Maja Lunde: Die Geschichte der Bienen

„Leise summt der FrĂŒhling“ titelte die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung an dem Tag, an dem ich mit der LektĂŒre von Maja Lundes „Geschichte der Bienen“ begann. Die Zahl der Insekten ist zurĂŒckgegangen, heißt es in dem Bericht. Das gilt nicht nur fĂŒr Bienen, sondern auch fĂŒr Schmetterlinge, Fliegen, KĂ€fer und Hummeln.

Die „Geschichte der Bienen“ von Maja Lunde beginnt damit, dass es 2098, in etwa achtzig Jahren, in China keine Bienen mehr gibt. Menschen klettern auf den BĂ€umen herum und bestĂ€uben in mĂŒhevoller Kleinarbeit die BlĂŒten. Eine von diesen Arbeiterinnen ist Tao, die gemeinsam mit ihrem Mann Kuan einen kleinen Sohn hat, Wei-Wen. Jeden Abend bleibt ihr nur eine Stunde, die sie mit ihrem Sohn verbringen kann und in der sie versucht, ihm etwas beizubringen. Sie wĂŒnscht ihm eine bessere Zukunft. Leider dauert es nicht lange, da geschieht etwas Mysteriöses mit Wei-Wen und er verschwindet.

Die zweite Geschichte spielt in England, 1852. William, Biologe und achtfacher Vater, liegt in seinem Bett und leidet. Mit seiner Forschung erntet er keine Anerkennung, immer war schon jemand vor ihm da. Sein einziger Sohn, auf den er seine ganze Hoffnung gesetzt hatte, ist eine einzige EnttĂ€uschung, die Klugheit seiner Tochter Charlotte nimmt er dafĂŒr nicht wahr. William ist besessen von den Bienen und von seiner Idee, fĂŒr diese den perfekten Bienenstock zu bauen.

Eine dritte Geschichte ist 2007 in Ohio angesiedelt: In dieser ist Imker George die Hauptperson. Er lĂ€dt seine Bienen in KĂ€sten auf und zieht mit ihnen von Ort zu Ort, immer dorthin, wo es etwas zu bestĂ€uben gilt. Erst hört er von anderen, die ihre Bienen verlieren, dann trifft es ihn selbst. Dabei soll doch sein Sohn Tom den Hof und die Bienen ĂŒbernehmen. Doch dieser studiert und hat andere PlĂ€ne.

In diesen drei miteinander verwobenen Geschichten – deren genauen Zusammenhang Maja Lunde erst am Ende des Buches verrĂ€t – erzĂ€hlt die Autorin liebevoll und genau von dem, was sich zwischen den Menschen in Familien so abspielt, von den großen und kleinen Dramen des Lebens. Sie erzĂ€hlt von den Beziehungen, die Eltern zu ihren Kindern haben und davon, was sich Eltern fĂŒr ihre Kinder wĂŒnschen. Das stimmt allerdings nicht immer mit dem ĂŒberein, was die Kinder selbst wollen. Aber so ist der Lauf des Lebens.

WĂ€hrend es in England und Amerika grĂ¶ĂŸtenteils um die Beziehung der VĂ€ter zu ihren Söhnen geht, um deren Sprachlosigkeiten und Erwartungen, ist es in China die Frau, Tao, die nicht resigniert, sondern sich auf die Suche nach ihrem verschwundenen Sohn macht.

Eine klare Empfehlung fĂŒr dieses wirklich sehr lesenswerte Buch.

5 Gedanken zu „Maja Lunde: Die Geschichte der Bienen

  1. Schon ein Thema. Die Bienen. Und die Eltern-Kind-Beziehungen. Interessante Verquickung! Und ein Tipp fĂŒr das Lesen im Gartenliegestuhl.

  2. Das Buch habe ich jetzt schin zwei Mal verschenkt, weil mich der Klappentext schon so gefesselt hat.
    Nach dieser wunderbaren Vorstellung muß ich es nur noch selbst lesen 🙂
    Herzliche GrĂŒĂŸe
    Suse

  3. Da habe ich diesen Blog gerade zufĂ€llig ĂŒber die Blogparade von AnWolf gefunden und scroll so ein wenig neugierig durch die BeitrĂ€ge und finde neben sĂŒssen Katzen, diese Buchbesprechung.
    Ich habe dieses Buch vor Kurzem bei http://www.vorablesen.de gefunden, gewonnen und rezensiert. Ist wirklich gelungen und macht auf unterhaltsame Wesie auch auf ein wirklich aktuelles Problem aufmerksam.
    Da eine Freundin eine kleine Hobbyimkerei hat (3 Völker) werde ich Ihr dieses Buch schenken.

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