In Mode: Ausstellung im Germanischen Nationalmuseum N√ľrnberg

Endlich. Am 6. M√§rz schlie√üt die Ausstellung √ľber Kleider und Bilder aus Renaissance und Fr√ľhbarock, die noch im Germanischen Nationalmuseum N√ľrnberg ge√∂ffnet ist – und heute haben wir es geschafft und waren dort. Sogar die Lieblingshausziege kam mit, und das, obwohl sie heute morgen erst von einem Geburtstag zur√ľckkam, und noch ein wenig angem√ľdet war. Aber was muss, das muss.

Ungef√§hr 50 originale Kleidungsst√ľcke aus der Zeit zwischen 1530 und 1650 wurden gezeigt, dazu Gem√§lde, Flugbl√§tter, Werkzeuge aus der Schneiderwerkstatt und die √úberreste einer Bremer Schneiderwerkstatt. Die Ausstellung war fantastisch. Es f√§llt ein bisschen schwer, jetzt spezielle Sachen hervorzuheben, aber beeindruckend war ein Kinderkleid, in dem vor mehr als 400 Jahren ein sechsj√§hriges M√§dchen beerdigt wurde – und das noch gut erhalten blieb. Nur die Farbe ist nicht mehr original…

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Ein Kinderkleid

Dass in einem solch aufw√§ndigen Kleid kein einfaches M√§dchen, sondern die adlige Katharina Gr√§fin zur Lippe beerdigt wurde, versteht sich fast von selbst. Damals gab es keine L√§den, in dem Kleidung einfach gekauft werden konnte. Damals wurde alles gen√§ht, getragen, umge√§ndert, geflickt, weitergegeben… und so lange getragen, bis es irgendwann ganz auseinanderfiel. Das zeigen die Reste, die in Bremen ausgegraben wurden: Nur abgeschnittene Knopfleisten und solche Teile, aus denen sich nichts mehr machen lie√ü, wanderten in den Abfall.

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Ausstellung in N√ľrnberg

Kunstvoll bestickte Wamse, mit Spitzbauch, ohne Spitzbauch, mit vielen Knöpfen, aus Seide gestrickte Kamisole, Strickjäckchen, die unter der sichtbaren Kleidung getragen wurden, Halskrausen aus vielen Metern an Stoff Рwobei genau festgelegt war, wer wie viele Meter verwenden durfte. Zwei originale Halskrausen aus der Zeit um 1600 waren zu sehen Рund daneben Flugblätter, die vor der Eitelkeit warnten.

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Der Lieblingshausziege gefiel ein Cape, das f√ľr die Weltumseglerin Hope Goddard ma√ügeschneidert wurde – nach einem spanischen Mantel aus dem Jahr 1580. Beide Kleidungsst√ľcke wurden in der Ausstellung nebeneinander pr√§sentiert – und dazu das Bild aus einem Modemagazin, in dem das Cape und die Tr√§gerin in mond√§ner Geste abgebildet war. Leider mag sich das Bild nicht hochladen lassen.

Den Ausstellungskatalog haben wir dann doch nicht gekauft. Die Lieblingshausziege sah n√§mlich zwei andere B√ľcher √ľber Mode, die sie viel interessanter fand.

Kann das weg, oder ist das Kunst?

Ausstellungsbesuch in der Bamberger Villa Dessauer

Gestern habe ich mich mit zwei Frauen verabredet, wir waren in einer Ausstellung und haben uns Werke von lebenden K√ľnstlern angeguckt. In der Bamberger Villa Dessauer waren unter dem Titel „DIN A4“ eine ganze Menge Werke – meistens Bilder – von K√ľnstlern zu sehen, deren Gemeinsamkeit zun√§chst das Format war. Au√üerdem sind alle K√ľnstler Mitglied im Berufsverband Bildender K√ľnstler/innen Oberfranken e.V.

Ja, ich wei√ü: Kunst muss nicht verst√§ndlich sein. Ich verstehe beispielsweise nicht jedes Musikst√ľck, finde es aber sch√∂n, wenn es vor einem Konzert etwas erkl√§rt wird: Immerhin habe ich nicht Musik studiert und kann mit dem Rest meines Schulwissens √ľber den Sonatenhauptsatz nicht mehr viel anfangen. Dabei h√∂re ich mir durchaus gerne Musik an, auch solche, die ich nicht kenne. Wird vor dem Konzert etwas auf eine Weise erkl√§rt, die dagegen nur zeigt, dass der Erkl√§rer viel wei√ü und dar√ľber d√ľnkelhaft schw√§tzt, den Zuh√∂rern gewisserma√üen sagt, wie doof sie sind, dann ist das wie bei manchen Rezensionen in manchen Feuilletons: Ich mag sie nicht.

In der modernen Kunst ist das f√ľr mich √§hnlich: Zwar muss ich nicht alles verstehen – und auch nicht alles sch√∂n finden, aber ich finde es sch√∂n, wenn es irgendwie verst√§ndlich erkl√§rt wird. Will mir dagegen jemand mit so richtig verschwurbelt-verquasten S√§tzen ein Bild oder Kunstwerk erkl√§ren, frage ich mich: was der wohl geraucht haben muss, um solch ann√§hernd sinnfreie Aussagen zu machen?

Liebe bildende und andere K√ľnstler! Ihr habt eure Kunst studiert, ihr seid die Fachleute. Das finde ich sch√∂n, und ihr seid bestimmt auch wichtig und n√ľtzlich. Es irritiert mich, wenn ihr Sachen macht, von denen ich denke: Joa, das k√∂nnte ich, oder ein Grundschulkind auch machen. Wenn ihr solche Sachen macht, ohne euch irgendwie verst√§ndlich zu machen, dann sch√ľttele ich eben den Kopf. Wie beispielsweise bei drei Materialien, die im DIN A4-Format nebeneinander lagen: Schafwolle im Eisenrahmen, Holz mit Leinwand und Marmor: „Drei verschieden nat√ľrliche Zust√§nden des technischen DIN A4 transformieren in meiner Arbeit zu einer sozialen Struktur“. Da kann ich nur sagen: Verstehe ich nicht. Ich verstehe weder den Satz, noch das, was der K√ľnstler damit sagen will. Was ist eine soziale Struktur aus Wolle, Holz und Marmor? Ich habe nichts dagegen, wenn ihr mich mit euren Arbeiten zum Nachdenken bringt, wenn ihr zeigt, wo Br√ľche sind und Irritationen. Aber lasst mich nicht ganz so ratlos herumstehen. Bitte.

Aber es gab auch Witziges, wie beispielsweise einen Stapel Metallschubladen, in denen vom Papierstapel √ľber Locherkonfetti, schmale Rei√üwolfstreifen, zerrissene, gefaltete, zerkn√ľllte Papierb√∂gen. Klar, das k√∂nnte ich auch selbst: Aber die Idee ist witzig, l√§sst sich nachvollziehen. Rote Stoffstreifen, aneinandergen√§ht und wie Biesen gefaltet, sehen einfach sch√∂n aus. So k√∂nnte ich jetzt jedes einzelne Kunstwerk in eine Schublade stecken: Gef√§llt mir, gef√§llt mir nicht, verstehe ich, verstehe ich nicht. Dabei will ich das gar nicht.

Ich wei√ü, wie schwer es ist, so zu malen, dass die Perspektive funktioniert und das Licht √ľberzeugt. Wenn man es kann, kann man es auch wieder lassen – damit die Malerei wieder so naiv und unbeschwert wirken kann, wie die eines Kindes. Mag sein. Aber wenn ich ein Konzert h√∂re, indem die Musiker ihre Instrumente nicht beherrschen, klingt das nach dem, was die Katzen hier abends vor dem Fenster veranstalten. Kunst kommt von K√∂nnen. Wenigstens ein bisschen davon m√∂chte ich in einer Ausstellung auch sehen.

B√ľcher in anderen Sprachen lese ich schlie√ülich auch in einer √úbersetzung, wenn ich das Original nicht verstehe. Es gab zwar einen kleines Heft, in dem alle K√ľnstler und ihre Werke aufgef√ľhrt waren, doch das war oft keine Hilfe. Hier fehlte mir die entsprechende √úbersetzung. Das hei√üt nicht, dass ich selbst-denken ablehne, ganz im Gegenteil. Wir haben ganz gut gekichert, als wir durch die Ausstellungsr√§ume gegangen sind, wir hatten Assoziationen, haben manche Frechheiten gedacht und laut gesagt (au√üer uns war niemand weiter da) und uns am√ľsiert. Vielleicht k√∂nnte ein Dialog helfen, eine √úbersetzung: K√ľnstler – Anguckender beispielsweise, die nicht nur zeigen will, wie elaboriert der Erkl√§rer schwadronieren kann. Sondern ein Dialog, der zwischen Menschen gef√ľhrt wird, zwischen denen, die an Kunst interessiert sind und denen, die Kunst machen.