Hoffest in Hemhofen

Heute war Hoffest auf dem Landgut Schloss Hemhofen. Von dort kommt unsere wöchentliche Abokiste, da lohnte es sich, vorbeizugucken, nicht nur, weil wir so das Kochen sparen konnten. Wir saßen also auf Bierbänken, aßen und tranken, ich guckte auf die Uhr über dem Schlossportal, verrostetes Ziffernblatt mit vergoldeten Zeigern. Oh. Die zeigte ja die gleiche Zeit an, wie sie in Wirklichkeit war. Nach einer Weile guckte ich noch einmal: Oh. Die geht ja wirklich. Das hätte ich nicht gedacht. Die Lieblingshausziege kicherte.

Schloss Hemhofen. Auf der anderen Seite ging es zum Fest hinein.

An einem Stand drohte ein Schild: Limonade wie bei Oma. Soll sicher heißen: natürlich, ohne Zusatzstoffe, irgend so etwas. Aber wenn ich so zurückdenke, dann war die Zeit, in der meine Oma Limonade gemacht hat, genau die Zeit, als die Flüsse schäumten, jedes Dorf eine Müllhalde hatte, auf der es manchmal gewaltig qualmte und überhaupt: Das Obst wurde ausgiebig gespritzt, damit keine Maden und Würmer und Schnecken… Damals war schließlich DDT noch erlaubt und akzeptiert. Ob ich sowas gerne als Limonade trinken würde? Damals habe ich es gemacht – und mir auch keine Gedanken über Schadstoffe und andere Leckereien gemacht. Schließlich hat das Zeug geschmeckt. Omas Limonade war übrigens ganz einfach: Selbst gemachter Himbeersirup, Wasser drauf, ein Schuss Essig hinein und eine Löffelspitze Natron dazu, damit das Himbeersirupwasser ein bisschen sprudelte.

Hoffest auf dem Landgut Schloss Hemhofen

Die Lieblingshausziege bekam eine Cola spendiert, Bio selbstverständlich. Was anderes gab es hier nicht. Hundert Prozent Taste stand auf dem Etikett. Ja, was denn sonst, bemerkte sie. Aber die Cola war nicht so ganz nach ihrer Nase. Vielleicht lag es daran, dass ein Teil des Geschmacks als brauner Satz unten in der Flasche klebte und sich auch durch Schütteln nicht lösen lassen wollte.

Wieder zu Hause duftete es von draußen nach brennender Grillkohle und verkohltem Essen. Vielleicht hat der Nachbar auch was verwechselt. Wer weiß das schon. Die Pflaumen sind übrigens tatsächlich fast alle verarbeitet. Die restlichen Exemplare liegen jetzt noch in einer Schüssel und warten darauf, dass sie einfach so im Mund verschwinden.

Abokiste. Endlich.

Wer in einer Großstadt wohnt, und dort selbstverständlich auch seine Abokiste hält, mag von mir aus sagen: Alter Hut. Bevor ich nach Franken zog, lebte ich in einer Provinz, die so provinziell war, dass dort solches nicht zu haben war. Klar, wenn es nicht genügend Abonnenten gibt, lohnt sich das Angebot einer Abokiste für denjenigen nicht, der diese sonst gerne anbieten würde. Also kaufte ich mein Gemüse nach dem Zufallsprinzip: Was gefällt, kommt mit. Was daraus jeweils wurde, sah ich später. Doch diese Auswahl endete oft mit dem bereits hinlänglich Bekannten, was ich nicht kannte, kam nicht in den Korb. Das erleichterte nicht nur die Wahl des Gemüses, sondern auch die der Rezepte, schränkte diese aber oft – auch aus Gründen der Bequemlichkeit und der Schnelligkeit – auf diejenigen ein, die ich bereits auswendig kannte.
In Hemhofen war Hoffest und Gelegenheit, die Abokiste zunächst probeweise, dann richtig zu abonnieren. Wir sind auf dem Hof ausgiebig herumgestiefelt, haben uns allerlei schöne Dinge angeschaut, nur kamen wir leider für die Führung durch das Haus zu spät. Im nächsten Jahr kommt sicherlich ein neues Fest und vielleicht steht dann die Tür wieder offen.

Die Abokiste. Immer gut gefüllt.

Abokiste: Eine Kiste mit lauter Überraschungen: Blumenkohl ist ein alter Bekannter, da wird ein Auflauf draus. Möhren, Salat, rotschalige Kartoffeln, Süßkartoffeln, Rucola und rote Bete. Die essen alle ausgesprochen gerne. Allerdings habe ich sie bisher aus Bequemlichkeit und weil ich rote Finger nicht so mag, meistens fertig im Glas gekauft. Die kleinen kullerrunden Rote-Bete-Kugeln waren bei den Kindern – schon der Form wegen – die beliebteste Sorte.
Jetzt also rote Bete – oder Rüben – in der Schale. Ungekocht. Roh. Grund genug, mal wieder in Kochbüchern zu stöbern, wie diesem hier: Tafelspitzen der Gebrüder Lange, welches es leider – wenn überhaupt – gebraucht gibt.
Als Gemüsegang werden hier die Roten Bete mit Curry empfohlen:
Rote Bete mit Thymian, Essig und Salz kochen. Weil das Gemüse noch in der Schale steckt, darf genügend Essig ins Kochwasser: Pro Liter Wasser etwa eine halbe Tasse voll. Nachdem die Bete genügend lange gekocht wurden – je nach Größe – bleiben sie am Besten über Nacht im Kochwasser liegen, damit der Essig bis nach innen ziehen kann.
Anschließend werden die Rüben aus der Schale gepellt. Wer dafür die Hände in Gummihandschuhe verpackt, hat hinterher kein Problem, sie vorzuzeigen. In möglichst schmale Tortenstückchen geschnitten, lassen sich die Rübchen hübsch auf den Teller legen.

Rote Beete mit Currysoße