Ansichten von Malaga

Malaga

Malaga.

Zum Strand morgens war es nicht weit, wir brauchten nur der schmalen Gasse zwischen den Hochh√§usern zu folgen, die vierspurige Stra√üe zu √ľberqueren und hinter dem kleinen M√§uerchen lag der Strand, bedeckt mit Kieseln und schwarzem Sand. Die Menschen, die zum Strand wollten, machten sich wenig M√ľhe mit ihrer Kleidung und trugen so wenig, wie m√∂glich, schlie√ülich war alles nur Ballast auf dem Weg zur Sonne. Mama und Papa f√ľhrten ihr Baby ins Wasser, alle drei mit fast wei√üer Haut unter der sengenden spanischen Sonne. Sonnenschutz? Nicht doch. Hier wollte jeder so braun werden, wie das W√ľrstchen auf dem Grill.

Malaga.

Malaga.

In der Ferne war ein Schiff zu sehen, das langsam näher kam, immer näher, schließlich abdrehte, so dass von der Seite zu sehen war, dass vorne eine Kanone und hinten ein Hubschrauber auf den möglichen Einsatz wartet.

Wir gingen langsam die schmale Gasse zur√ľck. Auch hier gab es Stra√üencafes, standen Tische auf dem B√ľrgersteig, doch hier sa√üen keine Frauen, die fr√∂hlich miteinander schnatterten, sondern einsame alte M√§nner, jeder ein Bier vor sich.

Zur√ľck in der Wohnung schnarchte das Dickerchen, das hier wohnt, immer noch. Es gab die ganze Nacht hindurch immer wieder einen Moment der v√∂lligen Stille, der von pl√∂tzlichen und kurzatmigen Schnarchern unterbrochen wurde. Ich lauschte in der ersten Nacht eine Weile, bevor ich mir – der besseren Nachtruhe wegen – die St√∂psel in die Ohren steckte. Die ganze Woche, die wir hier in Malaga verbringen, sitzt er vor dem Computer, l√§uft durch virtuelle Welten, skypt russisch, macht sich gelegentlich in der K√ľche etwas zu essen und √∂ffnet, wenn ein Lieferdienst neue Kisten bringt. Oder er liegt auf dem Bett und schnarcht. Alles l√§sst sich gut beobachten, da die T√ľr seines Zimmers st√§ndig offen steht. Nur manchmal, wenn das Schnarchen zu laut ist, schlie√üt der Mitreisende leise die T√ľr.

Malaga.

Auf dem Weg in die Innenstadt von Malaga.

Tintenfischringe, drei Krabben und vier Sardinen: Das war gen√ľgend Futter f√ľr den Mittag. Nach dem Essen in die Innenstadt, die gerade Stra√üe bis zum Bahnhof. Zwei dunkelh√§utige Frauen vor uns, eine schiebt schwanger einen Kinderwagen, die andere, √§ltere, zerrt ihr die Tasche von der Schulter, zetert die ganze Zeit, ich verstehe kein Wort, aber es h√∂rt sich nicht nett an. Gegen√ľber vom Bahnhof hat sich ein Mann in den Schatten eines Geb√§udes gelegt, Pappen unter sich, um den B√ľrgersteig ein wenig zu polstern. Seine Hose ist hinten fleckig, vielleicht hatte er Durchfall. Sein Haar ist wirr und am Ansatz grindig. Die Passanten gehen vorbei. Wir auch. Was denn sonst?

Malaga.

Fußgängerzone von Malaga.

In der Fu√üg√§ngerzone der Innenstadt, die sich von allen anderen Innenst√§dten nicht weiter unterschied, blieb ich auf einer Bank sitzen und wartete darauf, dass der Mitreisende zur√ľckkommt, f√ľndig w√ľrde auf seiner Suche nach einer frischen Flasche Wasser.

Menschen liefen vorbei, die so gelangweilt schauten, als hätten sie bereits alles gesehen, was es auf dieser Welt an interessanten Dingen gibt. Sie waren gut gekleidet und gestylt, damit sie auf die anderen Menschen Eindruck machen konnten Рund doch schien jeder nur an sich selbst interessiert Рnicht an den anderen. Kinder liefen ihren Eltern hinterher, bekamen die Dinge in die Hand, die sie gerade wollten, denn Geld spielte keine Rolle.

Malaga.

Touristen in Malaga.

Am nächsten Tag begann die Feria de Malaga. Ab dann war vieles anders.

Davon wusste ich allerdings zu diesem Zeitpunkt noch nichts und fragte mich, wie um alles in der Welt ich diese Woche √ľberstehen sollte.

 

 

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