Einsam auf weiter Flur

Einsamkeit. Weder menschenleerer Strand, noch endlostiefer Wald, sondern ausgerechnet das Gewimmel rund um die Bastei kam mir dabei in den Sinn: Auf dem Weg nach Böhmen hatten wir in Pirna übernachtet und die freundliche Wirtin gefragt, ob sie uns ein lohnendes Ziel nennen könne.

Sie schien fast entsetzt, dass ich wir die Bastei nicht kannten, bestand darauf, dass wir sie un-be-dingt begucken müssten, beschrieb den Weg zum Parkplatz und wie wir mit dem Bus zum Ziel kämen.

Bastei. Erst saßen Raubritter auf den Felsen, nach ihnen sorgten die Romantiker dafür, dass die Gegend ihre Unwegbarkeit verlor, und sie jetzt von ganzen Besucherscharen heimgesucht werden kann.

Eigentlich ist die Bastei einfach ein großer Felsbrocken, mitten in der Ebene und von weither gut zu sehen. Die Wege nach oben waren früher wohl nur mühsam zu bezwingen, die Maler murrten, stiegen jedoch empor, auch wenn es beschwerlich war: Zu schön war die Aussicht. Noch kurz nach 1800 riet man denjenigen, die sich nach oben wagten, zu einem Führer, der die Wege und Tritte kannte. Inzwischen haben Stufen und Brücken die Wege bequem gemacht, sie sind ausgebaut und es herrscht ein Gewimmel wie in einer Fußgängerzone in der Adventszeit.

Und was hat das mit Einsamkeit zu tun? Mit weiter Flur?

Ich kann auch mitten im Gewimmel einsam sein. Dort kann es noch viel einsamer sein, als an den Orten, an denen ich wirklich alleine bin. Ich kenne Menschen, die es nicht aushalten, mit sich allein zu sein, die sofort das Radio oder einen anderen Krachmacher einschalten, sobald sie munter sind, nur damit sie sich nicht so einsam fühlen.

urlaub-im-sommer-277

Die Aussicht ist bezaubernd.

urlaub-im-sommer-298

Die Wege könnten gerne noch ein wenig breiter sein.

urlaub-im-sommer-296

Aussichtspunkte. Knubbelig enges Kuschelgefühl

 

 

Auf den alten, in den Stein gehauenen Treppen läuft heutzutage niemand mehr. Auch der Blick durch die Felsen zeigt lauter Einsamkeit. Es kommt einzig auf den Blickpunkt des Betrachters an.