Alles für die Katz #95


Katzen sind die besseren Menschen? Sie wissen, was sie ihrem Dosenöffner empfehlen? Ich bin mir da nicht so sicher, was die Katz da meint, wenn sie sich auf die Brotkiste legt und einfach nicht aufstehen möchte, statt dessen auf den Kürbis verweist und so gelangweilt scheint, als sei der Tag noch lang. Dabei hatte ich ihr das Fliegenfangen anheimgestellt, allein, sie wollte sich nicht bewegen, die Hitze, meinte sie.

alles_fuer_die_katz_logo_120x120Wer sich gerne am Projekt “Alles für die Katz” beteiligen möchte, kann das an jedem 1. des Monats machen. (Momentan habe ich mich dazu entschlossen, dass es „Alles für die Katz“ nur noch einmal im Monat gibt, jeweils am 1.)

Einfach den eigenen Beitrag im Kommentar verlinken: Und schon freuen sich alle Katzenfans über schöne Bilder. Das von Kerstin gestaltete Logo darf sich auch jeder mitnehmen und verwenden, der bei “Alles für die Katz” dabei ist. Klickt euch durch die Galerie der Katzen, streichelt ihnen über den Kopf, lasst euch auch einmal anfauchen – und sagt einfach denen, die sie fotografiert haben, wie schön ihre Katzen sind.

Am Stadtrand unterwegs

Für eine Weile hüte ich fünf Katzen, ganz allein am Stadtrand. Ich habe Zeit für mich, für meine Texte, es ist niemand da, der etwas von mir will – außer eben den fünf Katzen, wenn sie Hunger oder ein Kuscheldefizit haben.

Gehe ich aus dem Haus und überquere die Allee, auf der gelegentlich die Feuerwehr mit lauter Sirene zu ihrem Einsatz ausrückt, bin ich schon in der Dönche, einem geschützten Gebiet. Die Vorboten des Herbstes sind unübersehbar, auch wenn es noch August und damit Hochsommer ist. Doch die sonnig gelb gefärbten Buchenblätter künden eher von Trockenheit, ebenso wie die Hüllblätter der Bucheckern, in denen in diesem Jahr keine Eckern wachsen. Vier stramm bewadete Frauen kommen mir entgegen, spießen ihre Stöcke im Takt der Schritte in den Boden, nicken mir zu. Viele Wege sind hier nur Pfade, verlaufen mäandernd, kreuzen sich wie zufällig, nur die Wege hinter den Häusern sind ebenso schnurgerade wie die beschilderten Hauptwege und mit Splitt bestreut.

Es scheint menschenleer, und ich bin mir für einen Moment nicht so sicher, ob meine Tasche klappert. Doch hinter einem winzigen Hügelchen sitzen drei junge Frauen auf Baumstämmen und reden miteinander. Trotz der Stadtnähe sind hier nur wenige Menschen unterwegs, vielleicht, weil es gerade gewittert und ziemlich heftig geregnet hat. Dabei ist vom Regen fast nichts mehr übrig, nur im hohen Gras werden die Schuhe nass.

Tief unten im Tal ein Rinnsal, ein Bächlein, es führt eine Brücke darüber und vor mir schnürt auf der Wiese ein Fuchs vorbei. Immer wieder sehe ich einsame Frauen mit großen Hunden und ich frage mich, sind die Tiere Ersatz für Partner, ich meine, schließlich widerspricht ein solcher Hund nicht, auch dann nicht, wenn Frauchen sich selbst nicht sicher ist, was sie will und das ist in der Regel mehr, als sich bei einem Partner erwarten ließe.

An der Infotafel bleibt ein Pärchen stehen, schmiegt sich eng aneinander und scheint nicht so recht zu wissen, wohin es heute gehen soll. Vielleicht suchen sie sich und ihren Umgang noch miteinander, bis sie in die wortlose Vertrautheit älterer Paare gelangen, bei der nichts mehr zu klären ist. Sie probieren noch, kosten ihre Zweisamkeit, bis sie Alltag wird, vielleicht einmal später. Nach einer Weile gehen sie weiter, in Richtung Westen, die Sonne umhüllt beide mit ihrem Glanz.

Auf der Wiese liegen Findlinge, große Buntsandsteine, richtig bequem zum Sitzen und Rasten, hier finde ich etwas, das ich nicht gesucht habe: Zwei Roste, Reste einer Grillparty, noch mit einem Bodensatz an Kohle. Warum können diejenigen, die diese Dinge ja einst mitgebracht, sie nicht wieder zurücknehmen und zu Hause entsorgen, wenn es denn schon so ein nur einmal benutzbarer Kram sein muss.

Eine Elster beschwert sich, gelegentlich keucht ein Jogger vorbei, das Hallo so munter betont, als müsse er beweisen, dass noch genügend Luft nach oben ist. Immer wieder sehe ich Kuhlen und Trichter in den Wiesen, vernarbte Wunden aus einer Zeit, in der hier Truppenübungsplatz war und von oben Bomben fielen.

Verbunden mit Cubus Regio und der Rostparade, auch wenn diesmal der Rost ein ganz anderer ist und dem Samstagsplausch bei Andrea Karminrot.

Erinnern. #lebenschreibenatmen

Bin ich in den Händen meiner Kamera, sehe ich anders. Ich achte mehr auf die Umgebung, als auf die Mitwanderer. Es ist ein genaueres Sehen, ein Wahrnehmen selbst unscheinbarer Nebensächlichkeiten.

Dabei entstehen eher Schnappschüsse, schnell und ungeplant, manchmal völlig vom Zufall geleitet, einer schönen Aussicht beispielsweise, in die sich ungefragt ein Zweig vom nahen Baum hängt, manchmal nehme ich aber auch gezielt ein Detail in den Fokus. Mich interessiert dabei oft nicht die offenkundige Schönheit der Landschaft, das, was im Glanz der Sonne sichtbar ist, sondern eher die unscheinbaren Dinge, die – wie das Moos am Baumstamm – lieber im Verborgenen wohnen und nur dem ihren Reiz offenbaren, der für einen Moment innehält.

Erinnere ich mich an Zurückliegendes, sind es oft die Bilder, die geblieben sind, auch wenn ich sie nur auf die Festplatte überspielt und kaum mehr betrachtet habe. Erst neulich war ich mit anderen unterwegs, knipste hier ein Blümchen und bannte dort einen Schatten, doch gleich, wie flüchtig diese Augenblicke auch sind, sie brennen sich gleichermaßen ins Gedächtnis ein, oft sogar mit den sie begleitenden Gedanken und Assoziationen.

Im gleißenden Sonnenlicht werfen die Schnörkel des Geländers einen ebenso verschnörkelten Schatten auf den Brückenasphalt.

Erinnere ich mich schreibend, tauchen ebenfalls Bilder auf, ich sehe mich als Kind, Jugendliche, irgendwo, rieche das gechlorte Wasser im Hallenbad, reibe mich unter der Dusche mit dem Stück Seife ein, spüre, wie die enge Badekappe aus Gummi an den Haaren ziept. Ich brauche nur manchmal einen kleinen Anstupser, wie beispielsweise im Cafe Weltenall, in dem allmonatlich in der Kategorie „Alltag“ eben jenes alltägliche, das andernfalls unbeachtete, versammelt wird.

Zu diesem kurzen Text kam ich durch den Beitrag von Pinkfisch: #lebenschreibenatmen, die in ihrem Blogpost das neue Buch von Doris Dörrie mit ebenjenem Titel mit einer Einladung zum Schreiben verbindet. Ob ich allerdings warten kann, bis feststeht, wer ein solches Buch gewonnen hat, das weiß ich noch nicht. Vielleicht kaufe ich es mir ja vorher selbst.

12 Bilder vom 12. August

Sieben Jahre, sagt der Mitbewohner, der eher ein Faible für Zahlen hat und bei entgegenkommenden Autos das Nummernschild und nicht den Fahrer registriert. Vor sieben Jahren haben wir uns in echt kennengelernt. Wie die Geschichte vorher so ablief, nun, wer es noch nicht weiß, kann das hier (link) nachlesen.

Auf dem Weg von Hessen nach Franken geht es ein kleines Stück durch Thüringen

Vor sechs Jahren bin ich dann nach Franken gezogen, schließlich hatte der Mitbewohner versprochen, dass er mir seine Heimat ausführlich zeigt. Dass er davon dann vieles selbst noch nicht kannte, nun, da ging es ihm wie vielen anderen gebürtigen Franken. Inzwischen haben wir schon ziemlich viel erlebt und besichtigt, es bleibt jedoch immer noch vieles, was wir hier gerne sehen wollen.

Damals, also vor sechs Jahren, da hätte ich den Fettnäpfchenführer Bayern von Nadine Luck gut brauchen können. Das fing schon bei der Uhrzeit an: Während ich zu denjenigen gehöre, für die Viertel vor sechs oder Viertel nach sieben eine eindeutige Angabe ist, bevorzugte der Mitbewohner das hier gerne genutzte dreiviertel fünf, das dann selbstverständlich nicht 17 Uhr 45 ist, sondern viertel vor fünf. Zum Glück haben wir uns nicht oft verpasst, sondern waren eher gemeinsam unterwegs. Dass südlich der Mainlinie die Franken nicht als Bayern bezeichnet werden wollen, nun, das war mir bisher völlig entgangen.

Nadine Luck: „Der Fettnäpfchenführer Bayern: Die Mass aller Dinge“

Vielleicht lag es auch daran, dass ich bisher hier nur Urlaub gemacht habe, ich meine, da geht es um Erholung und nicht um Integration. Dass die Menschen hier lustige Namen füreinander haben, war mir schnell klar: Möchte ich, dass der Mitbewohner etwas macht, nenne ich ihn einfach: „Machma“, und wenn er mich auf etwas hinweist, sagt er. „Desdo“ zu mir. Selbstverständlich sind die Fettnäpfchen im Land der Franken und Bayern durchaus dicht gesät, passe ich nicht auf, tappe ich prompt hinein. Aber das macht nichts, dafür gibt es eine große Dose „Fett-Weg“, dem Zaubermittel für Fettfleckenentfernung. Im „Fettnäpfchenführer Bayern – Die Mass aller Dinge“ lässt der westdeutsche Jochen aus Wuppertal kaum eines der bereitwillig parat stehenden Fettnäpfchen aus. Anhand der Geschichte von Jochen und seiner Magdalena aus Niederbayern erklärt Nadine Luck sämtliche Fallen, die einem potentiellen Neubayern so begegnen können. Das Buch liest sich süffig, ganz wie ein Prosecco am lauen Nachmittag. Vergnügtes Kichern inbegriffen.

Mitten in Bamberg soll es Gärten geben. Wir suchen noch.

Weil die Lieblingshausziege demnächst in ihre eigenen vier Wände zieht, kramt sie alles zusammen, was sie so brauchen kann. Daher beeile ich mich, schreibe einen Text fertig und wir fahren nach Bamberg. Die in der Innenstadt befindlichen Gärtnereien und Gärten sind ebenfalls Teil des Weltkulturerbes, allerdings weitaus weniger bekannt als die Altstadt mit dem Dom. Das ist auch kein Wunder.

Hinter den großen Toren liegen die Gärten. Sagt der Mitbewohner.

Noch so ein hübsches Haus, auch mit großem Tor.

Obwohl der Mitbewohner einst in Bamberg studiert hat und prinzipiell weiß, wo die Gärtnerstadt liegt, laufen wir nur durch Straßen und suchen einen nicht vorhandenen Eingang. Sicher, es wird ihn geben, nur vor uns hat er sich gut versteckt. Da Montag ist, hat das zugehörige Museum ohnehin geschlossen. Ob in den Reihen Knoblauch oder Zwiebeln stehen, können wir aus der Entfernung ohnehin nicht sehen.

Das Rad ist ordentlich eingewachsen.

Sieht zwar grün aus, endet jedoch wieder am Zaun.

Auf der Fassade ist ein Gewächs aufgemalt. Das kann es ebenfalls nicht sein.

Einen Blick können wir erhaschen, über den Zaun hinweg. Dabei soll sogar ein Rundweg durch die Gärten führen, bis zu einem Aussichtsturm.

Heute ist jedoch die weitere Suche aussichtslos, wir können uns noch nicht einmal entscheiden, ob hier Zwiebel oder Knoblauch wächst.

Gucke da, in Bamberg hats Gondoliere. DAS wäre ja auch noch was…

Dafür war in der Gemüsekiste eine große Gemüsezwiebel, gerade richtig für eine leichte Zwiebelsuppe. Die gibt es gleich – und das waren damit meine zwölf Bilder vom 12. August. Wer mehr davon sehen möchte, bitte sehr, hier entlang: Bei Draußen nur Kännchen gibt noch viele weitere Sammlungen.

Gemüsezwiebel mit mehr als zehn Zentimeter Durchmesser.

 

 

Samstag wird gebadet #Alltag

Wer erinnert sich eigentlich noch daran, dass auch der Samstag ein Schultag war? Zwar mit maximal vier Stunden deutlich kürzer als die Schultage von Montag bis Freitag, aber trotzdem fand in der Schule ganz normaler Unterricht statt.

Daher mussten auch meine Eltern – sie waren beide Lehrer – arbeiten. Mittags kamen wir alle nach Hause, und, weil schließlich Samstag war, gab es in der Schule kein Essen. Daher war Samstag Suppentag. Weiße Bohnen oder gelbe Erbsen wurden bereits am Freitag eingeweicht und kamen tagsdrauf mit Kartoffeln, Karotten und dem, was der Vater so im Kühlschrank fand, in einen Topf. Nunja, die Suppe traf selten meinen Geschmack, aber das war damals halt so.

War das Essen verputzt, wurde geputzt. In der Küche reckten die Stühle ihre Beinde nach oben, ließen sich von diesen die Flusen pflücken. Es wurde gefegt, gewischt und – war der Fußboden trocken – alles gebohnert und anschließend auf Hochglanz poliert. Der dafür genutzte Bohnerbesen war ein schweres Stück Metall mit Borsten untendran, ein Kugelgelenk verband Besen mit Stiel. Das typische Klackern verriet bei jedem Schwung, ob die Arbeit emsig verrichtet wurde. Waren die Pausen zu lang, schaute die Mutter misstrauisch ums Eck. Trödeln galt nicht. Bohnerte sie selbst, stellte sich manchmal mein kleiner Bruder als zusätzliches Gewicht auf den Bohnerbesen und ließ sich schieben, hin und her, klackediklack.

Bad putzen, Staub wischen, Straße fegen. Damals war alles auch Kinderarbeit, sprich: Mithilfe gefragt. Jedenfalls von mir und solange ich bei den Eltern gewohnt habe. Meine kleineren Brüder haben dagegen ihre jeweils eigenen Strategien entwickelt, der doch recht ungeliebten Hausarbeit zu entkommen. Bis heute. Aber darüber wird nicht geplauscht, jedenfalls nicht öffentlich.

Doch irgendwann war jeder Samstagsputz erledigt und der Vater schürte den Badeofen an, ein großes Trumm mit Wasserkessel oben und einer Feuerstelle darunter. War das Wasser im Kessel heiß, konnte der erste von uns baden. In diesem Fall habe ich meine Stellung als Älteste gnadenlos ausgenutzt. Wer von meinen Brüdern nach mir baden wollte, musste entweder warten, bis die nächste Kesselfüllung heiß war oder sich in mein bereits gebrauchtes Badewasser setzen.

Eine Badewanne, wie sie bei meiner Oma im Badezimmer stand. Heute mit Blumen bepflanzt.

Eine Badewanne, wie sie bei meiner Oma im Badezimmer stand. Heute mit Blumen bepflanzt.

Samstag wurde gebadet. Das konnte dauern: Ich erinnere mich daran, dass ich es mir als Jugendliche in der Badewanne durchaus kommod eingerichtet habe, mit Kofferradio und Buch. Kühlte das Wasser ab, ließ ich heißes nachlaufen. Brüderlein konnte warten. Der Samstag war ein Tag, der einfach nie enden wollte, der alle Möglichkeiten barg und nichts erwartete. Irgendwann landeten wir meistens alle vor dem Fernseher, oft hatte ich dabei gleichzeitig ein Buch in der Hand. Manchmal ging der Vater dann an den Schrank, spendierte etwas zum Naschen, stellte Getränke parat. Wir saßen in Schlafanzug und Bademantel, es kam irgendwas im Fernsehen, so belanglos, dass ich mich heute nicht mehr daran erinnern kann.

Waren wir Kinder mit Baden fertig, blieb das Wasser in der Wanne. Mindestens bis zum Ende meiner Grundschulzeit schöpfte dann die Mutter das noch warme Wasser in die Bottichwaschmaschine und nutzte es zum Wäschewaschen. Während bei uns eine völlig normale Wanne im Bad stand, eine weiß-emaillierte, hatte Oma eine Wanne aus Zink, mit abgerundetem Ende für den Kopf und zum Anlehnen, nach unten hin schmaler werdend. Füße brauchen schließlich weniger Platz.

Jetzt, im Nachdenken über diese längst vergangene Zeit, fällt mir auf, wie ruhig sie heute erscheint. Damals hat niemand hinterfragt, ob Hausputz oder Badetag wirklich am Samstag sein müssen oder nicht, das war halt so, das haben wir immer so gemacht, das wird so bleiben – doch so blieb es nicht, auch nicht bis in alle Ewigkeit. Irgendwann gab es eine Dusche, irgendwann war nur noch von Montag bis Freitag Schule, irgendwann zog ich aus und weg und habe die Eltern nur noch gelegentlich besucht.

Dass Samstags gebadet wurde, hieß übrigens nicht, dass wir den Rest der Woche dreckig ins Bett gingen. Wochentags kamen die Waschlappen am Waschbecken zum Einsatz. Haare wurden allerdings nur einmal wöchentlich gewaschen. Das hat gereicht.

Verbunden mit: Cafe Weltenall und dem Alltagsprojekt.

Verbunden mit: Andrea Karminrot und dem Samstagsplausch.

Tagebuchbloggen am 5. August

Jeden Monatsfünften versammelt sich die Gemeinschaft der Tagebuchblogger bei Frau Brüllen und erzählt, was sie den ganzen Tag über so getrieben hat. Das ganze hat auch eine Abkürzung: WMDEDGT, was nichts anderes heißt als: Was machst du eigentlich den ganzen Tag. Nun denn:

Heute ging der Tag schneller vorbei, als ich irgendwie hinterhergucken konnte. Nach dem obligatorischen Kaffee, Müsli, Katzenkraulen habe ich einen Einstieg in einen Text über die Passionsspiele in Erl gewagt. Bis jetzt finde ich ihn ja halbwegs gelungen, mal sehen, was ich morgen darüber denke. Das ist nämlich gar nicht so einfach, ich meine, das Stück ist bekannt, ebenso wie der Ausgang desselben. Damals als magischen Schutz vor der Pest verstanden, führen die Erler ihre Passionsspiele bis heute auf, nicht jedes Jahr, aber immerhin regelmäßig, bis heute.

Die Passion endet immer gleich. Trotzdem besuchen erstaunlich viele Menschen die Passionsspiele in Erl.

Gegen Mittag hatten wir dann eine Verabredung, fuhren gemeinsam zu viert nach Bamberg, speisten beim Italiener, tranken noch einen Kaffee in Sichtweite des Rathauses, unterhielten uns, genossen den Tag, bis sich der Mitbewohner daran erinnerte, dass er noch einen Termin in Fürth hatte und jetzt endlich losfahren müsse. Gut.

Wieder zuhause, sah ich den Katzen beim Schlafen zu, kraulte hinter ihren Ohren und kramte mein Malzeug zusammen. Morgen hat jemand Geburtstag, und da brauchte ich noch eine Geburtstagskarte. Was ich verschenke? Das, was es heutzutage so selten gibt: Zeit. Mal sehen, ob das Geschenk jemals eingelöst wird. Nein, ich spekuliere nicht darauf, ich würde mich wirklich sehr freuen, wenn ich meine Zeit verschenke und diese auch angenommen wird, aber in diesem Fall weiß ich es nicht. Sicher, ich könnte auch etwas kaufen, Schmuck, Parfüm, irgendwelches Schnickeldi. Aber all das wären Dinge, Zeug, das ich kaufen würde und bei dem ich das Gefühl hätte, dass ich mich einfach freikaufen würde.

Sonst? Ja, sonst ist heute eigentlich nichts passiert. Wir haben zu viert eine schöne Zeit verbracht, gut gegessen, gut miteinander geredet, das ist doch schon was. Das machen wir manchmal viel zu selten. Die schnellen Antworten auf WhatsApp oder anderswo suggerieren eine Nähe, die oft nur eine scheinbare Nähe ist. Für eine echte Nähe brauche ich Zeit. Manchmal auch eine ganze Menge Zeit.

Verbunden mit: Frau Brüllen und dem WMDEDGT.

Die erste Eisenbahn #Rostparade

1835, also vor gut 184 Jahren, fuhr die erste Eisenbahn von Nürnberg nach Fürth. Sechs Kilometer weit ging die Reise auf gerade verlegten Schienen, da die kleine Bahn noch keine Kurven fahren konnte. Heute tobt der Verkehr am damals noch kleinen Bahnhof, der nicht etwa dort war, wo er heute liegt, sondern am Plärrer, einem großen Platz. Unten in der U-Bahn erinnern die Wandfliesen an die Geschichte der Eisenbahn. Das Denkmal auf der Strecke war mehrfach im Weg und wurde immer wieder an anderer Stelle errichtet, bis es heute direkt über der U-Bahn-Linie seinen – vielleicht – endgültigen Platz fand.

Neulich blieb uns nach einem Besuch im Germanischen Nationalmuseum noch genügend Zeit für ein: Ach, lass uns doch mal die Strecke zwischen Nürnberg und Fürth laufen, genau die Strecke, die damals die kleine Eisenbahn fuhr. Heute verläuft die Straße dort immer noch schnurgerade, auch wenn hier längst keine Schienen mehr liegen, sondern vierspuriger Verkehr auf Asphalt unterwegs ist.

An einer Stelle wird die Straße von einer neuen Eisenbahnbrücke überquert, auf der noch sämtliche Notizen der letzten Renovierung vermerkt sind.

Der Blick unter dieselbe zeigt: Irgendwie hat alles gut gehalten. Es ist kaum Rost zu sehen.

Verbunden mit: Der Rostparade bei cubusregio.

Mit dem VGN nachhaltig unterwegs

Heute ist der Tag, an dem wir die jährlichen Erträge der Erde bereits vernascht haben. Morgen ist auch noch ein Tag? Ja, und?

Wollten die Menschen in früheren Zeiten im Frühjahr Saatgut in die Erde bringen, mussten sie genügend davon aufheben: So entstand der Ursprung von Kultur. Es wurde nicht nur gesammelt, was gerade am Wegrand verfügbar war, sondern so viel gesät und geerntet, dass es über den Winter hinweg bis zur nächsten Aussaat reichte. Fiel die Ernte mager aus, gab es nicht genügend zum Essen und manchmal auch nicht genügend Saatgetreide. Seit jedoch die Erträge der ganzen Welt auf unserem Teller landen, fällt es uns nicht mehr auf, dass die Erde überhaupt nicht so viel produzieren kann, wie wir verbrauchen. Die Regale im Supermarkt sind ja voll. Allerdings lässt unser Überfluss anderswo Menschen hungern: Damit genügend Kartoffelchips in den Regalen stehen, kaufen die Produzenten die Ernte dort auf, wo es Kartoffeln gibt. Ohne Rücksicht darauf, dass Kartoffeln dort dann teurer und womöglich für die dort lebenden Menschen unbezahlbar werden.

Was hat das nun mit dem VGN zu tun, dem Verkehrsverbund im Großraum Nürnberg?

Auf den ersten Blick nichts. Auf den zweiten Blick allerdings eine Menge. Ich kann nämlich den Zug oder Bus benutzen, damit mein Auto stehen lassen und trotzdem mit dem Rad oder zu Fuß die Region rund um Nürnberg entdecken.

Ist der Bahnhof barrierefrei mit Aufzug ausgestattet, brauche ich das Rad nicht via Treppe auf den Bahnsteig zu bugsieren. Das ist praktisch, allerdings noch nicht überall verfügbar. In Forchheim steige ich also in den Regionalzug nach Nürnberg, weil ich mich dort mit anderen Radfahrern, Tour-Guide Nora Beyer und Uli Büscher vom VGN treffen will. Da wir jedoch von Fürth aus unsere Tour auf dem Hohenzollernradweg starten, geht es mit der S-Bahn drei Stationen zurück.

In Fürth wartet Joanna Bacik vom Regionalmanagement des Landkreises Fürth und stellt den Erlebnisradweg Hohenzollern vor. Dieser verbindet einzelne Stationen des Fürstengeschlechtes und reicht von Nürnberg bis nach Ansbach. Als die Hohenzollern im 12. Jahrhundert als Burggrafen und damit Burgverwalter auf die Kaiserburg kamen, nutzten sie eifrig die Nähe zu ihren jeweiligen Chefs, stärkten ihre Macht durch familiäre Beziehungen und waren damit erfolgreich, jedenfalls so lange, bis Wilhelm II. am 28. November 1918 als deutscher Kaiser abdanken musste.

Mit der speziell für den Erlebnisradweg entwickelten App lassen sich insgesamt elf Stationen virtuell zum Leben erwecken. Der Silber und Schwarz geviertelte Schild der Hohenzollern zeigt somit nicht nur Richtung und Weg, sondern auch die Stationen, an denen per App und Handy Geschichte lebendig werden kann.

Mit App, Tablet oder Smartphone wird am Erlebnisradweg Hohenzollern Geschichte virtuell lebendig.

Da am Dreiherrschaftsbrunnen in Fürth für den QR-Code der App kein Platz war, ist sie am zehn Meter entfernten Brezenhäuschen angebracht.

Irgendwann ist jedoch genug erklärt, und wir fahren mit dem Rad nur ein kurzes Stück noch durch die Stadt via Veitsbronn bis Langenzenn. Vor dem ehemaligen Kloster ist ebenfalls ein QR-Code zu finden.

vor dem Kloster in Langenzenn gibt es wieder einen QR-Code

Die Strecke ist relativ eben und lässt sich – bis auf den letzten Anstieg kurz vor der Cadolzburg – ganz leicht mit dem Rad fahren. Dass es an diesem Tag heiß ist – geschenkt. In Cadolzburg ist jedenfalls Endstation. Allerdings nicht ohne Burgbesichtigung mit Führung durch den Museumspädagogen Max Keck.

Virtuelle Realität in der Cadolzburg

Da ich zur Neueröffnung der Cadolzburg schon einmal an einer wirklich sehr informativen Führung teilgenommen habe, verlinke ich diese hier einfach. Bitte sehr, hier entlang: Herrschaftszeiten in Cadolzburg.

Die Burg brannte kurz vor Kriegsende aus. Ein Teil bleibt deswegen zur Erinnerung so stehen.

Die Tour zur Cadolzburg ist übrigens eine der acht Touren, die der VGN-Bahnsommer in diesem Jahr bietet und die alle zu attraktiven und nicht ganz so bekannten Zielen in Franken und der Oberpfalz führen.

Ich nahm an der Tour auf Einladung des VGN und Regionalmanagement des Landkreises Fürth teil, fand jedoch dieses Teilstück des Radweges interessant genug, um mir demnächst die gesamten 95 Kilometer vorzunehmen.

„Der Schatten des Fotografen“ von Helmut Lethen

Heute morgen wollte ich den Blogbeitrag von Juna Grossmann: „Mit den Augen der Täter“ kommentieren, aber es ging nicht. Weil die Technik nicht wollte, weil das Internet etwas dagegen hatte, weil, ja, keine Ahnung, warum. Es hat eben nicht funktioniert, wie manches nicht funktioniert, das mit Computern zu tun hat und ich mich so an diesen Error Nummer-irgendwie gewöhnt habe, dass es mich eben nicht wundert, wenn nicht alles funktioniert.

Der Beitrag erinnerte mich nämlich an ein Buch, das seit einiger Zeit bei mir im Regal steht, bereits gelesen wurde und das ich schon immer hier vorstellen wollte. „Der Schatten des Fotografen“ von Helmut Lethen erschien 2014 bei Rowohlt und bekam im gleichen Jahr den Preis der Leipziger Buchmesse. In einer Art Vorwort beschreibt Lethen seinen Weg in die Wirklichkeit der Medien und erzählt, dass Bilder wesentlich länger im Gedächtnis bleiben als, beispielsweise, der Schmerz eines Foxterrierbisses. Den eigentlichen Auftakt bildet jedoch eine Szene, in der sich Marina Abramovic und Ulay nackt im Eingang der Galleria Communale d’Arte Moderna in Bologna gegenüberstehen. Die Besucher müssen sich zwischen beiden hindurchzwängeln. Innen zeigen zwei Bildschirme, wie die Passanten ein- und wieder auftauchen. Erst diese „rufen ins Bewusstsein, dass man etwas verpasst hat“.

Helmut Lethen: „Der Schatten des Fotografen“

Zunächst ist eine Photographie eine Lichtmalerei: Wird ein Körper auf dem Film abgebildet, befand er sich auch real vor der Kamera und wurde – wenigstens im Zeitalter der analogen Fotografie – chemisch gespeichert. Doch oft offenbart sich das Bild erst aus dem Kontext, der Beschreibung: Auf dem Umschlag ist eine Frau abgebildet, sie wendet dem Betrachter den Rücken zu, geht durch Wasser zum Ufer, den Rock etwas geschürzt, vielleicht soll er nicht nass werden. Die Rückseite des Fotos vermerkt „Die Minenprobe. Vom Donez zum Don 1942“. Mit dieser Beschreibung wandelt sich das scheinbare Idyll und wird damit zum Beweis einer gelebten Unmenschlichkeit, die lebendige Menschen als Minensuchgerät einsetzten und deren möglichen Tod billigend in Kauf nahmen.

Lethen sucht eine Realität, die sich hinter den Bildern verbirgt und schildert in vielen Beispielen seine darin vermuteten Zusammenhänge. Er erkennt, dass ein Bild eben nicht tausend Worte ersetzen, sondern oft noch nicht einmal für sich selbst sprechen kann. Sollen Bilder als historische Beweise dienen, braucht es das Wissen um die Zusammenhänge ihrer Entstehung. Damit spricht er den Fotografien das reale Abbild der Wirklichkeit ab. Sie sind – seiner Ansicht nach – der Absicht des Fotografen geschuldet, der seinen Fotoapparat nach den Regeln der Kunst und der Komposition bedient.

Ich fand es faszinierend, wie präzise Lethen Bilder analysiert und kritisiert. Er beschreibt, verweist und schult ganz nebenbei das Sehen selbst. Er untersucht die Bilder nicht systematisch, sondern eher biografisch, anhand seiner eigenen Erinnerungen und mäandert dabei durch viele Jahre bundesrepublikanische Bildgeschichte. Und er lädt ein, ihn auf seinen Gedanken zu begleiten und selbst zu denken.

Helmut Lethen: „Der Schatten des Fotografen“, erschienen 2014 bei Rowohlt
als E-Book für 9,99 Euro, als Hardcover für 19,85 Euro.

Samstagsplausch

Während der Regen heute ein leises Lied auf die Fenster getröpfelt hat, habe ich gebügelt. Ja, gebügelt. Ich finde bügeln nicht nur meditativ, sondern es eignet sich ausgezeichnet zum nachdenken.

Und da gab es so einiges:

Ganz egal ob der Ausstoß von Kohlendioxid nun besteuert oder qua Emissionshandel anderweitig teurer werden soll und ganz egal, ob die Regierung nun versichert, dass niemand unnötig und überhaupt dadurch belastet werden soll. Ganz gleich, wie hoch in den vergangenen Jahren der Benzinpreis gestiegen ist – fahren deswegen weniger mit unseren Autos? Werden statt dessen die (nicht mit Strom betriebenen) Fahrräder oder gar die eigenen Füße zur Fortbewegung genutzt? Statt dessen sollen jetzt E-Scooter kurze Entfernungen überbrücken, auf dass ja niemand mehr laufen muss.

Einkaufen: Steht der Einkaufsmarkt weit vor dem Ort, brauche ich das Auto. Logisch. Dafür gehe ich aber nicht mehr täglich hin, sondern wöchentlich. Ich kaufe mehr, schließlich soll es ja die Woche über reichen, und ich brauche mehr Platz im Kühlschrank, also wieder mehr Strom. Es ist wie eine Spirale, die sich stets höher dreht.

Kochen: Wer kochen lernt, braucht Zeit und Geduld. So ganz einfach ist es nicht, auch wenn sich manche Rezepte einfach lesen. Ich weiß noch genau, wie lange ich geübt habe, bis ich die Pfannekuchen unfallfrei und am Stück aus der Pfanne holen konnte. Bis dahin war es eher eine Art „Rupfkuchen“, oder, wie die älteste Lieblingshausziege sagte, Mama, lass mal, ich esse die Eierkuchen lieber bei Oma. Wer schon einmal auf der Hausfrauenmesse zusehen konnte, wie virtuos dort Küchen- und andere Geräte gehandhabt werden, ahnt sicher, dass diese nicht immer das Leben leichter, sondern nur die Schränke voller machen. Oft reicht es aus, Dinge lange genug zu üben: Ich weiß noch, wie ich meine Uroma bewundert habe, wenn sie mit einem einzigen Schnitt die dann geringelte Schale vom Apfel oder der Kartoffel geschält hat. DAS wollte ich auch hinkriegen. Inzwischen ist es mir nicht mehr so wichtig, aber ich nehme bis heute lieber ein kleines Messer zum Kartoffelschälen als einen für mich unbequemeren Sparschäler. Auf einer guten Reibe sind Kartoffeln und Möhren bereits fertig gerieben, wenn ich anderenfalls erst die Küchenmaschine aufgebaut hätte. Und damit wären die Einzelteile der Maschine nach der Arbeit noch nicht einmal sauber.

Abgestürzt. Wenn alles so weiter geht, wird das wohl irgendwann passieren.

Jedenfalls haben wir einen alten Gefrierschrank im Keller ausgeräumt und ausgeschaltet. Da der Mitbewohner neugierig war, hat er nachgemessen: Die Stromrechnung dürfte allein damit bereits fünf Euro monatlich geringer ausfallen.

Vielleicht sollte jeder ein bestimmtes Kontingent an Energie bekommen. Das kann er nach Herzenslust und -laune für Strom, Benzin und auch für Flüge oder Kreuzfahrten nutzen. Wenns nicht reicht, nun, dann kann er ja gucken, ob er jemandem, der weniger braucht, etwas abkaufen kann. Andernfalls, nun, dann ist eben noch Monat übrig.

Nein, die Energiewende ist nichts, was ich im eigenen Haushalt irgendwie hinkriegen könnte, auch dann nicht, wenn noch zehn andere Menschen mitmachen. Da brauchen wir deutlich mehr Menschen, die mitmachen. Bis es die Politiker endlich begreifen.

Statt dessen ist die rechte Spur auf den Autobahnen dicht von Lastkraftwagen besetzt. Es ist ja billiger, Milch aus Berchtesgaden nach Bayreuth in die Molkerei zu fahren, als gleich in Oberbayern in Flaschen zu füllen. Es ist auch billiger, Einzelteile für jeden Arbeitsschritt in ein anderes Unternehmen zu fahren, statt alles an einem Ort zu fertigen. Das kostet ja nur Sprit, verursacht Stau und zerstört die Fahrbahnen. Daran kann ich nichts ändern, die Politiker jedoch wohl.

Verbunden mit: Andrea Karminrot und ihrem Samstagsplausch. Auch wenn er heute wenig vergnüglich ausfiel.