Wasser. Spiegelung.

Granada

Granada: Die Alhambra.

Je kĂ€lter und nasser es draußen ist, desto weiter scheint der August mit seiner Hitze in Spanien bereits zurĂŒckzuliegen. Da wir heute in der Stadt essen waren, statt zu Hause zu kochen, ging es zu Fuß zum Rathaus, und ein kleines StĂŒck an der mittelalterlichen Stadtmauer von MĂŒhlhausen entlang. Im Gegensatz zur wuchtigen Festung auf der Alhambra in Granada wirkt diese regelrecht klein und zierlich, reichte aber aus, die blinden Hessen, die armen Eichsfelder und die Raubritter vom Hanstein abzuwehren.

Einen großen Anteil am Zauber der Alhambra haben die vielen WasserflĂ€chen in den Innenhöfen. Hier haben die GebĂ€ude keine Mauern, so wie bei uns. Die Grenze zwischen Innen und Außen ist nicht die Wand, sondern das Haus. Im Zentrum ist der Hof, ohne Dach, so dass die Sterne des Himmels nachts scheinen, die RĂ€ume sind um diesen herum gruppiert und wirken mit ihren offenen SĂ€ulenreihen wie Loggien. Wasser spielt dabei eine große Rolle und ist in irgendeiner Form immer anwesend. Das mag zum einen mit dem Koran und seinen ErzĂ€hlungen vom Paradies zusammenhĂ€ngen, zum anderen damit, dass es in Andalusien heiß und trocken ist.

Das ist mein Beitrag fĂŒr das Black&White Fotoprojekt von Czoczo. Der Klick auf das Logo fĂŒhrt zu den anderen Teilnehmern:

BW2015L-550

 

 

 

Der Albaicin in Granada

Granada.

Blick auf den Albaicin von der Alhambra aus.

FĂŒr ganze zehn Tage lang wohnen wir im Ă€ltesten Stadtteil Granadas, dem Albaicin. Seit 1994 Weltkulturerbe, werden die engen Gassen und GĂ€sschen nicht etwa passend fĂŒr den Autoverkehr gemacht, sondern einfach dafĂŒr gesperrt. Außer Taxis, den kleinen Bussen und den wenigen Anwohnern darf hier niemand mit dem Auto herumfahren. Das ist insoweit erfreulich, dass es eben auch so gut wie keinen Autoverkehr gibt.

Granada.

Buckeliges Straßenpflaster, hier vor einer Kirche mit Reis.

Aufpassen muss ich trotzdem. Das buckelige Straßenpflaster ist alles andere, als eben und hat mir einiges an Schweißtropfen abgefordert, als wir bei der Ankunft das GepĂ€ck mal eben zu Fuß zur Unterkunft bringen wollen: Das sind doch nur vierhundert Meter, das können wir ja laufen. Dazu kommt, dass es keine GrĂŒnflĂ€chen gibt, Hunde also einfach auf das Pflaster pinkeln und dort auch ihr HĂ€ufchen machen. Nach einer Weile ist dann alles trocken, und stinkt auch nicht mehr, aber bis dahin ist es besser, wenn ich die Tretminen sorgfĂ€ltig meide.

Schön ist es trotzdem, ehrlich. Auch wenn jeden Abend im Restaurant nebenan der Takt des Flamencos laut in die Nacht knallt, der Muezzin vom Minarett ruft und es sich manchmal anhört, als wĂŒrden die ReisefĂŒhrer ihre Gruppen direkt durch das Haus fĂŒhren. Macht nichts. Ich weiß ja, dass eine Mauer dazwischen ist. Es fĂŒhlt sich trotzdem seltsam an, wenn alles so eng auf der Pelle hĂ€ngt. Ich bin es schließlich nicht mehr gewohnt. Dabei ist es auf einem Zeltplatz ja Ă€hnlich, die WĂ€nde bestehen nur aus Stoff und dass die Nachbarn fĂŒnf Zelte weiter weg Äpfel knurpseln, ist zweifelsfrei zu hören.

Hier gibt es alles: frischen Fisch im GeschĂ€ft, frisches Obst und GemĂŒse auf dem Markt, eine unglaubliche Menge an Kneipen, Restaurants und Bars. Nebenan, fußlĂ€ufig gewissermaßen, ist der Stadtteil Sacromonte:

Granada.

Granada: Stadtteil Sacromonte mit den Zigeunerhöhlen.

Ebenso verwinkelt, mit kleinen HĂ€uschen und – Wohnungen, die in den Berg hinein gegraben wurden. Die Cuevas werden von Zigeunern bewohnt, manche bieten wohl Luxus, aber wir sahen von der Abtei Sacromonte aus auch Höhlen, die bewohnt sind, aber bestimmt noch nicht einmal ĂŒber fließendes Wasser verfĂŒgen dĂŒrften.

Granada.

Granada: Albaicin.

Granada.

Granada: Blick vom Albaicin auf die Alhambra.

 

Q wie quirlig: Magic Letters in der Alhambra

Achttausend Besucher tĂ€glich: Mehr Karten werden fĂŒr die Alhambra nicht herausgerĂŒckt. Davon sind die meisten lĂ€ngst im Voraus verkauft, die Alhambra ist ausgebucht, bis Mitte Oktober sind keine Karten mehr zu kriegen. Nur ein kleines Kontingent von etwa zweihundert Karten wird tĂ€glich noch angeboten, fĂŒr diejenigen, die sich in dunkler Nacht noch auf den Weg machen, die geduldig warten und – so wie wir es gemacht haben – die Anzeigen ĂŒber dem Eingang beobachten, immer nachzĂ€hlend und ausrechnend, ob es sich lohnt, weiter zu warten, ob die freien Karten noch ausreichen, bis man an der Reihe ist.

Achttausend Besucher verteilen sich dabei auf einer FlĂ€che, die so groß ist, wie etwa 30 Fußballfelder. Damit sie sich nicht gar so knubbeln, werden Karten entweder fĂŒr den Vormittag, oder fĂŒr den Nachmittag verkauft. Da in den PalĂ€sten der Nasriden lediglich 300 Besucher auf einmal hineingelassen werden, wird die Zeit, zu der man diese besichtigen kann, extra auf der Eintrittskarte ausgedruckt und beim Eingang dort auch grĂŒndlich ĂŒberprĂŒft.

Von 14 bis 20 Uhr, so lange war unser Ticket gĂŒltig, waren also außer uns noch 3998 weitere Besucher auf dem GelĂ€nde, das zwar auf den ersten Blick ganz schön groß schien, in dem es allerdings kaum einen Moment gab, in dem wir den Zauber der Alhambra in Ruhe genießen konnten. Aber das macht nichts. Den anderen ging es schließlich nicht besser. Ich habe einfach immer wieder geduldig gewartet, bis ich meine Fotos machen konnte. Da war genĂŒgend Zeit, alles auf mich wirken zu lassen.

Das ist mein Beitrag zu Paleicas: Magic Letters, heute mit Q wie quirlig.

Granada.

Granada: Alhambra.

Granada.

Granada: Alhambra.

Granada.

Granada: Alhambra.

Granada.

Granada: Alhambra.

Granada.

Granada: Alhambra.

Granada.

Granada: Alhambra.

Granada.

Granada: Alhambra.

 

 

Versuchs mal mit: Gelassenheit – in die Alhambra

Irgendwie lĂ€uft in Spanien das Leben etwas langsamer und gelassener ab: Der Busfahrer, der zwar die Haltestelle bereits verlassen hat, aber noch vor der roten Ampel warten muss, macht die TĂŒr einfach noch einmal auf, damit eine Frau einsteigen kann, kassiert selbst dann in Ruhe das Fahrgeld ab und gibt den Fahrschein heraus, wĂ€hrend er langsam anfĂ€hrt.

Der Autofahrer hĂ€lt tatsĂ€chlich an und lĂ€sst den FußgĂ€nger am Überweg geruhsam vorbeigehen, er versucht weder, diesen anzutreiben, noch fĂ€hrt er schnell vorher ĂŒber den Zebrastreifen, da doch der FußgĂ€nger noch auf der Gegenfahrbahn ist.

Die Putzfrau im Busbahnhof, die mit ihrem breiten Besen alle Papierchen und KrĂŒmel aus den Ecken und unter den BĂ€nken hervorholt und auf einem Haufen zusammenfegt, lĂ€sst diesen einfach liegen, weil jemand sie nach etwas fragt. Die Passanten stiefelten ĂŒbrigens alle ausnahmslos drumherum, kein einziger lief mitten durch den Dreck. Bis sie wiederkam und weiterfegte.

Auch der Mann, der in Cordoba im Park saß, rauchte seine Zigarre so genĂŒĂŸlich und langsam, als ob es nichts anderes gĂ€be.

Warum kann es diese Gelassenheit nicht auch bei uns geben? Wir kommen schließlich nicht schneller irgendwo an, wenn wir ungeduldig sind.

Überhaupt ist diese selbstverstĂ€ndliche Freundlichkeit so schön, dass ich sie gerne immer um mich herum hĂ€tte. Mal sehen. Klar, ich könnte auch ĂŒber Kakerlaken, kleine Ameisen und Neppereien schreiben. Will ich aber nicht. Ich möchte diesen Urlaub genießen, und nicht die MĂ€ngel und den Dreck und wasweißich finden.

Granada.

Granada: Morgenhimmel ĂŒber der Alhambra.

Das GlĂŒck war heute morgen auch an unserer Seite: Da wir noch keine Karten fĂŒr die Alhambra hatten – sie ist bis Oktober ausgebucht – gingen wir auf Empfehlung bereits in der Dunkelheit los. Zwischen hohen Mauern ging es bergauf, und als wir am Eingang ankamen, wo die Tickets verkauft wurden, dĂ€mmerte langsam der Morgen und wir reihten uns in die Schlange ein, die sich bereits dort befand.

Als nach einer ganzen Weile die Ticketschalter öffneten, wurde die Schlange schnell kĂŒrzer, die Menschen rĂŒckten nĂ€her zusammen.

Es dauerte. Auf der Anzeige wurden die noch verfĂŒgbaren Tickets angezĂ€hlt. ZunĂ€chst waren wir sehr optimistisch, doch je niedriger die Zahlen wurden, desto spannender wurde es. Noch 102 Tickets fĂŒr den Nachmittag, noch 68, und immer ließ der bewaffnete WĂ€chter lediglich ein oder zwei Wartende aus unserer Schlange an den Schalter. Es gab keine 40 Karten mehr, als wir endlich unsere Tickets kaufen durften. Hurra! Von 14 bis 20 Uhr, sechs Stunden lang, dĂŒrfen wir gleich nachher in die Alhambra.

Granada

Granada: Eingang zur Alhambra durch das Puerta del vino