Tagebuchbloggen am 5. September

Es ist mit 9 Grad ganz sch├Ân kalt da drau├čen!

Ich hatte bereits die erste Kaffeetasse in der Hand, als meine Mutter mit diesem Ausruf ihre Enkelinnen darauf hinweisen wollte, dass sie f├╝r diese geradezu winterkalte Temperatur viel zu leicht gekleidet seien, doch deren Mutter z├Ąhlte s├Ąmtliche Kleidungsschichten durch und befand sie f├╝r ausreichend.

Gestern fuhren wir von Oberfranken nach Westth├╝ringen, in das Gro├č- und Urgro├čelternhaus, das inzwischen von meinen Eltern bewohnt wird, da mein kleines rotes Auto dem gro├čen blauen T├ťV vorgef├╝hrt werden muss. Also fuhren wir heute nach Nordhessen, dorthin, wo sich der Sachverst├Ąndige meines Vertrauens darum k├╝mmern wird, der auf seinem Hof so viele Enten stehen hat, die er noch zum fliegen aka fahren bringen k├Ânnte, wie wohl kaum jemand anders.

Waldkappel-Friemen

Hier gibt es Enten.

Waldkappel-Friemen

Hier gibt es Enten.

Langsam fuhren wir auf der Landstra├če zur├╝ck zu meinen Eltern, guckten noch hier und da im Vorbeifahren Dinge an, a├čen Mittag und hofften auf eine Nieselregenpause, in der wir noch ein wenig auf der M├╝hlh├Ąuser Kirmes herumstromern wollten.

Doch, der Regen h├Ârte tats├Ąchlich irgendwann auf. Ein blaues Loch in den Wolken versprach ein wenig Sonne, wir zogen los und kamen exakt bis runter in die Stadt. Dann fing ein neuer Regen an.

Kirmes M├╝hlhausen

Der Crepe ist gegessen.

Die Lieblingshausziege bekam einen Crepe, wir drehten eine kleine Runde ├╝ber den traurigen Rummel im Regen, kehrten zur├╝ck und fanden das abgest├╝rzte Einhorn im Rasen.

M├╝hlh├Ąuser Kirmes

Abgest├╝rztes Einhorn im Gras.

So kann das mit den Tr├Ąumen und W├╝nschen ja nicht funktionieren. Da kuscheln wir uns lieber alle zusammen auf das Sofa, versinken in den spanischen Erinnerungen des Augusts, und klicken uns durch die dr├Âlfzigtausend Fotos, die ich in diesem Monat geschossen hab.

Vielleicht, aber auch nur vielleicht – und wenn es nicht regnet – gucken wir uns heute Abend noch das Feuerwerk an, mit dem die M├╝hlh├Ąuser Kirmes immer beendet wird, das meine Urgro├čmutter nie angucken wollte, weil sie, wie sie sagte, in ihrem Leben schon genug Feuerwerk erlebt hat.

Jeden 5. des Monats will Frau Br├╝llen wissen, was wir eigentlich den ganzen Tag lang machen. Deswegen schreibe ich es hier auf.

Tagebuchbloggen

K├╝rzlich habe ich entdeckt, dass ich bei Frau Br├╝llen unter der Rubrik: „Was machst du eigentlich den ganzen Tag“, h├╝bsch abgek├╝rzt unter: WMDEDGT, viele Menschen einfach aufschreiben und verlinken, was sie den ganzen Tag lang so machen. Da das besonders bei jemandem wie mir, der gef├╝hlt den ganzen Tag am Laptop Texte schreibt, so aussieht, als mache ich nichts, beteilige ich mich heute mal daran.

Gestern Abend hatte ich zwei Termine: Erst eine Jahreshauptversammlung vom Obst- und Gem├╝sebauverein. Die war schneller zu Ende, als ich gehofft hatte, und so war ich f├╝r meinen zweiten Termin etwas zu fr├╝h dran und musste warten, bis die Taucher aufgetaucht und in der Pizzeria angekommen waren.

Dank dieser Termine kam ich gestern etwas sp├Ąter ins Bett, als gew├Âhnlich – und als der Wecker klingelte und die Lieblingshausziege zum Wecken kam, drehte ich mich noch ein paar Minuten auf die andere Seite. Im Gegensatz zu den beiden, die noch hier wohnen, muss ich ja nicht p├╝nktlich in einer Schule oder an der Arbeit sein. Aber nicht lange, dann fiel mir ein, was heute alles noch erledigt werden wollte – und so war ich doch mit einem Hupf aus dem Bett.

Einen gro├čen Kaffee getrunken, etwas Zeitung gelesen, gewartet, bis ich mit der Katze allein in der Wohnung bin und dann habe ich erst einmal den Ofen angefeuert, den Computer hochgefahren und mit Schreiben angefangen: Zun├Ąchst den Text ├╝ber die Sitzung des Gemeinderates, der noch nicht ganz fertig war, den Text ├╝ber die Jahreshauptversammlung und dann zwei Blogtexte f├╝r eine Geb├Ąudereinigungsfirma.

Zwischendrin geduscht, Katze gestreichelt, die frisch gelieferte Gem├╝sekiste nach oben geholt, ordentlich angezogen und zum Termin in die Bank: Hier bekam ich erz├Ąhlt, wie deren Bilanz im vergangenen Jahr war, dar├╝ber muss ich dann aber erst morgen schreiben. Hoffte ich. Wieder nach Hause, einen Apfel essen, zur├╝ck an den Laptop. Noch einen Blogtext f├╝r die Geb├Ąudereinigungsfirma. Jetzt sind es nur noch vier – von insgesamt 13.

Zwischendrin war es l├Ąngst Mittag und der Lieblingsmann kam von der Arbeit nach Hause. Heute hatte ich es allerdings noch nicht geschafft, das Essen vorzubereiten. Da in der Gem├╝sekiste ein sch├Âner frischer Salatkopf ist, sollte es diesen heute geben. Da der Lieblingsmann sah, dass ich am Tippen bin, fing er an, den Salat zu basteln. Ich roch schon die gebratenen Speckw├╝rfelchen, linste in die K├╝che und sah: Ich irrte mich. Es wurden Schinkennudeln vorbereitet. Das ist immerhin ein von den Teenies sehr gesch├Ątztes Futter, wenn die Lieblingshausziege mit ihrem Schahatz kommt, wird ordentlich gespachtelt und nicht am Essen gem├Ąkelt.

Weiter an den Texten. Noch vor dem Mittag wurde einer fertig: Jetzt waren es nur noch drei. Inzwischen klapperte in der K├╝che das Besteck. Ich hatte inzwischen auch ordentlich Hunger. Einen Salat gab es trotzdem, zu den Schinkennudeln. Nur die Lieblingshausziege kam nicht. Da hab ich wohl wieder nicht hingeh├Ârt, als sie ganz genau und detailliert erkl├Ąrt hat, wo sie wann ist und wo nicht. Also stiefelte der Napf mit den ganzen Nudeln zur├╝ck in den Herd, schlie├člich sollte die Katze ihr eigenes Futter fressen.

Der Lieblingsmann sauste wieder fort, ich r├Ąumte die K├╝che noch ein bisschen auf und bereitete mir einen Espresso, gegen das Fresskoma. Immerhin waren die Nudeln wirklich lecker. Da mir beim Schreiben die Sonne den Pelz gew├Ąrmt hatte, verga├č ich glatt, rechtzeitig Holz aufs Feuer zu legen. Also legte ich ein St├╝ck Holz auf, und hoffte, dass es wieder anbrennt. Tat es nicht. Ich legte die leere Nudelpackung unter das angekokelte Holzst├╝ck – und hoffte wiederum. Doch, das Feuer fing wirklich wieder etwas an zu flackern. Auf in den Endspurt: Noch zweieinhalb Texte.

Zwischendrin meldete sich das Taschentelefon und m├Âchte, dass ich die Akkus wieder auflade. Gerne doch. Noch anderthalb Texte.

Drau├čen der Himmel war sch├Ân blau, ich w├Ąre gerne rausgegangen. Wenigstens f├╝r ein halbes St├╝ndchen. Doch ich bin noch nicht fertig. Noch einen Text.

B├Ąh. Langsam zogen dicke graue Wolken ├╝ber den Himmel. Menno. Ich wollte doch noch raus. Noch zweihundert W├Ârter.

fr├Ąnkischer tag 1423

Enten? G├Ąnse? Egal.

Zwanzig vor f├╝nf: Endlich geschafft. Schnell umziehen und nichts wie raus. Ich brauchte dringend Auslauf. Das Foto zeigt auch, dass Sensor putzen angesagt w├Ąre. Leider habe ich das noch nie gemacht. Wei├č jemand, wie ich das machen sollte?

Die Lieblingshausziege war immer noch nicht da. Daf├╝r wollte die Katze auf meinen Arm zum kuscheln. Der Tag war dann bald zu Ende, es gab Abendbrot und noch einen Termin: Jahreshauptversammlung beim Sportverein.

Webmasterfriday: Neue Leser braucht der Blog

Ein etwas boshafter Spruch lautet, dass ein Journalist schreibt, damit er von den anderen Journalisten gelesen werden kann. Manchmal scheint es mir, als sei es in der Blogosph├Ąre nicht anders: Ich blogge und lese andere Blogs und andere Blogger lesen meinen Blog. So fing es bei mir ja auch an: Ich las andere Blogs, und dachte mir irgendwann, dass ich auch meinen Senf gelegentlich an andere Dinge streichen und von dem erz├Ąhlen will, was ich erlebe.

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Leser, die auch kommentieren sind f├╝r Blogger das Sahneh├Ąubchen

├ľffentlich. Zun├Ąchst hat sich das etwa so angef├╝hlt, wie bei den Artikeln, die ich f├╝r die Zeitung schrieb: Ich schrieb etwas und ver├Âffentlichte es im Blog. Wer es dann liest, kann ich genauso wenig sehen, wie bei der Zeitung. ├ähnlich wie der Leserbrief ist der Kommentar im Blog: Die meiste Resonanz gibt es, wenn ich ├╝ber ein Thema schreibe, das viele interessiert und wo es etwas Witziges zu gucken gibt, wie bei meiner Wasserkatz. Das ist das Sch├Âne am Blog, so wie die Schokolade nach dem Salat: Ich kann machen, was ich m├Âchte, gebe mir redlich M├╝he und freue mich, wenn jemand liest. Ein Kommentar ist dann das Sahneh├Ąubchen auf dem s├╝├čen Teilchen.

Statistiken. Die sagen mir, wie viele Besucher jeden Tag sich im Blog tummeln. Aber ob es stimmt? Ich wei├č, dass manche Besucher ├╝ber eher skurrile Suchanfragen kommen. Die d├╝rften schneller wieder weg sein, als eine Katze von der hei├čen Herdplatte.

Lesen. Ich lese eine ganze Menge anderer Blogs, mal mehr und mal weniger regelm├Ą├čig. Das kommt immer darauf an, wie viel Zeit ich habe – und ob mich das Thema anspricht. Wenn mir dazu etwas einf├Ąllt, was ├╝ber ein „Boah, gef├Ąllt mir!“ hinausgeht, etwas, das einen Gedanken darin weiterspinnt oder einen Widerspruch herausfordert, dann kommentiere ich gerne. Das ist aber auch abh├Ąngig von der Zeit, die ich habe. ├ťber diese Kommentare kommen wiederum Leser auf meinen Blog. Welche Leser ├╝berhaupt regelm├Ą├čig bei mir lesen, das wei├č ich nicht. Wie gesagt: Auch wenn ich andere Blogs abonniert habe, lese ich sie nicht immer. Wenn ich also von meinen eigenen Lesegewohnheiten auf andere schlie├če, dann hei├čt das: Gelegentlich wird mein Blog gelesen. Das ist doch schon etwas.

Zeit. Ein Tag hat vierundzwanzig Stunden – wenn das nicht reicht, ist ja noch die Nacht da. Irgendwie ist aber immer zu wenig Zeit, um alles ausgiebig zu lesen, zu kommentieren, zu w├╝rdigen. Das kann immer nur punktuell sein. Immerhin schaffe ich es, seit ich bei den Ironbloggern Franken bin, jede Woche wenigstens einen Blogpost zu schreiben. Da dieser Blog mein privater Blog ist, ich damit kein Geld verdiene, werde ich auch weiterhin das machen, was ich m├Âchte. W├╝rde ich jetzt auf mehr Leser spitzen, d├╝rfte ich wahrscheinlich nur noch Bilder von meiner nassen Katze zeigen.

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Mit Speck f├Ąngt man M├Ąuse, und mit Katzenfotos Leser.

Vertrautheit. Lese ich andere Blogs, lerne ich dar├╝ber den jeweiligen Verfasser oder die Verfasserin kennen. Je l├Ąnger ich lese, desto vertrauter scheint mir der/ die andere, ohne dass wir uns jemals in der Wirklichkeit begegnet sind. Und im Lauf der Zeit werden auch meine Kommentare pers├Ânlicher. Dabei gibt es immer noch eine Hemmschwelle: Gerade bei den bekannten Blogs in denen viele Menschen kommentieren denke ich manchmal: Da muss ich jetzt nicht auch noch… (Zumal viele der Kommentare oft nur ein „wie toll“ in Variationen bieten)

Blogparaden. Ich finde Blogparaden wie den Webmasterfriday wunderbar. Wenn ich etwas zum Thema sagen kann. Einfach so daran teilnehmen, nur um wie ein H├╝ndchen auch an diesen (Themen) Baum zu pinkeln, dazu habe ich zu wenig Zeit. Schlie├člich habe ich neben diesem virtuellen Leben auch ein reales Leben, und das hei├čt: Jetzt ist es kurz vor Mittag, ich muss den Salat aus der Abokiste verbasteln und mich duschen, denn heute hat die Lieblingshausziege ihren Tanzstundenabschlussball.