Runter vom Sofa und ab zum Sport #6

Es ist wieder Zeit fĂŒr einen Trainingstermin mit Kerstin. Sie kommt mit ihrem DamengrĂŒppchen am Treffpunkt an, verabredet noch die nĂ€chste Trainingszeit, verabschiedet sich – und wir ziehen zu zweit los, wieder durch den Kellerwald.

Das Joggen fĂ€llt mir hier deutlich schwerer, als beispielsweise auf der Sportinsel, wo die Strecke eben ist. Ich bin in meinen alten Turn- und Wanderschuhen unterwegs, die sich schon auf so vielen Strecken bewĂ€hrt haben. Diese sind zum einen wunderbar bequem und grĂŒndlich eingelaufen, zum anderen begleiten sie mich wirklich schon eine sehr lange Zeit: Ich lief mit ihnen die zweihundert Kilometer von Eisenach bis nach Marburg auf dem Elisabethpfad (hier beschrieben), ich war mit ihnen im Harz und in den Alpen ebenso unterwegs, wie auf einem still gelegten Eisenbahngleis, das inzwischen einer neuen Autobahn weichen musste.

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Meine alten Turnschuhe.

Doch diese Schuhe, mit denen ich so viele Tage und Kilometer unterwegs war, fangen an, sich langsam zu verabschieden. So ist beispielsweise die Sohle lÀngst nicht mehr so griffig, wie am ersten Tag. Ganz im Gegenteil: Bin ich auf steilen Wegen in der frÀnkischen Schweiz unterwegs, muss ich aufpassen, dass ich nicht wegrutsche.

Ich frage also Kerstin als Fachfrau fĂŒrs Laufen und Sport, worauf ich achten sollte, wenn ich mir neue Schuhe kaufen möchte. Sie erzĂ€hlt mir, dass es Laufschuhe gibt, mit denen der Fuß gestĂŒtzt wird. Andere Laufschuhe haben Sohlen, mit denen die StĂ¶ĂŸe vom Laufen gedĂ€mpft werden. Dazu gibt SportgeschĂ€fte, die eine Laufstilanalyse anbieten. Ich bin ein wenig verwirrt: Schließlich möchte ich weder den ganzen Tag in Sportschuhen laufen, noch den nĂ€chsten Marathon in Rekordzeit absolvieren. Nur ein bisschen laufen und wandern – das muss doch auch ohne High-Tech möglich sein. Schließlich war meine Großmutter einst mit einem simplen Damenrad unterwegs und hat damit ihre EinkĂ€ufe erledigt. Weder hĂ€tte sie bei einem Rennrad gewusst, wo sie ihre Kartoffeln unterbringen soll, noch hĂ€tte sie mit einem Mountainbike den Berg hoch zu ihrem Haus bewĂ€ltigt. Nehme ich mal an.

Mannmannmann. Die Menschheit lĂ€uft schon so lange auf ihren FĂŒĂŸen herum, dass ich nicht glaube, dass fĂŒr Schuhe eine solche Technik nötig ist. Wenn dieses Verfahren so miserabel wĂ€re, wie es mir die Werbung fĂŒr Laufschuhe weismachen möchte, hĂ€tte es sich sicherlich in der Evolution nicht so durchgesetzt. Wie dem auch sei: Kerstin empfiehlt mir, einfach Sportschuhe anzuprobieren, auch im SportgeschĂ€ft damit zu laufen und so zu spĂŒren, ob ich in diesen bequem unterwegs sein kann. Das klingt erst einmal vernĂŒnftig. Ich werde mal sehen, ob sich das umsetzen lĂ€sst.

Wieder daheim, klemme ich mich hinter den Computer. Ich will wissen, was in Sportkleidung alles an Chemie verarbeitet wird. Hier hilft mir die Zeitschrift Öko-Test weiter: So fanden Labore in Laufhosen beispielsweise Weichmacher, die wie Hormone wirken oder zinnorganische Verbindungen, die sich sowohl auf das Immun-, als auch auf das Hormonsystem des Menschen auswirken können. Manche Textilien werden mit halogenorganischen Verbindungen ausgerĂŒstet, obwohl lĂ€ngst bekannt ist, dass sie Allergien auslösen können und zum Teil unter dem Verdacht stehen, Krebs auszulösen.

Das finde ich weniger erfreulich und beschließe, dass fĂŒr meine sportlichen Zwecke mein Baumwoll-.T-Shirt reicht, auch wenn es nicht so fesch aussieht, wie manch andere Shirts. Da ich nach dem Sport ohnehin nach Hause fahre, stört es mich nicht, wenn die Klamotten verschwitzt sind. Nach dem Duschen kommen sie in die WĂ€sche – und gut ist. Insgesamt fĂŒhle ich mich von der FĂŒlle der Materialien und Angebote ein wenig erschlagen. Fast sehne ich mich nach der Zeit zurĂŒck, in der es nur Sporttrikots aus Baumwolle gab, die sich lediglich durch ihre Farbe voneinander unterschieden. Mal sehen.

Runter vom Sofa und ab zum Sport #5

Es gibt – wie ĂŒberall im Leben – auch zwischen mir und Kerstin MissverstĂ€ndnisse. Sie dachte, wir hĂ€tten uns am Donnerstag verabredet, wĂ€hrend ich auf Freitag gebucht war.Also wartete Kerstin am Donnerstag vergeblich auf mich und schickte mir am Abend eine Mail: Ob mir etwas passiert sei?

Nein, ich saß quietschvergnĂŒgt zu Hause und freute mich auf das Training am Freitag.

Damit nun mein Training fĂŒr diese Woche aufgrund des MissverstĂ€ndnisses nicht ganz ins Wasser fiel, schlug Kerstin vor, ich solle mich doch am Freitag den beiden Frauen anschließen, die mit ihr im Kellerwald Forchheim trainierten. Nun, warum nicht. Ich mache schließlich auch ganz gerne mal ein SchwĂ€tzchen.

Also fuhr ich am Freitag zum Kellerwald, parkte mein Auto und wartete auf Kerstin und die anderen beiden Frauen. Als Überraschung kam auch Sabrina Friedrich mit, die eine der Frauen begleitet und darĂŒber im FrĂ€nkischen Tag berichten will. Das ist lustig: WĂ€hrend wir uns zu viert warmlaufen, flitzt Sabrina nach vorne und wieder zurĂŒck, hin und her, damit sie ein passendes Fotos schießen kann. Immerhin sind wir ja in Bewegung und dehnen uns mit den inzwischen einigermaßen gut bekannten Übungen. Äh. Zwar kenne ich die Übungen, bin aber trotzdem durch das Fotografieren abgelenkt: Wer steif und ungelenk ist, macht auch auf Fotos keinen entspannten Eindruck. Also passe ich auf, dass ich nicht in die „Foto-Schusslinie“ von Sabrina gerate, merke aber auch, dass ich mich dann nicht mehr gut auf die Übung konzentrieren kann.

Da die beiden anderen Frauen lieber walken, habe ich die Wahl und gehe entweder selbst mit schnellen Schritten oder jogge zwischendrin ein wenig. Die Geschwindigkeit ist bei beiden Fortbewegungsarten im Prinzip gleich. Weil wir zwar schnell genug unterwegs sind, dass wir ordentlich ins Schwitzen, aber nicht außer Puste kommen, können wir ein bisschen schwĂ€tzen. Sabrina zieht gelegentlich ihren kleinen Block aus der Tasche und notiert sich irgendetwas. Das wĂŒrde ich wahrscheinlich Ă€hnlich machen, wenn ich den Auftrag hĂ€tte, fĂŒr die Zeitung zu berichten. So ist das lustig: Sie beobachtet eine der Frauen, ich beobachte sie bei ihrer Arbeit.

Die Strecke im Kellerwald ist neu fĂŒr mich. Es geht – im Gegensatz zur Sportinsel – nicht immer nur gerade und eben, sondern hin und wieder bergauf und bergab. Das macht das Joggen nicht einfacher, ich habe gerade bergauf ganz schön zu kĂ€mpfen. Da bin ich froh, wenn ich hinter den anderen hinterherzockeln kann. FĂŒr das Krafttraining unterwegs stehen wieder genĂŒgend natĂŒrliche SportgerĂ€te im Wald: Wir nutzen ein GelĂ€nder ĂŒber einem BĂ€chlein fĂŒr LiegestĂŒtze, den Baumstamm fĂŒr Drehungen und die Bank fĂŒr eine Übung, bei der wir unsere HĂ€nde auf der SitzflĂ€che aufstĂŒtzen, mit dem RĂŒcken zur Bank und dann auf diese Weise mit dem Po fast auf die Erde dippen und uns wieder hochdrĂŒcken. FĂŒr die Kniebeugen und die Standwaage brauchen wir gar nichts weiter. Das geht einfach so.

Sport mit anderen gemeinsam zu machen, kann durchaus sehr vergnĂŒglich sein, stelle ich erstaunt fest. Wir kichern, schwĂ€tzen – und ich merke, dass ich dabei die Übungen etwas vernachlĂ€ssige: Ganz wie frĂŒher im Sportunterricht. Kerstin achtet allerdings auf uns, korrigiert, ermahnt, aber sie benimmt sich glĂŒcklicherweise nicht so, wie ich meine Sportlehrer aus der Schule noch in immer noch unguter Erinnerung habe. Diese verwechselten anscheinend den Sportplatz mit dem Kasernenhof, jedenfalls glaubten sie wohl, dass sie unsere Motivation als SchĂŒler mit ihrer BrĂŒllerei anfeuern wĂŒrden.

Selbst die Forscher wissen lĂ€ngst, dass sich durch eine Motivation von außen wie einen brĂŒllenden Sportlehrer oder demotivierende Sportlehrerin – nur Dinge gemacht werden, zu denen kein SchĂŒler Lust hat. In der Schule macht Sport eben keinen Spaß: Dort gibt es Noten, dort geht es nicht um Spaß, sondern um den Vergleich mit anderen und mit den Vorgaben, aus denen sich die Noten ergeben. Wer da nicht spitzenmĂ€ĂŸig drauf ist, kann da auch keinen Spaß entwickeln. WĂ€hrend sich kleine Kinder noch mit einer Lust an Bewegung auspowern, wird ihnen spĂ€testens mit dem Beginn der Schulzeit diese Freude genommen. Deswegen komme ich mir eben auch blöd vor, wenn ich eine Standwaage mache, weil ich weiß: Das kann gar nicht elegant aussehen. Aber Kerstin macht mich eben nicht zur Schnecke, sondern weist nur kurz darauf hin, worauf ich achten soll. So fĂ€ngt Sport ĂŒberhaupt an, Spaß zu machen. Auch wenn ich immer noch hĂŒbsch darauf achte, dass mich keiner sieht, wenn ich meine Übungen alleine mache.

Runter vom Sofa und ab zum Sport #3

Kerstin, meine persönliche Trainerin, ist wieder gesund. Wir treffen uns dieses Mal in Poxdorf: Kerstin hat auf der Seite „Lauferlebnis FrĂ€nkische Schweiz mit der Route N6 eine Strecke gefunden, die nicht zu lang ist und sich interessant anhört: Knapp sechs Kilometer durch Wald und Wiesen von Poxdorf nach Effeltrich und ĂŒber Hagenau zurĂŒck nach Poxdorf.

Ich finde unseren Treffpunkt fast auf Anhieb, obwohl ich kein Navi habe. Zwar parkt Kerstin um die Ecke, aber wir finden uns trotzdem: Poxdorf ist schließlich ein Dorf. Den Startpunkt und die Markierung der Route finden wir schnell: Es geht hinaus und zunĂ€chst zwischen den Feldern entlang. Haben etwa die Landwirte gedĂŒngt? Wir marschieren zĂŒgig, so dass wir warm werden, zwischendrin gibt es wie beim ersten Mal ein paar Übungen, damit die FĂŒĂŸe wieder gelenkiger werden.

Ob Hochsitz oder Baumstamm: Alles, was unterwegs im Weg steht, kann als Übungshilfe fĂŒr KraftĂŒbungen dienen: Abwechselnd LiegestĂŒtze und Thera-Band-hinter-den Kopf-ziehen, und zwischendrin immer wieder abwechselnd Joggen und Gehen. Es dauert nicht lange, bis wir in Effeltrich sind. Allerdings wird es im Ort ein bisschen kniffelig: Die Aufkleber, mit denen der Weg gekennzeichnet ist, sind nicht immer leicht zu finden. Als wir uns nicht mehr sicher sind, ob wir noch auf dem richtigen Weg sind, fragen wir lieber einen Menschen, der mit seinem Hund unterwegs ist. Wir mĂŒssen ein StĂŒck zurĂŒck und finden tatsĂ€chlich zwischen Haus und Hecke einen schmalen Pfad. Als wir diesen entlang laufen, grinst uns ein paar Meter weiter der Aufkleber an, als wollte er uns sagen: So ein bisschen Spannung ist doch schön, oder?

Merke ich eigentlich schon etwas von meinem Training? Immerhin bin ich ja zwischen den Terminen auch alleine unterwegs und mache die KraftĂŒbungen, die mir vorgeschlagen werden. Da muss ich ehrlich gestehen: Noch nicht. Allerdings bemerkte der Lieblingsmann, als wir kĂŒrzlich gemeinsam zu Fuß unterwegs waren, dass er sich ganz schön tummeln mĂŒsse, damit er mit mir Schritt halten könne.

Ich erinnere mich daran, dass Hartwig Gauder mal erzĂ€hlt hat, dass der Mensch dafĂŒr gebaut sei, etwas mehr als 19 Kilometer am Tag zu gehen. Gauder muss das wissen, immerhin hat er 1980 olympisches Gold im Gehen gewonnen. Er verriet auch, dass moderne Menschen gerade einmal noch 400 Meter tĂ€glich zu Fuß unterwegs seien, wie ein Experiment in Mannheim ergab. Das ist sicherlich etwas zu wenig. Immerhin parke ich das Auto, wenn ich einen Termin in Forchheim habe, dort, wo ich nichts fĂŒrs Parken zahlen muss. Das spart nicht nur Kleingeld, sondern ich kann automatisch ein paar Schritte mehr Laufen. Dabei brauche ich noch nicht einmal mehr Zeit, bis ich am Ziel bin: Mit dem Auto habe ich schließlich vorher auch oft ziemlich lange gebraucht, bis ich endlich einen passenden Parkplatz gefunden hatte.

Inzwischen lege ich auch immer wieder regelmĂ€ĂŸige Pausen beim Schreiben ein. Da ich glĂŒcklicherweise zu Hause arbeite, kann ich in dieser Zeit das Mittagessen kochen, die WĂ€sche bĂŒgeln oder die Katze Ă€rgern. Kerstin hat mir auch Übungen gezeigt, mit denen ich meine Schultern wieder lockern kann. Das mache ich jetzt mal. TschĂŒss.

Runter vom Sofa und ab zum Sport #2

Die persönliche Trainerin Kerstin ist krank. Das finde ich schade, und wĂŒnsche ihr gute Besserung. Trotzdem findet meine wöchentliche Sportstunde statt, denn Harry ĂŒbernimmt Kerstins Part. Harry lĂ€uft gerne. Harry lĂ€uft auch gerne lange. Nur ich laufe gar nicht gerne, und bin bestimmt das letzte Mal gelaufen, als ich noch in der Schule war. Das ist lange her. Zwar war ich damals recht leichtfĂŒĂŸig unterwegs, was an der Jugend und an meinem damals deutlich geringeren Gewicht gelegen haben mag, doch jeder spĂ€tere Versuch zu laufen scheitert daran, dass ich nach kurzer Zeit völlig aus der Puste bin.

Aus diesem Grund gehe ich ja auch lieber wandern. Da komme ich zwar hin und wieder auch ins Schwitzen, besonders wenn es bergauf geht, doch insgesamt finde ich Wandern recht geruhsam. Aber andererseits wollte ich ja meinem inneren Schweinehund Max Beine machen. WĂ€hrend wir uns in forschem Schritt warm gehen, schwĂ€rmt Harry von den Vorteilen, die das Laufen so bietet. Immerhin wĂŒrden dabei viele Kalorien verbrannt, mehr jedenfalls als beim Wandern oder Radfahren. Hmm. Ich höre mir das an. Schließlich möchte ich ja etwas weniger werden, da hat Harry schon Recht. Aber der Reflex ist immer noch vorhanden, so wie frĂŒher in der Schule zu maulen, wenn der Lehrer etwas anordnet. Nur: Wenn ich es nicht probiere, kann ich nicht wissen, ob nun Laufen etwas fĂŒr mich ist, oder nicht.

Nach zehn Minuten AufwÀrmen traben wir langsam los, Harry erklÀrt noch das Prozedere: Nur eine Minute langsam joggen und dann wieder ein Minute lang gehen. Praktischerweise hat Harry eine Uhr, die er einstellen kann und die sich jeweils nach Ablauf der Zeit piepsend meldet. Selbstredend laufe ich zu schnell los und werde von Harry gebremst. Ich soll ja eine Minute lang durchhalten und nicht nach zwanzig Schritten japsend zusammenbrechen. Im Zockeltempo joggen geht erstaunlich gut, vielleicht auch deswegen, weil Harry nebenher davon erzÀhlt, wie er vom Radfahren zum Laufen kam und was er bereits unterwegs so erlebt hat.

SchwĂ€tzend joggen und gehen wir also eine ganze Weile am Rhein-Main-Donau-Kanal entlang, bis zur BrĂŒcke, ĂŒber die ich normalerweise mit dem Auto fahre, wenn ich nach Forchheim will. Dort drehen wir um und joggen und gehen zurĂŒck. Harry erzĂ€hlt, dass er gemeinsam mit seiner Frau Lauftouren organisiert, ich habe nur noch so viel Puste, dass ich ab und an ein: „aha“ einwerfen kann. Als wir zurĂŒck zur Sportinsel kommen, halten wir an einer steinernen Bankgrupp mit rundem Tisch in der Mitte an. Hier ist eine gĂŒnstige Gelegenheit fĂŒr ein bisschen Krafttraining, findet Harry. Also mache ich LiegestĂŒtze, bei denen ich mich mit den HĂ€nden auf diesem Steintisch abstĂŒtze und einige andere Übungen, von denen manche schon ziemlich anstrengend sind.

Anschließend zeigt Harry, wie ich mich nach dem Laufen dehnen soll und empfiehlt mir Yoga, damit ich wieder etwas beweglicher werde. Nun, sonderlich beweglich war ich noch nie. Und beim Yoga war ich tatsĂ€chlich schon. Das war, als ich mit der Lieblingshausziege schwanger war. Irgendwie war das immer eine schöne, kuschelige Veranstaltung, bei der es warmen GewĂŒrztee gab. Harry lacht. Er hat schon erlebt, dass Frauen zu ihm in den Yogakurs kamen, die eben solche Vorstellungen hatten – und dann enttĂ€uscht waren, weil Yoga durchaus anstrengend sei, erzĂ€hlt er. Ich könne es ja mal probieren, lĂ€dt er mich ein. Mal sehen.

Erst einmal ist die Stunde rum, und ich staune, wie schnell die Zeit vorĂŒber ging.

Runter vom Sofa und ab zum Sport #1

Es ist schon ĂŒber ein Jahr her, seit mein innerer Schweinehund auf den Namen Max hört. Inzwischen hat er einiges gelernt: Das Portemonnaie liegt jetzt (fast) immer auf dem Regal im Flur, ebenso die Uhr. Auf dem Schreibtisch wische ich gelegentlich richtig Staub, dann sieht nicht nur die Glasplatte fĂŒr einen Moment schön sauber aus, auch das Papier, das sich immer darauf stapelt, ist sortiert und wandert – wann immer es geht – in die hĂŒbsche runde Ablage P unter dem Tisch.

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Die Katze darf auf dem Sessel liegen bleiben. Ich dagegen muss: Runter vom Sofa.

Was allerdings die tĂ€gliche Bewegung angeht, lebt Max immer noch nach dem Lustprinzip. Eigentlich wĂŒrde er ja gerne jeden Tag unterwegs an der frischen Luft sein, aber irgendwie kommt oft genug etwas fĂŒrchterlich Wichtiges dazwischen.

 

Da kam mir der Aufruf vom FrĂ€nkischen Tag geradezu gelegen: Runter vom Sofa, heißt es. Dabei liege ich nur relativ selten auf dem selbigen, meistens sitze ich auf meinem Stuhl vor dem Monitor – und schreibe, gucke, lese, was auch immer. Ein persönlicher Trainer soll helfen und mich motivieren.

Ab jetzt ist also Kerstin an meiner Seite. Noch sitze ich im Auto auf dem Parkplatz der Sportinsel, bin etwas zu frĂŒh und warte. Die Sonne scheint, es ist relativ warm und eine ganze Menge Leute fĂŒhren ihre Hunde spazieren. Die haben schließlich mit dem Hund immer einen Grund und eine Ausrede, damit sie aus dem Haus gehen. Ich dagegen habe meine Sportsachen herausgekramt, die ich vor langen Zeiten in der Hoffnung gekauft hatte, dass sie mich zu mehr Bewegung motivieren wĂŒrden. Doch auf meinen Wanderungen brauchte ich sie nicht, also lagen sie im Schrank, ohne zu murren.

Kerstin kommt. Es geht aber noch nicht gleich los. Erst muss ich unterschreiben, dass ich wirklich auf eigene Verantwortung handele.

Dann geht es los. Wir gehen ziemlich schnell in der Sonne ĂŒber die Forchheimer Sportinsel, auf den ganz normalen Wegen. Dabei soll ich meine FĂŒĂŸe richtig von der Ferse bis zur Spitze abrollen, anschließend erst mit den Fersen, dann mit den Fußspitzen zuerst auftreten. Beides fĂŒhlt sich ungewohnt an. Wann habe ich eigentlich das letzte Mal ĂŒberhaupt bewusst auf das Gehen geachtet? Das habe ich schließlich gelernt, als ich jung und frisch war. Jetzt achte ich nur noch darauf, wenn der Untergrund, sprich: Der Weg, entsprechend schwierig ist. Hier ist jedoch alles eben. Kerstin fĂŒhrt es vor, ich mache es nach, auch wenn die Beschreibung einfacher scheint, als die tatsĂ€chliche lĂ€uferische Umsetzung. Wer jetzt grinst, soll das erst einmal selber probieren.

Wir gehen ein Weilchen, dann gibt es eine Pause. Kerstin macht eine Schrittfolge vor, bei der ich gleichzeitig die Arme nach oben und den Oberkörper drehen soll. Ups. Koordination ist gefragt: Immer hĂŒbsch gegengleich zum Fuß drehen, der gerade vorne steht, anschließend noch die Arme mit einer leichten Kniebeuge nach unten und hinten bewegen. Kapiert? Macht nichts. Ich hab auch ein kleines Weilchen gebraucht.

An der Treppe wird es leichter: Stufe hoch, Stufe runter. Drei Stufen hoch, drei Stufen runter. Und mit dem Vorderfuß auf die Stufen stellen, bis es hinten in den Waden zieht.

Weiter geht es. An einer Wegkreuzung auf der Sportinsel kommt uns Harry entgegen, der andere persönliche Trainer, er hat gleich zwei Leser des FrÀnkischen Tags, ein PÀrchen, im Schlepp.

Mit Thera-Band zwischen den HÀnden ziehe ich die Arme von oben zu den Schultern, das Band hinter dem Kopf: Hier stört das Haargummi, aber nur ein bisschen. Dreimal zehn Wiederholungen, dann geht es zur nÀchsten freien Bank. Hier soll ich mich setzen. Nicht wie gewohnt, sondern ich soll erst den Hintern nach hinten schieben, bevor ich die Knie beuge. Das erste Mal plumpse ich einfach auf die Bank. Zuschauer gibt es zwar keine, doch Kerstin macht neben mir mit, damit ich mir nicht so blöd vorkomme. Gute Idee.

Überhaupt: Der Schulsport. Fangen kleine Kinder an zu laufen und zu krabbeln, bewegen sie sich in der Regel gerne. Sie laufen, sie hĂŒpfen, sie rollen, sie purzeln, sie machen alles, außer still sitzen. Kommen die Kinder dann in die Schule, mĂŒssen sie auf einmal lange still sitzen, und haben als Ausgleich dafĂŒr Sportunterricht: Hier wird leider oft Ernst aus Spiel und Spaß. Allein die Noten sorgen dafĂŒr, dass viele Kinder keine Freude mehr an Sport haben. Kerstin erzĂ€hlt, wie sie mit den Kindern in einer Grundschule Seilspringen ĂŒbte. Ein MĂ€dchen hielt sich abseits und beteiligte sich nicht. Kerstin musste sich erst eine ganze Weile liebevoll mit dem Kind beschĂ€ftigen, ehe sie den Grund dafĂŒr erfuhr: Im Jahr zuvor gab es fĂŒr die SchĂŒlerin fĂŒrs SeilhĂŒpfen eine Vier. Jetzt mithĂŒpfen? Fehlanzeige. Erst war ausreichend Motivation nötig.

Dieses Verhalten kenne ich selbst nur zu gut: Lieber habe ich im Schulsport ein „UngenĂŒgend“ kassiert, als mich beim GerĂ€teturnen dem GelĂ€chter der MitschĂŒler auszusetzen. Zum GlĂŒck fĂŒr mich konnte ich das mit Laufen und Ballspielen ausgleichen, so dass die Endnote keine völlige Katastrophe wurde.

Noch ein bisschen Laufen, Dehnen, Armkreisen. Dann ist die erste Stunde bereits vorbei. Es war ganz vergnĂŒglich und eigentlich hatte ich gedacht, ich mĂŒsse mich dabei viel mehr anstrengen. Wir verabreden uns fĂŒr die kommende Woche. Damit mir die Zeit bis dahin nicht so lang wird, kriege ich Hausaufgaben auf: Zweimal Walken/ Spazieren/ Gehen, in jeweils unterschiedlichen Geschwindigkeiten, Kniebeugen und einmal etwas Krafttraining. Das geht ja.