Samstag wird gebadet #Alltag

Wer erinnert sich eigentlich noch daran, dass auch der Samstag ein Schultag war? Zwar mit maximal vier Stunden deutlich k├╝rzer als die Schultage von Montag bis Freitag, aber trotzdem fand in der Schule ganz normaler Unterricht statt.

Daher mussten auch meine Eltern – sie waren beide Lehrer – arbeiten. Mittags kamen wir alle nach Hause, und, weil schlie├člich Samstag war, gab es in der Schule kein Essen. Daher war Samstag Suppentag. Wei├če Bohnen oder gelbe Erbsen wurden bereits am Freitag eingeweicht und kamen tagsdrauf mit Kartoffeln, Karotten und dem, was der Vater so im K├╝hlschrank fand, in einen Topf. Nunja, die Suppe traf selten meinen Geschmack, aber das war damals halt so.

War das Essen verputzt, wurde geputzt. In der K├╝che reckten die St├╝hle ihre Beinde nach oben, lie├čen sich von diesen die Flusen pfl├╝cken. Es wurde gefegt, gewischt und – war der Fu├čboden trocken – alles gebohnert und anschlie├čend auf Hochglanz poliert. Der daf├╝r genutzte Bohnerbesen war ein schweres St├╝ck Metall mit Borsten untendran, ein Kugelgelenk verband Besen mit Stiel. Das typische Klackern verriet bei jedem Schwung, ob die Arbeit emsig verrichtet wurde. Waren die Pausen zu lang, schaute die Mutter misstrauisch ums Eck. Tr├Âdeln galt nicht. Bohnerte sie selbst, stellte sich manchmal mein kleiner Bruder als zus├Ątzliches Gewicht auf den Bohnerbesen und lie├č sich schieben, hin und her, klackediklack.

Bad putzen, Staub wischen, Stra├če fegen. Damals war alles auch Kinderarbeit, sprich: Mithilfe gefragt. Jedenfalls von mir und solange ich bei den Eltern gewohnt habe. Meine kleineren Br├╝der haben dagegen ihre jeweils eigenen Strategien entwickelt, der doch recht ungeliebten Hausarbeit zu entkommen. Bis heute. Aber dar├╝ber wird nicht geplauscht, jedenfalls nicht ├Âffentlich.

Doch irgendwann war jeder Samstagsputz erledigt und der Vater sch├╝rte den Badeofen an, ein gro├čes Trumm mit Wasserkessel oben und einer Feuerstelle darunter. War das Wasser im Kessel hei├č, konnte der erste von uns baden. In diesem Fall habe ich meine Stellung als ├älteste gnadenlos ausgenutzt. Wer von meinen Br├╝dern nach mir baden wollte, musste entweder warten, bis die n├Ąchste Kesself├╝llung hei├č war oder sich in mein bereits gebrauchtes Badewasser setzen.

Eine Badewanne, wie sie bei meiner Oma im Badezimmer stand. Heute mit Blumen bepflanzt.

Eine Badewanne, wie sie bei meiner Oma im Badezimmer stand. Heute mit Blumen bepflanzt.

Samstag wurde gebadet. Das konnte dauern: Ich erinnere mich daran, dass ich es mir als Jugendliche in der Badewanne durchaus kommod eingerichtet habe, mit Kofferradio und Buch. K├╝hlte das Wasser ab, lie├č ich hei├čes nachlaufen. Br├╝derlein konnte warten. Der Samstag war ein Tag, der einfach nie enden wollte, der alle M├Âglichkeiten barg und nichts erwartete. Irgendwann landeten wir meistens alle vor dem Fernseher, oft hatte ich dabei gleichzeitig ein Buch in der Hand. Manchmal ging der Vater dann an den Schrank, spendierte etwas zum Naschen, stellte Getr├Ąnke parat. Wir sa├čen in Schlafanzug und Bademantel, es kam irgendwas im Fernsehen, so belanglos, dass ich mich heute nicht mehr daran erinnern kann.

Waren wir Kinder mit Baden fertig, blieb das Wasser in der Wanne. Mindestens bis zum Ende meiner Grundschulzeit sch├Âpfte dann die Mutter das noch warme Wasser in die Bottichwaschmaschine und nutzte es zum W├Ąschewaschen. W├Ąhrend bei uns eine v├Âllig normale Wanne im Bad stand, eine wei├č-emaillierte, hatte Oma eine Wanne aus Zink, mit abgerundetem Ende f├╝r den Kopf und zum Anlehnen, nach unten hin schmaler werdend. F├╝├če brauchen schlie├člich weniger Platz.

Jetzt, im Nachdenken ├╝ber diese l├Ąngst vergangene Zeit, f├Ąllt mir auf, wie ruhig sie heute erscheint. Damals hat niemand hinterfragt, ob Hausputz oder Badetag wirklich am Samstag sein m├╝ssen oder nicht, das war halt so, das haben wir immer so gemacht, das wird so bleiben – doch so blieb es nicht, auch nicht bis in alle Ewigkeit. Irgendwann gab es eine Dusche, irgendwann war nur noch von Montag bis Freitag Schule, irgendwann zog ich aus und weg und habe die Eltern nur noch gelegentlich besucht.

Dass Samstags gebadet wurde, hie├č ├╝brigens nicht, dass wir den Rest der Woche dreckig ins Bett gingen. Wochentags kamen die Waschlappen am Waschbecken zum Einsatz. Haare wurden allerdings nur einmal w├Âchentlich gewaschen. Das hat gereicht.

Verbunden mit: Cafe Weltenall und dem Alltagsprojekt.

Verbunden mit: Andrea Karminrot und dem Samstagsplausch.

3 Gedanken zu „Samstag wird gebadet #Alltag

  1. Liebe Jaelle, da war dein Kindersamstagsalltag nicht verschieden von meinem! Gerade habe ich nachgeschaut, weil ich der Meinung gewesen bin, dass ich dazu auch mal einen Text geschrieben habe, aber ich fand nur dieses Bild bei mir, mit selbigem Titel: https://cafeweltenall.wordpress.com/2013/07/13/und-am-samstag-ist-badetag-and-saturday-is-bathing-day/
    Es gibt ein Buch von Christine N├Âstlinger, auch hier heisst es: am Samstag ist Badetag, in diesem Buch erinnert sie sich an allerhand, und eben auch an diese Samstage – ich habe sie in guter Erinnerung, wenn auch so mancher Samstagseintopf nicht mein Favorit gewesen ist, nur eins ist anders gewesen, mein Bruder war fleissiger als ich ­čśë und am Samstagnachmittag haben die Jungs aus der Siedlung Fussball gespielt, da war ich oft als Zuschauerin auf dem Platz, zumal ich unter der Woche gerne mit ihnen „trainiert“ habe, ich war eine wirklich gute Torw├Ąrtin, allerdings keine gute L├Ąuferin, so fand ich meinen Platz.
    Herzlichen Dank f├╝r deinen Beitrag, der mir viel Freude gemacht hat!
    Liebe Gr├╝sse
    Ulli

    • Ja, damals ├Ąhnelten sich die Alltage noch mehr als heutzutage, oder? Auf jeden Fall waren sie ruhig, langweilig und voraussehbar, fand ich damals. Jetzt h├Ątte ich diese Ruhe gerne wieder zur├╝ck, aber es ist wie es ist, vorbei ist vorbei.

  2. Ich wei├č das auch noch, dass wir Samstags Schule hatten. Bis die ├ľlkrise kam. Da wurde dann gespart und wir durften am Samstag zu Hause bleiben.
    Geputzt wurde am Samstag auch: meine Mutter ging putzen und ich durfte mit, wenn ich keine Schule hatte. Helfen mussten meine Schwester und ich auch. Allerdings kann ich mich nur noch an die Berge von Geschirr erinnern, die meine Schwester sp├╝lte und ich abtrocknen musste. In der Hauptschule hatten wir an den ungeraden Samstagen Schule also am 1. und 3. Samstag. Gab es einen 5. Samstag so hatten wir den im Wechsel frei. Und das alles ohne Whatsapp Gruppe ­čśë

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht ver├Âffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.