Gegensätze in Cordoba

Cordoba.

Cordoba.

Cordoba.

Cordoba.

 

Gegensätze:

Zwischen den hübsch begrünten Innenhöfen in der historischen Altstadt und den Betonbauten im Rest der Stadt.

Zwischen den Tapas für die Touristen, die einzeln mit bis zu 4 Euro bezahlt werden müssen und den Tapas der Einheimischen, die es gratis zum Getränk dazu gibt.

Zwischen den spanisch gestylten Cafes und Restaurants in der historischen Altstadt für die Touristen und den Cafes, die ihre Stühle und Tische auf den Bürgersteig neben der vierspurigen Autostraße stellen und in denen die Spanier sitzen.

Hier sind gut dreißig Prozent der Menschen arbeitslos, aber ausgerechnet vor unserem Fenster wird die Fassade frisch verputzt.

Wenn hier etwas geht, dann scheinen es die Touristen zu sein, die das Weltkulturerbe besichtigen, doch die meisten Kellner und Verkäufer sprechen nur Spanisch und vielleicht noch ein kleines bisschen Englisch. Auch die Frau, bei der wir übernachten, spricht nur Spanisch. Leider. So können wir uns nicht unterhalten, nur anlächeln und uns einen guten Tag wünschen. Der Rest bleibt meiner Phantasie überlassen – und darüber erzähle ich ein anderes Mal.

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Das ist mein Beitrag für August, für das Black&White Fotoprojekt von Czoczo, der Klick auf das Logo führt direkt zu den anderen schwarz-weißen Bildern.

Steine statt Brot

Krähe

Krähe

Es ist Zeit, dachte der Vogel. Es ist Zeit, dass jetzt die Brut endlich auf eigenen Beinen steht: Auf eigenen Flügeln fliegt sie ja längst, fliegt mir immer hinterher, setzt sich hin, reißt den Schnabel weit auf und wartet, bis ich fette Brocken in den Schlund stopfe. Immer nimmersatt schlingen, haben wollen, Hunger krächzen.

Er hatte den Schnabel voll, so gestrichen voll wie nur irgendwas. Das war jetzt in seinem Leben die 28. Brut, und jedes Mal wurde die Bagage zum Schluss so fordernd, dass ihm nur die Flucht blieb, so stark wie die Jungen dann wurden, gefüttert und großgezogen von ihm, verjagten sie ihn aus dem Nest, das sie als Sieger übernahmen.

Als er über die Steine flog, zwischen denen nicht ein einziger Grashalm wuchs, nur weiße Steine lagen dicht an dicht, weiß wie die Brotstückchen, die er manchmal fand, landete er auf ihnen, suchte. Suchte sorgfältig, drehte einen Stein um, nahm in in den Schnabel, verwarf ihn wieder. Er war kritisch. Schließlich sollte die Brut den Betrug nicht auf den ersten Blick enttarnen, sondern sich zanken, ganz so, wie sie sich um jeden Brotkrumen zankten. Nur dann hätte er Zeit genug, Zeit, um die Schwingen auszubreiten und zu fliegen. Ganz weit weg.

Das ist mein Beitrag für Schwarz/ Weiß im Juli, bei Czoczo. Klick auf das Logo führt zu allen anderen Teilnehmern:

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Erinnerung an Constanta

Romania

Die St. Mina Kirche im Tabacarie Park von Constanta in Rumänien

Zehn Jahre ist es inzwischen schon her, dass ich in Rumänien war. Ich habe eine ruhige Stunde genutzt und ging alleine vom Hotel aus in Richtung Stadtmitte. Da mir die Hauptstraße nicht so schön schien, bog ich ab, in einen Park. Durch das Laub schimmerte Wasser. Der Park war groß und wirkte verwildert, mit Teichen zwischendrin. Am Rand stand Schilf, dazwischen lagen Unmengen an leeren Plastikflaschen. Frösche quakten. Viele Angler saßen rund um die Teiche, alle paar Meter saß wieder einer.

Zunächst war das Land schon schockierend: dreckig, verkommen, ruinös, vermüllt, grau, betoniert, ungepflegt – dann sah ich langsam Details und nahm die Schönheit wahr, die hier manchmal sehr verborgen ist: Eine Blume, die aus den Pflasterritzen wuchs, ein lächelndes Kind, junge Frauen, die sich hübsch machen, aber auch Bettler, dunkel vor Dreck und trotzdem mit Hoffnung in den Augen.

Hier im Park waren viele Menschen unterwegs, junge Pärchen, Menschen mit Kindern, es war eine Stimmung wie ein sonniger und fröhlicher Sommertag, ein perfekter Tag für ein Picknick im Gras.

Die Kirche, die ich von der Bank am See fotografierte, wurde übrigens erst 1995 gebaut. Es ist eine orthodoxe Kirche, St. Mina, ganz aus Holz, so wie die Holzkirchen im Norden von Rumänien, in Maramures.

Das Bild ist für das Black & White Fotoprojekt von Marius. Da er sich einen Bezug zur „Sieben“ gewünscht hat, empfehle ich: Spitzen zählen ;-). Wer noch mehr Bilder in Schwarz-Weiß gucken möchte, klickt einfach auf das Label unten. Das ist der Link.

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Platz für Neues schaffen

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Pferdefuhrwerk

Eine Reihe alter Bäume liegt in der Wiese: so alt, dass sie sich in ihrer Jugend bestimmt staunend umgedreht haben, wenn mal ein Auto vorbeifuhr. Schließlich wurde damals noch mit Pferden geackert, wer keine hatte, spannte die Kühe vor den Pflug.

Jetzt sind die Bäume alt, morsch, tragen keine Früchte mehr oder das tote Holz ist wertvoller, als alles, was auf und an ihnen wuchs. So wurden sie gleich mit ihren Wurzeln aus der Wiese gezogen. Das Pferdefuhrwerk erinnert an die Zeit, in der die Bäume jung waren, frisch gepflanzt, noch voller Freude auf künftige und reiche Ernten.

Die Früchte gibt es doch jetzt frisch im Supermarkt, schon gepflückt, gewaschen und eingetütet. Da braucht niemand mehr Hand anzulegen beim Pflücken. Wer will schon für so wenig Geld arbeiten, wie die Früchte dann einbringen?

Das ist ein Beitrag zu: (einfach auf die Grafik klicken)BW2015L-550

Memento moriendum esse im Wald

Weiß leuchtet der Schädel auf braunrotem Laub und ist alles, was von diesem Leben übrig blieb:

Andreas Gryphius – Einsamkeit

In dieser Einsamkeit, der mehr denn öden Wüsten
Gestreckt auf wildes Kraut, an die bemooste See:
Beschau ich jenes Tal und dieser Felsen Höh‘
Auf welchem Eulen nur und stille Vögel nisten.

Hier, fern von dem Palast; weit von des Pöbels Lüsten,
Betracht‘ ich: wie der Mensch in Eitelkeit vergeh‘,
Wie, auf nicht festem Grund all unser Hoffen steh‘,
Wie die vor Abend schmähn, die vor dem Tag uns grüßten.

Die Höll‘, der rauhe Wald, der Totenkopf, der Stein,
Den auch die Zeit auffrisst, die abgezehrten Bein‘
Entwerfen in dem Mut unzählige Gedanken.

Der Mauern alter Graus, dies unbebaute Land
Ist schön und fruchtbar mir, der eigentlich erkannt,

dass alles, ohn‘ ein‘ Geist, den Gott selbst hält, muss wanken.