Das Elend mit den Hebammen

Am 5. Mai ist internationaler Hebammentag.

Ein Kind zu geb√§ren ist heutzutage ein Risiko, vor allem f√ľr die Hebammen, die bei jeder Geburt dabei sein m√ľssen, wie es das Gesetz vorschreibt. Dabei √ľbernimmt die Hebamme eine Aufgabe, die von den √Ąrzten im Alltag nur schwer erf√ľllt werden kann: Sie unterst√ľtzt die Frau, die ihr Kind bekommt, so dass sie weniger Angst vor der Geburt hat. So m√ľssten weniger Kinder per Kaiserschnitt entbunden werden. Eigentlich. Inzwischen wird jedoch jedes dritte Kind in Deutschland per Kaiserschnitt geboren, obwohl von diesen – so sagt die Weltgesundheitsorganisation – nur die H√§lfte notwendig sei. Mal ab von allen privaten Diskussionen, ob nun eine nat√ľrliche Geburt oder eine Sectio besser sei: Das Gesundheitssystem jedenfalls bevorzugt den medizinischen Eingriff. Wird ein Kaiserschnitt durchgef√ľhrt, bekommt das Krankenhaus dreimal so viel Geld, wie f√ľr eine nat√ľrliche Geburt.

Wenn es nur das w√§re: Inzwischen nimmt die Tendenz zu, zu klagen, sollte das Kind w√§hrend der Geburt einen Schaden erleiden. Da scheint ein Kaiserschnitt die sicherere Alternative. Inzwischen sind einige¬†Versicherungsunternehmen nicht mehr bereit, den Hebammen dieses Risiko zu versichern, andere Unternehmen bieten Policen nur noch gegen horrende Beitr√§ge von 5000 Euro im Jahr an. Das kann eine freiberufliche Hebamme, die neben ihrer Arbeit auch noch eine Familie hat, kaum mehr bezahlen, wenn sie noch etwas von ihrem Lohn √ľbrig behalten m√∂chte. Sie kann n√§mlich nicht einfach so viel f√ľr die Geburt eines Kindes verlangen, wie sie zum Leben und f√ľr die Versicherung braucht: F√ľr die Geburt des Kindes und die Betreuung der Frau gibt es einen festen Satz von der Krankenkasse. Arbeitet eine Hebamme freiberuflich, auch als Beleghebamme in einem Krankenhaus, wirkt sich die H√∂he¬†der Versicherungsbeitr√§ge quasi wie ein Berufsverbot aus.

Dabei erleiden keinesfalls mehr Kinder w√§hrend der Geburt einen Schaden, als fr√ľher. Nur: Fr√ľher wurden die Leistungen f√ľr dieses Kind ganz selbstverst√§ndlich von den zust√§ndigen Sozialversicherungstr√§gern, also der entsprechenden Kranken- oder Rentenkasse gezahlt, ohne die Hebammen derart in Regress zu nehmen.¬†Dass die Versicherung f√ľr die Hebammen so immens gestiegen ist, liegt einfach daran, dass die Sozialversicherungstr√§ger, wie beispielsweise die Kranken- oder Rentenkassen, welche f√ľr die Leistungen aufkommen, die ein bei der Geburt gesch√§digtes Kind braucht, sich diese bei der Versicherung der Hebammen in einem Regressverfahren zur√ľckholt: Wenn jemand eine lebenslange Behinderung beh√§lt, weil er beispielsweise w√§hrend der Geburt an Sauerstoffmangel litt ‚Äď und dies an einem Fehler der Hebamme lag – , m√ľssten sich drei Personen rund um die Uhr um die Pflege k√ľmmern. Auch der eventuelle Umbau des Hauses m√ľsste bezahlt werden. Das seien im Monat gut 20.000 Euro an Kosten, die so lange gezahlt werden m√ľssten, wie lange dieser Mensch lebt ‚Äď und das k√∂nnen dank der modernen medizinischen Versorgung auch 70 Jahre sein.

Sicherlich ist es schlimm f√ľr die Eltern und das betroffene Kind, wenn w√§hrend der Geburt etwas passiert. Doch erst seit die Krankenkassen und Rentenkassen penibel auf ihre Kosten schauen, halten sie Eltern dazu an, im Falle eines Falles zu klagen: Nur so k√∂nnen sie ihre Kosten von der Hebammenversicherung ersetzt kriegen. Die Eltern und das Kind dagegen d√ľrften nicht allzu viel davon profitieren. Warum kann nicht einfach die Solidargemeinschaft – so wie vor der Krankenkassenreform – dieses Risiko gemeinsam tragen?

Sollten 2016 die Vertr√§ge mit den Versicherungsunternehmen nicht verl√§ngert werden, bricht das System zusammen und allein zwei Drittel der bayerischen Hebammen k√∂nnen dann¬† nicht mehr arbeiten: ‚ÄěDann k√∂nnen die Frauen ihre Kinder im Auto geb√§ren‚Äú, im Rettungshubschrauber, wo auch immer. Denn ohne Beleghebammen k√∂nnen auch viele Kliniken ihre Geburtsstationen schlie√üen und der Weg in das entsprechende Krankenhaus wird gerade im l√§ndlich strukturierten Raum immer weiter. Wie auf Sylt. Dort gibt es weder eine Hebamme, noch eine Geburtsstation: Zwei Wochen vor dem errechneten Termin m√ľssen die Schwangeren statt dessen aufs Festland.

Aber es werden ja ger√ľchtehalber zu wenig Kinder in diesem Land geboren. Mit dieser Politik werden es allerdings auch nicht mehr.

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