Versuchs mal mit: Gelassenheit – in die Alhambra

Irgendwie lĂ€uft in Spanien das Leben etwas langsamer und gelassener ab: Der Busfahrer, der zwar die Haltestelle bereits verlassen hat, aber noch vor der roten Ampel warten muss, macht die TĂŒr einfach noch einmal auf, damit eine Frau einsteigen kann, kassiert selbst dann in Ruhe das Fahrgeld ab und gibt den Fahrschein heraus, wĂ€hrend er langsam anfĂ€hrt.

Der Autofahrer hĂ€lt tatsĂ€chlich an und lĂ€sst den FußgĂ€nger am Überweg geruhsam vorbeigehen, er versucht weder, diesen anzutreiben, noch fĂ€hrt er schnell vorher ĂŒber den Zebrastreifen, da doch der FußgĂ€nger noch auf der Gegenfahrbahn ist.

Die Putzfrau im Busbahnhof, die mit ihrem breiten Besen alle Papierchen und KrĂŒmel aus den Ecken und unter den BĂ€nken hervorholt und auf einem Haufen zusammenfegt, lĂ€sst diesen einfach liegen, weil jemand sie nach etwas fragt. Die Passanten stiefelten ĂŒbrigens alle ausnahmslos drumherum, kein einziger lief mitten durch den Dreck. Bis sie wiederkam und weiterfegte.

Auch der Mann, der in Cordoba im Park saß, rauchte seine Zigarre so genĂŒĂŸlich und langsam, als ob es nichts anderes gĂ€be.

Warum kann es diese Gelassenheit nicht auch bei uns geben? Wir kommen schließlich nicht schneller irgendwo an, wenn wir ungeduldig sind.

Überhaupt ist diese selbstverstĂ€ndliche Freundlichkeit so schön, dass ich sie gerne immer um mich herum hĂ€tte. Mal sehen. Klar, ich könnte auch ĂŒber Kakerlaken, kleine Ameisen und Neppereien schreiben. Will ich aber nicht. Ich möchte diesen Urlaub genießen, und nicht die MĂ€ngel und den Dreck und wasweißich finden.

Granada.

Granada: Morgenhimmel ĂŒber der Alhambra.

Das GlĂŒck war heute morgen auch an unserer Seite: Da wir noch keine Karten fĂŒr die Alhambra hatten – sie ist bis Oktober ausgebucht – gingen wir auf Empfehlung bereits in der Dunkelheit los. Zwischen hohen Mauern ging es bergauf, und als wir am Eingang ankamen, wo die Tickets verkauft wurden, dĂ€mmerte langsam der Morgen und wir reihten uns in die Schlange ein, die sich bereits dort befand.

Als nach einer ganzen Weile die Ticketschalter öffneten, wurde die Schlange schnell kĂŒrzer, die Menschen rĂŒckten nĂ€her zusammen.

Es dauerte. Auf der Anzeige wurden die noch verfĂŒgbaren Tickets angezĂ€hlt. ZunĂ€chst waren wir sehr optimistisch, doch je niedriger die Zahlen wurden, desto spannender wurde es. Noch 102 Tickets fĂŒr den Nachmittag, noch 68, und immer ließ der bewaffnete WĂ€chter lediglich ein oder zwei Wartende aus unserer Schlange an den Schalter. Es gab keine 40 Karten mehr, als wir endlich unsere Tickets kaufen durften. Hurra! Von 14 bis 20 Uhr, sechs Stunden lang, dĂŒrfen wir gleich nachher in die Alhambra.

Granada

Granada: Eingang zur Alhambra durch das Puerta del vino

 

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