Kurz vor dem Lärm…

Noch ist fast himmlische Ruhe am Nürnberger Dutzendteich, auf dem Zeppelinfeld, an der Kongreßhalle, die im Nürnberger Volksmund „Kolosseum“ genannt wird.

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Die Kongresshalle hinter dem Dutzendteich. Ein Dach hat sie nie bekommen…

Aber spätestens ab Freitag 13 Uhr klingt es, als würden Düsenflieger starten. Oder so. Dann beginnt zum 31. Mal „Rock im Park“ – und zum ersten Mal wird die Lieblingshausziege dabei sein.

Sie hat sich mit Freundinnen und Freunden verabredet, wird hoffentlich die Stöpsel für die Öhrchen auch wirklich in die Ohren stecken, und hört drei Tage lang Musik von Bands, von denen ich (wenigstens zum größten Teil) noch nie etwas gehört habe. Aber das macht ja nichts, die Hauptsache ist, ihr macht es Spaß. Auf drei Bühnen spielen mehr als 80 Bands, es wurden wer-weiß-wie-viele Tickets verkauft. Mit der Ruhe wird es dann für drei Tage vorbei sein. Sobald allerdings alles wieder abgebaut ist, sieht es dann aus, wie auf den Bildern.

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die Große Straße, einst für Paraden geplant.

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Hier werden manche Reifen abgeschmirgelt.

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Gummi auf dem Asphalt.

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Die ehemaligen Tribünen sind längst von Brennnesseln überwuchert.

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Blick auf das Zeppelinfeld. Hier fanden einst die Aufmärsche statt.

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Noch einmal ein Blick von weitem auf die Kongresshalle.

 

Die Bilder, die so in Schwarz-Weiß ein wenig so aussehen, als stammen sie noch aus der Zeit, in der hier ein ganz anderer Geist wehte, schicke ich zur Frauke und ihrem Schwarz-Weiß-Blick. 

Licht bis nach unten

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ein Hutewald.

Unsere Welt, in der wir leben, wurde von Menschen einst so gemacht, auch wenn uns vieles heute so natürlich scheint, als sei es schon immer so gewesen. Die Eichen stehen relativ einzeln am Waldrand, doch innen sind noch mehr von ihnen: Da sie viel Licht durch ihr Laub lassen, wächst unten Gras für Schafe und Kühe, oben auf ihnen die Eicheln im Herbst für die Schweine. Dabei treibt kein Bauer mehr die Schweine in den Wald, während hin und wieder Kühe auf Weiden stehen. Doch auf diesen bieten keine Eichen mehr Schutz vor Sonne und Regen.

Unter diesem Eichen war es so schön, die warmen Sonnenstrahlen reichten aufs Gras, Insekten summten und Zweige flüsterten. Ich wäre so gerne noch eine Weile geblieben, doch der Mitbewohner war hungrig. So zogen wir weiter zur Wirtschaft.

Für ein Kriegsschiff wurden 700 Eichenstämme verbaut, die möglichst lang und gerade gewachsen sein sollten. Nicht nur für Fachwerkhäuser und Dachstühle, Möbel und Heizung wurde Holz gebraucht, sondern auch für Fundamente: Selbst das Deutsche Nationaltheater in Weimar steht auf mehr als 1800 hölzernen Stützpfeilern. Ebenso wurde Holz für die deckenspannende Weite der Kathedralen gebraucht, als Schalung, auf denen Stein für Stein gemauert wurde, bis mit dem Einsetzen des Schlusssteins alles hielt. Wer Kupferstiche oder Gemälde aus dieser Zeit genau betrachtet, wird sehen: Viel Wald gab es nicht mehr. Die meisten Kuppen und Hügel, die heute dicht bewaldet sind, waren damals ziemlich kahl. Es wurde viel mehr Holz verbrannt, als nachwachsen konnte.

Das ist mein Beitrag für Black&White von Czoczo. Und weils so schön ist, auch für den Schwarz-Weiß-Blick bei Frauke.

Damit der Vergleich möglich ist: Noch die Variation in Farbe. Die Eichen schieben erst ganz langsam ihr Laub aus den Knospen.

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Der Hutewald.

Das Lavameer auf Lanzarote

Ich soll ein Paar Schuhe wählen, dass sich leichter reinigen ließe, meint der Mann. Wir würden schließlich auf einem Vulkan unterwegs sein. Ja, und? Die Asche liegt doch auf dem Boden? Wenn aber viele Leute umherlaufen, würde sie hochwirbeln. Soso. Ich ziehe trotzdem meine bequemen Schuhe an.

Lanzarote: Vulkanlandschaft

Vor knapp 300 Jahren spuckte die Erde auf Lanzarote Feuer, begrub Dörfer unter sich, hustete giftige Dämpfe, bis das Vieh tot auf den Weiden lag, und bebte, dass nicht nur die Tassen im Schrank klirrten. Sechs Jahre lang dauerten die Ausbrüche der mehr als 100 Vulkane, die es auf Lanzarote gibt, von 1730 bis 1736. Die jüngste Eruption war 1824, ob es die letzte gewesen sein wird, kann niemand vorhersagen.

Jetzt ist hier der Nationalpark Timanfaya.

Vulkanlandschaft auf Lanzarote

Gleich hinter dem Visitors Centre fahren wir mit dem Auto in die ehemaligen Lavafelder hinein, für 18 Euro. Wie beim Autoscooter steht bald eine Reihe an Fahrzeugen, in die wir uns einreihen, eines hinter dem anderen. Vor uns steigen Menschen aus, stolpern ein paar Schritte über die Steinbrocken, nehmen kalte Lavabrocken in die Hand.

45 Fahrzeuge sind noch vor uns. Der Wind zerrt und rüttelt am Fahrzeug. Ein Taxi fährt an der Schlange vorbei, gefolgt von einem anderen Auto. Ein Mann joggt hinter den Fahrzeugen her, zückt sein Handy und fotografiert das Kennzeichen des hinteren Autos. Er geht ganz nach vorne, dorthin, wo ein Wächter die Weiterfahrt erlaubt oder die Autoreihe wieder stoppt. Der Wächter steht auf, winkt dem Fahrzeug zu, das sich hinter dem Taxi nach vorne gemogelt hat und bedeutet dem Fahrer, er möge umdrehen.

Er muss wenden, fährt zurück. War einer vom Schiff, meinte der Mann, der sich besser Gesichter merken kann, als ich. Einer von denen, die denken, dass sie was Besseres seien, und nicht in der Reihe mit den gewöhnlichen Leuten warten müssten.

Jetzt sind wir an achter Stelle. Beim nächsten Mal geht es rein.

Vulkanlandschaft auf Lanzarote

Ich sehe Flechten auf den Steinen. Die liegen schon länger hier herum, als wir warten.

Wir kommen zu einem Parkplatz, steigen um in den Bus. Denn nur diese dürfen den 14 Kilometer langen Rundweg befahren. Der Busfahrer erzählt Geschichten in drei Sprachen, hält gelegentlich an, nur aussteigen darf niemand. Hier soll alles bleiben, wie es ist. Die Forscher wollen wissen, welche Tiere und Pflanzen sich freiwillig in einer solch feindlichen Umgebung ansiedeln.

Als wir aus dem Bus aussteigen, gießt ein Mann Wasser in Metallröhren, die in den Boden eingelassen sind. Es dauert nicht lange, bis die Hitze unter der Oberfläche das Wasser als Dampf in den Himmel schießt.

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Wasser in Metallröhren

Wasser kommt als Dampf zurück. Hier hat der Druck bereits nachgelassen.

Als Vergleich das gleiche Bild in Farbe.

Das ist mein Beitrag zu Schwarz/Weiß bei Mariusz und zur Weekly Photo Challenge: „Spare“.

Wer auf den Link klickt, kann sich die Bilder der anderen Teilnehmer anschauen.

Leb wohl, kleines Haus

Hier in Franken gibt es nicht sehr viele alte Häuser, jedenfalls nicht in den Ortschaften, in denen Wachstum angesagt ist. Schon in den sechziger und siebziger Jahren wurden die relativ kleinen typisch fränkischen Fachwerkhäuser durch bräsige doppelstöckige Wohnhäuser ersetzt.

Ein kleines Fachwerkhaus in Franken

Eines dieser kleinen Häuser steht noch herum Guckt man es von hinten an, wird klar, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis das Häuschen endgültig Geschichte ist.

Kleines Fachwerkhaus von hinten gesehen

Der Besitzer hat einen Antrag auf Abriss gestellt. Zwar steht das kleine Haus unter Denkmalschutz, aber das nutzt ihm jetzt auch nichts mehr. Auf dem Wohnhaus liegen längst kaum noch Ziegel, statt dessen sind Folien auf die Sparren genagelt. Hinten war früher der Stall. Seit zwanzig Jahren steht das Haus jetzt ungenutzt und kalt, die Eltern wollten damals den Stall abreißen, bekamen aber keine Genehmigung dafür, erzählt der Hausbesitzer. Das hätte ja auch den Charakter völlig verändert, wies der Bürgermeister darauf hin, dass hinter einem solchen kleinen Fachwerkhaus ein moderner – und größerer – Anbau unpassend gewesen wäre.

Bald wird hier ein neues Haus stehen. Eines, das Toscana-Haus heißt, obwohl es in der Toskana solche Häuser nicht gibt. Oder eines, das mit seinem Pultdach so viele Sonnenstrahlen wie möglich einfangen soll. Nur das kleine Fachwerkhaus, das ist weg.

Noch ein altes Häuschen, das es bald nicht mehr gibt.

Hier war der Bürgermeister vor kurzem zu Besuch und hat der 90jährigen Oma zum Geburtstag gratuliert. Der Enkel jedoch hatte bei der Gemeinde schon den Abriss beantragt. Für ihn sei das alte Haus viel zu klein.

So ist das. Hier in Franken werden Häuser abgerissen, weil sie zu alt, zu klein oder nicht mehr modern genug sind. Renovieren? Umbauen? Ausbauen? Alles Unfug. Mit solchem Kleinkram gibt sich doch hier niemand ab.

 

Karneval – Zeit des Andersseins

Vor der Fastenzeit, der Buße, dem grauen, öden Alltag noch einmal so richtig auftrumpfen, feiern, das Oberste zuunterst kehren, alle Fünfe gerade sein lassen: Das ist Karneval.

Männer tragen Frauenkleidung, Anzugträger reißen sich dieselben herunter, Frauen bohren dicke Bretter sägen dicke Stämme. Seit einigen Jahren scheint mir, dass früher zu Karneval mehr Lametta war. Ob es daran liegt, dass ich inzwischen genug davon gesehen habe, oder daran, dass sowieso alles erlaubt ist, dass es dafür die närrischen Tage nicht mehr braucht, das weiß ich nicht.
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Das ist mein Beitrag zum black & white- Fotoprojekt bei Czoczo. Wer sich die anderen Bilder angucken möchte, klickt einfach auf das Logo:

Die Herzeleid-Kapelle im Kloster Schwarzenberg

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Es war einmal…

Es war einmal ein ehemaliges Gartenhäuschen, in dem die Gartengeräte aufbewahrt wurden. Jetzt ist es eine kleine Kapelle. Diese steht im Steigerwald, im Kloster Schwarzenberg, in der Nähe von Scheinfeld. Wir waren vor ziemlich genau einem Jahr hier ein wenig wandern und haben uns umgeschaut.

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Selfie mit Kamera.

Eine Herzeleid-Kapelle. Hier kann jeder sein Herzeleid klagen und abladen, der zu viel davon hat und dieses nicht weiter tragen kann und möchte. Es gibt hier immer jemanden, der zuhört und dem auch nach der drölfzigtausendsten Wiederholung die Sache nicht langweilig wird. Das kann helfen.

(Das ist mein Beitrag zum Schwarz-Weiß-Projekt bei Marius. Der Klick auf das Logo führt zu den anderen Teilnehmern) BW2015L-550

 

Schöner die Engel nie hängen…

Seit September stehen überall schon die Schokofiguren und Weihnachtskugelpyramiden in den Geschäften herum. Es duftet nach Spekulatius und Glühwein, überall tönen die Weihnachtslieder, klingen die Glocken, pieken die Nadeln, wenn ich nicht aufpasse. Jeder will irgendwie alles mehr und besser machen, als der Nebenmann. Doch manchmal sieht das komisch aus. Hier beispielsweise hat ein Bestattungsunternehmer sein Schaufenster recht weihnachtlich geschmückt. Dass Engel dazugehören, ist ja zunächst nicht schlecht. Aber hätte der Gute sie nicht ein wenig diskreter befestigen können? So mit Strick um den Hals im Bestattungsinstitut zu hängen, das sieht doch wirklich sehr morbide aus:

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Engelchen.

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Engelchen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das ist mein Beitrag zu Black and White im Dezember bei Czoczo.

Der Klick auf das Logo führt zu den anderen Teilnehmern. BW2015L-550

 

Eine leere Hülle nur

Das letzte Mal, als ich dich sah, hast du auf dem Sofa gesessen, im Wohnzimmer. Dabei war das nicht dein Platz. Hier lag die Oma beim Fernsehen, oder lackierte sich am Tisch die Nägel, wenn das sonntägliche Frühstück beendet war. Sie feilte, entfernte den Nagellack, trug neuen auf, weiße Tischdecke an Beethoven und Bartholdy. Kultur gehörte dazu, auch wenn es niemanden gab, der das zu würdigen schien.

Du hast auf dem Sofa gesessen, Kissen um dich herum, über deinen Beinen lag eine Decke. Es war ein Sitzen ganz ohne Spannung, ohne Haltung, die hattest du verloren, oder sie hatten sie dir genommen, im Krankenhaus, aus dem du gerade zurückgebracht, sie hatten dich geöffnet – erzählte irgendwer – und nichts mehr gemacht, gleich wieder zugeklappt, als seist du ein Schrank, in dem die Tassen gezählt und für vollzählig befunden, nur stand jetzt eine mehr herum und die hieß: Krebs.

Neben dir ein schmaler weißer Kasten, du hattest Schläuche, die von den Ohren bis zur Nase, bis in die Nase reichten. Sauerstoff, erklärte jemand. Wir redeten nicht. Wir hatten vorher nicht geredet, warum sollten wir es jetzt tun, so kurz vor dem Ende oder was es auch immer sein würde. Zu allen Besuchen wurde geschwiegen, erst in der Tür, auf der Schwelle quasi, fing das Reden an und zog sich – zum Ärger desjenigen, der es eiliger hatte und deswegen ungeduldig zappelte – manchmal lange.

Kann das, was ein Leben lang versäumt wurde, in ein paar Minuten gesagt werden?

Du hast auf dem Sofa gesessen, du hast gegrinst, so wie immer. Für mich sah das aus wie: Es passiert nichts, es ist alles in Ordnung, so wie immer. Ich blieb nicht lange, und wir sprachen nicht miteinander, außer: guten Tag und noch ein Tschüss oder ein Aufwiedersehen.

Ich wusste nicht, dass es das letzte Mal sein würde, doch wenn ich es gewusst und in seiner Tragweite erkannt hätte, hätte es denn etwas geändert?

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Komtur: Bronzeskulptur von Anna Chromy auf dem Friedhof von St. Severin, Sylt

Das ist mein Beitrag zum Black and White im November bei Czoczo. Klick auf das Logo – dort ist der Link zu den anderen Beiträgen:

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Herbstzeit in Grau

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Herbstzeit.

Herbst ist goldene Zeit: Die Blätter färben sich rot und gelb, bevor sie braun auf den Boden fallen, die Sonne schickt goldene Strahlen durch das Laub, bis alles lodernd zu leuchten scheint.

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Erntezeit: Holunder

Herbst ist Erntezeit: Überall reifen Früchte und Samen. Ich brauche nur zu greifen – und kann mit vollen Händen abziehen.

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Nur noch die leere Kastanienhülle.

Übrig bleibt die leere Hülle: Der Inhalt ist längst weggekullert.

Herbstzeit ist auch Dankeszeit, Erntedankeszeit, Erntedankfest.

Dabei weiß ich gar nicht, was Hunger heißt, auch wenn meine Großeltern noch Zeiten erlebt haben, in denen das Essen knapp war, Zeiten, in denen altes und hartes Brot nicht weggeworfen, sondern kleingeschnitten und in den Kaffee gebrockt wurde.

Verbunden mit: Weekly Photo Challenge „Focus“

 

Wasser. Spiegelung.

Granada

Granada: Die Alhambra.

Je kälter und nasser es draußen ist, desto weiter scheint der August mit seiner Hitze in Spanien bereits zurückzuliegen. Da wir heute in der Stadt essen waren, statt zu Hause zu kochen, ging es zu Fuß zum Rathaus, und ein kleines Stück an der mittelalterlichen Stadtmauer von Mühlhausen entlang. Im Gegensatz zur wuchtigen Festung auf der Alhambra in Granada wirkt diese regelrecht klein und zierlich, reichte aber aus, die blinden Hessen, die armen Eichsfelder und die Raubritter vom Hanstein abzuwehren.

Einen großen Anteil am Zauber der Alhambra haben die vielen Wasserflächen in den Innenhöfen. Hier haben die Gebäude keine Mauern, so wie bei uns. Die Grenze zwischen Innen und Außen ist nicht die Wand, sondern das Haus. Im Zentrum ist der Hof, ohne Dach, so dass die Sterne des Himmels nachts scheinen, die Räume sind um diesen herum gruppiert und wirken mit ihren offenen Säulenreihen wie Loggien. Wasser spielt dabei eine große Rolle und ist in irgendeiner Form immer anwesend. Das mag zum einen mit dem Koran und seinen Erzählungen vom Paradies zusammenhängen, zum anderen damit, dass es in Andalusien heiß und trocken ist.

Das ist mein Beitrag für das Black&White Fotoprojekt von Czoczo. Der Klick auf das Logo führt zu den anderen Teilnehmern:

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