Die Ordnung und das liebe Kind

franken 543

Ordnung und Kinder – das scheint so unvertrĂ€glich wie: Katzen und „An der Leine gehen“

Kinder zu erziehen ist ohnehin zwecklos, weil sie den Eltern alles nachmachen (Erich KĂ€stner)

Ordnung. Ach ja. Da war noch was. Da ist etwas, ĂŒber das ich jeden Tag stolpere, mal mehr, mal weniger. Was die Lieblingshausziege dazu bewegt, die Schultasche exakt in der TĂŒröffnung zu platzieren, das weiß ich nicht. Aber eines weiß ich: ich will um mich herum einigermaßen Ordnung haben. Dazu hat auch der Teenie etwas beizutragen. Das gilt besonders in den RĂ€umen, in denen sich alle gemeinsam aufhalten, logisch. Weil die Lieblingshausziege ein Gesellschaftstierchen ist, ist sie auch genau dort. Das ist in den meisten FĂ€llen in der KĂŒche, oder im Wohnzimmer. Dort wird gelesen, gemalt, genĂ€ht, gechattet, geschwĂ€tzt, gespielt, was auch immer.
Es ist weder in der KĂŒche, noch im Wohnzimmer so wirklich ordentlich, es liegt ĂŒberall etwas herum, aber das ist normal. Ich werde sauer, wenn ich merke, dass ich offensichtlich die einzige bin, die Dinge wieder dorthin rĂ€umt, wo sie ihren eigentlichen Platz gefunden haben. Oder vielmehr: Wo ich fand, dass sie dort gut und griffbereit untergebracht sind. Wenn ich am Morgen, sobald sich die Lieblingshausziege fertig geputzt hat und auf dem Weg in die Schule ist, erst noch ihre Kaffeetasse in die SpĂŒlmaschine rĂ€umen, ihren leeren Joghurtbecher in den MĂŒllsack und ihre HaarbĂŒrste vom KĂŒchentisch zurĂŒck ins Bad rĂ€umen muss, dann nervt das schon. Dann soll sie einfach weniger Zeit vor dem Spiegel verbringen, dann ist das auch ohne weiteres zu schaffen. Aber das ist ein anderes Thema.
Jedenfalls gibt es genĂŒgend AnlĂ€sse, dass ich das Zimmer der Lieblingshausziege betrete: Ich rĂ€ume die gebĂŒgelte WĂ€sche, nein, nicht in den Schrank, das darf sie selber machen, aber in ihr Zimmer. Ich gucke nach, ob die armen Topfblumen auf dem Fenster mit etwas Wasser noch zu retten sind, oder ob ich sie lieber auf dem Kompost begraben sollte. Dabei sammle ich auch noch die HandtĂŒcher ein, hĂ€nge sie zurĂŒck ins Bad.
Sicher. Das wĂ€re eigentlich die Aufgabe der Lieblingshausziege, das ist mir schon klar. Manchmal gucke ich auch im Zimmer nach, ob noch WĂ€sche herumliegt, die ich dann mit der anderen WĂ€sche in den Keller bringe, damit sie gewaschen wird. Ich mache das ja nicht, um die Lieblingshausziege zu Ă€rgern, sondern eigentlich, weil ich sie schon ganz gerne mag und somit möchte, dass sie sich in ihrem Zimmer wohl fĂŒhlen kann.
Das war es aber auch. Mehr als das rĂ€ume ich nicht auf. Sieht der Fußboden des Zimmer so aus, als könne sich nur noch ein StelzenlĂ€ufer mit zwei Quadratzentimeter AuftrittsflĂ€che zwischen den Dingen bewegen, dann reicht es. Dann kriegt die Lieblingshausziege eine klare, deutliche und völlig unmissverstĂ€ndliche Ansage: RĂ€um Dein Zimmer auf!
Der Witz dabei ist ja, dass sie ĂŒberhaupt nicht lange braucht, bis das Zimmer ordentlich ist. Warum, zum Kuckuck, kann das nicht auch so bleiben? Aber nein, Unordnung ist der Normalzustand und Ordnung eine seltene Ausnahme.
Als echte Lieblingshausziege meckert sie ja darĂŒber, dass ich mich in ihrem Zimmer einmische. Das wĂ€re doch ganz alleine ihre Sache und dort könne sie Ordnung und Unordnung halten, wie sie wolle. Ich könne ja die TĂŒr von außen zumachen.
Warum will ich eigentlich, dass sie in ihrem Zimmer Ordnung hÀlt?
Das ist ganz einfach: Ich gehöre selber zur Gattung der Streuobstwiesen und lasse meine Dinge auch gerne irgendwo liegen. Das weiß ich und bin im Moment bei der ZĂ€hmung von Max, meinem inneren Schweinehund. Doch es geht bei der Ordnung um mehr, als nur darum, dass die Dinge irgendwo liegen und einsortiert sind, statt auf dem Fußboden herumzuliegen. Ich möchte mich wohlfĂŒhlen. DafĂŒr muss es nicht perfekt ordentlich sein, aber ein wenig schon. Und weil sich das Zimmer der Lieblingshausziege in meiner Wohnung befindet, ich das Kind gerne mag und auch möchte, dass es sich wohl fĂŒhlt, erinnere ich sie immer mal wieder daran, dass das Zimmer dafĂŒr auch aufgerĂ€umt sein muss. Wenigstens einmal in der Woche. Das aber mit Nachdruck.
Es gibt immer wieder auch schlaue RatschlĂ€ge anderer Menschen, ich solle die Unordnung einfach so hinnehmen, die TĂŒr zumachen und die schmutzige WĂ€sche in ihrem Zimmer liegen lassen. Doch das hört sich fĂŒr mich immer an, als wĂŒrde ich damit nur eine GleichgĂŒltigkeit kaschieren. Aber meine Lieblingshausziege und deren Wohlbefinden ist mir nun einmal nicht gleichgĂŒltig.

Das war die Antwort von mir, dem Muttertier, auf die Beschwerde der Lieblingshausziege, die da schrieb: Mein Zimmer, nicht deins!

6 Gedanken zu „Die Ordnung und das liebe Kind

  1. Hihi bei der Schultasche musste ich schmunzeln, macht meine Maus auch. Bevorzugt einfach gleich dort stehen lassen wo sie beim Heimkommen als erster hinfĂ€llt. Nervig finde ich es auch, wenn GlĂ€ser und Co neben der SpĂŒle stehen und nicht in den SpĂŒli eingerĂ€umt werden obwohl sie genau daneben steht. DĂŒrfte sie vom Papa haben, der macht das auch. Bei Beiden kommt die Antwort auf meine Frage: Wieso gibst du es nicht gleich rein? – Ich wusste nicht das der sauber ist. Echt jetzt…Im Zimmer bei ihr jedoch ganz ein anderes Bild als bei dir. Da ich ihr von klein auf schon eingetrichtert habe, was du herrĂ€umst musst du auch wieder wegrĂ€umen (das Zimmer sah eine Woche aus boah), seitdem packt sie das gleich wieder zurĂŒck was sie braucht.
    Teenies eben, da muss jeder durch!
    LG Tanja

    • Oh. Das mit der SpĂŒlmaschine kenne ich auch: Wenn ich morgens meinen Kaffee getrunken habe, darf ich alles vom Abend dort hineinrĂ€umen. Dabei tröstet es mich nicht wirklich, dass ich die GlĂ€ser nicht in der ganzen Wohnung suchen muss.
      Ja, Teenies. So sorgt sie dafĂŒr, dass ich höchstwahrscheinlich erleichtert aufatme, wenn sie ihre eigene Wohnung hat. (In der sie selbstverstĂ€ndlich machen kann, was sie will.)
      liebe GrĂŒĂŸe
      Sylvia

  2. Au weia, wie bekannt mir das doch alles vor kommt. Darf ich mal fragen, wie alt Deine Lieblingshausziege ist? Mein Pendant dazu, von mir liebevoll Tochterkind genannt, wir in diesem Juli 21 Jahre alt und ich kann Dir sagen: Es wird nicht besser. Vielleicht mal temporĂ€r, aber dann verfĂ€llt sie wieder in das alte Verhaltensmuster. Und ich habe die dringliche BefĂŒrchtung, das nimmt erst ein Ende, wenn das liebe Kind ausgezogen ist. Und ich versichere Dir: Ich habe mir abgewöhnt, dieses Zimmer zu betreten. Sa, So wird bei uns gewaschen und was da nicht unten im Keller ist, bleibt eben eine weitere Woche ungewaschen. Seit dieser Regelung funktioniert hier zumindest das WĂ€schethema. DafĂŒr habe ich zwei JĂ€ger und Sammler da oben, die nicht in der Lage sind, ihr Geschirr und vor allem leere Flaschen mit in den Keller zu nehmen. Entzieht es sich doch eigentlich jedweder Logik. Wenn ich sowieso in den Keller laufe, um Nachschub zu holen, kann ich doch auch das Leergut mitnehmen??

    Du siehst, Du bist nicht alleine und ich könnte hier noch ein bisschen weiter schreiben. Liest die Lieblingshausziege eigentlich Deinen Blog? Wenn ja, dann möchte ich sie hier in meinem Kommentar mal recht herzlich grĂŒĂŸen und Ihr sagen: Nicht nur ihre Mama ist so – ich bin es auch. 😉

    Viele liebe Schmunzel-GrĂŒĂŸe an Euch zwei und trotzdem ein schönes Wochenende,
    Kerstin

    • Klar liest die Lieblingshausziege mit. Und untendrunter ist ja auch der Link zu ihrem Text, in dem sie sich darĂŒber beschwert, was ich denn so in ihrem Zimmer zu suchen hĂ€tte. 🙂
      Ich lehne mich einfach spĂ€ter zurĂŒck, wenn sie das gleiche Thema mit ihren Kindern dann ausdiskutieren darf…
      viele liebe GrĂŒĂŸe auch zu Dir
      Sylvia

  3. Und noch ein kleiner Nachsatz:

    Klar betrete ich hin und wieder das Zimmer, bevorzugt freitags mit einer schönen Tasse Lieblings-Kakao in der Hand. Und bevor ich ĂŒberhaupt loslegen kann, heißt es dann: Ja Mama, ich mach das! Mehr ist gar nicht notwendig… Warum es allerdings immer erst soweit kommen muss, wissen die Götter. 🙂

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