Leb wohl, kleines Haus

Hier in Franken gibt es nicht sehr viele alte HÀuser, jedenfalls nicht in den Ortschaften, in denen Wachstum angesagt ist. Schon in den sechziger und siebziger Jahren wurden die relativ kleinen typisch frÀnkischen FachwerkhÀuser durch brÀsige doppelstöckige WohnhÀuser ersetzt.

Ein kleines Fachwerkhaus in Franken

Eines dieser kleinen HĂ€user steht noch herum Guckt man es von hinten an, wird klar, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis das HĂ€uschen endgĂŒltig Geschichte ist.

Kleines Fachwerkhaus von hinten gesehen

Der Besitzer hat einen Antrag auf Abriss gestellt. Zwar steht das kleine Haus unter Denkmalschutz, aber das nutzt ihm jetzt auch nichts mehr. Auf dem Wohnhaus liegen lĂ€ngst kaum noch Ziegel, statt dessen sind Folien auf die Sparren genagelt. Hinten war frĂŒher der Stall. Seit zwanzig Jahren steht das Haus jetzt ungenutzt und kalt, die Eltern wollten damals den Stall abreißen, bekamen aber keine Genehmigung dafĂŒr, erzĂ€hlt der Hausbesitzer. Das hĂ€tte ja auch den Charakter völlig verĂ€ndert, wies der BĂŒrgermeister darauf hin, dass hinter einem solchen kleinen Fachwerkhaus ein moderner – und grĂ¶ĂŸerer – Anbau unpassend gewesen wĂ€re.

Bald wird hier ein neues Haus stehen. Eines, das Toscana-Haus heißt, obwohl es in der Toskana solche HĂ€user nicht gibt. Oder eines, das mit seinem Pultdach so viele Sonnenstrahlen wie möglich einfangen soll. Nur das kleine Fachwerkhaus, das ist weg.

Noch ein altes HĂ€uschen, das es bald nicht mehr gibt.

Hier war der BĂŒrgermeister vor kurzem zu Besuch und hat der 90jĂ€hrigen Oma zum Geburtstag gratuliert. Der Enkel jedoch hatte bei der Gemeinde schon den Abriss beantragt. FĂŒr ihn sei das alte Haus viel zu klein.

So ist das. Hier in Franken werden HĂ€user abgerissen, weil sie zu alt, zu klein oder nicht mehr modern genug sind. Renovieren? Umbauen? Ausbauen? Alles Unfug. Mit solchem Kleinkram gibt sich doch hier niemand ab.

 

24 Gedanken zu „Leb wohl, kleines Haus

  1. Zuerst einmal einen herzlichen Gruß von einen Franken an die FrĂ€nkin.

    Sehr schön dokumentiert. Man braucht nur Zeit dann erledigt sich das Thema DenkmalgeschĂŒtzt und Abriss von selbst. :-/
    Ja man muß mittlerweile schon genau wissen wo noch alte bzw. FachwerkhĂ€user stehen. Ich merke mir ja die Orte, um dann irgendwann zurĂŒckzukehren um sie fotografisch festzuhalten. Im Moment gibt es davon auf meinen Blog nur ein paar wenige aber ich bin und bleibe dran.

    • Ich bin ja keine echte FrĂ€nkin ;-), nur zugezogen.
      Ich hab neulich mit einer Malerin gesprochen, die viel in Franken malt. Die hat mir auch erzÀhlt, dass sie bereits etliche FachwerkhÀuser gemalt hat, die es inzwischen nicht mehr gibt.

  2. Schade um solch ein altes Fachwerkhaus. Ich kenne genug Beispiele, wo noch viel Ă€ltere HĂ€user in jahrelanger Arbeit restauriert wurden und richtige SchmuckstĂŒcke geworden sind, auch von innen. Liebe GrĂŒĂŸe Edith

  3. ja es ist wirklich Traurig wen die Alte HĂ€user immer öfter verschwinden . Die schenken jedem Ort eine Geschichte die man anfassen und erleben kann . Leider heutige Besitzer immer öfter entscheiden sich auf moderne neubau als Altes Restaurieren …so langsam unsere ortschaften verlieren ein charme die man mit keinem neubau erreichen kann .
    Wunderschöne Beitrag !

  4. Ich weiss nicht was ich sagen soll, auser das es mich sehr traurig macht, das solche
    feinen alten HĂ€user verschwinden und diese „fantasielosen“ sie ersetzen.
    Schon diese Bezeihnung Toscana-HĂ€user
die es garnicht gibt. Ich frage mich was die Architekten damit bezwecken, sie so zu nennen…Oder die KĂ€ufer sich einbilden wie wĂ€ren in der Toscana…

    Lieben Gruss,Elke

    • Ja, das scheint wie bei der Margarine zu sein, die ein glĂŒckliches Familienleben verspricht. So verspricht der Name eines seelenlosen Hauses, es sei so schön wie im SĂŒden. Ist es aber nicht…
      Viele GrĂŒĂŸe
      Jaelle Katz

  5. Oh, eine sehr schöne (Front-) Aufnahme. Es ist so schade, wenn solche FachwerkhĂ€user verschwinden. Etwas schockierend ist aber dann doch die RĂŒckseite der Medaille! Du hast hiermit ein wertvolles Zeiteschehen festgehalten.
    LG Esther

    • Ja, das ist hier ĂŒblich. Statt ein Haus – egal wie alt – zu sanieren und ein wenig zu ertĂŒchtigen, wird es weggeschoben. Wie das auch fĂŒr das zweite kleine Haus geplant ist.

  6. Ja, schade, wenigstens die Fassade hĂ€tte ĂŒberleben können. Aus meiner Heimatstadt Ingolstadt kannte ich das gar nicht, in meiner neuen Heimat (damals zuerst) Wetzlar (spĂ€ter Aßlar) hat man zumindest in der Altstadt extrem viele FachwerkhĂ€user erhalten und saniert.

    • Ich fĂŒrchte, das hĂ€tte schon ein wenig putzig ausgesehen. Das, was das kleine Haus ersetzen wird, wird schon viel grĂ¶ĂŸer, nehme ich mal an. Klein können die hier gar nicht. Mir fĂ€llt es auch immer auf, wenn ich bei meinen Eltern zu Besuch sind: Dort sind die EinfamilienhĂ€user so groß, wie hier manche Garagen.

    • Nein, es ist vor allen Dingen Arbeit und kostet Geld und MĂŒhe. DafĂŒr belohnt dich so ein altes Haus aber mit vielen anderen Dingen, die du von einem neuen Haus nicht so kriegen kannst.

  7. Es ist frustrierend zu sehen, wie Menschen HĂ€user verfallen lasen. Aus Desinteresse oder wirtschaftlichem KalkĂŒl, um spĂ€ter eine Abrissgenehmigung zu erhalten beispielsweise.
    Ich habe die letzten Jahre in einem 200 Jahre alten Ziegelhaus gelebt und finde bei allem Ärger und aller Arbeit die so ein Haus braucht, ist es einfach toll zum wohnen.

    Das Ferienhaus meiner Patentante ist genau so was wie in deinem Beitrag: ein kleines, altes Haus. Es ist verwinkelt und hat bis auf die mehreren Öfen keine Heizmöglichkeit. Aber es ist gemĂŒtlich! Aber zum dauerhaften Wohnen wĂ€re es – glaube ich – fĂŒr eine grĂ¶ĂŸere Familie platzmĂ€ĂŸig nicht geeignet.

    Liebe GrĂŒĂŸe
    Jakob

    • Ja, dann hĂ€tte vielleicht ein kleiner Anbau Wunder gewirkt. Aber irgendwie ist das mit den alten HĂ€usern hier so ĂŒblich. Manchmal steht noch das kleine, ursprĂŒngliche Haus auf dem Hof, die Gardinen sind noch dran, aber die Fenster blind. Dahinter steht klotzig das neue Haus. So dicht daran, ohne Hof und Garten lĂ€sst sich das alte kleine Haus dann auch nicht verkaufen…

  8. Liebe Jaelle Katz,
    man könnte weinen, wenn man zusehen muss, wie alles Originale von frĂŒher einfach abgerissen und durch „moderne“ Bauten ersetzt wird.
    Gerade FachwerkhĂ€user sind zwar eine Herausforderung fĂŒr jeden Bauherrn (auch finanzielle) aber es lohnt sich doch immer wieder!
    Gut ist, dass Du es fĂŒr die „kleine Ewigkeit“ festgehalten hast.
    Lieben Gruß
    moni

    • Ich stelle immer wieder fest, dass HĂ€user in den Gebieten, in denen die Menschen mehr Geld haben, schneller abgerissen und durch neue ersetzt werden, als in anderen.
      Viele GrĂŒĂŸe
      Jaelle

  9. Es ist Schade, dass viele keinen Wert auf die schönen alten Dinge legen.
    Auch hier in Berlin gibt es HĂ€user die totgestellt werden, damit man sie am Ende abreißen kann. In den Achtzigern hatten wir genau aus diesem Grund die Hausbesetzerszene. wĂŒrde sich in den kleinen Orten in Franken bestimmt gut machen, so ein paar Punker…
    Liebe GrĂŒĂŸe
    Andrea

    • Ich glaube, Punker fĂŒhlen sich nur in großstĂ€dtischen Milieus wohl. Oder? FĂŒr die wĂ€re Franken bestimmt viel zu sehr spießige Provinz…

  10. Ach vielen Dank fĂŒr diesen schönen Beitrag zum PassĂ©. Ja es ist schade das man nicht einfach renovieren oder umbauen könnte, so wĂŒrde wenigstens der Charme erhalten bleiben.
    Liebe GrĂŒĂŸe
    Kirsi

  11. Ja, es ist schade darum! Zum GlĂŒck wurden hier im Nordost-Harz diese SĂŒnden nicht in dem Masze begangen – ich wohne selbst in einem alten Fachwerkhaus und es gibt hier noch ganz viele.
    Leider sind nicht alle jetzt noch zu retten, in der DDR gab es kein Baumaterial und nix, folglich wurde auch nichts saniert, es wurde genutzt, wie es eben ging, verwohnt sozusagen… und spĂ€ter standen sie leer, viele bis heute (in Osterwieck z.B.) und die sehen inzwischen auch so aus.
    Aber ich liebe mein Haus mit seinen schiefen LehmwĂ€nden, trotz aller Probleme, die ich damit natĂŒrklich auch habe…
    SchneeglitzergrĂŒsze sendet Dir
    Mascha

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