Alt? Das sind doch immer nur die anderen…

Vor meinem zwanzigsten Geburtstag waren die 25-j√§hrigen alte Knacker, l√§ngst fertig mit allem, was interessant und angesagt war. Sie hatten ihre Lehre oder das Studium abgeschlossen und waren fest in der Firma angestellt, in der sie bis zur Rente schuften w√ľrden. Etliche hatten bereits geheiratet, bekamen Kinder, legten sich Schrankwand und Ehebett zu. √úberraschungen waren im Lebenslauf nicht mehr vorgesehen.

m√ľnsterschwarzach 117Kurz vor meinem drei√üigsten Geburtstag waren die √ľber 40-j√§hrigen die alten Knacker: So gef√ľhlt kurz vor der Rente hatten sie ihren Zenit l√§ngst √ľberschritten, auch wenn es nicht alle von ihnen wahrhaben wollten. Mich wunderte es nur, dass sie das Knirschen ihrer morschen Knochen selbst noch nicht h√∂ren konnten. Aber ich hatte weder Zeit noch Lust, mich mit ihnen und ihren festgefahrenen Ansichten und Meinungen zu besch√§ftigen.

 

 

 

m√ľnsterschwarzach 118Als ich selbst auf die Vierzig zusteuerte, sah ich die √ľber 60-j√§hrigen als alte Knacker, erstaunt dar√ľber, dass sie noch am Leben waren, obwohl sie l√§ngst kahlk√∂pfig oder zumindest grauhaarig herumliefen. Sie unkten herum, vermuteten √ľberall Verschw√∂rungen und kr√§chzten wie Unheil bringende Kr√§hen. Fr√ľher war alles besser, lautete deren g√§ngiges Urteil. √úbrigens bemerkte ich zu dieser Zeit, dass sich auch meine Sicht auf j√ľngere Menschen ver√§ndert hatte: Die unter 20j√§hrigen wirkten auf mich wie vorlaute und unreife Kinder. Sie hatten keine Ahnung, taten aber so, als w√ľssten sie √ľber alles Bescheid. Sie spuckten gro√üe T√∂ne – und ich dachte: Macht ihr nur. Ihr werdet schon noch lernen, wohin der Hase l√§uft.

m√ľnsterschwarzach 143Jetzt bin ich gerade noch so unter f√ľnfzig. Jetzt finde ich die 70j√§hrigen alt, manche von ihnen scheinen kaum noch zu klaren Gedanken f√§hig. Seltsamerweise merke ich, so im Gespr√§ch mit manchen dieser alten Knacker, dass sie erstaunlich jung wirken k√∂nnen. Einige von ihnen sind offensichtlich nicht zu Kalkstreuern mutiert, sondern bewahrten sich geradezu jugendfrische Gedanken. Wenn mir allerdings ein 30j√§hriger, der noch nicht ganz trocken hinter den Ohren ist, v√∂lligen Ernstes erkl√§ren m√∂chte, wie der Hase l√§uft und die Welt funktioniert, winke ich nur m√ľde ab. Komm du erst mal in mein Alter, Alder und erleb so viel, wie ich. Anschlie√üend k√∂nnen wir uns gerne unterhalten. Das Leben ist schlie√ülich kein Wunschkonzert, in dem sich alles nach der Ansicht eines Gr√ľnschnabels richtet.

Beim Wortmischer las ich √ľber dessen Ansichten zum √Ąlterwerden und fand somit zur Aktion von Frau Quadratmeter √ľber das #√§lterwerden.

4 Gedanken zu „Alt? Das sind doch immer nur die anderen…

  1. Ja. Treffender kann man dieses Phänomen wohl nicht formulieren. (Und auch nicht bebildern, selbst wenn die Baum-Fotos in ihrer Entwicklung von oben nach unten ziemlich fies sind.)

    • Merci. Die B√§ume stehen √ľbrigens alle im Urwald, unweit der Sababurg, dem sagenhaften Dornr√∂schenschloss ūüėČ So ohne Laub sehen sie immer ganz zauberhaft aus.

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