In der ersten Reihe sieht man Meer #Rezension

Mit ihrem Roman „In der ersten Reihe sieht man Meer“ schrieb das Duo Klüpfel/ Kobr dieses Mal keinen Krimi, sondern sommersonnigweiche Urlaubslektüre.

Die Handlung: Das Buch erzählt aus der Sicht Alexanders, eines Mannes, der am Vorabend einer Reise an die Adria steht. Bei dieser Reise sollen alle mit: Frau, Kinder, die Schwester und sogar die Eltern. Fürchterlich genervt, setzt sich der Ich-Erzähler abends, als alles gepackt ist, noch einmal hin und schläft wohl ein.

9783426199404Morgens wird er von seiner Mutter geweckt und ist auf einmal wieder 15, mitten in der Pubertät. Auch wenn er weiß, dass er doch längst erwachsen ist, bleibt ihm nichts erspart: „Mit einem Schlag war mir klar: Ich war gefangen in der Achtzigerjahre-Hölle. Im entstellten Jahrzehnt, der schlimmen Zeit der Neonleggings und Tennissocken, der Vokuhilas, der Musik von Modern Talking – und der Adria-Urlaube.“ In diese Klischees fährt Familie Klein hinein: Mit zu viel Gepäck und in eine Anlage, in der sie gemeinsam mit anderen Deutschen wohnen. Der Familie mutet alles Fremde nicht nur ungewohnt, sondern sie will sich nicht einlassen. Selbst das deutsche Essen wurde mit dem Auto mit in die Fremde genommen.

Alexander ist zwar 15 – besitzt in diesem Roman aber seinen Erfahrungsschatz, den er mit inzwischen 40 Jahren hat. Immer wieder verplappert er sich, erklärt Euros zu neuen Bonbons und wird verwundert angeschaut, als er vom Navi redet. Ob auf der Suche nach dem besten Platz am Strand oder dem Einkauf im örtlichen Supermarkt: In kurzen Kapiteln beschreiben die Autoren das damalige Urlaubserlebnis der Deutschen in Italien, als sie mit der Fremde noch fremdelten. Doch das Buch ist nicht nur ein Kaleidoskop von bunten Eindrücken, sondern hat auch eine durchgehende Handlung. Alexander freundet sich mit den Mitgliedern einer italienischen Familie an, die am Strand einen Kiosk haben. Er himmelt die Tante an und versucht auf dem Weg über ihren Neffen ihr näher zu kommen. Er kümmert sich darum, dass mehr Kunden zum Kiosk kommen und setzt dafür das Wissen ein, auf das er – dank seiner eigentlich 40jährigen Erfahrung und seiner Kenntnisse als Leiter einer Marketingfirma – zurückgreifen kann.

Hier hat mich das Buch sowohl amüsiert, als auch genervt. Ist es wirklich der Traum jedes Pubertierenden, den Erwachsenen zu zeigen, wo es langgeht? Zu beweisen, dass er es besser kann? Mag sein. Sämtliche peinlichen Situationen werden durchdekliniert und hinterlassen bei mir doch deutlich das Gefühl einer Fremdscham.

Es soll ein nostalgisches Buch sein, das Klüpfel und Kobr hier geschrieben haben. Glücklicherweise habe ich in dieser Zeit andere Urlaube mit meinen Eltern verbracht: Da diese das ganze Jahr über in Afrika arbeiteten und ich während dieser Zeit im Internat oder bei Verwandten war, sahen wir uns nur in den Sommerferien. Wir sind wohl gelegentlich auch zu Bekannten gefahren, das ja. Aber Urlaub war für uns damals ein „miteinander“, wir waren einfach zu Hause, wo wir das ganze Jahr schließlich nicht waren. Insofern sind diese Art von Urlaubserinnerungen nicht die meinen. Trotzdem werde ich dieses Buch demnächst in der Forchheimer Buchhandlung „dacapo“ vorstellen, eine sommerleichte Urlaubslektüre ist es allemal.