Osterspaziergang durch den Bamberger Hain

Mitten im B√§rlauchfeld, zwischen den noch unbelaubten B√§umen rezitiert Martin Neubauer Uhlands Fr√ľhlingsglaube: „Nun muss sich alles wenden!“, griff seinen Osterhasen aus Pappmache mit einer Hand bei den Ohren, nahm den Korb in die andere und zog los, zum literarischen Osterspaziergang. Im Hintergrund trommelten die Spechte ein fr√∂hliches Stakkato. W√§hrend Verse von der Auferstehung k√ľndeten, scharrte der Hund einer Zuh√∂rerin unter dem Baum. Lag dort jemand?

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Auf zum Osterspaziergang in den Bamberger Hain.

Der Duft nach frischer Seife √ľberdeckte gelegentlich den ersten Fr√ľhlingshauch auf dem Weg zum Brunnen, vor dem Neubauer Verse eines zun√§chst nicht namentlich genannten Dichters vortrug, doch Bertold Brecht h√§tte wohl niemand der Anwesenden vermutet. Auf Betonstelzen querte die Stra√üe den Park, eine Frau tippte mir auf die Schulter: Ob ich Dichter und alles notiert? Nein, ich hatte nicht alles notiert. Nur das, was mir gerade durch den Kopf ging.

Tucholsky lie√ü den Osterhasen krakeelen wie ein Huhn, w√§hrend er die Eier legt, und – welch √úberraschung – selbst der Hase aus Pappmache hatte zwei kleine Schokoeier produziert. √úber blauen Sternchenblumen auf dem Boden erklang ein Gedicht √ľber das gr√ľne Wunder im Hain und passend zur noch nicht ergr√ľntenTrauerweide auf dem Inselchen im Hainweiher waren die Verse von Neubauer gew√§hlt.

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Die Osterspaziergänger

Auf einem au√üerplanm√§√üigen Halt rezitiert Martin Neubauer Verse √ľber Schneegl√∂ckchen, die noch – wohl des kalten Wetters wegen – immer noch im Laub klingelten. Es gibt so viele sch√∂ne Gedichte, dass ich mich frage, wie haben es die Lehrer in der Schule nur geschafft, sie mir so zu vermiesen. Es galt: Auswendiglernen. Vor den Mitsch√ľlern vortragen. Nicht zu engagiert (das h√§tte nur Spott provoziert) und nicht zu gelangweilt (das verschlechtert den Eindruck beim Lehrer – und die Note). Es galt: Interpretieren. Was wollte uns der Dichter mit diesen Versen sagen. (Vielmehr: Was wollte der Lehrer h√∂ren, was der Dichter… )

Der literarische Osterspaziergang, bei dem es durchaus nicht nur Gedichte auf die Ohren gab, war da erfrischend anders. Und ja, ich w√ľrde jetzt die Gedichte gerne einmal nachlesen, habe es aber tats√§chlich vers√§umt, Titel und Autor zu notieren. Beim n√§chsten Mal, vielleicht.

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