Karpfen zum Schulbeginn

Die Lieblingshausziege hatte gestern ihren ersten Schultag in der 11. Klasse. Ab jetzt sind es nur noch zwei Jahre, bis sie ihr Abitur hoffentlich besteht – und dann irgendetwas anderes macht. Zur Feier des Tages aßen wir jedenfalls gestern aushĂ€usig und suchten extra ein Wirtshaus im Aischgrund auf. Schließlich ist inzwischen September, das ist ein Monat mit „R“, also gibt es wieder Karpfen.

Aischgrund Karpfen

Ein gebackener Karpfen auf dem Teller

Mit dem Schwanz hoch in der Luft lag der Karpfen in seiner Panade auf dem Teller, als wollte er mit einem letzten Flossenschlag noch schnell seinem Schicksal entfliehen. So sieht der gebackene Karpfen aber nur aus, wenn er wirklich frisch ist, verriet mir vor einiger Zeit ein Koch.

Hier in Franken, speziell im Aischgrund, ist der Karpfen – ob blau oder paniert – wahrscheinlich auf jeder Wirtshauskarte zu finden. Immerhin wurde er fast hier erfunden, im Land der ungezĂ€hlten Teiche. Der Geheimtipp der Einheimischen ist eine Wirtschaft mit dem Charme einer BahnhofsgaststĂ€tte: In dieser steht unter den Fenstern eine lange Bank an der Wand, mit fĂŒnf geradlinigen und soliden großen Tischen davor. Da Ruhetag war, blieben sie jedoch am Dienstag unbesetzt. Aber es gab genĂŒgend Auswahl- und Ausweichmöglichkeiten, so dass wir auch ohne Anmeldung in einer anderen Wirtschaft drei freie PlĂ€tzchen am Tisch fanden.

Vor dem Karpfen wurde der Salat serviert, der etwas angesĂ€uert war – so gehört sich das hier nĂ€mlich – und der Weißkohl mit ganzen KĂŒmmelkörnern bestreut. Das behagte der Lieblingshausziege nicht so, sie mag den KĂŒmmel auch dann nicht, wenn ich ihn pulverisiert ins Essen mische.

Wenn ich den Spiegelkarpfen mit einem Auto vergleichen wĂŒrde, wĂ€re er eher ein behĂ€biger 2CV als ein schnittiger Manta. Sein Aussehen stammt aus jener Zeit, in der die Bischöfe – und sĂ€mtliche anderen GlĂ€ubigen auch – in der Fastenzeit kein Fleisch essen durften. Fisch dagegen war erlaubt. Doch dieser durfte nicht grĂ¶ĂŸer sein als der Teller auf dem er lag. Zwar hĂ€tten die Bischöfe auch grĂ¶ĂŸere Teller nehmen können, aber sie ließen lieber den Karpfen passend zum Teller zĂŒchten. Seitdem ist der AischgrĂŒnder Spiegelkarpfen eher kurz und hat einen richtig runden RĂŒcken, der fast wie ein Buckel aussieht. So passt er gut auf den Teller, sogar mit Kopf und Schwanz.

Es war gut und es war reichlich, wir rollten quasi gut gefĂŒllt nach Hause und fielen ins Freßkoma. So lĂ€sst sich sĂ€mtlicher Irrsinn dieser Welt besser ertragen.

Unendliche Weiten an den Weihern

Das, was mich an der Weiherlandschaft entlang der Aisch so begeistert, ist diese wunderbare Weite:

mhl pfingsten 220

Weiher bei Adelsdorf

Einfach Teich, Froschquaken, Wald, Wiesen und ein unendlich blauer Himmel. Damit dieser nicht ganz so langweilig aussieht, wird er von ein paar Wolken marmoriert. Ja, ich mĂŒsste endlich mal den Sensor der Kamera reinigen und besser aufpassen, dass das Ufer auch gerade ist. Aber das fĂ€llt mir schon schwer, wenn ich auf dem RĂŒcken im Gras liege und den Fröschen beim Konzert zuhöre.

mhl pfingsten 228

Frosch am Weiher

mhl pfingsten 213

Klatschmohn an KamillenblĂŒten

Dazu der Duft und die weißen BlĂŒten der Kamille, die mit dem roten Klatschmohn einfach unschlagbar gut aussehen. Wenn ich denn die EntenhĂ€ufchen mal ignoriere, die ebenfalls ĂŒberall als Tretminen verstreut sind. Aber irgendwohin mĂŒssen die Enten, SchwĂ€ne und BlesshĂŒhner ja auch mal. Ab und an klatscht ein Karpfen zurĂŒck aufs Wasser, Libellen surren vorbei.

mhl pfingsten 204

Altes HĂŒttchen am Weiher

Ein altes HĂŒttchen am Weiher hĂ€lt sich noch wacker aufrecht und lĂ€sst sich innen von Brennnesseln stĂŒtzen.

Hach.

mhl pfingsten 211

Himmel ĂŒber dem Aischgrund