Eine Messe in der Kathedrale von Cordoba

Wer jetzt denkt: Huch, das hei√üt doch Mezquita, hat auch Recht. Aber die Messe war heute morgen denn doch in der Kathedrale, einst mitten in die Moschee hineingebaut und diese bei weitem √ľberragend. Man g√∂nnt sich ja sonst nichts. Oder vielmehr: Man wollte zeigen, was man hat und kann. Dabei waren wohl die Einwohner, der Stadtrat, √ľberhaupt alle dagegen, dass mitten in die Mezquita eine Kathedrale erbaut werden sollte, doch der Klerus hat sich mit dem K√∂nig verb√ľndet, der hat es angeordnet – und der Legende nach hinterher bedauert. Was der K√∂nig damals sagte, war Gesetz und wurde so gemacht. Keine Demokratie, keine Abstimmung und auch keine Mitbestimmung. War das Leben damit einfacher? Wahrscheinlich nicht.

Cordoba

Mezquita von Cordoba.

Um diese fr√ľhe Uhrzeit nutzten viele Touristen die Gunst des freien Eintritts, sie wurden allerdings alle kurz vor Beginn der Messe gnadenlos von den uniformierten W√§chtern hinausgescheucht. Wir sollten auch gehen, fragten aber nach der Kirche und bekamen freien Zutritt, die rote Kordel war extra an zwei Stellen daf√ľr entfernt. Ich verstehe zwar kein Wort Spanisch, doch der Ablauf ist immer gleich, das Gemurmel √§hnlich, den Friedensgruss gibt es ebenfalls, genauso wie die Wandlung und anschlie√üende Kommunion und Segnung.

Cordoba.

Mezquita von Cordoba.

Der erste Eindruck beim Betreten der Mezquita, der ehemaligen Moschee, die immer noch eine der gr√∂√üten in der Welt ist, war unbeschreiblich. Mir f√§llt einfach kein Vergleich ein. Der Raum ist eher niedrig, nichts zum Auf-die-Knie-fallen, zum Kopf-in-den-Nacken-legen. Aus dem glei√üend hellen Sonnenlicht geht es in ein Halbdunkel, das durch seine Wiederholungen hypnotisiert: S√§ule an S√§ule verliert sich in einer Tiefe, die nicht zu √ľberblicken ist, ziegelrot wechselt mit kalkwei√ü, dar√ľber die doppelten Reihen der Hufeisenbogen, die so hei√üen, weil sie so rund wie Hufeisen sind. W√§hrend Kirchen und Kathedralen in die H√∂he streben, um Gott so nahe wie m√∂glich zu sein, verliere ich mich in den Schatten wie in den Tiefen der Seele.

Cordoba.

Kathedrale in Cordoba.

Innen wird es heller: Hier wurden einfach eine ganze Menge S√§ulen entfernt – und eine Kirche hineingebaut: Die Kathedrale von Cordoba. Da sie die D√§cher der urspr√ľnglichen Moschee weit √ľberragt, f√§llt durch die Lichtgaden viel Helligkeit in den Raum, l√§sst den wei√üen Marmor strahlen, bringt das Gold zum Leuchten.

Nach dem schlichten, wei√ü-roten Bogenmeer wirkt diese Pracht wie ein Disneyland inmitten and√§chtiger Stille. Wer ist hier der Barbar, der laute Marktschreier, der es nicht lassen kann, der wie ein Zweij√§hriger auftrumpft und „Meiner ist gr√∂√üer, als deiner!“ br√ľllt?

Cordoba.

Römisches Mosaik unter Moschee und Kathedrale.

Und √ľberhaupt: Schon die S√§ulen, die von den Erbauern der Moschee benutzt wurden, sind Recycling pur: Sie standen in r√∂mischen Tempeln, waren gewisserma√üen √ľbrig, wurden nicht mehr gebraucht. Unten drunter sind Mosaiken. √úberhaupt war √ľberall schon irgendjemand da. Wer da denkt: Das muss alles so erhalten bleiben, das ist genau so gut, wie es jetzt ist, der verkennt den Wandel, dem die Dinge eben auch unterliegen.

Jetzt ist hier zwar noch eine Kathedrale drin, doch als Messe war, kam gerade eine Handvoll alter M√ľtterchen. Das war’s im katholischen Spanien.

Cordoba.

Ein älterer Kirchenbau in der Mezquita von Cordoba.

Statt dessen schn√∂der Mammon und zahlende Besucher, auch die Mosleme w√ľrden gerne einen Teil des Eintritts bekommen, den die Kirche daf√ľr erh√§lt, dass sie das Geb√§ude einfach besitzt. Die Menschen gehen drin herum, suchen nach sch√∂nen Standorten, fotografieren, ein Jugendlicher mosert, ob das jetzt alles gewesen sei f√ľr seine acht Euro, Weltkulturerbe eben.

Cordoba

Mezquita von Cordoba.

Draußen steppt der Bär, reiht sich Andenkenladen an Kunsthandwerkerladen an echt spanische Restaurants, die Preise dreimal so hoch wie außerhalb der Innenstadt. Dort gab es normales Bier, Wein, zu knapp zwei Euro ein Glas, dazu jeweils ein Tapa. Gratis. Hier essen auch die Spanier.

Cordoba.

Mezquita in Cordoba.

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