12 Bilder vom 12. Januar

Noch bin ich in Hochfilzen, im Pillerseetal, in den Kitzbüheler Alpen auf einer Pressereise. Der Blick aus dem Fenster zeigt: Draußen trainieren schon wieder Menschen für den Langlauf.

Hier in Hochfilzen werden Weltmeisterschaften und Weltcups im Biathlon ausgetragen – daher erinnert vieles im Hotel daran.

Hier steht jedenfalls noch der Weihnachtsbaum, draußen, neben dem röhrenden Hirsch. In der Mitte ist die Kirchturmspitze von Hochfilzen zu sehen.

Achja. Bald ist Abfahrt. Wir warten am Bahnhof Hochfilzen. Das Wetter ist eigentlich viel zu schön…

Der ICE kommt.

Damit ich möglichst viel von der Reise habe, hält der ICE tatsächlich an jedem kleinen Bahnhof. Unterwegs eine dicke Rauchwolke bei klarem Sonnenschein. Was da wohl sonntags gearbeitet wird?

Haltestelle Kitzbühel-Hahnenkamm.

Hinten ist noch die Festung Kufstein zu sehen. Der Schnee allerdings hat sich fast verkrümelt.

Der smaragdgrüne Inn.

Noch ein letzter Blick auf die Berge, hier sind die Wiesen schon fast grün, naja, gelbgrün.

Ab dann wurde es immer diesiger und wolkiger. In München stieg ich in den ICE nach Nürnberg und dort in die S-Bahn nach Forchheim.

Zu Hause hatte ich Hunger – und der Mitbewohner war fleißig gewesen. Diese Leckerbissen gibt es aber erst später, zunächst mussten mir Brot und Käse reichen.

Wer noch mehr Bilder vom 12. Januar sehen möchte, bitte sehr, hier entlang: Bei der Frau mit den Kännchen gibt es viele von ihnen.

Und wer noch mehr Bilder von mir sehen mag, bitte sehr, der kann mir auf Instagram folgen. Dort bin ich ebenfalls unter Jaellekatz zu finden.

Tagebuchbloggen am 5. Januar

Warum es heute morgen bereits zehn Uhr war, als ich endlich munter wurde, weiß ich nicht. Vielleicht lag es an der gestrigen Feier, vielleicht am getrunkenen Schwarztee, vielleicht auch an dem Buch, das ich einen Tag zuvor aus der Grabbelkiste der Buchhandlung befreit und adoptiert habe: „Der Rummelplatz“ von Werner Bräunig.

Schon der erste Satz ist einer, der in die Geschichte hineinzieht und das nicht nur, weil er sich einen ganzen Absatz lang ausbreitet:

Nach Kaffee und Müsli waren auch die Katzen gefüttert und weil die Sonne noch vor dem Mittag lockte, fuhren wir in den Aischgrund, dorthin, wo bereits die Ortsnamen wie Biengarten und Moorhof davon künden, dass hier kein Bär steppt, sondern Weiher die Entfernung zum Himmel etwas schrumpfen lassen.

Winters ist es hier ruhig, nur gelegentlich waren ein oder zwei andere Spaziergänger unterwegs zu sehen. Die Schwäne zogen ruhig und weiter entfernt ihre Kreise, die Enten schnatterten viel leiser als sonst, vielleicht hatten sie sich jetzt auch nichts mehr zu sagen. Die ewig kreischenden Möwen waren verschwunden und die Frösche hielten irgendwo im Schlamm ihren Winterschlaf, nahmen ein kaltes Moorbad sozusagen.

Das war wieder einmal so ein Moment inniger Ruhe, es gab nichts zu beschwätzen, nichts zu sagen, was nicht heißt, dass wir uns nichts zu sagen hätten, sondern manchmal ist es genau so gut, so ein quasi wortloses Miteinander zu haben und zu wissen, dass es richtig ist. Weil jetzt Winter ist, konnten wir auch die Wege gehen, die ab dem Frühjahr wieder gesperrt sind. Dann wollen die Vögel im dichten Schilf brüten und keine neugierigen Nasen in den Nestern haben.

Das oben erwähnte Buch beschäftigt mich, auch wenn ich noch nicht viel davon gelesen habe, Bräunig erzählt von einer längst vergangenen Zeit, einer Zeit, in der im Erzgebirge Uran für die sowjetische Atomindustrie gefördert wurde. Der Roman durfte damals, 1965, nicht veröffentlicht werden und erschien erst 2007, mehr als 30 Jahre nach dem frühen Tod des Autors.


Nach dem Spaziergang wärmen wir einen Rest vom Linsencurry auf, ich fummel noch ein bisschen auf Twitter und Instagram herum. Dann fällt mir glücklicherweise sehr rechtzeitig ein, dass ich für morgen Kuchen backen und mitbringen wollte, ich fange an und die Katze will selbstverständlich assistieren. Weil aber Schokokuchen nichts für Katzenzungen ist, schiebe ich sie aus der Küche und rühre allein in der Schüssel herum.
Während der erste Kuchen in der Schublade abkühlt – rumstehen lassen geht nicht, sonst knabbert die Katze – backe ich den zweiten, der bestimmt auch gleich fertig ist. Dann kriegt der erste Kuchen noch eine Schokoglasur, der zweite eine Staubzuckerschicht und für heute ist Ende, aus, Schluss, vorbei.
Was alle anderen in Bloggerhausen so am 5. gemacht haben, lässt sich bei Frau Brüllen nachlesen: Was machst du eigentlich den ganzen Tag, fragt sie jeden Monat aufs Neue.

Jiang Rong: Zorn der Wölfe

Klosterzeit war Lesezeit: In den Zimmern gab es weder Internet noch Fernseher und gleichzeitig war das Wetter so usselig, dass wir keine Lust auf längere Spaziergänge oder gar Wanderungen verspürten. Glücklicherweise hatte ich genügend Lesestoff dabei, dicke Bücher sind ohnehin für solche Tage ausgezeichnet. Ich kann regelrecht in ihnen versinken und muss nur gelegentlich zum Essen auftauchen.

Jiang Rong: „Zorn der Wölfe“

Chen Zhan ist das Alter Ego des chinesischen Autors. In den 60er Jahren reist er von Peking in die Innere Mongolei, ein Gebiet, in dem Nomaden ihre Tiere züchten. Er muss sich in einer ihm unbekannten Welt zurechtfinden und ist fasziniert. Glücklicherweise hat er einen alten Mongolen, Bilgee, als Lehrer an seiner Seite. Dieser erzählt ihm von den Traditionen und Mythen der Mongolen, die eng mit dem Schicksal der dort ebenfalls lebenden Wölfe verknüpft sind. Eine der faszinierendsten Szenen erzählt, wie Chen an Bilgees Seite in einer kalten Winternacht ein Wolfsrudel und dessen Angriff auf eine Gazellenherde beobachtet. Dabei entwickeln die Tiere eine geschickte Taktik und nutzen die komplexen Strukturen des Rudels.

Für die mongolischen Nomaden ist der Wolf nicht einfach ein Gegner, der ihre Herden dezimiert, er ist Ahne, Vorbild, Hüter und Totemtier des Graslandes zugleich. Als Chen Mitleid mit den Gazellen äußert, wird Bilgee wütend: Das Gras und das Grasland gehört für die Mongolen zum Großen Leben, während Wolf, Mensch und Gazelle zum Kleinen Leben gehört. Die Existenz des Grases ist fragil, seine Wurzeln sind kurz und es kann sich nicht vom Fleck rühren, erklärt der Alte. Der Wolf sorgt hingegen dafür, dass alles im Gleichgewicht bleibt.

Mongolische Jäger sind Schüler der Wölfe, weist der Alte auf die Taktik hin, mit denen einst das Hirtenvolk mit großer militärischer Schlagkraft durch Asien und Europa fegte und das größte Reich überhaupt errichten konnte.

Wolf im Tierpark

Wolf im Tierpark

Chen ist fasziniert, fängt einen Wolfswelpen und zieht ihn auf. Das ist für die Mongolen ein solcher Tabubruch, dass er damit fast seine Freundschaft zu Bilgee aufs Spiel setzt. Doch als immer mehr Chinesen in die innere Mongolei kommen, die Wölfe jagen, töten und vertreiben, wird die fragile Balance zwischen Tieren und Boden zerstört. Die Neuankömmlinge wollen das Grasland zu Ackerland umgestalten, doch es dauert nicht lange, und das Grasland wird Wüste.

Jiang Rong ist ein Pseudonym. Der richtige Name des Autors ist Lu Jiamin, er war mehrere Jahre als politischer Gefangener inhaftiert. In China hätte er unter seinem richtigen Namen niemals ein solches Buch veröffentlichen können, ist sich der Autor sicher. Die Geschichte, die auf autobiografischen Erlebnissen beruht, wurde in China zum Bestseller. Rong kritisiert die Umweltzerstörung des Landes ebenso, wie dessen Wahn zur Modernisierung. Er zeigt, wie selbst durch kleine Veränderungen ein über Jahrtausende wirkendes Gleichgewicht nachhaltig zerstört werden kann.

In China und der Mongolei werden gerade die anthropologischen Thesen diskutiert: Rong verglich die Han-Chinesen mit den Schafen und deren trägem Gehorsam, basierend auf den konfuzianischen Traditionen, die Mongolen hingegen mit den freiheitsliebenden und unabhängigen Wölfen, die gleichzeitig auf die Erhaltung ihres Graslandes achteten, als Grundlage ihres gesamten Lebens.

„In Zukunft werden wir unsere größten Kämpfe nicht zwischen Ländern oder Völkern austragen, sondern gegen die Umweltzerstörung führen. Naturkatastrophen werden die Länder zur Zusammenarbeit zwingen. Es versetzte mich in Schrecken zu erleben, wie ein Ökosystem, das seit Jahrtausenden bestand, in nur einem Jahrzehnt zu Staub zerfiel. Mein Buch ist eine Lektion für die Welt.“

Jiang Rong: Zorn der Wölfe (Übersetzer Karin Hasselblatt unter Mitarbeit von Marc Hermann und Zhang Rui)
ISBN: 978-3-442-47395-3
erschienen 2010 bei Random House, als Hardcover, Taschenbuch, e-Book und Hörbuch erhältlich

Alles für die Katz #98


Die Katz lässt sich einfach nie aus der Ruhe bringen und lümmelt mit Vorliebe dort, wo ich eigentlich etwas machen müsste. Wir haben den gestrigen Abend gut verbracht. Auf dem Rückweg war der Nebel an manchen Stellen so dicht, dass wir nur im Schritttempo fahren konnten. Was wird das neue Jahr bringen? Auf jeden Fall viel Neues: Unsere Webseite für Denkst.net ist fast fertig und dann gilt es, sie mit Inhalt zu füllen.

alles_fuer_die_katz_logo_120x120Wer sich gerne am Projekt “Alles für die Katz” beteiligen möchte, kann das an jedem 1. des Monats machen. (Momentan habe ich mich dazu entschlossen, dass es „Alles für die Katz“ nur noch einmal im Monat gibt, jeweils am 1.)

Einfach den eigenen Beitrag im Kommentar verlinken: Und schon freuen sich alle Katzenfans über schöne Bilder. Das von Kerstin gestaltete Logo darf sich auch jeder mitnehmen und verwenden, der bei “Alles für die Katz” dabei ist. Klickt euch durch die Galerie der Katzen, streichelt ihnen über den Kopf, lasst euch auch einmal anfauchen – und sagt einfach denen, die sie fotografiert haben, wie schön ihre Katzen sind.

12 Bilder vom 12. Dezember

Heute morgen fuhr ich etwas früher los, schließlich lag ein leichter Hauch von Schnee auf den Straßen. Und in Nürnberg blühte die Forsythie. Ob die schon mehr weiß als wir Menschen? Es wird doch noch Winter…

Ja, Nürnberger Zeitung, was macht man mit Mietnomaden? So viele können es ja gar nicht sein, schließlich gibt es nur eine Wohnung, wenn der künftige Mieter nachweist, dass er mehr als ein Hemd besitzt. Was hättest du denn für Vorschläge? Wegsperren? Ausweisen? Unter der Brücke ansiedeln?

Julia aus der Knirpsewelt in Nürnberg, einem Second-Hand-Laden für Baby- und Kinderkleidung, hat von mir ein paar Liköre und Duftkissen bekommen. Wer noch ein kleines Mitbringsel braucht, bitte sehr, da steht es.

An der Ampel stehe ich hinter einem kleinen LKW, das rot-weiße Teil hinten erinnert mich an die Kästchen im Matheheft, die ich so gerne farbig ausgemalt habe – ups, da schaltet sie auf grün und ich muss los…

 

Auf der Rückfahrt ist es immer noch nicht heller, dafür darf ich jetzt ganz erlaubt rechts auf dem Standstreifen fahren.

 

 

Eigentlich stünde heute ein Geburtstagskuchen auf dem Tisch, doch das Geburtstagskind ist im August in die erste eigene Wohnung gezogen. Ich finde aber noch genügend Spuren, so wie dieses Portrait.

Ja, ne, schon klar. Ich zeige euch nicht, wie ein Zimmer aussieht, in dem immer noch genügend Reste herumstehen. Ich denke, im kommenden Jahr werde ich hier alles neu machen…

Unten wird noch Nachschub für den Verkauf mit Etiketten versehen.

Die Gemüsekiste möchte noch aus- und weggeräumt werden. Die Gemüsekiste…

Oh, nee, nicht heute und nicht jetzt. Bügelwäsche mault nicht, kann also warten.

Ich lese jetzt lieber das Buch, das ich gestern von Susanne noch nachträglich zum Geburtstag bekam.

Mit Bierchen dazu. Prost. Der Tag war lang, er darf jetzt enden.

 

Noch viel mehr Bilder vom 12. gibt es bei Caro, bei der es draußen nur Kännchen gibt.

Eine Bettgeschichte im Lyrimo

Lass mich doch in Ruhe schlafen, was gehen mich schließlich die Mäuse an???

Mit Sack und Pack zieht Familie Maus
im letzten Winter ins warme Haus,
draußen klimpert leise der Wind
auf den Eiszapfen ein Lied. Geschwind
graben sich die Mäuse zwischen Lehm
und Balken ein Loch, wo sie bequem.
Ließen gesammelte Schätze unten im Garten
Die würden – tiefgekühlt – bis zum Frühjahr warten.
Plötzlich war der Käse verschwunden,
auch die Pralinen wenige Stunden
später fort. Trotz zweier Kater
Die schliefen, sie ging das Theater
überhaupt nichts an. Meinten sie, bis
in kalter Nacht die Maus vergisst
ihre Angst vor Katzen und mir.
Sucht Wärme und das kleine Tier
kriecht unter die Decke, kuschelt, strampelt
mit ihren Füßen, sucht mit Gehampel
ein sicheres Plätzchen, nur mir ist’s
zu eng mit Maus. Sie merkt es
und huscht wieder weg. Am Morgen
danach such ich ihr Loch. Voll Sorgen
doch hinter dem Bett
sind Wollmäuse nur. Ich saug sie weg,
leg die Kündigung hin: Drei Tage
bleibt Zeit, auszuziehen. Sonst klage
ich nicht, sondern hole die Fallen
aus dem Speicher. Und stell sie vor allem
gefüllt mit Nutella und Käse
und hoffe, dass keine Askese
die Mäuse betreiben.
(Sonst würden sie bleiben).

 

12 Bilder vom 12. November

Auf der Gegenfahrbahn war der Stau – und ich kam daher ganz gut von München nach Nürnberg.

 

Beim Herunterladen der Fotos von der Kamera geriet ich geradewegs wieder in den gestrigen Abend: In der Monacensia, dem literarischen Gedächtnis der Stadt München ist gerade eine Ausstellung über Erika Mann. Dieser Raum ist das ehemalige Atelier des Hauses.

 

Einst in jüdischem Besitz wurde die Villa zwangsenteignet und der Besitzerin blieben gerade einmal vier Stunden, um das Haus zu verlassen.

 

Erinnerungen an einstig hier lebende Menschen…

Ein Bloggerwalk führte durch die relativ kleine und kompakte Ausstellung, das Leben und Wirken von Erika Mann wurde lebendig.

 

Werden Texte von ihr vorgelesen, schweben die Worte frei im Raum.

Zitate als Post-Its auf einer analogen Twitterwall.

 

In Amerika reiste Erika Mann durchs Land, hielt Reden und warnte vor dem Faschismus in Deutschland.

Es wird fotografiert und getwittert.

Alte Dokumente werden aber nur mit Handschuhen berührt.

Das Faksimile einer Tagebuchseite darf ich jedoch in die Finger nehmen.

Das sind zwar keine Bilder von heute, aber großartige Erinnerungen an den gestrigen Abend, und daher schicke ich sie zur freundlichen Frau mit den Kännchen, die alle Bilder sammelt.

einsilbig

ein – sil – big
will der Tag
sein. Wert ist
die Ruh, nur kein Geld
der Welt
reicht, ihn zu sehn.
Wer will, kann ihm
Zeit sein –
die Uhr zeigt den Grad
der Näh an
und der Zahn nagt
am Tuch.

 

 

 

 

 

 

Während der Tag als solcher heute aus den drei T: texten, telefonieren und Teetrinken bestand, klang der Abend mit einer Lesung aus. Moni hatte sich zu selbstfahrenden Autos Gedanken gemacht, und mir gefielen besonders die lyrischen Texte.

abendgrün


abendgrün
glimmt das Katzenauge
in der Dunkelheit
gib acht
sie sitzt regungslos
und wartet nur
dass du kommst

 

Gestern wurde die Lieblingshausziege als Jahrgangsbeste von der IHK Mittelfranken geehrt – gemeinsam mit rund 50 anderen Azubis. Jeder marschierte im Festsaal einzeln nach vorne, es gab eine Urkunde und einen Acrylblock mit einer Lasergravur vom „Haus der Wirtschaft“ am Nürnberger Hauptmarkt, der Adresse, in dem seit 1560 die Verwaltung der Nürnberger Kaufleute zu Hause ist. Da sich jeder für den Weg vom Platz zur Bühne ein Lied wünschen durfte, wählte die Lieblingshausziege mit dem Imperial March aus StarWars ein sehr markantes Theme.

Zur Belohnung durfte sie sich in Evas Teeplantage Tee aussuchen, wir haben noch eine Tasse miteinander getrunken, dann fuhr ich wieder nach Hause.

Immerhin war ich vormittags beim Friseur, habe Azubischreck gespielt: Mich mit meinen nun schon recht langen Haaren hingesetzt, die Spange gelöst und gesagt, joa, machen Sie mal. Spoiler: Es wurde sehr gut, hat allerdings gut anderthalb Stunden gedauert.

 

Tagebuchbloggen am 5. November

Sonderfahrt
zum Abstellgleis –
doch vorher: Gas geben und
mit Volldampf
gegen den Rammbock fahren.

 

Schon wieder November. Ich hätte es ja längst merken müssen, schließlich ist es jeden Abend zwei Minuten früher dunkel und jeden Morgen zwei Minuten später hell. Doch wie an jedem fünften des Monats möchte die freundliche Blognachbarin Frau Brüllen wissen, was ich den ganzen Tag so gemacht habe. Nun denn:

Nach der Raubtierfütterung fuhr ich in die große Stadt, die Metropole, wie sie auch genannt wird, war auf zwei Terminen und habe mir anschließend so lange Nüsse knabbernd und schwätzend die Zeit vertrieben, bis es spät genug war, die Lieblingshausziege von der Arbeit abzuholen. Ich hatte noch allerhand Kleinkram für sie im Auto, wir fuhren gemeinsam zu ihr, räumten alles in ihre Wohnung und aßen die gestern übrig gebliebenen gefüllten Nudeln mit einer Sauce aus Kürbis und Tomaten. Es blieb noch Zeit für einen Tee, dann fuhr ich zurück.

Der Frankenschnellweg war dank Unfall zum Frankenstehweg mutiert, es dauerte also eine Weile, bis ich wieder zu Hause war. Fürs Abendessen war es inzwischen zu spät, ich habe mir also nur einen Block geschnappt und fuhr wieder los. Gemeinderatssitzung in einer Gemeinde, in der ich noch nie war. Der Bürgermeister war so nett und hat mir auf einem Zettel notiert, wer auf welchem Platz rund um den Tisch saß. Andernfalls hätte ich nämlich nicht gewusst, wer da zu welchem Thema was zu sagen hatte. Zwar hat mich der Geschäftsleitende Beamte vor der Sitzung noch gewarnt, dass die Sitzung gewöhnlich sehr friedlich und kooperativ abläuft, aber irgendwie wollten die Herren nicht so. Bevor sie über ihre Beschlüsse abstimmten, haben sie hin und her und gar nicht einmütig, sondern recht kontrovers diskutiert und ich schrieb fleißig mit.

Jetzt ist ein langer Tag vorbei, es ist spät und ich bin müde. Gute Nacht.