Slow auf der KrÀuterwanderung unterwegs

Ich und das Essen – das ist eine lange Geschichte, die schließlich dazu gefĂŒhrt hat, dass ich vor einigen Jahren bei Slow Food Mitglied wurde. Als Gegenbewegung zum Fast Food von Carlo Petrini 1986 gegrĂŒndet, geht es lĂ€ngst um mehr, als nur gutes Essen.

Wer sich genauer darĂŒber informieren möchte, kann das hier: Klick. 

Ab und an treffen sich Slow-Food-Mitglieder und Interessierte und machen etwas gemeinsam, bei dem sich alles – oder wenigstens ziemlich viel – um gutes Essen dreht. So hab ich schon mal ein hessisches SchlachtesĂŒppchen mitgekocht, echten Ziegen- und KuhkĂ€se mitgebastelt und Sauerteigbrot gebacken. Im elektronischen Briefkasten lag vor kurzem eine Einladung zu einer KrĂ€uterwanderung mit anschließendem Kochkurs, ich hab mich kurz entschlossen angemeldet und bin sogar hingefahren, obwohl es an dem Tag leider regnete. Aber was soll’s:

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Brunnenkresse auf Hand.

KrĂ€uter wachsen auch bei Regen. Vielleicht wachsen sie dabei sogar besonders gut, jedenfalls sind sie hinterher staubfrei und sauber. Als die Menschen noch JĂ€ger und Sammler waren, mussten sie auch jeden Tag aus der Höhle und konnten nicht warten, bis das Wetter endlich wieder schön war – und in der Zwischenzeit beim Mammut-Schenkel-Lieferanten bestellen.

Unser Treffpunkt fĂŒr die KrĂ€uterwanderung war die OedmĂŒhle in Weigendorf/ Oed: Klick. Diese liegt auf der Frankenalb, zwischen NĂŒrnberg und Amberg. Das ist erst einmal gut eine Stunde Fahrt und das Navi will ĂŒber die Autobahn lotsen: „Fahren Sie 600 Meter und kehren Sie um“. Aber nicht mit mir, ich will ĂŒber die Landstraße fahren. „Neu berechnen“: Ich bin immer wieder erstaunt darĂŒber, wie geduldig sich das Navi meiner Richtung anpasst. Da ist nie und nimmer nicht der leiseste Anflug von Genervtsein, so Ă  la: „Ich hab doch jetzt gesagt, wo es lang geht!“, kein virtuelles Augenrollen, einfach ĂŒberhaupt nichts. Ein Mensch hĂ€tte diese Geduld bestimmt nicht, oder?

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GrĂŒner Smoothie. Schmeckt. Echtjetzma.

ZunĂ€chst ein Smoothie. Gabriele Leonie BrĂ€utigam, KrĂ€uterfĂŒhrerin (staatlich zertifiziert) und Buchautorin (hier geht es zu ihrem Blog: Klick) ging mit uns in den Garten und ließ uns schon einmal ein wenig sammeln, steckte MĂ€desĂŒĂŸ, Kohldistel, Minze und ein wenig HolunderblĂŒte gemeinsam mit Banane und Apfel in einen Mixer – und servierte alles. Jeder bekam ein Glas voll mit GrĂŒn.

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MĂ€desĂŒĂŸ

Gundermann, MĂ€desĂŒĂŸ, Zaunwicke, Kohlkratzdistel, Spitzwegerich, Giersch, Brennnessel und Beifuß. Praktischerweise hatte die KrĂ€uterfrau frische StĂ€ngel auf weißen Tellern angerichtet, so konnte jeder gucken, ein Spitzchen abzupfen, kosten und dabei in der Gaststube der MĂŒhle sitzen bleiben.

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Kohlkratzdistel

Da leider die KrĂ€uter nicht von alleine in die KĂŒche kommen wollten, mussten wir irgendwann doch die trockene MĂŒhle verlassen und hinaus in die nassen Wiesen. Manche Teilnehmer hatten an Gummistiefel gedacht, ich leider nicht. Jetzt wĂŒrde sich herausstellen, ob meine Schuhe wasserdicht sind. Sie waren es nicht.

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Kohlkratzdistel auf Wiese. Vielmehr: In den HÀnden von Gabriele BrÀutigam.

Am Bach wuchs die Pestwurz – in eines der großen BlĂ€tter könnte ein StĂŒck Braten gewickelt werden – und Brunnenkresse. Im Heidelberger Krebsforschungszentrum wird gerade untersucht, wie die Senfglykoside der Brunnenkresse die Kommunikation von Krebszellen stören können und ob sie sich damit als Begleiterin einer Chemotherapie eignen könnte, erzĂ€hlt Gabriele BrĂ€utigam. Überhaupt erzĂ€hlt die KrĂ€uterfrau viel mehr ĂŒber die KrĂ€uter, die wir kennen lernen und sammeln, als ich mir merken kann. Jedenfalls so schnell geht das nicht, deswegen mache ich mir ausfĂŒhrliche Notizen und hoffe, dass ich sie spĂ€ter wieder entziffern kann.

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KrÀutersuppe.

Unser Darm habe zu wenig Training und bekomme oft das falsche Essen, erklĂ€rt Gabriele BrĂ€utigam, deswegen seine WildkrĂ€uter quasi das „update aus der Natur“. Frauenmantel, Wiesenlabkraut, Sauerampfer, Schafgarbe: die Botanikstunde geht weiter. Die Pusteblumen lassen regenschwer ihre Schirmchen hĂ€ngen, die sonst so federleicht ĂŒber den Wiesen schweben. Ein Blick ĂŒber die HĂŒgel der Kuppenalb: Hier lebt man ruhig, sagt die KrĂ€uterfrau. Die Kuppen mit den TĂ€lern dazwischen sind nur schwer erschließbar, sie sperren sich jeder Infrastruktur, die es geradlinig und schnell liebt.

Gekocht wurde: KrĂ€utersuppe, LammrĂŒcken mit KrĂ€uterkruste, Salat – auch mit KrĂ€utern und KrĂ€utersoße, Quiche mit – Überraschung – KrĂ€uterfĂŒllung. Als Nachtisch gab es BlĂ€ttchen und Tannenspitzen mit einem hauchdĂŒnnen Schokomantel drumherum und Wasserminz-Sorbet.

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KrĂ€utersoße auf KrĂ€utersalat

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Mini-Quiche mit KrĂ€uterfĂŒllung auf dem Salatteller

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KrĂ€uterpesto fĂŒr den Braten

Lecker wars.

Wer jetzt Appetit bekommen hat, meldet sich entweder einfach in der OedmĂŒhle an (Link ist oben) oder kauft sich eines der KrĂ€uterkochbĂŒcher von Gabriele BrĂ€utigam, der Link zu den BĂŒchern ist auf ihrer Webseite.