Roberta Bergmann: Kopf frei fĂŒr den kreativen Flow

Kreativ sein, von Vorgaben abweichen, mit der ungewohnten Hand die ZĂ€hne putzen, das Hemd linksherum anziehen, mal in Gummistiefeln tanzen gehen, die Wand quietschgelb streichen oder einen anderen Weg nehmen, einen neuen, dann erst recht, wenn es in diesem noch keine Fußstapfen gibt, in die ich treten kann: Will ich ausgetretene Pfade verlassen, brauche ich Mut, muss durchs Unterholz kriechen, selbst wenn dort Zecken und Spinnen lauern.

Kreativ sein lÀsst sich lernen, jederzeit und um so mehr in dieser Zeit, in der so viele Dinge plötzlich ungewohnt und anders sind. Gibt es weder Hefe noch Klopapier, muss ich eben sehen, was ich stattdessen nutzen kann.

Das Buch „Kopf frei fĂŒr den kreativen Flow“ wartet bereits zwei Jahre geduldig im Regal. Jetzt ist der Moment gekommen, ich muss nicht mehr mit vielen BĂ€llen gleichzeitig jonglieren, Corona sei Dank, und kann nachsehen, was im BĂŒcherregal alles noch ungelesen steht.

„Menschen werden als kreativ bezeichnet, wenn sie fĂ€hig sind, unkonventionell (=frei) zu denken, aus vorgegebenen und verfestigten Strukturen auszubrechen, neue und unbekannte Wege zu beschreiten, aus sich selbst heraus zu schöpfen, zu experimentieren, um damit auf neue Ideen, Verbindungen und Lösungen zu kommen“, schreibt Roberta Bergmann.

Sie stellt in ihrem Buch den kreativen Prozess vor, der als solcher weder an ein Alter, noch ein Geschlecht oder einen Schulabschluss gebunden ist.

Prima. Jeder kann kreativ. Ich auch.

Der Fragebogen will mir zeigen, welcher Kreativ- und Arbeitstyp ist bin und es gibt Tipps, wie ich mir einen kreativitÀtsfördernden Ort einrichten kann.

Vierzig Rezepte folgen: Ich soll einfach anfangen, ob mit Plan oder ohne, Roberta zeigt, wie ich Ideen und Material sammeln kann, verweist auf die Klugheit von Kinderfragen und ĂŒberhaupt deren Perspektive. Mit Hilfe von Übungen und Reflexionen kann ich herausfinden, wer ich bin und was ich eigentlich will.

Durchhalten, weitermachen…

„Stell alles auf den Kopf“, heißt es und so suche ich kopfĂŒber nach Inspirationen und verabrede mich am nĂ€chsten Tag zu einem Rendezvous mit mir selbst – da kann ich auch mit dem Corona-Virus den gebotenen Abstand halten. Die Aufforderung zum kreativen Chaos wĂ€re dagegen nicht nötig gewesen, jedenfalls bei mir nicht, diese kreative Anforderung erfĂŒlle ich schon immer mit Leichtigkeit und VergnĂŒgen. Ich erinnere mich noch an das entsetzte Gesicht einer Tante, als beim Auspacken der Ferientasche ZahnbĂŒrste an Stiefelsohle geschmiegt zum Vorschein kam.

 

 

Hilft alles nichts, hat Roberta Bergmann im zweiten Teil 15 Rezepte parat: Mit diesen lassen sich kreative Blockaden leicht verarzten.

Kennengelernt habe ich Roberta in WolfenbĂŒttel, wir nahmen beide an einer Schreibwerkstatt in der Bundesakademie fĂŒr kulturelle Bildung teil. Sie ist Sach- und Bilderbuchautorin, Dozentin fĂŒr Gestaltung und freiberufliche KĂŒnstlerin, Illustratorin und Buchgestalterin.

„Kopf frei fĂŒr den kreativen Flow“ erschien im Haupt Verlag Bern, das Buch kann auf der Webseite der Autorin www.robertabergmann.de, beim Verlag oder beim örtlichen BuchhĂ€ndler bestellt werden und kostet 26 Euro. Wer noch mehr kreativen Input von Roberta Bergmann haben möchte, bitte sehr, der kann sich auf ihrer zum Buch passenden Seite „Der kreative Flow“ und dem dortigen Podcast folgen, kommt in die Facebook-Gruppe „Der kreative Flow“,  oder folgt entweder Roberta Bergmann oder dem „kreativen Flow“ auf Instagram.

ISBN 978-3-258-60176-2

Setz dich in Bewegung. Genau. Das mache ich jetzt.

Das Buch habe ich vor zwei Jahren selbst gekauft, bezahlt und mit einer Widmung von Roberta erhalten.

Jiang Rong: Zorn der Wölfe

Klosterzeit war Lesezeit: In den Zimmern gab es weder Internet noch Fernseher und gleichzeitig war das Wetter so usselig, dass wir keine Lust auf lĂ€ngere SpaziergĂ€nge oder gar Wanderungen verspĂŒrten. GlĂŒcklicherweise hatte ich genĂŒgend Lesestoff dabei, dicke BĂŒcher sind ohnehin fĂŒr solche Tage ausgezeichnet. Ich kann regelrecht in ihnen versinken und muss nur gelegentlich zum Essen auftauchen.

Jiang Rong: „Zorn der Wölfe“

Chen Zhan ist das Alter Ego des chinesischen Autors. In den 60er Jahren reist er von Peking in die Innere Mongolei, ein Gebiet, in dem Nomaden ihre Tiere zĂŒchten. Er muss sich in einer ihm unbekannten Welt zurechtfinden und ist fasziniert. GlĂŒcklicherweise hat er einen alten Mongolen, Bilgee, als Lehrer an seiner Seite. Dieser erzĂ€hlt ihm von den Traditionen und Mythen der Mongolen, die eng mit dem Schicksal der dort ebenfalls lebenden Wölfe verknĂŒpft sind. Eine der faszinierendsten Szenen erzĂ€hlt, wie Chen an Bilgees Seite in einer kalten Winternacht ein Wolfsrudel und dessen Angriff auf eine Gazellenherde beobachtet. Dabei entwickeln die Tiere eine geschickte Taktik und nutzen die komplexen Strukturen des Rudels.

FĂŒr die mongolischen Nomaden ist der Wolf nicht einfach ein Gegner, der ihre Herden dezimiert, er ist Ahne, Vorbild, HĂŒter und Totemtier des Graslandes zugleich. Als Chen Mitleid mit den Gazellen Ă€ußert, wird Bilgee wĂŒtend: Das Gras und das Grasland gehört fĂŒr die Mongolen zum Großen Leben, wĂ€hrend Wolf, Mensch und Gazelle zum Kleinen Leben gehört. Die Existenz des Grases ist fragil, seine Wurzeln sind kurz und es kann sich nicht vom Fleck rĂŒhren, erklĂ€rt der Alte. Der Wolf sorgt hingegen dafĂŒr, dass alles im Gleichgewicht bleibt.

Mongolische JĂ€ger sind SchĂŒler der Wölfe, weist der Alte auf die Taktik hin, mit denen einst das Hirtenvolk mit großer militĂ€rischer Schlagkraft durch Asien und Europa fegte und das grĂ¶ĂŸte Reich ĂŒberhaupt errichten konnte.

Wolf im Tierpark

Wolf im Tierpark

Chen ist fasziniert, fĂ€ngt einen Wolfswelpen und zieht ihn auf. Das ist fĂŒr die Mongolen ein solcher Tabubruch, dass er damit fast seine Freundschaft zu Bilgee aufs Spiel setzt. Doch als immer mehr Chinesen in die innere Mongolei kommen, die Wölfe jagen, töten und vertreiben, wird die fragile Balance zwischen Tieren und Boden zerstört. Die Neuankömmlinge wollen das Grasland zu Ackerland umgestalten, doch es dauert nicht lange, und das Grasland wird WĂŒste.

Jiang Rong ist ein Pseudonym. Der richtige Name des Autors ist Lu Jiamin, er war mehrere Jahre als politischer Gefangener inhaftiert. In China hĂ€tte er unter seinem richtigen Namen niemals ein solches Buch veröffentlichen können, ist sich der Autor sicher. Die Geschichte, die auf autobiografischen Erlebnissen beruht, wurde in China zum Bestseller. Rong kritisiert die Umweltzerstörung des Landes ebenso, wie dessen Wahn zur Modernisierung. Er zeigt, wie selbst durch kleine VerĂ€nderungen ein ĂŒber Jahrtausende wirkendes Gleichgewicht nachhaltig zerstört werden kann.

In China und der Mongolei werden gerade die anthropologischen Thesen diskutiert: Rong verglich die Han-Chinesen mit den Schafen und deren trÀgem Gehorsam, basierend auf den konfuzianischen Traditionen, die Mongolen hingegen mit den freiheitsliebenden und unabhÀngigen Wölfen, die gleichzeitig auf die Erhaltung ihres Graslandes achteten, als Grundlage ihres gesamten Lebens.

„In Zukunft werden wir unsere grĂ¶ĂŸten KĂ€mpfe nicht zwischen LĂ€ndern oder Völkern austragen, sondern gegen die Umweltzerstörung fĂŒhren. Naturkatastrophen werden die LĂ€nder zur Zusammenarbeit zwingen. Es versetzte mich in Schrecken zu erleben, wie ein Ökosystem, das seit Jahrtausenden bestand, in nur einem Jahrzehnt zu Staub zerfiel. Mein Buch ist eine Lektion fĂŒr die Welt.“

Jiang Rong: Zorn der Wölfe (Übersetzer Karin Hasselblatt unter Mitarbeit von Marc Hermann und Zhang Rui)
ISBN: 978-3-442-47395-3
erschienen 2010 bei Random House, als Hardcover, Taschenbuch, e-Book und Hörbuch erhÀltlich

Ganz im Vertrauen

Ganz im Vertrauen
trau ich dir ĂŒber den Weg,
den wir ein StĂŒck gemeinsam
gehen, von dem wir
abweichen und ins GrĂŒne
laufen, immer wenn es uns gefÀllt.

Wer unterwegs ist, braucht ebenfalls jemanden, dem er vertrauen kann, jemand, der ihm den rechten Weg weist, ein WanderfĂŒhrer, so wie dieser:

„Sagenhafter Aischgrund“

Mehr als ein WanderfĂŒhrer von Christiane Kolbet und Werner Rosenzweig

Vor vielen hundert Jahren wurden im Aischgrund die ersten Fischweiher angelegt. Bis heute existieren noch 7.000 von ihnen, eine fast unvorstellbar große Zahl. Dabei ist die Aisch an sich ein recht kleiner Fluss, der von der Quelle bis zur MĂŒndung gerade etwas mehr als 80 Kilometer braucht. Er ist eine kleine Lebensader, die von Marktbergel ĂŒber Bad Windsheim, Neustadt an der Aisch, Uehlfeld, Adelsdorf bis Hallerndorf fĂŒhrt, selbst weiter entfernte Orte zĂ€hlen sich zu ihrem Einflussbereich.

Über dieses Land der Karpfenteiche, Bierkeller, WeinhĂ€nge und Heilquellen hat Christiane Kolbet gemeinsam mit Werner Rosenzweig einen WanderfĂŒhrer verfasst, der nicht nur Lust auf vernetzte Wege zum Wandern und Radfahren einlĂ€dt, sondern gleichzeitig viel Wissenswertes und Sagenhaftes rund um den Aischgrund verrĂ€t. Insgesamt 21 kleine StĂ€dte und Gemeinden werden ausfĂŒhrlich beschrieben. Was diesen WanderfĂŒhrer so ungewöhnlich und liebenswert macht, sind die Sagen und Geschichten, die er rund um die Orte erzĂ€hlt, wie beispielsweise die Sage um das Steinkreuz am Karlsweg bei Weisendorf, die von einem bösen Vogt erzĂ€hlt und von zwei jungen Burschen, die ihm auflauerten und töteten.

Wander- und Radwege, ganz gleich, ob sie rund um das Dorf oder von einem Ort zum anderen fĂŒhren, werden in dem Buch beschrieben, ebenso die Daten, an denen Veranstaltungen im jeweiligen Ort diesen zu einem besonderen Magneten werden lassen. SelbstverstĂ€ndlich gibt es Tipps, wo ein hungrige und durstige Wanderer einkehren und frĂ€nkische KĂŒche genießen können, zu denen in dem Monaten mit „r“ auch der berĂŒhmte AischgrĂŒnder Spiegelkarpfen gehört. Auf ĂŒber 225 Seiten stehen viele gut aufbereitete und vor allem gut geschriebene Informationen und Anekdoten, so dass der WanderfĂŒhrer ein echter Schmöker ist, PflichtlektĂŒre fĂŒr alle, die den Aischgrund lieben.

Buchinformation
„Sagenhafter Aischgrund“
Christiane Kolbet und Werner Rosenzweig
Engelsdorfer Verlag Leipzig
ISBN 978-3-96145-787-8
Preis: 12 Euro
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„Der Schatten des Fotografen“ von Helmut Lethen

Heute morgen wollte ich den Blogbeitrag von Juna Grossmann: „Mit den Augen der TĂ€ter“ kommentieren, aber es ging nicht. Weil die Technik nicht wollte, weil das Internet etwas dagegen hatte, weil, ja, keine Ahnung, warum. Es hat eben nicht funktioniert, wie manches nicht funktioniert, das mit Computern zu tun hat und ich mich so an diesen Error Nummer-irgendwie gewöhnt habe, dass es mich eben nicht wundert, wenn nicht alles funktioniert.

Der Beitrag erinnerte mich nĂ€mlich an ein Buch, das seit einiger Zeit bei mir im Regal steht, bereits gelesen wurde und das ich schon immer hier vorstellen wollte. „Der Schatten des Fotografen“ von Helmut Lethen erschien 2014 bei Rowohlt und bekam im gleichen Jahr den Preis der Leipziger Buchmesse. In einer Art Vorwort beschreibt Lethen seinen Weg in die Wirklichkeit der Medien und erzĂ€hlt, dass Bilder wesentlich lĂ€nger im GedĂ€chtnis bleiben als, beispielsweise, der Schmerz eines Foxterrierbisses. Den eigentlichen Auftakt bildet jedoch eine Szene, in der sich Marina Abramovic und Ulay nackt im Eingang der Galleria Communale d’Arte Moderna in Bologna gegenĂŒberstehen. Die Besucher mĂŒssen sich zwischen beiden hindurchzwĂ€ngeln. Innen zeigen zwei Bildschirme, wie die Passanten ein- und wieder auftauchen. Erst diese „rufen ins Bewusstsein, dass man etwas verpasst hat“.

Helmut Lethen: „Der Schatten des Fotografen“

ZunĂ€chst ist eine Photographie eine Lichtmalerei: Wird ein Körper auf dem Film abgebildet, befand er sich auch real vor der Kamera und wurde – wenigstens im Zeitalter der analogen Fotografie – chemisch gespeichert. Doch oft offenbart sich das Bild erst aus dem Kontext, der Beschreibung: Auf dem Umschlag ist eine Frau abgebildet, sie wendet dem Betrachter den RĂŒcken zu, geht durch Wasser zum Ufer, den Rock etwas geschĂŒrzt, vielleicht soll er nicht nass werden. Die RĂŒckseite des Fotos vermerkt „Die Minenprobe. Vom Donez zum Don 1942“. Mit dieser Beschreibung wandelt sich das scheinbare Idyll und wird damit zum Beweis einer gelebten Unmenschlichkeit, die lebendige Menschen als MinensuchgerĂ€t einsetzten und deren möglichen Tod billigend in Kauf nahmen.

Lethen sucht eine RealitĂ€t, die sich hinter den Bildern verbirgt und schildert in vielen Beispielen seine darin vermuteten ZusammenhĂ€nge. Er erkennt, dass ein Bild eben nicht tausend Worte ersetzen, sondern oft noch nicht einmal fĂŒr sich selbst sprechen kann. Sollen Bilder als historische Beweise dienen, braucht es das Wissen um die ZusammenhĂ€nge ihrer Entstehung. Damit spricht er den Fotografien das reale Abbild der Wirklichkeit ab. Sie sind – seiner Ansicht nach – der Absicht des Fotografen geschuldet, der seinen Fotoapparat nach den Regeln der Kunst und der Komposition bedient.

Ich fand es faszinierend, wie prÀzise Lethen Bilder analysiert und kritisiert. Er beschreibt, verweist und schult ganz nebenbei das Sehen selbst. Er untersucht die Bilder nicht systematisch, sondern eher biografisch, anhand seiner eigenen Erinnerungen und mÀandert dabei durch viele Jahre bundesrepublikanische Bildgeschichte. Und er lÀdt ein, ihn auf seinen Gedanken zu begleiten und selbst zu denken.

Helmut Lethen: „Der Schatten des Fotografen“, erschienen 2014 bei Rowohlt
als E-Book fĂŒr 9,99 Euro, als Hardcover fĂŒr 19,85 Euro.

Versunkenheit #Leben mit BĂŒchern

Tief in ein Buch versinken – und die Welt um sich herum vergessen.

 

Als Kind konnte ich tief in BĂŒcher tauchen, zwischen Buchdeckeln wohnen, völlig egal, was um mich herum geschah. Meine Mutter fand das nicht immer lustig, vor allem dann nicht, wenn sie irgendwas hektisch packen wollte, wenn sie putzen wollte, na, eigentlich fast immer.

War ich bei den Großeltern zu Besuch, konnte ich ganze Tage und NĂ€chte in der Dachkammer verbringen und ein Buch nach dem anderen lesen. In der Speisekammer gabs Brot und Speck, das hat mir gereicht.

Inzwischen tauche ich nicht mehr so leicht in Geschichten hinein, schließlich muss ich jetzt selbst sorgen und kochen. Auch die Katzen wĂŒrden mir gewaltig was husten, wenn ich keine NĂ€pfe fĂŒlle und das Klo nicht mehr richte. Als wir jedoch mit dem Schiff auf der Wolga unterwegs waren und die neverending Landschaft gemĂ€chlich vorbeiglitt, zog mich „Der Distelfink“ von Donna Tartt in seinen Bann. Dagegen konnte das ganze Spaßprogramm auf dem Schiff nicht mithalten, nein, da war nichts zu machen. Sobald das Schiff abgelegt hatte, lag ich in der Koje und las und las und las. Toll war das.


Frau Tonari wies heute darauf hin, dass es auf einem anderen Blog gelegentlich um Fotografien und BĂŒcher geht, um das Leben mit BĂŒchern: Kerki – Leben mit BĂŒchern.

Da fiel mir die kleine Figur wieder ein, das MĂ€dchen, das wir auf den Straßen von Sevilla fanden, die so tief in ihre BĂŒcher versunken war, dass sie sich von nichts stören ließ.

Verbunden mit: Weekly Photo Challenge – Waiting. 

 

„Meine glĂŒckliche Familie“

Die entscheidende Frage stellt Manana, Lehrerin fĂŒr georgische Literatur, erst ganz am Ende des Films, als sie ihren Mann fragt: „Wer bist du eigentlich?“

– und das nach vielen Ehejahren, die sie mit ihren inzwischen erwachsenen Kindern in der Wohnung mit ihren Eltern gemeinsam lebten.

Auch wer so dicht aufeinander wohnt, lernt sich nicht kennen, sieht nur die HĂŒlle, das Äußere, auch manchmal nur das, was man sehen will, weiß nichts ĂŒber die WĂŒnsche, SehnsĂŒchte und TrĂ€ume des Anderen, des Menschen neben sich, der doch stĂ€ndig in Tuch- und HautfĂŒhlung im Kontakt steht, der isst, sich wĂ€scht, aufs Klo geht, hustet, niest. Doch selten gehen die GesprĂ€che ĂŒber das AlltĂ€gliche hinaus, es geht darum, wer das HĂŒhnchen vom Markt mitbringt und wer die GewĂŒrze, warum nimmst du den Fenchel und nicht den Dill?

Erst die energische Sicherheit einer jungen Frau, die – noch SchĂŒlerin und erst 17 Jahre jung – nach vier Wochen Abwesenheit zur Schule zurĂŒckkehrt und ihrer Lehrerin, ebenjener Manana, auf die Frage: „Warum?“erklĂ€rt, sie habe Probleme gehabt, jetzt sei sie geschieden. Wenn man so etwas ankĂŒndigt, muss man das durchziehen, setzt sich die junge Frau entschlossen von denen ab, die zwar große Töne spuckten, doch nicht den Mut aufbringen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.

Es ist der Vorabend ihres 52. Geburtstages, Manana sucht sich eine Wohnung. Die Vermieterin redet die RĂ€ume schön, der Blick fĂ€llt auf staubige Fensterscheiben, doch Manana reißt die Fenster weit auf, hört auf das fröhliche Zwitschern der Vögel und den Wind, ĂŒbt Gitarre und singt georgische Lieder.

Die Familie kann es kaum glauben, als sie einfach mitteilt, dass sie nicht mehr mit ihnen leben möchte, der drangvollen Enge entflieht, sich von der eigenen dominanten Mutter trennt. Sie entzieht sich dem GefĂŒge der Familie, ihrer dort festgelegten Rolle, die ihr zwar Sicherheit bietet, in der sie jedoch nicht als sie selbst wahrgenommen wird.

Aus der sicheren Distanz nimmt sie weiterhin Anteil, emanzipiert sich, setzt sich zur Wehr – und behauptet sich gegen die hĂ€uslichen Tyrannen, fĂŒr die das Leben immer so weiter gehen soll.

Es ist ein ruhiger Film, ein nachdenklicher Film, Manana wird mit ihrer wunderbaren StĂ€rke ganz hervorragend und genau gespielt. Immer, wenn sie zurĂŒckkommt, hat sich das Leben in der alten Wohnung kein StĂŒck weit verĂ€ndert: Der Großvater denkt ĂŒber den Tod nach, die Großmutter kĂŒmmert sich um das Essen, die bereits großen Kinder warten darauf, dass das Leben beginnt, der Ehemann raucht und die TĂŒr am Kleiderschrank quietscht.

Immer, wenn Manana zurĂŒckkommt, sieht sie, dass ihre Entscheidung richtig war, richtig fĂŒr sie – nicht fĂŒr die anderen. Die Familie feiert ihre Verbundenheit und WĂ€rme – Manana spĂŒrt den Druck und die Enge, die von ihnen ausgehen. Ebenso wie die Übergriffigkeiten, wenn die anderen – vermeintlich – besser wissen, was gut fĂŒr sie wĂ€re und die in allen so gut gemeinten Gesten steckt.

Klare Empfehlung: Sehr lohnenswert.

Link: Zum ZDF-Kinotrailer. 

Alexi Zentner „Die Hummerkönige“

Die Hummerkoenige von Alexi Zentner

Gilt schon der Hummer als König unter den Krustentieren, so ist der große Hummer der König unter allen großen Krebsen. Wer sie im kanadischen Atlantik fischt, ist ebenso ein König, erst Recht, wenn er auch noch King heißt.

Vor dreihundert Jahren kam der erste der Kings nach Loosewood Island, einer kleinen fiktiven Insel zwischen dem amerikanischen Maine und dem kanadischen Nova Scotia, zwischen Festland und Wasser, zwischen Gestern und Heute.

Der erste King war jedoch nicht nur Hummernfischer, sondern auch Maler – und er bekam seine Frau vom Meer geschenkt, mitsamt dessen unermesslichem Reichtum. Als er zum ersten Mal auf die Insel kam, konnte er das letzte StĂŒck trockenen Fußes zurĂŒcklegen – auf den RĂŒcken der im Wasser lebenden Hummer. Doch fĂŒr die Mitgift fordert das Meer einen Tribut und holt sich in jeder Generation einen Sohn. Viele Legenden ranken sich um diesen ersten der Kings, Brumfitt King, dessen berĂŒhmte Bilder und TagebĂŒcher lĂ€ngst Touristen auf die raue Insel locken.

In dem Roman von Alexi Zentner spielt die Ă€lteste Tochter Cordelia des derzeitigen Hummerkönigs die Hauptrolle und erzĂ€hlt die Szenen aus ihrer Perspektive. Die Hummerfischer mĂŒssen sich nicht nur gegen Wind und Wetter stemmen, sondern auch gegen die Konkurrenz, die aus James Harbor kommt und in ihren angestammten FanggrĂŒnden wildern will. „Es gibt das Gesetz, und es gibt unsere Gesetze“, lautet das Credo von Woody Kings, wenn er die Körbe der Gegner versenkt oder einen Konflikt nicht mit Worten, sondern FĂ€usten und Waffen austrĂ€gt.

Immer wieder beschreibt Cordelia die Bilder ihres Urahns oder erinnert sich an Sequenzen aus seinen TagebĂŒchern. Sie ist zwar die Ă€lteste von drei Töchtern, doch sie ist nicht zur Nachfolge auf dem Hummerboot bestimmt. Doch als der jĂŒngere Sohn geboren wird, muss er von klein auf mit aufs Schiff, auch wenn er sich hier nicht wohlfĂŒhlt und vieles verkehrt macht. Das wird ihm spĂ€ter zum VerhĂ€ngnis – das Meer holt ihn sich, so wie jeden der Erstgeborenen aus der Familie. Erst jetzt ist der Weg fĂŒr Cordelia frei: Sie wird zwar die Nachfolgerin ihres Vaters, doch da sich kurz nach dem Tod ihres Sohnes auch die Mutter das Leben nimmt, hat sie es schwer.

Die Geschichte als solche ist spannend, das sind Familientragödien irgendwie immer: Wie Cordelia damit hadert, dass sie eine Frau und kein Mann wurde, wie ihr der Bruder bis zu seinem Tod vorgezogen wurde und wie sie um die Anerkennung ihres Vaters gebettelt hat, ohne sie jemals wirklich zu kriegen, das können sicherlich viele nachvollziehen, denen es Ă€hnlich ging. In den Sequenzen, in denen sich Cordelia an die TagebĂŒcher und Bilder erinnert und von ihnen erzĂ€hlt hat, in denen verlor ich gelegentlich den Faden. Die Beschreibungen des Hummerfangs gelingen Zentner realistisch und packend, die Beschreibungen der Menschen, die in dieser manchmal so archaisch wirkenden Welt leben, leider nicht so sehr.

Heidi Rehn: Das Haus der schönen Dinge

Das Haus der schönen Dinge – Heidi Rehn

Als der jĂŒdische Kaufmann Jacob Hirschvogl 1897 zum Königlich-Bayerischen Hoflieferanten ernannt wird, glaubt er sich und seine Familie als gleichwertige Mitglieder der MĂŒnchner Gesellschaft anerkannt. Das von ihm begrĂŒndete Kaufhaus „Hirschvogl am Rindermarkt“ bedeutet fĂŒr ihn die Verwirklichung eines Lebenstraumes.

So beginnt der Klappentext.

Auch wenn Thea, Jacobs Frau, zunĂ€chst skeptisch ist, sorgt sie mit ihren innovativen Ideen dafĂŒr, dass das Kaufhaus ein voller Erfolg wird und die reichen – und weniger reichen – MĂŒnchner sich dort gerne tummeln. Lily ist Sandwichkind und gute Tochter zugleich. Sie wĂ€chst zwischen ihren BrĂŒdern auf und ist von den Eltern keinesfalls zur Nachfolge des Vaters vorgesehen, auch wenn sie schon frĂŒh Interesse und GespĂŒr fĂŒrs GeschĂ€ft zeigt. Da jedoch der große Bruder andere Ambitionen hat und selbst der jĂŒngere Bruder lieber seinen Interessen folgt als sich dem Willen des Vaters zu beugen, ĂŒbernimmt Lily in den goldenen 20ern das Kaufhaus von ihren Eltern und wĂ€hnt sich am Ziel ihrer WĂŒnsche. Doch erstens kommt es anders – und zweitens als man denkt. Zwar fĂŒhlen sich Hirschvogls als königlich-bayerische Hoflieferanten etabliert und angekommen, doch die Zeiten, Stimmungen und Zuneigungen Ă€ndern sich abrupt, als sich die Nazis etablieren.

Der Klappentext erinnerte mich zunĂ€chst an den großen Roman „Paradies der Damen“ von Zola. Dieser beschreibt das Kaufhaus als eine neue Kathedrale, in dem alles um den Lichthof herum angeordnet ist. Hier dĂŒrfen Damen ganz ohne Begleitung weilen – und schwelgen, ganz egal, ob sie sich die ausgestellten Waren leisten können oder nicht.

Heidi Rehn entwirft das Haus der schönen Dinge ebenfalls als einen Palast, ganz wie auf dem Cover. Der Blick, den die Dame von ihrem zentralen Platz hinunter in das VestibĂŒl und die einzelnen Etagen werfen kann, erinnert an Zola, die riesige Glaskuppel mit ihren himmelwĂ€rts strebenden Pfeilern bildet das Dach dieser modernen Kathedrale, in dem jetzt nicht mehr der Gott, sondern der Kommerz angebetet werden kann. Hauptperson im Roman ist tatsĂ€chlich das Haus der schönen Dinge, das nach seinem Besitzer genannte Hirschvogl am MĂŒnchener Rindermarkt. Zwar erzĂ€hlt die Autorin die Geschichte der Personen, der Inhaber, doch es wirkt, als seien sie nur Beigabe.

Rehn schwelgt in Szenen, zeigt fast jede Einzelheit und sei sie noch so klein und unbedeutend. Trotzdem fĂ€llt es mitunter schwer, echte Sympathien fĂŒr die Figuren zu entwickeln. Die Handlung selbst beginnt mit der Eröffnung des Kaufhauses im Jahre 1897 und reicht bis 1952. Das ist viel Stoff fĂŒr 600 Seiten, besonders dann, wenn man ihn stellenweise so opulent ausbreitet wie Heidi Rehn.

Bei dieser FĂŒlle sind ZeitsprĂŒnge unabdingbar, RĂŒckblenden helfen gelegentlich, dass der Faden nicht ganz verloren geht. Doch immer dann, wenn es langsam spannend wird, bricht die Autorin ab und nimmt den Faden wieder neu auf. Das Kaufhaus brennt ab, die beste Freundin von Lily kommt dabei nur knapp mit dem Leben davon, doch ĂŒber den Wiederaufbau und die VerdĂ€chtigungen, die mit dem Brand einhergingen, verliert Rehn nur wenige Worte. Ich habe an dieser Stelle sogar zurĂŒckgeblĂ€ttert, nur um nachzugucken, ob mir tatsĂ€chlich nichts entgangen ist. So interessant und genau Heidi Rehn auch beschreibt, schließlich ist der Roman ĂŒbervoll an Dekorationen, so sehr leiden nicht nur die Figuren selbst, sondern auch die Stringenz der eigentlichen Handlung an dieser ĂŒberschwĂ€nglichen Opulenz.

Als opulent, dramatisch und emotional kĂŒndigt der Verlag den Roman an. Doch gerade die Emotionen fehlen, statt dessen herrschen ErklĂ€rungen vor, die sich wie ein Bericht lesen. Auch wenn die Dialoge als solche lebendig sind, richtig nahe kommt der Leser den Hauptfiguren nicht.

 

Maja Lunde: Die Geschichte der Bienen

„Leise summt der FrĂŒhling“ titelte die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung an dem Tag, an dem ich mit der LektĂŒre von Maja Lundes „Geschichte der Bienen“ begann. Die Zahl der Insekten ist zurĂŒckgegangen, heißt es in dem Bericht. Das gilt nicht nur fĂŒr Bienen, sondern auch fĂŒr Schmetterlinge, Fliegen, KĂ€fer und Hummeln.

Die „Geschichte der Bienen“ von Maja Lunde beginnt damit, dass es 2098, in etwa achtzig Jahren, in China keine Bienen mehr gibt. Menschen klettern auf den BĂ€umen herum und bestĂ€uben in mĂŒhevoller Kleinarbeit die BlĂŒten. Eine von diesen Arbeiterinnen ist Tao, die gemeinsam mit ihrem Mann Kuan einen kleinen Sohn hat, Wei-Wen. Jeden Abend bleibt ihr nur eine Stunde, die sie mit ihrem Sohn verbringen kann und in der sie versucht, ihm etwas beizubringen. Sie wĂŒnscht ihm eine bessere Zukunft. Leider dauert es nicht lange, da geschieht etwas Mysteriöses mit Wei-Wen und er verschwindet.

Die zweite Geschichte spielt in England, 1852. William, Biologe und achtfacher Vater, liegt in seinem Bett und leidet. Mit seiner Forschung erntet er keine Anerkennung, immer war schon jemand vor ihm da. Sein einziger Sohn, auf den er seine ganze Hoffnung gesetzt hatte, ist eine einzige EnttĂ€uschung, die Klugheit seiner Tochter Charlotte nimmt er dafĂŒr nicht wahr. William ist besessen von den Bienen und von seiner Idee, fĂŒr diese den perfekten Bienenstock zu bauen.

Eine dritte Geschichte ist 2007 in Ohio angesiedelt: In dieser ist Imker George die Hauptperson. Er lĂ€dt seine Bienen in KĂ€sten auf und zieht mit ihnen von Ort zu Ort, immer dorthin, wo es etwas zu bestĂ€uben gilt. Erst hört er von anderen, die ihre Bienen verlieren, dann trifft es ihn selbst. Dabei soll doch sein Sohn Tom den Hof und die Bienen ĂŒbernehmen. Doch dieser studiert und hat andere PlĂ€ne.

In diesen drei miteinander verwobenen Geschichten – deren genauen Zusammenhang Maja Lunde erst am Ende des Buches verrĂ€t – erzĂ€hlt die Autorin liebevoll und genau von dem, was sich zwischen den Menschen in Familien so abspielt, von den großen und kleinen Dramen des Lebens. Sie erzĂ€hlt von den Beziehungen, die Eltern zu ihren Kindern haben und davon, was sich Eltern fĂŒr ihre Kinder wĂŒnschen. Das stimmt allerdings nicht immer mit dem ĂŒberein, was die Kinder selbst wollen. Aber so ist der Lauf des Lebens.

WĂ€hrend es in England und Amerika grĂ¶ĂŸtenteils um die Beziehung der VĂ€ter zu ihren Söhnen geht, um deren Sprachlosigkeiten und Erwartungen, ist es in China die Frau, Tao, die nicht resigniert, sondern sich auf die Suche nach ihrem verschwundenen Sohn macht.

Eine klare Empfehlung fĂŒr dieses wirklich sehr lesenswerte Buch.

Stomp! In NĂŒrnberg…

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Staatstheater NĂŒrnberg.

Das Ticket fĂŒr die AuffĂŒhrung war auch fĂŒr den Zug gĂŒltig und so waren wir mutig genug und fuhren trotz der Bauarbeiten auf der Bahnstrecke mit der Bahn. GlĂŒcklicherweise hatten wir genug Reserve eingeplant, die Zeit war nötig, da der Zug immer wieder halten musste, weil er einen anderen vorbeilassen musste.

In Erlangen stieg ein Mann in den Zug, setzte sich zwei Abteile weiter und informierte alle, die es wissen oder nicht wissen wollten, dass er gerade seine Schwester im Krankenhaus besucht hatte, wo diese gerade operiert worden war – inklusive aller möglichen medizinischen Details. Ob der Schwester das so recht war?

Zwei MĂ€dels im Abteil gegenĂŒber nutzten die Zugfahrt und frischten ihre Kriegsbemalung auf. Doch so viel, wie sie so im Lauf der Zugfahrt aus den Tiefen ihrer SchĂŒlertaschen kramten, finde ich noch nicht einmal, wenn ich das ganze Bad ausrĂ€ume.

Der Zug fĂ€hrt – trotz aller VerspĂ€tungen – gut eine Viertelstunde vor Beginn der Vorstellung im NĂŒrnberger Hauptbahnhof ein. Ab FĂŒrth hĂ€tten wir auch in die U-Bahn umsteigen können, doch ab hier fuhr der Zug wieder in normaler Geschwindigkeit und ohne zusĂ€tzlichen Halt. Draußen regnete es, wir flitzten die kurze Strecke vom Bahnhof bis zum Schauspielhaus und suchten gleich unsere PlĂ€tze.

Es waren – im Vergleich zu klassischen Vorstellungen – viele Jugendliche und Kinder da, also war es auch etwas lebhafter. Der Blick auf die BĂŒhne war frei, kein Vorhang hinderte die Sicht auf die Gitterwand mit all den Töpfen, Blechen, Deckeln, Schildern, Tonnen und was sonst noch so daran befestigt war. Irgendwie fĂŒhlt sich das seltsam an: Die GhettoatmosphĂ€re des BĂŒhnenbildes im barock verzierten Theatersaal, dazu rasante Rhythmen – warum soll ich da eigentlich still auf meinem Polstersitz hocken? Ich wĂŒrde doch viel lieber mitmachen.

Der erste Krachmacher kam mit dem Besen auf die BĂŒhne und fegte den Beat – die nĂ€chsten folgten und ab dann stĂŒrmte ein ganzes Klangwerk an Rhythmen in den Saal, in die Ohren, in die Finger und HĂ€nde. Es war echt unglaublich. Immerhin muss ja jeder der KĂŒnstler seinen eigenen Rhythmus halten, der dann im Zusammenklang mit den anderen die Melodie ergibt. Wie exakt sie das draufhaben, zeigten sie mit ihren Feuerzeugen, die wirklich völlig synchron aufflammten. Wow. Und wie schnell sich selbst etwas schwierigere Rhythmen lernen lassen, bewies das Publikum, das bereitwilligst alles nachklatschte, was vorne vorgeklatscht wurde. Zum Schluss gab es dann noch ordentlich was auf die Ohren, die Blechdeckel schepperten, was das Metall hergab.

Die Jugendlichen um mich herum freute es, ein etwas kleinerer Junge kicherte die ganze Zeit ĂŒber den Schabernack, der auf der BĂŒhne getrieben wurde. Und ich kichere immer noch, wenn ich nur daran denke, wie viele von diesen jetzt mit Muttis Töpfen in der KĂŒche oder im Keller ĂŒben…

Die RĂŒckfahrt ging dann zĂŒgiger im Zug, es waren wohl weniger Bahnen auf der Strecke unterwegs.