Kiss me, Kate…

Im Vorbeigehen sahen wir vor einigen Wochen, dass im NĂŒrnberger Theater „Kiss me, Kate“ aufgefĂŒhrt wird und haben uns Karten besorgt. Es gab nur noch einzelne SitzplĂ€tze, wir bekamen trotzdem noch zwei nebeneinander, in der letzten Reihe. Das hat solange nicht gestört, bis der Vordermann vor mir Platz nahm. Ähem. Der Sitzriese ragte einen Kopf ĂŒber die anderen Köpfe hinaus. Prima. Ich sah mich schon die Vorstellung im Stehen verfolgen, wie gesagt, wir saßen ja in der letzten Reihe. Da kann ich auch aufstehen, ohne dass ich befĂŒrchten muss, dass hinter mir jemand sitzt, dem ich die Sicht nehme.

Kurz vor Beginn der Vorstellung fragte der Mitbewohner nach, ob denn zwei andere PlÀtze noch frei blieben, der Platzanweiser guckte nach und meinte, wir könnten gerne wechseln. Dort war die Sicht dann tatsÀchlich frei.

Kiss me, Kate. WĂ€hrend sie „Der Widerspenstigen ZĂ€hmung“ von Shakespeare auf der BĂŒhne auffĂŒhren, zoffen sich die beiden Hauptdarsteller auch hinter der BĂŒhne. In Shakespeares StĂŒck balgen sich die heiratswilligen MĂ€nner um die jĂŒngere Tochter des Kaufmanns Batista. Doch dieser will erst seine Ă€ltere Tochter Katharina verheiraten, die, widerborstig und spitzzĂŒngig, als Teufelin bei den MĂ€nnern verschrien ist. Doch sie will selbst ĂŒber sich bestimmen – und hat die MĂ€nner lĂ€ngst durchschaut. Da sie jedoch von niemandem verstanden wird, sehen die anderen sie nur als boshaftes Weibsbild, die nicht zu zĂ€hmen ist.

Staatstheater in NĂŒrnberg

Dann taucht Petruchio auf, ohne Geld, aber bereit, sie zu heiraten – und wenn sie hĂ€sslich wĂ€re. Petruchio ist ein solcher Macho, dass sich Katharina eigentlich gegen ihn wehren mĂŒsste. Er lĂ€sst sie hungern, verprĂŒgelt sie so, dass sie nicht mehr sitzen kann und zeigt ihr doch nur, wie hart sie geworden ist bei ihrem Kampf um die Selbstbestimmung.

In der Rahmenhandlung sind die beiden Hauptdarsteller eigentlich seit einem Jahr voneinander geschieden – und können doch nicht voneinander lassen. Als zwei zwielichtige Gestalten Geld von Fred haben wollen und ihn mit der Pistole bedrohen, schickt er sie zu Lilli, die gerade dabei ist, ihre Sachen zu packen. Doch ohne diese kann das StĂŒck nicht aufgefĂŒhrt werden, gibt es kein Geld. Mit vorgehaltener Pistole muss Lilli auf die BĂŒhne, wird dort als Katharina von ihrem geschiedenen Ehemann verprĂŒgelt. Schließlich gibt dieser den Petruchio.

Zum Schluss sind beide versöhnt: Katharina und Petruchio im TheaterstĂŒck, Fred und Lilli hinter der BĂŒhne. KĂŒss mich, Kati, ab ins Bett!

Katharina sagt dem Mann den Kampf an – sie hat ihn durchschaut: Dass sie sich dann trotzdem von ihm bezwingen lĂ€sst, das ist eines dieser RĂ€tsel dieser Welt. Sicher, er ist ihr in vielen Dingen ebenbĂŒrtig. Und sicher ist auch dass dieser Machismo fĂŒr viele Frauen wenigstens in der Fantasie attraktiv scheint. Oder warum wurde „Shades of Grey“ so oft verkauft?

Die AuffĂŒhrung gefiel mir jedenfalls sehr gut, rasant und raffiniert, wie sie war. Vielleicht sollte ich mir demnĂ€chst mal das Original ansehen, „Der Widerspenstigen ZĂ€hmung“, ob das Frauenbild darin nun eher fortschrittlich oder rĂŒckstĂ€ndig ist. Wobei: Wenn alles friedlich und gesittet zuginge, wĂ€re ja der ganze Spaß im Theater nicht mehr. Nur: Wer sich heute in Natura immer noch so benimmt, macht sich damit bestimmt keine Freunde.

Ein Gedanke zu „Kiss me, Kate…

  1. …das heutige Frauenbild!? Gibt es das?? Eher mutet ein erschreckender RĂŒckfall in die Patriarchie an.

    „Kiss me Kate“ ist sicher immer wieder schön anzusehen. Auch außerhalb von Shakespeare Jubeljahren. Wenn’s gut inszeniert ist. Und das scheint ja der gewesen zu sein.

    Mit sonnigen GrĂŒĂŸen, Heidrun

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