Schwarz-weißes Klappern

Wenn es leise ist, und gerade keine Autos durch Uehlfeld rauschen, kann ich das Klappern hören. Sie klappern immer noch, die Störche, 17 Nester sollen es sein, der Mann hat elf davon gezählt. In einigen von ihnen herrscht prallvolle Enge, ich meine, vier Störche in einem Nest, gibt es da nicht eine Überbelegung?

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Der will tatsächlich auch noch dort landen.

Wir sind wieder einmal auf dem Storchenlehrpfad unterwegs, so lang ist er schließlich nicht. Nach zwei Stunden sind wir wieder am Voggendorfer Keller angelangt, wir trinken ein Hefeweizen und bekommen Blasmusik gratis. Vorher jedoch haben wir am Weiher gepicknickt, auch wenn dort noch gar kein Storch war.

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Vogelbeobachtungsstand am Weiher.

Im nächsten Weiher schwimmt etwas, aber das ist auch kein Storch, das sind zwei schwarze Schwäne. Eigentlich wollte ich ihnen ein wenig näher kommen, aber je näher ich kam, um so schneller schwammen sie weiter.

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schwarze Schwäne

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Begrüßung in Uehlfeld. Wer begrüßt da eigentlich wen?

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Storch in Wiese.

Die meisten Störche kann ich sehen, wenn ich den großen Rasenmähern folge, mit denen die Bauern die Wiesen abmähen. Von diesen lassen sie sich überhaupt nicht beeindrucken, sie hupfen ein kleines Stückchen weiter und storchen weiter durch den Salat, äh, das abgemähte Gras.

Das ist heute mein Beitrag zum Schwarzweißblick bei Frauke: Link 

und zum Black & White bei Czoczo: Link.

Mit wunderbaren Riegeln fest verschlossen. #Rostparade

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St. Martin in Ailersbach.

Ailersbach ist einer der kleinen Ortsteile von Höchstadt an der Aisch mit nicht allzu vielen Einwohnern. Mitten im Ort steht die kleine Martinskirche, erstaunlich gut erhalten, aber leider verschlossen. Nur noch einmal in zwei Wochen, jeweils am Donnerstag, wird hier eine Messe gefeiert. Trotzdem hat Maria Elisabeth Schaeffler, ja, die Frau, der die Schaeffler-Werke gehören und die, als die Übernahme von Conti schiefging, im Pelzmantel vor ihren Beschäftigten stand und Angst hatte, am Hungertuch zu nagen, das Kirchlein sanieren lassen.

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St. Martin in Ailersbach: Mauer mit Türchen von innen.

Das Kirchlein ist von einer Mauer umgeben. Das sind viele Kirchen hier in Franken, in dem einst das Bistum Bamberg und die Evangelischen in Nürnberg und Erlangen wilde Glaubenskriege ausfochten. Manchmal mag man es kaum glauben, aber so lange ist das tatsächlich noch gar nicht her.

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St. Martin in Ailersbach: Türriegel.

Ob allerdings der Riegel und das Türschloss wirklich Angreifern Paroli geboten hätte, oder ob es eher eine Schmuckmauer und ein Schmucktürchen war, ganz nach dem Motto: Das machen die anderen alle so, das wollen wir auch, das weiß ich nicht. Da sowohl Türschloss als auch Riegel rostig sind, schicke ich sie zu Frau Tonaris Rostparade, die an jedem Monatsletzten stattfindet. Wer mag, klickt auf den Link: Dort sind viele rostige und sehr charmante Dinge zu bewundern.

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St. Martin, Ailersbach: Türriegel.

Kräuter und Weiher im Aischgrund

Da mir die Lieblingshausziege meine Laufschuhe abgeschwatzt – und dafür ein paar fürchterlich kaputte Treter weggeworfen hat – waren wir gestern kurz in Herzogenaurach, neue kaufen: Schließlich haben dort sowohl Adidas als auch Puma ihre heiligen Hallen, vieles gibt es günstig, aber oft fahren wir nicht dorthin, weil: Viel zu viele Autos und Menschen. Aber es hat funktioniert, ich fand fix ein Paar Schuhe, passt, mitgenommen.

12 409Also mussten wir heute ausprobieren, ob die Schuhe auch taugen. Der gesamte Kräuterwanderweg war mir mit 24 Kilometern ein wenig zu lang für: Ähm, mal sehen, wie sich die Schuhe mit den Fußen vertragen. Also kürzten wir ab und liefen mit acht Kilometern etwa ein Drittel. In Vestenbergsgreuth das Auto geparkt, von Lonnerstadt aus konnten wir sogar den Kräuterweg über Fetzelhofen, Frimmersdorf bis Hermersdorf mit dem Auto befahren. Das war nicht nur möglich, sondern auch erlaubt. Falls ich den gesamten Weg noch einmal erleben möchte, werde ich lieber das Fahrrad nehmen: Auf Asphalt laufe ich nicht so gerne. Vestenbergsgreuth also. Eine Gemeinde mit 14 Ortsteilen, in der 1500 Menschen wohnen. Ich finde es immer wieder faszinierend, wie eng hier tiefste Provinz und Metropolregion beieinander liegen. Hier kostet der Quadratmeter Bauland weniger als 30 Euro, im Erlanger Umland 600 Euro. Etwa eine Stunde Fahrzeit liegt dazwischen…

In einem Hohlweg finden wir Keller (geschlossen, ist ja auch ein ganz privater), eine Bank und einen Tisch, passend für die Brotzeit. Über uns blüht etwas, das keiner von uns kennt, aber es duftet schön und summt.

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Waldweg.

Erst geht es durch Wald, rechts und links sind Heidelbeerbüsche. Irgendwann riecht es ziemlich süß, ich gucke, finde aber nichts. Um uns herum stehen Eichen und Nadelbäume, die riechen nicht so. Ein paar Meter weiter ist das Rapsfeld in Sicht und das Rätsel gelüftet. Hüfthoch steht der Raps, ein klappriger Hochsitz daneben. Doch der Riegel ist neu, also ermutigt mich der Mitbewohner hochzusteigen. Tatsächlich, die Aussicht ist besser als unten.

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Rapsfeld am Wald.

Ein Stückchen weiter ist die nächste Bank mit Aussicht aufs Dorf. Doch, es ist unglaublich idyllisch hier. Schade, dass der Mann manchmal drängelt und weiter gehen will.

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Aussicht aufs Dorf.

 

Aber es wird noch schöner, als wir an eine Weiherkette kommen. Ü-ber-all Frösche!

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Frosch im Weiher.

Ich könnte hier ewig sitzen und den Fröschen zugucken und -hören. Ich glaube, morgen kommt eine Kanne Kaffee und etwas mehr Futter mit, ich packe noch das Teleobjektiv ein und dann wird nicht gelaufen, sondern gesessen und geguckt.

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Suchbild: Wo ist der Buntspecht?

12 471Auf dem Rückweg noch ein lustiges Schild am Waldweg. Immerhin dürfen hier tatsächlich Autos fahren, obwohl nicht geteert, sondern nur geschottert ist. Provinz eben. Die sind noch nicht soweit.

Noch kurz ergänzt: Der Mitbewohner wies darauf hin, dass Vestenbergsgreuth (14 Ortsteile, 1500 Einwohner!) eine Fußballmannschaft hatte, die in der Landesliga spielte und selbst Bayern München mal besiegte. Inzwischen mit Fürth fusioniert, heißt die Mannschaft jetzt Greuther Fürth…

Karpfen zum Schulbeginn

Die Lieblingshausziege hatte gestern ihren ersten Schultag in der 11. Klasse. Ab jetzt sind es nur noch zwei Jahre, bis sie ihr Abitur hoffentlich besteht – und dann irgendetwas anderes macht. Zur Feier des Tages aßen wir jedenfalls gestern aushäusig und suchten extra ein Wirtshaus im Aischgrund auf. Schließlich ist inzwischen September, das ist ein Monat mit „R“, also gibt es wieder Karpfen.

Aischgrund Karpfen

Ein gebackener Karpfen auf dem Teller

Mit dem Schwanz hoch in der Luft lag der Karpfen in seiner Panade auf dem Teller, als wollte er mit einem letzten Flossenschlag noch schnell seinem Schicksal entfliehen. So sieht der gebackene Karpfen aber nur aus, wenn er wirklich frisch ist, verriet mir vor einiger Zeit ein Koch.

Hier in Franken, speziell im Aischgrund, ist der Karpfen – ob blau oder paniert – wahrscheinlich auf jeder Wirtshauskarte zu finden. Immerhin wurde er fast hier erfunden, im Land der ungezählten Teiche. Der Geheimtipp der Einheimischen ist eine Wirtschaft mit dem Charme einer Bahnhofsgaststätte: In dieser steht unter den Fenstern eine lange Bank an der Wand, mit fünf geradlinigen und soliden großen Tischen davor. Da Ruhetag war, blieben sie jedoch am Dienstag unbesetzt. Aber es gab genügend Auswahl- und Ausweichmöglichkeiten, so dass wir auch ohne Anmeldung in einer anderen Wirtschaft drei freie Plätzchen am Tisch fanden.

Vor dem Karpfen wurde der Salat serviert, der etwas angesäuert war – so gehört sich das hier nämlich – und der Weißkohl mit ganzen Kümmelkörnern bestreut. Das behagte der Lieblingshausziege nicht so, sie mag den Kümmel auch dann nicht, wenn ich ihn pulverisiert ins Essen mische.

Wenn ich den Spiegelkarpfen mit einem Auto vergleichen würde, wäre er eher ein behäbiger 2CV als ein schnittiger Manta. Sein Aussehen stammt aus jener Zeit, in der die Bischöfe – und sämtliche anderen Gläubigen auch – in der Fastenzeit kein Fleisch essen durften. Fisch dagegen war erlaubt. Doch dieser durfte nicht größer sein als der Teller auf dem er lag. Zwar hätten die Bischöfe auch größere Teller nehmen können, aber sie ließen lieber den Karpfen passend zum Teller züchten. Seitdem ist der Aischgründer Spiegelkarpfen eher kurz und hat einen richtig runden Rücken, der fast wie ein Buckel aussieht. So passt er gut auf den Teller, sogar mit Kopf und Schwanz.

Es war gut und es war reichlich, wir rollten quasi gut gefüllt nach Hause und fielen ins Freßkoma. So lässt sich sämtlicher Irrsinn dieser Welt besser ertragen.

Freitagsfüller, der 329.

1.  Ein heikles Thema: Was sind heikle Themen? Das sind die Dinge, über die ich eigentlich nicht gerne sprechen möchte. Trotzdem gehe ich ihnen nicht aus dem Weg. Allerdings mache ich diese Art von Gesprächen und Themen nicht öffentlich, sondern ganz privat und unter vier Augen.

2.   Ich sitze an einem warmen Sommerabend gerne irgendwo an einem Weiher, höre die Frösche quaken, auch wenn ich dabei manchmal seltsame Dinge finde, wie beispielsweise neulich: LinkGenauso gerne setze ich mich allerdings abends auch auf den Balkon, der dann noch lange kuschelig warm ist, da ihn die Sonne ordentlich aufgeheizt hat. Kerstin empfiehlt dazu einen Hugo (Klick auf den Link führt zum Rezept). Den trinke ich genauso gerne wie die Lieblingshausziege und deswegen ziehen wir jedes Frühjahr aufs Neue los, sammeln Holunderblüten und basteln Holunderblütensirup.

Abendstimmung im Aischgrund

3.   Wo bekomme ich denn: Ja, was eigentlich? Wenn ich noch nicht weiß, was ich suche, weiß ich auch nicht, wo ich etwas finden kann. Je älter ich werde, um so mehr kommt es mir vor, als hätte ich alles irgendwie schon einmal gesehen. Früher habe ich gerne in kleinen Läden gestöbert – und oft nette Dinge gefunden. Heute scheint es mir, als gäbe es dort nur noch Sachen, die sich gut verkaufen lassen, das heißt: allen gefallen. Dabei würde ich mich gerne mal so richtig überraschen lassen.

4. Ratgeberbücher behaupten gerne, dass sie genau wissen, wie jemand glücklich werden kann oder die nächste Sportskanone. Ich denke, jeder wird aber auf seine Art und Weise glücklich. Er muss nur herausfinden, welche das ist.

5.  Auf das richtige Verhältnis kommt es bei vielen Dingen an. Ohne die richtige Mischung aus Kraftstoff und Luft bringt der Motor nicht die optimale Leistung, und ohne die richtige Mischung aus Anstrengung und Entspannung würden die Tage immer gleichförmig verlaufen. Was allerdings das richtige Verhältnis von Arbeit und Muße ist, muss dann doch jeder für sich herausfinden.

6. Ich kriege so gerne Post, so richtige, auf Papier und mit einem Stift beschrieben. Die kann ich später beantworten und hoffe darauf, dass sich der Empfänger dann darüber freut.

7. Was das Wochenende angeht: Heute Abend habe ich noch einen Termin, den Rest des Wochenendes habe ich noch nichts vor. Mal sehen, auf was ich Lust habe.

Das ist mein Beitrag zum: (Klick auf das Logo öffnet den Link zu den anderen Beiträgen bei Barbara:

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Unverhoffter Fund im Aischgrund

Abendstimmung im Aischgrund

Nachdem ich gestern den ganzen Tag am Schreibtisch saß und schrieb, musste ich abends wenigstens kurz an die frische Luft. Das geht in der menschenleeren Pampa, wie sie rund um viele Weiher im Aischgrund zu finden ist, ausgezeichnet. Nichts und niemand ist dort, ich kann mehr oder weniger wandern oder mich an einem Weiher einfach hinsetzen und den Wolken beim Ziehen zusehen. Eine Blesshuhnfamilie war auf einem der Weiher unterwegs: Das große Huhn vorneweg, wuselten sieben kleine Hühnchen hinterher. Als ich kam, verschwanden sie fix hinter dem großen Gras, das vom Ufer bis in den Weiher hinein wächst. Auf dem anderen Weiher war alles grasegrün mit Entengrütze bedeckt, zwischen dem kein Fitzelchen Wasser blitzte. Dort zogen ebenfalls Blesshühner ihre Runden. Ein bisschen sah es aus, als wanderten die Blesshühner auf einer grünen Wiese mit sehr kurzem Gras.

Ich hätte gerne noch eine Weile einfach irgendwo gesessen, und mit dem Fernglas nach dem Reiher gespäht, der inzwischen auf einem Baum gelandet war, doch dagegen hatten die Bremsen etwas. Oder vielmehr: Dann hätten sie mich vernascht.

blanker Schädel vom Nutria

Im Gras zwischen zwei Weihern fand ich ein totes Nutria: Die Knochen waren zum größten Teil bereits blank, nur einige Fellreste hingen noch am Tier. Den Kopf nahm ich zur Freude der Lieblingshausziege mit, sie kochte ihn noch am gleichen Abend aus und pulte mit einer feinen Häkelnadel, wie sie normalerweise für Spitzendeckchen verwendet wird, alles ab, was nicht Knochen war. Anschließend haben wir nachgeguckt, ob es wirklich ein Nutria ist. Im Internet wird beschrieben, dass die Tiere sogar essbar wären.

So ist das manchmal, wenn ich in der Pampa unterwegs bin: Ich finde Dinge, mit denen ich nicht rechne.

Kurzer Nachtrag: Als ich mit meinem Vater telefoniere und von dem Fund erzählte, erinnerte sich dieser, dass er ebenfalls mal einen Schädel fand. Der stank allerdings noch so sehr, dass meinem kleinen Bruder schlecht wurde. Zu Hause angekommen, wurde dieser Schädel – es war einer vom Reh – erst einmal im Bach neben dem Haus sicher deponiert. Einige Zeit später stank nichts mehr und mein Vater fischte den Knochen blank aus dem Wasser. Er hängt bis heute an der Wand, mitsamt Gehörn.

Unendliche Weiten an den Weihern

Das, was mich an der Weiherlandschaft entlang der Aisch so begeistert, ist diese wunderbare Weite:

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Weiher bei Adelsdorf

Einfach Teich, Froschquaken, Wald, Wiesen und ein unendlich blauer Himmel. Damit dieser nicht ganz so langweilig aussieht, wird er von ein paar Wolken marmoriert. Ja, ich müsste endlich mal den Sensor der Kamera reinigen und besser aufpassen, dass das Ufer auch gerade ist. Aber das fällt mir schon schwer, wenn ich auf dem Rücken im Gras liege und den Fröschen beim Konzert zuhöre.

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Frosch am Weiher

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Klatschmohn an Kamillenblüten

Dazu der Duft und die weißen Blüten der Kamille, die mit dem roten Klatschmohn einfach unschlagbar gut aussehen. Wenn ich denn die Entenhäufchen mal ignoriere, die ebenfalls überall als Tretminen verstreut sind. Aber irgendwohin müssen die Enten, Schwäne und Blesshühner ja auch mal. Ab und an klatscht ein Karpfen zurück aufs Wasser, Libellen surren vorbei.

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Altes Hüttchen am Weiher

Ein altes Hüttchen am Weiher hält sich noch wacker aufrecht und lässt sich innen von Brennnesseln stützen.

Hach.

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Himmel über dem Aischgrund