Waukawysk

Endlich ist ein Rätsel gelöst: In den Briefen meines Großvaters ist von einer Stadt die Rede, er nennt sie allerdings nicht mit ihrem vollen Namen, sondern kürzt sie mit „W“ ab. Die Ortsangabe beim Datum vom Juni 1941 lautet „Osten“, sie sind mit dem Zug zwei Tage lang nach Osten gefahren, ausgestiegen und quartieren irgendwo in einem Wald, es ist sandig, es ist heiß und weil sie von Mücken geplagt werden, ist nicht an ein Sonnenbad zu denken.

Er nutzte im Juni zweimal die Gelegenheit, nach W. zu fahren und berichtet davon, erzählt von einem kaputten Bahnhof, einem Ghetto und einer Straßenbahn. Viel mehr verrät er nicht. Aber diese kleinen Hinweise haben ausgereicht, dass die Stadt identifiziert werden konnte. Danke, Micha. Allerdings gehören viele Ortschaften, die damals polnisch waren, seit langem zu Weißrussland. Und genau hier liegt Waukawysk, das damals noch Wolkowisk hieß, nur rund 40 Kilometer von der heutigen polnischen Grenze entfernt.

Im Jahr darauf, 1942, mussten die Wiener Juden auf dem Bahnhof in Wolkowisk aus den Personenzügen aus- und in Viehwaggons einsteigen. Dann ging die Fahrt weiter, nach Maly Trostinec, einem Vernichtungslager bei Minsk.

Zu dieser Zeit war der Großvater aber längst anderswo unterwegs.

Link: Hier liegt Waukawysk.

Vielleicht eine Friedenstaube, aber ganz sicher in Moskau.

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