Tiefsee #Frapalywo

Zwischen schwankenden Binsen und Schilf
wie taghelle Gedanken die Fischlein
spielen im funkelnden Sonnenschein
verstecken und manchmal hilft

die Tiefe des Wassers zu entschwinden
sie tauchen ab in nachtschwarze See
besuchen die Nixen – und wenn sich jäh
Ungeheuer der Tiefsee regen, sie finden

dann Schutz in zerklüfteten Steinen
mit viel Glück. Allen – bis auf den einen
gelingt die Flucht.

Erobern Tiefseewesen obere Räume
tarnen sie sich als verworrene Träume
der Nacht, die keiner sucht.

(Der Impuls „Tiefsee“ kommt von Frau Paulchen, dort sind viele weitere Lyriktexte zum Thema zu finden. Folgt einfach dem Link.)

Strandläufer #Frapalywo

Auf dem schmalen Saum
zwischen Sand und Meer bleiben kaum
Spuren zurück. Für dich
gibt es keine ausgetretenen Pfade.
Du musst deinen Weg täglich
zwischen Treibholz und Schlick neu bahnen.


Zum Wächter bestimmt bist du
unentwegt auf dem schmalen Grat unterwegs
der das Land vom Meer trennt.
Unbewaffnet trittst du zwischen zwei Giganten,
die seit Anbeginn der Welt
einander erbittert bekämpfen.

Lauf, kleiner Vogel. Lauf
und achte darauf,
dass im Streit zwischen Land und Meer
die Küste bleibt.

(Der Impuls „Strandläufer“ kommt von Frau Paulchen, dort sind viele weitere Lyriktexte zum Thema zu finden. Folgt einfach dem Link.)

Auf dem Holzweg

Wer auf dem Holzweg unterwegs ist, hat die richtige Abzweigung verpasst. Auch wenn diese Wege auf den ersten Blick bequem, breit und richtig einladend wirken, enden sie irgendwo im Nichts. Sie wurden angelegt, damit auf ihnen das Holz aus dem Wald heraustransportiert werden kann, nicht dafür, dass Wanderer ihnen folgen und auf ihnen zu einem Ziel gelangen.

Dieser Holzweg wird im Winter heizen.

Mit seinem Sprung fügte N. der heilen Welt einer vollkommen erscheinenden Illusion einen Riss zu. Das Mene mene tekel u-parsin geriet zur Bedrohung, in der die morphogenetischen Felder Raum fanden. Zwischen dem, was Menschen für richtig oder falsch erachten, liegen oft nur Nuancen. So wie bei einer Tür. Sie verschließt den Raum – und wir können trotzdem nur eine Seite von ihr sehen.

„Ich war da, ich mußte geh’n.
Ich machte keine Spuren.
Aber der Wind hat mein Lied gehört.“
(indianische Weisheit)

Es mutet irgendwie seltsam an: N. wurde immer noch nicht begraben, obwohl seit seinem Tod inzwischen mehr als zwei Monate vergangen sind. Allein diese Tatsache gibt den Menschen hier im Ort zu denken und Mutmaßungen Raum.

„Was passiert eigentlich, wenn N. einfach überhaupt nicht beerdigt wird?“

— „Das würde gegen das hier geltende Recht verstoßen. Dafür gibt es sogar Fristen, die einzuhalten sind.“

„Wieso beerdigen die ihn nicht einfach?“

— „Sie haben – wie es scheint – den Zeitpunkt verpasst.“

Bei den alten Griechen war Kairos der für den richtigen Zeitpunkt zuständige Gott: Mit geöltem Körper, Flügeln an den Füßen und einem – bis auf eine Haarsträhne – glatt geschorenen Kopf. Er flitzt vorbei und wer versäumt, seinen Schopf zu packen, muss zusehen, wie er entschwindet. In den Texten der Bibel steht Kairos für einen von Gott gegebenen Zeitpunkt, eine besondere Gelegenheit, den erteilten Auftrag zu erfüllen.

Und jetzt? Jetzt geschieht etwas Merkwürdiges im Dorf: Ein Mythos bildet sich, eine Legende. Keiner weiß nichts Genaues, aber jeder hat genügend Fantasie, eben diese ungenannten Leerstellen zu füllen.

So wird diese Geschichte wohl noch über Generationen erzählt werden, irgendwie, vermutlich schrammt sie immer haarscharf an der Wahrheit vorbei. Aber das macht nichts, das machen Geschichten eigentlich immer. So wie die Geschichte vom Bummberdoner, einem Menschen aus dem Dorf. Obwohl sie aus dem Jahr 1905 stammt, gibt es immer noch Menschen, die sich daran erinnern. Nicht an den Bummberdoner, natürlich nicht, der ist tot, längst begraben und selbst das Grab existiert nicht mehr. Aber die Geschichte über dessen Schmach und Schande, die bleibt.

Alles für die Katz #84

alles_fuer_die_katz_logo_120x120Wer sich gerne am Projekt “Alles für die Katz” beteiligen möchte, kann das an jedem 1. und 15. des Monats machen.

Einfach den eigenen Beitrag im Kommentar verlinken: Und schon freuen sich alle Katzenfans über schöne Bilder. Das von Kerstin gestaltete Logo darf sich auch jeder mitnehmen und verwenden, der bei “Alles für die Katz” dabei ist. Klickt euch durch die Galerie der Katzen, streichelt ihnen über den Kopf, lasst euch auch einmal anfauchen – und sagt einfach denen, die sie fotografiert haben, wie schön ihre Katzen sind.

Über viele Brücken musst du gehen…

Viele Brücken führen über den Lech

Führt ein Fluss genügend Wasser, brauchen wir Menschen Brücken – wenn wir ihn überqueren wollen. Auch wenn die meisten Brücken breit genug für Autos und Fußgänger waren, gab es hin und wieder solche schmalen Hängebrücken. Diese haben wir auf unserem Lechwanderweg nur passiert, wir mussten sie nicht queren.

Erbaut wurde sie 1924, von einem Commerzienrat. Aber ich nehme an, er gab eher das Geld und ließ die Brücke von anderen bauen. Vor dem Bau dieser Hängebrücke nutzten die Jäger aus Forchach ein Boot, wenn sie auf der anderen Seite des Lech jagen wollten. Wollten die Wilderer ungestört sein, brauchten sie nur das Boot der Jäger zu zerstören. Schon herrschte – wenigstens für ein Weilchen – Ruh und sie hatten auf der anderen Seite des Flusses „freie Büchse“.

Längst sind die Metallseile und Stangen von einer rostigen Schicht überzogen. Trotzdem hält die Brücke eisern durch und trägt den Holzsteg.

Deswegen schicke ich das Bild zur Rostparade, die jetzt von cubusregio übernommen wurde. Viel Vergnügen – und beim Klick auf den Link gibt es noch mehr rostige Schönheiten zu sehen.

Ach, Katta.

Suchst du nach einem Weg, der dich über den Regenbogen bringt? Es gibt keine Bushaltestelle, an der dieser Zug abfährt.

Du musst warten. So lange warten, bis deine Ampel auf grün springt und du an der Reihe bist. Selbst wenn du bis dahin nur noch als Schatten deiner selbst über die Erde wanderst.

Nimm nicht nur vom Tellerrand, von dem, was von anderen übrig bleibt, greif nach Apfelsaft und Datteln. Sie tun dir in der Hitze gut.

Gegen deine innere Wüste ist die Sahara eine blühende Oase. Du lebst mit deinen Masken, sie sitzen fest, auch dann, wenn du unter der Mistel den Vogel lockst. Deine Sucht hält dich, du hängst wie eine Marionette an ihren Fäden und die alte Unke quakt aus dem Irrhain.

Blickst du in den Spiegel, siehst du die leeren Augen deiner Mutter. Sie leuchten nur, wenn Gold glänzt. Setz lieber die Brille auf, mit der du die Welt rosarot tönst und bestreu die Erdbeeren mit Salz.

Greif nach der Hand des Hirten: Er führt dich wie Orpheus nach obenauf. Fahre übers Meer, suche die Verbindung zu denen, die dich lieben.

Reiß die Blockade ein. Sie sieht nur aus der Entfernung so fugenlos aus.

Es lohnt sich, zu leben.

(Der Text entstand aus einem „Kreuzworträtsel-Impuls“, bei dem möglichst viele Worte – mindestens jedoch sieben von ihnen – für eine Geschichte verwendet werden sollten)

Lechweg: Die siebte Etappe

Die ganze Nacht hindurch hat es so sehr geregnet, dass der Mitbewohner ganz verzagt auf der frühmorgendliche Tröpfeln guckte und am liebsten den Bus genommen hätte. Nix da. Wir wollten den Lechweg laufen, nicht fahren. Das heißt, gefahren sind wir ihn ja schon: Unser Auto haben wir vor etwa einer Woche in Füssen geparkt und sind anschließend mit dem Bus bis nach Lech gefahren.

Auf gehts. Die letzte Etappe beginnt.

Die Wolken hingen immer noch tief, als wir stetig und langsam bergauf stiefelten. Auch wenn die Glocken der Kapelle so nah klangen, als wäre sie nur einen Schritt von uns entfernt, mussten wir noch gut zwanzig Minuten lang steil über die unregelmäßigen Stufen von Wurzeln und Steinen steigen. Erst nach der letzten Kurve war das Kapellchen zu sehen.

Die Costaries-Kapelle.

Anschließend ging es wieder hinunter, auf einer Brücke über den Lech – und wir sahen zum ersten Mal unser Ziel – allerdings als Ortsangabe auf der neben uns dröhnenden Autobahn.

Der Lech. Wir werden ihm wieder begegnen. Später.

Auf dem Autobahnschild steht bereits „Füssen“ als Ziel.

Wieder ging es bergauf, hoch zur Sternschanze. Von der steht aber nur noch ein kleiner Rest an alten Steinen.

Die Sternschanze

Abenteuerlich ging es weiter, so als wollte der Weg auf seiner letzten Etappe noch einmal alles geben. Wir stiegen über umgefallene Bäume, kraxelten an Felsen entlang, krallten uns an der Seilsicherung fest, stolperten manchmal über Stock und Stein und irgendwann waren wir dann am Alpsee, von dessen gegenüberliegenden Seite die beiden Königsschlösser Neuschwanstein und Hohenschwangau grüßten.

Der Alpsee.

Den Weg über den Kalvarienberg kürzten wir einfach ab, schließlich hatte der Schrittzähler bereits mehr als 42.000 Schritte auf seiner Anzeige. Kurz darauf erreichten wir Füssen, den Lechfall und damit unser Wanderziel.

Der Lechfall

Wir fanden unsere Koffer, packten sie in das Auto, das die ganze Zeit geduldig auf uns gewartet hatte und fuhren nach Hause. Noch vor Mitternacht kamen wir an, genehmigten uns noch ein Glas Rotling und fielen glücklich und geschafft in unser gewohntes Bett.

Lechweg: Die sechste Etappe

Heute ging es am Fluss entlang, an der Lech, eben, durch viel Auwald. Manchmal auf einem Damm, manchmal einfach durch einen Wald voll Kiefern, Weiden, Birken und Ebereschen.

Strandgut und Geröll im ausreichend breiten Flussbett.

Der Fluss fließt wild und ungezähmt, hat ausreichend Platz und nimmt sich den Raum, den er braucht. Legt die Steine ab, die er aus den Bergen heruntertransportiert und bahnt sich immer wieder einen neuen Weg. Treibgut liegt auf dem Geröll. Mir fällt ein Lied von Hannes Wader ein: „Lebe einzeln und frei/ wie ein Baum und dabei/ brüderlich wie ein Wald, diese Sehnsucht ist alt“:

Nein, hier gibt es keine Uferpromenade mit Blumenrabatten, Laternen und Cafes, hier bröselt der Asphalt in den Fluss, wenn dieser daran nagt.

Hinter einer Brücke führte uns ein Schild nur ein kurzes Stück in die Irre. Der Weg war so gut ausgeschildert, dass ein fehlendes „L“ (für Lechweg) sofort auffiel und uns zeigte, dass wir auf dem Holzweg waren.

Radfahrer auf dem Lechtalweg

Immer wieder waren auf dem oft recht breit bekiesten Weg Radfahrer unterwegs. Während sich einige von ihnen so breit machten, dass sie uns fast mit dem Lenker streifen, obwohl wir schon auf dem Rasenstreifen am Rand standen, warnte bei einer anderen Gruppe der erste Fahrer alle anderen und sie machten prompt Platz und fuhren auf die Seite. Na pravo, rief ein Vater seinen beiden Söhnen zu, nach rechts – dabei wären sie so gerne links abgebogen, wie es schien.

Bald ist es geschafft und die Unterkunft erreicht

Nur das letzte Stück Weg zog sich lange am Lech entlang. Auf dem anderen Ufer sahen wir schon die Kirche unseres Zielortes, mussten jedoch noch bis zur nächsten Brücke – und später auch wieder zurück – laufen.

Ach und: Morgen laufen wir nicht nur insgesamt gut 25 Kilometer, sondern fahren anschließend nach Hause. Ich glaube, da habe ich hier auch mal einen Tag Pause verdient, bevor es den siebten Bericht über die Wanderung auf dem Lechtalweg gibt.

Lechweg: Die fünfte Etappe

Als wir loszogen, nieselte es noch und die Wolken hingen tief in den Bergen. Weil das Gras rechts und links neben dem schmalen Pfad regenschwer herunterhing, wurden die Hosenbeine nass. Am Wasserfall machten wir kurz Rast, ab hier guckte die Sonne wieder. Da packten wir unsere Regenjacken lieber weg, beim Laufen werden sie sonst schneller von innen als von außen nass. Apfel, Tomate und Käse waren fix gevespert, danach sind alle essbaren Vorräte aufgefuttert und brauchten nicht mehr getragen zu werden.

Noch regnet es ein bisschen

Über schmale Wege ging es weiter, immer wieder bergauf und bergab. Von oben herab hatten wir immer wieder gute Sicht auf das Tal, doch die Perspektive auf die unten befindlichen Orte und die gegenüberliegenden Berge änderte sich nur sehr langsam.

Blick vom Panoramaweg auf den Lech

Das ist so wie im Leben sonst auch: Man hat seinen Standpunkt. Von diesem lassen sich alle Sachen kommod betrachten. Will man ihn ändern und Dinge von einer anderen Seite oder in einem anderen Licht sehen, dauert das ebenfalls oft lange. Beim Wandern erinnert sich der Mitbewohner, dass er mit N. auf Fahrrädern die Alpen überqueren wollte. Er besorgte die Ausrüstung, alles war beisammen und vorbereitet, da wollte N. nicht mehr mit. Warum sagt ein Junge eine Tour ab, die er gemeinsam mit dem Vater machen wollte – und auf die er sich gefreut hatte? Warum verlor er seinen Mut und Selbstvertrauen, den Glauben an die eigene Stärke und daran, dass er Berge bezwingen kann?

Zum Glück ist das letzte Stück des Weges immer recht eben.

Kurz vor Stanzach erinnerte sich der Mitbewohner auch noch daran, dass er vor 36 Jahren schon einmal hier übernachtet hatte. Der Stammtisch des dörflichen Wirtshauses fuhr mit dem Bus hierher, alle kamen Samstags an, setzten sich in die Kneipe – und soffen. Alka Seltzer half am nächsten Morgen gegen den Kater. Von denen leben längst nicht mehr alle, resümiert der Mitbewohner, manche haben sich regelrecht totgesoffen.

Lechweg: Die vierte Etappe

Heute war die Strecke nicht lang, dafür recht steil. Die Wirtin empfahl uns dringend, zurück bis zur Kirche und dann den Weg über die Hängebrücke. zu nehmen. Taten wir. Stiegen stetig bergauf, gingen am Wasserfall vorbei, bewunderten den Kletterer am Klettersteig, stiegen in engen Serpentinen wieder bergab und standen an der Hängebrücke. Tja. Wir waren auf der falschen Seite der Hängebrücke angekommen.

Hängebrücke. Es gibt Menschen, die kommen nur für ein Selfie hierher.

Deswegen brauchte ich mich nicht auf die doch sehr schaukelnden Metallgitter zu stellen, der Mitbewohner übernahm die Sache mit den Fotos und wir zogen weiter. An diesem Tag wurden wir immer wieder von drei lustigen Mädels überholt, oder wir überholten sie. Ausreichend mit Schnaps und Likören ausgestattet, tranken sie ein Becherchen nach dem anderen. Da der Mitbewohner sein Anti-Mücken-Spray in Sichtweite der Mädels auftrug, tauschten sie Likör gegen Mückenspraystoß auf Beine.

Blick von oben ins Tal

Der Weg bot als echter Panoramaweg einen großartigen Blick über das weite Lechtal, später wieder nach unten, in die Bergflanke gefräst. Wir kamen zu einer überdachten Brücke, doch diese querten wir nicht. Unser Weg führte links vom Lech weiter, wieder bergauf, noch steiler bergauf. Wir querten zweimal die in Serpentinen verlaufende Straße und landeten auf einem Parkplatz neben einer Hütte, die sich Hexenkessel nannte. Aus Richtung Deutschland zogen hohe Wolken heran, schoben sich immer dichter zusammen und türmten sich auf. Das hält noch, meinte die Bedienung, erst wenns vom Westen heranzieht, wird es ernst.  Zwei alkoholfreie Weizen später zogen wir weiter.

Die Wolken hängen schon bedrohlich tief.

Weiter bergauf. Ich wollte doch nur am Fluss wandern, nicht die Alpen queren. Ein kleines Kapellchen später ging es tatsächlich bergab – und wie. Irgendwann waren wir unten, unten am Fluss und blieben das letzte Stück tatsächlich an seiner Seite. Ein paar Tröpfchen fielen, doch als der große Regen kam, saßen wir schon kommod in der Unterkunft.