Rites de passage – Irrwege

Vertreibung, Verirrung: Manchmal denke ich, die Welt ist aus den Fugen geraten. Ich irre zwischen schiefen WĂ€nden umher und muss aufpassen, dass ich mein Gleichgewicht nicht verliere.

Langsam entfaltet sich ein Muster.

Ein Wettbewerb ĂŒber die schlimmsten Ereignisse in der Kindheit fĂŒhrt nicht automatisch zu Vertrauen.

Es gibt keine Ă€ußere Wahrheit. Sie ist immer innen, hĂ€ngt von dem ab, was ich denke, fĂŒhle, wie ich die Welt sehe und bewerte. Die Suchmaschinen möchten jedoch die Wahrheit pachten, sammeln Daten und Informationen, wollen daraus eine allgemein gĂŒltige Wahrheit schaffen. Gegen Fakten lĂ€sst sich doch nichts einwenden, oder?

Ein Unbehagen bleibt. Ich bin weder vorhersehbar, noch berechenbar. Menschen sind keine Maschinen, eher black box.

Was heute gut war:

  • Ich habe per Mail Kontakt mit jemandem aufgenommen, den ich vor Jahren das letzte Mal gesehen und gesprochen habe – und eine gute Antwort bekommen.
  • Ich habe heute ein erfolgreiches Telefonat ĂŒber fast zwei Stunden per WhatsApp gefĂŒhrt. Danke, N.
  • Ich habe mit meiner Arbeit etwas bewirken können – jemand ist aufmerksam geworden und hat mich per Mail kontaktiert und heute sogar angerufen.

 

Rites de passage – ziehende Tage

Die Tage ziehen wie die Autos auf der Straße vorbei, blinken in der Ferne auf, kommen allmĂ€hlich nĂ€her, fahren vorbei – und entschwinden auf der anderen Seite. WĂ€hrend jedoch Autos ein Ziel haben, schließlich sitzt jemand in ihnen, lenkt, gibt Gas, bremst, fĂ€hrt von irgendwo nach anderswo, haben die Tage kein Ziel, sie vergehen einfach.

Es gilt, einen Sinn zu finden. Warum mache ich das alles ĂŒberhaupt? Ja, warum mĂŒssen wir Menschen als Menschen einen Sinn im Leben finden? Wir könnten doch einfach in den Tag hineinleben, so Ă€hnlich wie es die Tierchen machen, die sich was zum Essen fangen, sich gegenseitig lausen und kraulen, und ĂŒberhaupt die Tage einfach ziehen lassen. Ihnen ist – wenigstens fast – alles gleich-gĂŒltig.

 

Wer behauptet, Sinn des Lebens sei es, Dinge anzuhÀufen, vergisst, dass die Dinge als solche keine Bedeutung haben, sie bekommen nur dann eine, wenn wir ihnen eine geben, welche es auch immer ist.

Ich hatte fast vergessen, wie erholsam Provinz sein kann. Alles geht einen Tacken langsamer, es sind deutlich weniger Menschen unterwegs. Keiner staunt, keiner sieht sich um, keiner fotografiert irgendwas. Hier gibt es ja einfach nichts, es ist gut so, wie es ist, von einer ausgesuchten Belanglosigkeit. Und genau das macht den Reiz aus. Ich sitze herum, gucke zu, was andere machen, gelegentlich guckt auch jemand zu mir und ich habe das GefĂŒhl, gleich könnte jemand kommen, den ich noch von frĂŒher kennen könnte.

Auf dem RĂŒckweg habe ich erst noch einen kleinen Umweg gemacht, Geld ausgegeben (das Ergebnis auf Twitter geteilt ;-)) und bin Straßenbahn gefahren, erst gemĂŒtlich in die eine Richtung, dann zurĂŒck, in eine andere Richtung und erst beim dritten Mal war es genug, jetzt nahm ich die Bahn, die in die richtige Richtung fuhr

Es ist entspannend, so ohne Ziel unterwegs. Und plötzlich meldet sich die lang vermisste Konzentration zurĂŒck.

Rites de passage – verschlossene TĂŒren

Es gibt TĂŒren, die sind zwar fest verschlossen, doch weil es noch einen SchlĂŒssel zu ihnen gibt, lassen sie sich öffnen.

Morgen ist eine Beerdigung.

Diese TĂŒr ist endgĂŒltig zu. Obwohl ich mit diesem Menschen schon lange nichts mehr zu tun habe, wir uns nur gelegentlich ĂŒber den Weg liefen, fĂŒhlt es sich seltsam an, nicht nur, weil er gerade einmal zwei Jahre Ă€lter war.

Draußen ist es heute ein wenig frisch, heute morgen hat es geregnet. Damit bleibt mir das Gießen erspart. Die Innensicht ist so unterschiedlich von der Außensicht, das kannste dir gar nicht ausdenken…

Was sollen denn die Leute denken, hieß es frĂŒher. Was spielt es eigentlich fĂŒr eine Rolle, wie mich die anderen sehen? Ich kann deren Sicht auf mich nicht selbst wahrnehmen, noch nicht einmal erfragen, bei den meisten Menschen jedenfalls. Schließlich spricht darĂŒber niemand, oder doch, nur dann, wenn der Betreffende nicht dabei ist. Vor-Urteile zum verurteilen kommen dabei heraus. Es wird nur das beredet, was alles am Anderen missfĂ€llt, nicht etwa das, was jemand gut kann.

Der mystische Pfad ist die Reise der Seele von der Trennung zurĂŒck zur Vereinigung. Auf der Reise nach Hause sind wir auf der Suche nach unserer inneren Essenz, der kostbaren Perle, die in unserem Herzen verborgen liegt. Sagt Rumi. Na dann.

12 Bilder vom 12. August

Heute ist wieder der 12. und wie jeden Monat will die freundliche Blognachbarin, bei der es draußen nur KĂ€nnchen gibt, sehen, welche 12 Bilder wir den Tag ĂŒber so gemacht haben. Daher: Bitte sehr.


Heute war ich am Vormittag mit meiner Arbeit fertig. Da war Gelegenheit genug, die Nase mal in eine neue Richtung zu stecken. Ich fuhr also – bin ja gerade in Kassel – nach Korbach Die Wolken hingen tief und auf Höhe Edersee fing es zu regnen an.
In Korbach selbst war es zunĂ€chst noch trocken. Es gibt hĂŒbsche FachwerkhĂ€user:

An der Kirche wird gerade renoviert. Wer findet den Bauarbeiter bei seiner Siesta?

Noch mehr FachwerkhÀuser. Sie sind so, wie FachwerkhÀuser eben sind, krumm und schief:

Und ein Haus mit hĂŒbschem Eingang

Neben dem Rathaus wird gerade mit großem GerĂ€t gebastelt.

Korbach ist ja Hansestadt. Außerdem gibt es hier Gold. Im Edersee und in den ZuflĂŒssen könnte immer noch Gold gewaschen werden, aber es ist verschwindend wenig: Ein altes Bild zeigt, wie frĂŒher Gold aus dem Wasser gewaschen wurde.

Starben frĂŒher unverheiratete junge Menschen, wurde fĂŒr diese ein solcher Kranz, manchmal sogar mit Briefen, in der Kirche aufgehĂ€ngt. ZunĂ€chst hingen die KrĂ€nze einfach so da, spĂ€ter wurden sie in diese KĂ€sten eingesperrt, in denen sie jetzt auch im Museum zu sehen sind.

Museumskleinkram

noch mehr Museumskleinkram. Ich mag so Zeug ja sehr.

Ein SchĂ€ferkarren. Viel Platz war da nicht drin…

Abschließend habe ich mir noch die Korbacher Spalte angeguckt. Spannend.

Rites de passage – Fassaden

Wir erhalten die alten Dinge, nennen sie Erbe, nennen sie Denkmal, denken aber nicht, warum diese Schönheit betörend wirkt, bauen Neues, glatte Fassaden, in der Hoffnung, dass an ihnen die Angst abrutscht, sie sich abwischen lĂ€sst. In ihnen wird die Wurzellosigkeit sichtbar, es fehlt das Verwurzelt-Sein, das GegenĂŒber, der Halt.

Ich bin dort, wo ich einst Heimat fand, fĂŒr Jahre und es ist immer noch vertraut. Rechts und links neben den Straßen schmiegen sich die HĂŒgel wie schlafende Tiere, die RĂ€der des Autos erkennen jede altvertraute Bodenwelle, nehmen die immer noch gewohnten Kurven und im Haus am Stadtrand begrĂŒĂŸen mich die Katzen, als sei ich hier zu Haus.

Jetzt bin ich fĂŒr zwei Wochen ihr Dosenöffner, Tablettengeber, Ohrmassierer und hoffe, dass sie bei der WĂ€rme ein anderes SchlafplĂ€tzchen finden, nicht an meiner Seite liegen, bei 20 Grad des Nachts brauche ich noch kein Rheumafell im RĂŒcken.

Was sonst?

Wer bestimmt eigentlich die Spielregeln, das Spiel, das, was gerade gilt und wenn ich GlĂŒck habe, weiß ich sogar, welches es ist. Die Regeln jedoch kenne ich nicht, ich taste mich vorwĂ€rts, stolpernd, irrend, das ganze Leben ist ein stĂ€ndiger Versuch, ein Trial-and-Error. Woher nehmen die anderen die Sicherheit, sie wĂŒssten, wer sie sind? Ich weiß es nicht – und kenne mich selbst nur annĂ€hernd, asymptotisch. Vielleicht ist mir daher die Mathematik lieber, die Regeln sind klar und fĂŒhren zu eindeutigen Ergebnissen, meistens jedenfalls. Zu glauben, ich wĂŒsste etwas vom Anderen, oder von mir ist ein Irrtum, und doch ist jeden Tag aufs Neue der Versuch. Interpretierend unterwegs lese ich die Zeichen, die Signifikate und Signifikanten, doch dort, wo ich glaube, ich hĂ€tte sie entziffert, Ă€ndern sie sich, wechseln die Farben, changieren. Heute gilt nicht mehr, was gestern noch sicher war und morgen ist es wieder anders.

Rites de passage – Splitter

Die Strahlen der Sonne liegen lange warm auf wimpernlosen Lidern, dringen in Glasaugen, bis sie tief im Innern Eis schmelzen, eine Kernschmelze. Ich weiß nicht mehr, wer ich bin, wenn ich nur sein will, was andere von mir erwarten, ich optimiere mich auf Anweisung der Algorithmen. Sie bestimmen meinen Takt, meinen Tag, die Frequenz von Atem und Schlaf, gönnen mir unter dem Primat der Effizienz noch nicht einmal eine Pause zum Pinkeln.

Ich soll authentisch sein. Und lege mir eine Maske auf, eine, die sich anpasst, eng anschmiegt, so sehr mit dem Gesicht verwÀchst, dass sie nicht davon zu trennen ist. Das wirkliche Ich wage ich nicht zu zeigen.

Dabei war es Zeit fĂŒr kleine Gesten, ein gemeinsames Lied vom Balkon, es war Zeit, hinter dem Trecker zu fahren, ganz gleich, ob jemand entgegenkommt oder nicht. Zeit, den Gesang der Vögel ĂŒberhaupt wahrzunehmen.

Innen ist noch ein kleiner Kern.

Der Sonnenstrahl weckt ihn, lĂ€sst ihn wachsen – und plötzlich ist Optimierung nicht mehr so wichtig. Miteinander wertvoller als QualitĂ€t, selbst dort, wo mir der NĂ€chste unbeholfen auf den Zeh tritt, weil er nicht mehr weiß, wie sich Tango tanzen lĂ€sst.

Ich weiß es doch auch nicht.

Es gibt einen Moment, in dem der Sonnenstrahl durch die brĂŒchige Maske ins Auge trifft, aus grau bunt werden lĂ€sst.

Hoffen wir, dass dann noch Schmetterlinge tanzen.

Tagebuchbloggen am 5. August

War es der Kaffee, den ich gestern zu spĂ€t noch trank? Ich weiß es nicht. Die Nacht jedenfalls war kurz und fĂŒr mich schon zu Ende, als die DĂ€mmerung noch fern. Ist der Schlaf anderswo unterwegs, schaue ich zu, wie die Sterne ĂŒber den Himmel ziehen und gelegentlich ein Auto mit seinem Scheinwerfer irrlichtert.

Als die Igel und WaschbĂ€ren ihren nĂ€chtlichen Putz beendet hatten, stand ich schließlich auf, goß heißes Wasser ĂŒber Kaffeepulver und begann mit dem Tagwerk, reihte Buchstaben, fĂŒllte Zeilen und Seiten.

Was machst du eigentlich den ganzen Tag, kurz: WMDEDGT, das will die freundliche Blognachbarin wissen und wie jeden Monat sitze ich und denke: Nichts. Irgendwie mache ich nichts. Ich sitze auf dem Stuhl, tippe mit den Fingern auf der Tastatur, aber es entsteht dabei nichts, was ich anfassen kann.

Gelegentlich nehme ich einen Schluck aus der Wasserflasche, es ist heiß, ja, vielleicht habe ich deswegen nur wenig Appetit und lasse das mit dem Essen, grĂ¶ĂŸtenteils jedenfalls.

Ich verpasse die Nachrichten, lasse die Welt nicht zu mir kommen, will nichts von dem wissen, was außen ist. Doch mir fĂ€llt etwas ein, ich blĂ€ttere im Kalender und ja, da steht demnĂ€chst ein Termin, es ist zwar noch etwas Zeit, aber ich weiß ja nicht, was alles so dazwischen kommt. Ich weiß ja noch nicht einmal, was in der nĂ€chsten Stunde ist, nichts ist sicher, alles fließt und ich kann ja nicht zweimal in den gleichen Fluß steigen. Ob das fĂŒr den See auch gilt? Hier schwimmen kleine Quallen und ĂŒberholen mich fast. Oben ist das Wasser warm, unten kalt, es liegt in Schichten und ich rĂŒhre beim Schwimmen das Untere auf.

Die Sonnenstrahlen sind warm, doch ich habe vergessen, dass ein Bikini nass aus dem Wasser kommt. Und so fahre ich wieder, fahre dorthin, wo Tomaten und Mozzarella im KĂŒhlschrank warten. Mehr mag ich heute nicht.

Alles fĂŒr die Katz #104


Katzen unterwegs sind eine ganz eigene Spezies: Manche von ihnen suchen schnell das Weite, andere lassen sich ĂŒberhaupt nicht beirren und ignorieren einfach alles um sie herum, fast scheinen sie in einer Parallelwelt zu leben, in der weder Menschen noch Autos oder ĂŒberhaupt etwas außer anderen Katzen und Futter vorkommen. Kontakt nehmen jedenfalls nur wenige Katzen auf, ganz egal, ob ich sie mit „Miezmiez“, „Miauuu“ oder anderen Tönen locke. Ob sie in anderen LĂ€ndern auch in anderen Sprachen miauen?

alles_fuer_die_katz_logo_120x120Wer sich gerne am Projekt “Alles fĂŒr die Katz” beteiligen möchte, kann das an jedem 1. des Monats machen. (Momentan habe ich mich dazu entschlossen, dass es „Alles fĂŒr die Katz“ nur noch einmal im Monat gibt, jeweils am 1.)

Einfach den eigenen Beitrag im Kommentar verlinken: Und schon freuen sich alle Katzenfans ĂŒber schöne Bilder. Das von Kerstin gestaltete Logo darf sich auch jeder mitnehmen und verwenden, der bei “Alles fĂŒr die Katz” dabei ist. Klickt euch durch die Galerie der Katzen, streichelt ihnen ĂŒber den Kopf, lasst euch auch einmal anfauchen – und sagt einfach denen, die sie fotografiert haben, wie schön ihre Katzen sind.

Rites de passage – Dunkelheit

Auch wenn es langsam dunkler wird, bleibt noch genĂŒgend Licht fĂŒr Stift und Block, fĂŒr Tastatur und Bildschirm sowieso. Ich weiß noch, wie ich das erste Mal allein in der DĂ€mmerung nach Hause lief, aus dem Nachbardorf. Der Geburtstag der Freundin war vorbei, jede ging nach Hause, wĂ€hrend die anderen jedoch in dem Dorf wohnten, musste ich ein Dorf weiter ziehen. Damals hatten die Eltern noch kein Auto, außerdem war es eher unĂŒblich, dass Kinder abgeholt wurden, jedenfalls dann, wenn sie zu Fuß die Strecke selbst bewĂ€ltigen konnten. Nachmittags war ich mit dem Schulbus gefahren, dem Verkehrsmittel, das die Verbindung zwischen den Orten hielt, doch am Abend war nichts und niemand unterwegs.

Der Weg an der Straße entlang war zwar – wenigstens innerorts – beleuchtet, doch deutlich lĂ€nger. Ich entschied mich fĂŒr die AbkĂŒrzung und ging am alten Bahndamm entlang, dort, wo schon lange keine ZĂŒge mehr unterwegs waren. Ich ging so schnell ich konnte, aber ich rannte nicht. Ich wollte rechtzeitig wissen, ob sich ein Unheil anpirscht, spitzte die Ohren, hörte die MĂ€use unter den BĂŒschen ebenso rascheln wie die BlĂ€tter. Auch wenn meine Fantasie viele gruselige Gestalten in den dunklen Schatten sah, ich konnte mir einreden, dass sie ja tagsĂŒber auch nicht vorhanden, dass das, was ich jetzt in der Dunkelheit sah, nur Laub, Haselnussstecken und GrasbĂŒschel waren.

Es hat funktioniert. Und es funktioniert bis heute.

Weil niemand fĂŒr mich die Spinnen verjagt, muss ich es selbst erledigen, ganz gleich, wie sehr sie sich beschweren.

Daher habe ich heute nach Online-Meeting, Texten und einem WĂŒrstchen zum Mittag wieder ein Regal von Staub und anderen ĂŒberflĂŒssigen Dingen befreit. Es wird luftig, leicht, plötzlich ist Platz – und mir rĂŒcken die Dinge nicht mehr so auf die Pelle.

Im Licht kann der Staub leicht tanzen.

Rites de passage – jeden Tag, jede Stunde

Ich wache nachts auf, schlafe wieder ein, wache auf, wenn der Morgen graut und irgendwann warte ich nicht mehr, bis der Wecker klingelt oder ich noch einmal einschlafe, irgendwann stehe ich einfach auf, setze das Wasser auf, koche Kaffee und bin eben wach, oder das, was ich dann wach nenne. In dieser Nacht habe ich davon getrĂ€umt, dass sich die Lieblingshausziege ziemlich gut mit Gras auskennt, und im Wachen dann darĂŒber sinniert, ob es stimmen könnte. Ich muss sie mal fragen.

Schon das erste Telefonat heute morgen war erfolgreich, der Ingenieur war noch im BĂŒro und ich konnte mich zweieinhalb Stunden spĂ€ter mit ihm auf der Baustelle verabreden. In vierzehn Tagen können hier wieder Autos fahren, sagt er, das Landratsamt verlĂ€ngert die verkehrsrechtliche Sperrung nicht mehr und ĂŒberhaupt, so ein 1200er Drachenprofil liegt nicht einfach so rum, das dauert eben seine Zeit, bis es in dieser Coronazeit geliefert wird. Damit es auf dem Bild auch richtig nach Baustelle aussieht, ließ der Chef vom ausfĂŒhrenden Baubetrieb auf meinen Wunsch den großen Bagger mitten auf die Straße fahren, so standen die Verantwortlichen mit dem nötigen Abstand nicht ganz so verloren herum.

Zwischendrin habe ich die Texte ĂŒber die gestrige Gemeinderatssitzung geschrieben, noch einen weiteren Text und damit mein Kopf wieder frei wird, durfte der Staubsauger brummen. Am Nachmittag hatte ich noch im StĂ€dtchen eine Verabredung, auch wenn ich ein wenig zu frĂŒh war, brauchte ich nicht zu warten.

Und weil ich schon mal im StĂ€dtchen war, war ich hier und dort, Kleinigkeiten besorgen, kleine Haken fĂŒr die Gardine, damit ich die beiden fehlenden endlich ersetzen kann. Bis ich nach Kassel unterwegs bin, will ich hier noch einiges erledigen, was in den letzten Wochen und Monaten irgendwie liegenblieb. Ich habe mir kleine Lackierrollen angeguckt, da kam gleich ein Mitarbeiter, fragte, was ich damit wolle, zeigte mir andere, mit denen das besser ginge und meinte, wenn es nicht klappt, soll ich mich bitte ĂŒber den Kollegen beschweren. Lob wĂŒrde er jedoch gerne entgegennehmen.

Ein Grabmal als VogeltrĂ€nke, in der KĂŒnstlernekropole im Habichtswald.

Jetzt werde ich noch den Staub aus einer weiteren Ecke jagen und mit einer Freundin gemeinsam schreiben, spÀter, das geht selbst dann gut, wenn jede von uns an ihrem eigenen Schreibtisch sitzt.