf dem Rückweg zum Auto sah ich noch weitere Fenster:

Altes Fenster mit Schnörkelgitter.

Innen bunt verziertes Fenster. Was machen die Schneemänner dort?

Das Haus schläft wohl noch. Jedenfalls sieht es so aus, wenn die Jalousien heruntergezogen sind.

Glasbausteine.

Ein schiefes Fenster zwischen schrägen Balken.

Kaum war ich wieder Zuhause, tischte der Mitbewohner auf. Er hatte in meiner Abwesenheit für leckeres Essen gesorgt.

Der restliche Tag verlief echt unspektakulär: Ich habe Texte geschrieben. Gelegentlich kam die Katz vorbei und forderte ihre Streicheleinheiten. Das Brot, das ich gestern Abend angesetzt hatte, wurde ebenfalls fertig (das nächste Mal nehme ich etwas mehr Salz für den Teig). Da die Lieblingshausziege den restlichen Jogurt zu einem Mango-Smoothie verbastelt hat, habe ich neuen Jogurt angesetzt. Dieser muss nur bis morgen ganz erschütterungsfrei und ruhig auf dem Schrank stehen, bevor er in den Kühlschrank kommt und dort nachreifen kann.

Jetzt ist es fast Zeit fürs Abendbrot, ich werde allerdings noch weiter Texte schreiben.

Verbunden mit: Frau Brüllen

Verbunden mit: Mustermittwoch: Fenster

Große Ereignisse und ihre Schatten

Der Jäger, der im Erdgeschoss wohnt, hat heute Geburtstag. Da er ein notorischer Einzelgänger ist, wäre es ihm am liebsten, er bliebe – ganz wie sonst auch – allein für sich in seiner Küche. Es gibt solche Menschen. Der Mitbewohner hat aus längst vergangenen Tagen berichtet, als der Jäger sich gleich nach der Arbeit und einem kleinen Imbiss in den Wald verzog. Es gab Zeiten, in denen sich Vater und Söhne so gut aus dem Weg gingen, dass die Söhne noch nicht einmal merkten, dass der Vater im Urlaub war.

Doch leider sagten sich andere Jäger an, wollten gratulieren und so wuselte er in den vergangenen Tagen vor sich hin, räumte hier etwas weg und putzte an anderer Stelle etwas sauber. Dabei ließ er oft genug die Haustür offen stehen, so dass es im ganzen Flur eiskalt wurde. Irgendwie scheint bei den Männern als solchen ja dieses Ich-machs-mir-hübsch-und-gemütlich-Gen nicht so ausgeprägt zu sein. Solange sich kein Besuch ankündigt, sieht der gewöhnliche Mann keinerlei Notwendigkeit, leere Flaschen zum Container zu schaffen oder gar den Staubflusen unter dem Schrank auf die Pelle zu rücken. Erst wenn der Besuch quasi schon am Horizont zu sehen ist, verfällt diese Sorte Mann in quirlige Betriebsamkeit, saugt und wischt, was das Zeug hält und kauft den nötigen Getränkevorrat ein.

Reh im Wildpark: Da passiert ihm garantiert nichts.

Dabei werden auch Dinge erledigt, die seit Wochen und Monaten auf ihre Reparatur warten: So ist beispielsweise neben der Garage eine Unterstellmöglichkeit. Dort steht der Traktor, hinter einer Plane versteckt. Die Plane ist seit dem Sommer zerfetzt und eingerissen, bietet ein Bild des Jammers. Doch erst jetzt fiel dem Jäger auf, dass er dringend etwas unternehmen muss, weil doch so eine kaputte Plane ein ganz schlechtes Licht auf ihn wirft. Er besorgte eine neue Plane und befestigte sie, auch wenn das für ihn nicht so ganz einfach war, schließlich ist er nicht mehr der Jüngste und es dauerte lange, bis er so weit oben auf der Leiter stand, dass er die Plane anhängen konnte.

Er hustete die ganze Zeit, als wollte er dem nicht vorhandenen Hofhund Konkurrenz machen, lehnte aber jede angebotene Medizin ab. Heute morgen entschloss er sich, doch noch einen Arzt aufzusuchen, setzte das Bad beim Duschen ordentlich unter Wasser und fuhr los. Kam zurück, hatte eine drei große Laib Brot gekauft, schließlich sollten die Gäste zur Brotzeit auch etwas zu essen kriegen. Der Mitbewohner hatte Wurst und Leber besorgt, ich hatte eine Schwarzwälder Kirsch und einen Rührkuchen gebastelt, diesen noch mit Schokoglasur überzogen. Die Leber wurde in der Pfanne angebraten und mit Cassis und Balsamico gewürzt, auch wenn der Jäger darüber zunächst die Nase rümpfte, getreu seinem Motto: Was ich nicht kenne, will ich nicht, das kann gar nicht gut sein. Doch die anderen Jäger waren neugierig, ihnen schmeckte es ausgezeichnet und von den karamellisierten Zwiebeln habe ich noch eine zweite Pfanne voll geschmurgelt.

Jetzt ist der Tag vorbei, unten sitzt der alte Jäger noch mit zwei von seinen fünf Söhnen, vielleicht hat er sich doch darüber gefreut, dass er seinen Geburtstag nicht so ganz allein verbringen musste, dass er Kuchen und Torte und überhaupt etwas leckeres futtern konnte.