Der Duft der Weite

Wie sch├Ân w├Ąre es, wenn Bilder mit D├╝ften versehen werden k├Ânnten. Dann k├Ânnte jeder den warmen Duft nach frischer Pfefferminze riechen, die hier auf den weiten Feldern rund um Vestenbergsgreuth w├Ąchst.

12 479

Pfefferminzfeld.

Jeder Schritt unter der gluthei├čen Sonne wirbelt winzige Staubk├Ârnchen auf, die sich wie ein leichter Pelz auf die Zunge legen und erinnert an die Kindheit, die M├Ąrsche in der Sonne bis zum Schwimmbad, die so endlos schienen und die doch irgendwann mit einem Sprung in das nach Chlor riechende Wasser endeten, mit viel Gekreisch, spritzendem Wasser und den verzweifelten Versuchen, das Wasser wieder aus den Ohren zu kriegen.

12 482

Himmelsblau. Endlos.

Der blaue Himmel spannt sich weit bis zum Horizont, nur ein paar flusige Wolken halten sich noch. Die Lerchen steigen hoch, bis sie nur noch als kleine, flatternde P├╝nktchen ├╝ber den Feldern h├Ąngen und mit ihrem Zwitschern an die schrillen T├Âne erinnern, die das R├Âhrenradio beim Suchen der fernen Sender von sich gab: Wo liegen eigentlich solch magische Orte wie Hilversum, Stavanger oder Limoges, die so weit weg waren, dass sie sich nur als fernes Rauschen bemerkbar machten? Die Kalksteinschotterwege werden von immer neuen Glutwellen geflutet, bis sich die K├╝hle der B├Ąume im Wald ├╝ber den Wanderer neigt.

Unter den B├Ąumen duftet es nach Tannenharz, nach gr├╝nem Latschenkiefernbad und mittendrin liegt ein Stein am Weg, gefleckt mitsieben blanken Schildern aus nichtrostendem Aluminium. Auf jedem Schild ein Name, ein Alter, eine Funktion: Hier st├╝rzte eine getroffene Halifax zwischen die B├Ąume, nachdem sie in der Nacht vom 27. auf den 28. August 1943 in N├╝rnberg getroffen wurde. In dieser Nacht transportierten die Flieger von England aus insgesamt 850 Tonnen Sprengbomben und 850 Tonnen Brandbomben nach N├╝rnberg und entluden sie ├╝ber der Stadt und Umgebung.

12 497

Gedenkstein.

Warum warteten die sieben jungen Menschen, bis ihr Flugzeug am Boden zerschellte? Ein Mann aus dem nahe gelegenen Fetzelshofen, der sich darum k├╝mmerte, dass hier jetzt ein Denkmal mahnt, erinnerte sich daran, dass die Maschine dicht ├╝ber den B├Ąumen langsam flog. Vielleicht war es trotzdem besser so: Schlie├člich gibt es auch Berichte, nach denen die ├╝berlebenden Piloten und Flugzeuginsassen nach dem Absturz nicht versorgt und gerettet, sondern gelyncht wurden. Sie waren ja Feinde.

12 503

Hier ist nichts mehr, aber hier war mal eine Siedlung.

12 502Ein gro├čer Baum steht in der Sonne, mitten im hohen Gras, zwischen mehreren Weihern in denen – wie in anderen Weihern auch – das Fr├Âschequaken zu Hause ist. Hier, irgendwo, standen einst H├Ąuser und sogar ein Schloss. Davon ist nichts mehr zu sehen. Eine Tafel erinnert noch daran, erz├Ąhlt, wie die Geb├Ąude verkauft und anschlie├čend Stein f├╝r Stein abgebrochen wurden. Damals, als Bauschutt noch kein Sonderm├╝ll war, sondern als willkommenes Baumaterial f├╝r den Bau neuer H├Ąuser verwendet wurde. Schlie├člich waren die Steine bereits fertig behauen und konnten wieder aufeinander geschichtet als Fundament dienen.

 

Ich verlinke den Beitrag mit dem Schwarzwei├čblick bei der netten Frauke nebenan┬á┬á

und bei Black & White bei Czoczo.

 

16 Gedanken zu „Der Duft der Weite

  1. Liebe Jaelle,
    von Pfefferminzfeldern habe ich noch nie geh├Ârt, das sieht wirklich beeindruckend aus und ich meine fast, die Minze schwebt zu mir her├╝ber. ­čśë
    Liebe Gr├╝├če
    moni

  2. Ich hatte auch sofort den Pfefferminzduft in der Nase … und wenn ich nicht aufpasse ist unser Freilichtatelier bald ein Pfefferminzfeld. Ich glaube wir werden so langsam vom ca. sechs Sorten umringt … ich h├Ątte ja nie gedacht, dass das stimmt, dass sich Minze so ausbreitet wenn sie sich wohlf├╝hlt. ­čÖé
    LG
    Aqually

    • Deswegen steckt die Minze in botanischen G├Ąrten immer in solchen gro├čen Plastikk├╝beln: So kann sie sich nicht unterirdisch in s├Ąmtlichen anderen Beeten breit machen. ­čÖé

  3. Was f├╝r ein interessanter Post. Tolle Bilder – so ein grosses Pfefferminzfeld hab ich ja noch nie gesehen. Riecht sicher wunderbar beim vorbei laufen. Aus welcher Distanz kann man den Minzeduft schon riechen?
    Liebe Gr├╝sse
    Barbara

    • Das kann ich gar nicht so genau sagen: Wir haben ziemlich dicht daran geparkt, dort hat schon alles nach Pfefferminze geduftet. Sp├Ąter wurde das Pfefferminzfeld von einem Zitronenmelissefeld abgel├Âst – das duftete auch, nur ein wenig anders ­čśë

  4. Ich mag den Duft von Pfefferminz sehr! So ein Feld habe ich bisher noch nie gesehen. Prima, dass du es zeigst!

    Liebe Gr├╝├če ­čÖé

  5. Liebe Jaelle,
    Ich hab auch noch nie von Pfefferminzfeldern geh├Ârt, geschweige gesehen..
    Aber dieses Foto ist beeindruckend..Es vermittelt Ferne fast endlos…
    Macht sich auch sehr gut in S/W.
    Und danke f├╝r die Info.
    Liebe Gr├╝sse
    Elke

Schreibe einen Kommentar zu Gedankenkruemel Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht ver├Âffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.