Kleine Poesie aus dem Erlanger Schlossgarten

Ob sich ein vierblättriges Kleeblatt unter den scharfen Messern der Rasenmäher wegducken kann? Wer es findet, ist der Glückspilz und kann sich ganz ohne Drogen berauschen. Er braucht nur dem Wasserstrahl zu lauschen, wie er im Brunnen sein ewig gleiches Lied singt und singt und wenn er dann mit den spitzen Beinen des Gartenstuhls in den Boden sinkt, liegt er im Gras, dort, wo nur ein paar niedrige, weiße Blüten wohnen. Sie recken ihre Köpfe nicht zu hoch – Rasenmäher, you know – und werden doch täglich von Rasenlatschern und Trampeltieren plattgetreten.

Ganz anders die Blüten der Rabatten, unermüdlich entfaltet hier eine Apfelblüte nach der anderen ihre Blätter. Ob die Menge der Studentenblumen mit der Anzahl der Erlanger Studenten übereinstimmt? Was passiert mit dem menschlichen Pendant, wenn der Gärtner eine verwelkte Tagetes köpft?

In dieser Stadt bin ich nie und nimmer nicht alleine, auch nicht im Schlossgarten. Überall sind Menschen: Große, kleine, dicke, dünne, alte, junge, gefräßige, hungrige, satte, gelangweilte, glatzköpfige, keiner sieht wie der andere aus. Sie machen Geräusche, reden, lachen, atmen, ziehen einen Rollkoffer hinter sich her.

Sie kommen, setzen sich, bleiben eine Weile und gehen wieder. Nur die Bäume bleiben – und das Schloss mit dem Springbrunnen und der Zaun und die Bänke.

Ist es nachts dunkel, sind die Tore geschlossen. Die Eule öffnet ihre Augen, breitet die Schwingen aus und sieht, ob ihre Weisheit ausreicht, ein Mäuschen zu fangen.

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