Mit wunderbaren Riegeln fest verschlossen. #Rostparade

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St. Martin in Ailersbach.

Ailersbach ist einer der kleinen Ortsteile von Höchstadt an der Aisch mit nicht allzu vielen Einwohnern. Mitten im Ort steht die kleine Martinskirche, erstaunlich gut erhalten, aber leider verschlossen. Nur noch einmal in zwei Wochen, jeweils am Donnerstag, wird hier eine Messe gefeiert. Trotzdem hat Maria Elisabeth Schaeffler, ja, die Frau, der die Schaeffler-Werke gehören und die, als die Übernahme von Conti schiefging, im Pelzmantel vor ihren Beschäftigten stand und Angst hatte, am Hungertuch zu nagen, das Kirchlein sanieren lassen.

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St. Martin in Ailersbach: Mauer mit Türchen von innen.

Das Kirchlein ist von einer Mauer umgeben. Das sind viele Kirchen hier in Franken, in dem einst das Bistum Bamberg und die Evangelischen in Nürnberg und Erlangen wilde Glaubenskriege ausfochten. Manchmal mag man es kaum glauben, aber so lange ist das tatsächlich noch gar nicht her.

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St. Martin in Ailersbach: Türriegel.

Ob allerdings der Riegel und das Türschloss wirklich Angreifern Paroli geboten hätte, oder ob es eher eine Schmuckmauer und ein Schmucktürchen war, ganz nach dem Motto: Das machen die anderen alle so, das wollen wir auch, das weiß ich nicht. Da sowohl Türschloss als auch Riegel rostig sind, schicke ich sie zu Frau Tonaris Rostparade, die an jedem Monatsletzten stattfindet. Wer mag, klickt auf den Link: Dort sind viele rostige und sehr charmante Dinge zu bewundern.

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St. Martin, Ailersbach: Türriegel.

Klingelingeling…

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Fahrradklingel Teekanne

Im Keller ist es nicht sonderlich hell, aber draußen regnet es. Also bleibt mein Fahrrad drin. Wo ich irgendwann vor Jahren über das Teekesselchen gestolpert bin, weiß ich leider nicht mehr, aber es bleibt auch bei einem Radwechsel meins. Klingele ich unterwegs, klingt es glockenhell und klar, macht einfach ein lautes „Ping“.

Da das Bild die kleine Schönheit nicht ganz in ihrer Pracht zeigt, noch ein Link dorthin, wo es das Teekesselchen zu kaufen gibt: Link. Wenn ihr dadrauf drückt, krieg ich auch nichts, keine Bange.

So kann ich wenigstens einmal bei Frau Tonaris Freitagsklingeln mitklingeln.

#Muttertag. Der Tag danach.

Mit dem Muttertag hab ich es ja nicht so. Wir hatten ja nichts. Dafür gab es bei uns den Internationalen Frauentag und den Kindertag. Mit Muttertagsgeschenken wurde ich allerdings selbst beglückt, als die Lieblingshausziege noch in den Kindergarten und die Grundschule ging: In den meisten Fällen gab es von den Erzieherinnen gebastelten Kram, den ich nach einer Anstandsfrist auch wieder entsorgt habe. Irgendwann habe ich mich mit einer der Erzieherinnen auch darüber unterhalten und sie gefragt, warum sie die Kinder nicht selbst etwas gestalten lassen. Die Mütter wollen was Schönes, antwortete diese. Die Mütter wollen nicht so sehr das Gekritzel der Kinder, das sie ja jeden Tag haben, oder einen von sandigen Kinderhänden gebackenen Matschkuchen. Nein, die Mütter erwarteten etwas, was sie wirklich dekorativ in ihre Wohnung stellen können. Gut, das waren nicht meine Erwartungen, insofern war das Entsorgen derartiger Gaben kein Problem.

Statt dessen gab es frischen Wind im Haus, unten die Haustür knallte zu und die darin befindliche Scheibe sprang entzwei. Die Scherben wurden entfernt, in die Mülltonne entsorgt und eine Pappe hindert jetzt den Wind zuverlässig am Durchpfeifen.

Der Mitbewohner wollte die Anhängerkupplung ans Auto basteln, das ging aber nicht so einfach wie gedacht. Ein Mittagessen (Ratatouille, superlecker) und ein Video später ging alles glatt und so waren denn bald die Räder hinten am Auto montiert.

Ab in den Aischgrund. Wir wollten dieses Mal einen Wanderweg mit Rädern fahren, 18 Kilometer schien uns etwas viel. Doch so einfach war es nicht: Wir mussten immer wieder gucken, wo der Weg weitergehen sollte, das hieß: Runter vom Rad, gucken, wieder aufs Rad. Als wir über den Waldweg hoppelten, stellte ich fest, dass ich mit meinem Damenrad zwar Rückengerade und ohne Schmerzen sitze, mich dafür aber auf den Wegen unsicher fühle, vor allen Dingen dann, wenn sie sandig und uneben sind.

Nach kurzer Auseinandersetzung Überlegung beschlossenen wir eine Änderung des Programms, fuhren einfach so kreuz und quer auf den dafür geeignet scheinenden Wegen, versuchten Straßen zu meiden und wollten nirgends mehr ankommen.

muttertag im aischgrund 007Wir sahen einen Storch, der sich putzte, fuhren einfach und landeten schlussendlich sogar dort, wo wir eigentlich hinwollten: In einem Weihergebiet, das Naturschutzgebiet ist. Wir stellten die Räder ab, warteten, bis die Frösche wieder auftauchten, saßen im Gras und ließen die Wolken ziehen. Mit ihrem Geschrei erinnerten mich die Möwen an die See, immer wieder lagen Fischskelette im Gras zwischen den Weihern. War den Reihern die Beute zu schwer geworden oder fraßen sie gleich dort, wo sie die Karpfen erbeutet hatten? Etliche Weiher waren trocken, andere relativ klar. Hier können keine Karpfen wohnen,  meinte der Mitbewohner.

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Räder im Gras.

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Frosch im Weiher.

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Storch fliegt ab.

Ob das der gleiche Storch wie im ersten Bild – oder einer der beiden war, weiß ich nicht. Wir fuhren noch ein Stück, landeten in einer Wirtschaft, an die sich der Mitbewohner erinnerte. Hier war er vor 35 Jahren das letzte Mal, sagt er. An einem Tisch nebenan saß ein Pärchen mit drei Kindern, alle in Fahrradklamotten und mit Rädern unterwegs. Während der Mann seelenruhig und völlig unbeeindruckt vom Geplärr der Gören in seinen Routenplaner starrte, versuchte die Frau zu schlichten und jedem Kind gerecht zu werden. Irgendeines jammerte immer. Was dem Mitbewohner auffiel: Der Mann fuhr ein superteures Bike, während Frau und Kinder auf Billigrädern unterwegs waren. Vielleicht ist er ja einer der Kampfradler, der auf der Bundesstraße tief gebeugt dem Nachmittagsverkehr trotzen muss, obwohl nebenan ein Fahrradweg bequemes und gefahrloses Radeln böte. Er stand bereits fertig da, hielt sein Rad und sich gut fünf Meter von den anderen entfernt, während sich die Frau darum kümmerte, dass jedes Kind seinen Helm ordentlich befestigte, jedes noch eine Waffel in die Hand bekam, diese aß und dann ging es weiter.

Ich fragte die Wirtin, ob die Weiher noch bewirtschaftet würden, so von wegen Naturschutz. Aber freilich, sagte sie, die Karpfenbauern hätten ja sonst nichts. Es gäbe eben nur mehr Auflagen dafür. Sie gab uns noch die Adresse eines Schmetterlingkenners, der war einst bei der Post, bevor er rausgemobbt wurde. Schließlich hatte er als Beamter noch eine richtige Banklehre abgeschlossen, erzählte sie, nicht so einen vierwöchigen Lehrgang, wie die heutigen Beschäftigten. Immer zählten nur die Zahlen und der Umsatz, die Menschen interessierten niemanden mehr.

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Keller.

Wir fuhren zum Auto zurück, kamen an einem Keller vorbei – unbewirtschaftet und mit unbequemen Bänken. Aber am Geländer hing tatsächlich ein Flaschenöffner.

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Im Keller.

Der Mitbewohner wagte einen Blick in den Keller, dort war aber nichts weiter. Auf dem Rückweg sahen wir die Familie aus der Wirtschaft noch einmal, sie hatten das Auto in einer Kurve geparkt. Jetzt stand die Frau daneben, während der Mann die Räder aufs Autodach und in den Kofferraum räumte. Die Kinder allerdings waren nirgends zu sehen.

Tagebuchbloggen am 5. Mai

Was ich eigentlich den ganzen Tag so mache, das möchte Frau Brüllen gerne wissen. Abgekürzt heißt das Wmdedgt und ich berichte gerne von dem, was ich den ganzen Tag über so mache, auch wenn das oft so gut wie nichts ist. Also Langeweile pur. Kennt man ja, macht man gerne.

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Bahnhof von Markt Bibart.

Am Bahnhof haben wir das Auto abgestellt. Wir hätten zwar auch mit einem Zug fahren können, doch die Züge fahren hier so schnell durch, dass das Aussteigen etwas schwieriger ist.

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Wegweiser.

Auf allen Wegweisern warnt ein gezeichnetes Rad den unbedarften Wanderer, diesen nicht ohne fahrbaren Untersatz zu wählen. Wir haben es trotzdem gewagt. Wir hatten ja keins dabei. Außerdem wollen wir zum Aussichtsturm. Der Weg war laut Schild auch ohne Rad benutzbar.

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Rauch in der Ferne.

In der Ferne qualmen zwei Schlote vor sich hin und die Firma hieß passenderweise „Rauch“ und stellt in Markt Bibart Spanplatten für Möbel her. Es duftet nach Harz und Holz.

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Blättergrün.

Aus einer Knospe kommt nicht nur ein Blatt, sondern gleich eine ganze Handvoll.

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Aussichtsturm.

Jetzt sind wir oben und gucken uns die Umgebung an. Wie viele solcher Aussichtstürme wohl überall in Europa stehen und mit EU-Geld gefördert wurden? Der Weg rechts unten ist dann unser. Später. Wenn wir wieder unten sind.

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Aussichtsturm

Gleich sind wir wieder unten, dann geht es weiter. Vor uns – das ist von hier nicht zu sehen, weil wir dazu erst den Berg ein wenig hinuntergehen müssen – sind Weinberge. Noch sehen die Weinstöcke wie Insekten aus, denen die Fühler an den Drahtseilen festgebunden wurden.

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Kleiner Ort

Im nächsten Ort strolchen wir kurz über den Friedhof, der ist nur klein und sehr überschaubar. Dass auch der Ort nicht groß sein kann, verraten die Gedenktafeln für die Gefallenen: Sechs blieben im Westen, im nächsten Krieg blieben dann drei im Osten.

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Blätter entfalten sich.

Nein, es ist noch nicht wieder Herbst. Aber der Ahorn entfaltet sich so schön bunt.

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Grüne Wiese.

Langweilige grüne Wiese.

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Gasthof Ehegrund.

Ich dachte immer, die Liebe sei ein Ehegrund. Oder das Geld. Hier ist es der Gasthof. Das Essen war gut, leider mussten wir ziemlich lange darauf warten.

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Ein verlassener Garten.

Im Garten wird auch nicht mehr gefeiert, so wie er aussieht. Schade.

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Gemähte Wiese.

So. Jetzt war es nicht mehr weit bis zum Auto. Dachte ich. Stimmte aber nicht ganz. Der Weg zog sich und wurde immer länger. Das war mein Tag heute, danach sind wir nur noch heimgefahren, jetzt gibt es noch eine Kleinigkeit zu essen und dann geht es übers Sofa fix ins Bett. Als Kind hätte ich ja gestreikt, völlig zu Recht. So eine langweilige Wanderung macht man nur, wenn man schon erwachsen ist.

Wilde Reiter auf der #Rostparade

Eine Weintour wars, bestimmt. Nehme ich mal an. Das schlimme an solchen Weintouren ist ja, dass man von einem Ort zum anderen fährt, hier probiert, dort nascht, Weinkisten hinten im Auto verräumt, irgendwann glücklich nach Hause fährt und nicht mehr weiß, wo man eigentlich war. Auf dem Fensterbrett ritt Don Quichotte auf einer alten Nähmaschine, bestimmt ratterte die Nähmaschinennadel in seiner Erinnerung noch im Takt der Hufe.

Sah er das dünne Stahlseil, mit dem sein Pferdchen angebunden war?

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Reiter auf Nähmaschine

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Reiter auf Nähmaschine

Jetzt jedenfalls reiten beide, Don Quichotte und Sancho Pansa, zu Frau Tonaris Rostparade. Der Klick führt zu den anderen rostigen Teilnehmern.

Fröschchen, muntere Fröschchen…

Da – es bewegt sich! Auf dem Weg! Guck doch mal: Es hüpft.

Fröschchen auf Kinderhand

Kaum scheint im Frühjahr die Sonne und sorgt dafür, dass das Wasser in Tümpeln, Weihern und Pfützen wärmer wird, fängt es an zu wimmeln. Aus glibbrigen Froscheiern wachsen kleine Kaulquappen. Übrigens: Ich habe wirklich nur ein einziges Mal den Sago in der Suppe als Froscheier bezeichnet. Aus Spaß. Danach hatte ich meine Sagosuppe für mich alleine.

Es wimmelt in der Pfütze.

Aus solchen Pfützen haben wir immer mal die kleinen Froscheier gerettet und in ein großes Gurkenglas umgesiedelt. Aus ihnen wurden ebenfalls muntere Kaulquappen. Zwar war der Gartenteich anschließend groß genug für alle, doch irgendwie wurden es dort immer weniger.

Froschfrau trägt Froschmann.

Haben es die Kaulquappen tatsächlich an Land geschafft, sind bis in den Wald oder wohin auch immer gehüpft, dann werden tatsächlich große Frösche aus ihnen.

Die Fröschchen schicke ich – so kalt und glatt sie auch sind – zu Cubus Regio. Dort werden die kleinen Sachen alle gesammelt.

Alt? Das sind doch immer nur die anderen…

Vor meinem zwanzigsten Geburtstag waren die 25-jährigen alte Knacker, längst fertig mit allem, was interessant und angesagt war. Sie hatten ihre Lehre oder das Studium abgeschlossen und waren fest in der Firma angestellt, in der sie bis zur Rente schuften würden. Etliche hatten bereits geheiratet, bekamen Kinder, legten sich Schrankwand und Ehebett zu. Überraschungen waren im Lebenslauf nicht mehr vorgesehen.

münsterschwarzach 117Kurz vor meinem dreißigsten Geburtstag waren die über 40-jährigen die alten Knacker: So gefühlt kurz vor der Rente hatten sie ihren Zenit längst überschritten, auch wenn es nicht alle von ihnen wahrhaben wollten. Mich wunderte es nur, dass sie das Knirschen ihrer morschen Knochen selbst noch nicht hören konnten. Aber ich hatte weder Zeit noch Lust, mich mit ihnen und ihren festgefahrenen Ansichten und Meinungen zu beschäftigen.

 

 

 

münsterschwarzach 118Als ich selbst auf die Vierzig zusteuerte, sah ich die über 60-jährigen als alte Knacker, erstaunt darüber, dass sie noch am Leben waren, obwohl sie längst kahlköpfig oder zumindest grauhaarig herumliefen. Sie unkten herum, vermuteten überall Verschwörungen und krächzten wie Unheil bringende Krähen. Früher war alles besser, lautete deren gängiges Urteil. Übrigens bemerkte ich zu dieser Zeit, dass sich auch meine Sicht auf jüngere Menschen verändert hatte: Die unter 20jährigen wirkten auf mich wie vorlaute und unreife Kinder. Sie hatten keine Ahnung, taten aber so, als wüssten sie über alles Bescheid. Sie spuckten große Töne – und ich dachte: Macht ihr nur. Ihr werdet schon noch lernen, wohin der Hase läuft.

münsterschwarzach 143Jetzt bin ich gerade noch so unter fünfzig. Jetzt finde ich die 70jährigen alt, manche von ihnen scheinen kaum noch zu klaren Gedanken fähig. Seltsamerweise merke ich, so im Gespräch mit manchen dieser alten Knacker, dass sie erstaunlich jung wirken können. Einige von ihnen sind offensichtlich nicht zu Kalkstreuern mutiert, sondern bewahrten sich geradezu jugendfrische Gedanken. Wenn mir allerdings ein 30jähriger, der noch nicht ganz trocken hinter den Ohren ist, völligen Ernstes erklären möchte, wie der Hase läuft und die Welt funktioniert, winke ich nur müde ab. Komm du erst mal in mein Alter, Alder und erleb so viel, wie ich. Anschließend können wir uns gerne unterhalten. Das Leben ist schließlich kein Wunschkonzert, in dem sich alles nach der Ansicht eines Grünschnabels richtet.

Beim Wortmischer las ich über dessen Ansichten zum Älterwerden und fand somit zur Aktion von Frau Quadratmeter über das #älterwerden.

Von Moos bedeckt #Rostparade

Neulich, auf dem Weg von Engelhardsberg nach Oberfellendorf, so richtig oben auf dem Juraplateau in der Fränkischen Schweiz, dort, wo in manchen Dörfern nur alle zehn Jahre einmal ein Bauplatz freigegeben und ein neues Haus errichtet wird – alles profunde Maßnahmen gegen Überfremdung – schließlich will hier niemand jemanden als Nachbarn haben, der irgendwann etwas gegen Hähnekrähen und Kirchglockenläuten einzuwenden hat und das auf dem Klageweg durchsetzen will, dort entdeckten wir am Waldesrand erfreut das erste satte Grün.

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Ein Wagen mit ofenfertigem Holz, dick bemoost.

Der zweite Blick jedoch zeigte: Das ist kein Gras, das sind dicke Moospolster an, ja was eigentlich? Auf Holzstücken, die auf einem Wagen liegen. Gerade in der richtigen Größe, um sie in den Ofen zu stecken. Wie lange mögen die schon hier liegen? Selbst die Dachsteine hinter dem Wagen haben sich ein dickes Moospolster zugelegt. Wäre das Moos nicht so feucht, könnten wir uns auf die weichen Kissen fallen lassen und picknicken.

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Damit nichts federt und alles ruhig steht, klemmt ein Holzstück zwischen den verrosteten Blattfedern

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Alles ist mit dicken Moospolstern bedeckt.

Nur ein paar Meter weiter steht noch ein Wagen, der – im Gegensatz zum ersten – inzwischen völlig zusammengebrochen ist. Dahinter wartet die Kreissäge. Wartet sie darauf, dass derjenige der hier sein Holz gesägt und auf die Wagen gepackt hat, irgendwann einmal wiederkommt? Vielleicht ist der Mensch ja zum Mittag mit dem Schlepper nach Hause gefahren, auf dem Küchentisch lag der Brief mit dem Lottogewinn? Und er sagte: Schluss mit der Schufterei, jetzt übernimmt eine ordentliche Heizung diese Arbeit? Oder ist er in den warmen Süden ausgewandert?

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Der Eimer sieht noch völlig frisch aus – darauf wächst das Moos nicht so leicht.

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Hinter dem Wagen wartet die Kreissäge. Immer noch.

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Moos, Laub – und Rost. Wie lange das wohl gedauert hat?

Auch wenn der Rost von Laub verdeckt und moosbewachsen ist, ein wenig davon schimmert überall durch. Deswegen reiht sich dieser Anblick in die Tonari’sche Rostparade ein, die es jeden Monatsletzten gibt. Der Klick führt zu wunderbaren rostigen Bildern.

Tassen und Teller mit Beinchen gewünscht

Jetzt stecke ich das Geschirr in die Spülmaschine – doch das war nicht immer der Fall. Als ich Kind war, hatten wir ein solches Gerät nicht. Das gebrauchte Geschirr kam entweder links neben die Spüle und wurde sofort abgespült. Wenn nicht, wurde alles in die große Schüssel geräumt, die unter dem Spülbecken stand. Gespült wurde per Hand, abgetrocknet auch. Das Geschirr stand zum Abtropfen in einem Drahtgestell, und wurde sorgfältig abgetrocknet. Alles einfach stehen lassen, bis es von alleine trocken wurde? Undenkbar.

Ich erinnere mich daran, wie meine Eltern ihre erste Kaffeemaschine kauften, in den siebziger Jahren. Mit Glaskanne. Diese Glaskanne wurde nach jedem Gebrauch sorgfältig ausgespült und poliert. Wehe, wir Kinder trockneten nicht sorgfältig ab und es waren noch die Fusseln vom Geschirrtuch auf dem Glas zu sehen! Auch die Spüle musste nach Gebrauch sorgfältig trocken gerieben und von jedem Wassertropfen, Krümel und anderen Kleckereien befreit werden.

Heute dagegen kann ich es gut ertragen, wenn das Geschirr zum Abtropfen auf der Spüle steht, weil die Spülmaschine schon voll ist – und ich die Töpfe manchmal mit der Hand abwasche. So trocknen die Reste nicht ein oder wappnen sich mit einem hübschen Pelz gegen die Kälte. Und das Kind? Das lässt alles ungerührt stehen. Ist die Spülmaschine leer und ausgeräumt, ist das noch lange kein Grund, die Tasse dort hineinzustellen. Ganz im Gegenteil. Ich muss schon froh sein, wenn das benutzte Geschirr wenigstens an der Spüle abgestellt wird – und nicht auf dem Schreibtisch, neben dem Bett oder auf der Fensterbank stehenbleibt.

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Doch, da war mal Ordnung am Spülbecken.

Achja. Hätten Tassen und Teller Beinchen, könnten sie ja von alleine in die Küche laufen – und sich in die Spülmaschine begeben. Könnte das nicht mal jemand erfinden?

Tagebuchbloggen am 5. März

Heute ist wieder der 5. des Monats – und da möchte Frau Brüllen wissen, was wir so den ganzen Tag lang machen. Sie nennt das WMDEDGT: Was machst du eigentlich den ganzen Tag und versammelt eine ganze Reihe an Tagesabläufen hier. 

Die Lieblingshausziege ist heute alleine zum Blusennähkurs, das heißt: Ich habe sie hingefahren und werde sie später wieder abholen. Zwar hat sie zu ihrer nicht-original-fränkischen Tracht schon eine Bluse genäht, aber eine zweite sollte es trotzdem noch sein.

Kurze Zeit später war ich zu einem Termin in einem anderen Nachbarort, dort wurden die Räume der zwei Krippengruppen vom katholischen Pfarrer gesegnet und ordentlich mit Weihwasser bespritzt. Vorher haben die Leiterin, der Bürgermeister, der Pfarrer und der Architekt geredet, sich bedankt und gesagt, wie sehr sie alle das freut, dass es jetzt so schöne Räume für die Krippenkinder gibt. Die Kinder wirkten allerdings ziemlich unsicher: Sie hielten sich an Papas Hosenbeinen fest, wollten um keinen Preis vom Arm herab oder sich auch nur einen Schritt vom jeweiligen Elternteil wegbewegen. Was ja auch logisch war: Sind sonst 11 Kinder mit zwei Erzieherinnen allein im Raum, standen jetzt die Erwachsenen so dicht, dass kaum noch Platz war.

Als ich zurückkam, jaulte die Kreissäge vor dem Haus: Der Bruder des Mitbewohners quälte die gesamte Umgebung und sägte Holz. Der Nachbar zur Linken fühlte sich herausgefordert und hielt mit seiner eigenen Kreissäge dagegen. Während die Kreissäge vom Nachbarn einfach schneller drehte und somit nur ein leises „sssss“ ertönen ließ, sang die andere mit jedem Holzstück ein lautes „Wiiiieeeiiieee“. Während der Bruder sägte, verstaute sein Vater alles sorgfältig im Hänger, so dass es dann gleich abgefahren werden konnte.

Da wir heute Abend zu einem Geburtstag eingeladen sind, bleibt die Küche heute kalt. Trotzdem backe ich zwei Käsekuchen mit Blaubeeren und die Königsberger Klopse lungern auch schon im Topf. Schließlich will die Lieblingshausziege was essen, wenn sie vom Nähen heimkommt.

Ich habe noch ein Bild fertiggemalt, das wird heute gleich verschenkt. Und weil noch Zeit ist, lege ich mich jetzt aufs Sofa, und lese. we 045