Die schönsten Sommerurlaubsziele

Urlaub. Endlich. Wer als Jugendlicher endlich froh ist, dass er der Schule entfliehen kann, stellt schnell fest: Zumindestens die Ferien waren schön. Sie waren vor allen Dingen lang, manchmal auch langweilig, aber ganz bestimmt lĂ€nger, als jeder Urlaub spĂ€ter so ist. Zu kurz: Das scheint ĂŒberhaupt ein Merkmal des Urlaubs zu sein, und so mĂŒssen diese wenigen Tage im Jahr fĂŒr all das reichen, wofĂŒr sonst keine oder kaum Zeit bleibt: Ausschlafen, Chillen, nichts tun… Oder? Doch. Eines ist im Urlaub ganz wichtig: die Urlaubsreise. Die HĂ€lfte der Deutschen verreist, wohin auch immer. Im Urlaub soll alles so sein, wie es im Alltag nicht ist: Eltern, die jeden Tag den Tisch fĂŒr die Kinder decken, Essen kochen, abrĂ€umen, alles in die SpĂŒlmaschine rĂ€umen, wollen sich einfach an einen schön gedeckten Tisch setzen und aufstehen dĂŒrfen, wenn sie fertig sind. Nix abrĂ€umen.

Nach Lloret de Mar

Da mein Urlaub schon immer etwas anders war, als bei anderen, hab ich mal den Lieblingsmann gefragt. Der kann sich tatsĂ€chlich noch gut an seinen ersten Urlaub erinnern, nach Abschluss seiner Lehrzeit, als es mit den Kumpels nach Lloret de Mar ging. Da wurde weder in Prospekten geblĂ€ttert, noch auf der Karte geguckt, da hat es gereicht, dass einer gesagt hat: „Dort gibts Gaudi“ – und alle fuhren mit.
Wichtig war fĂŒr die Jungs: Weil sie noch nicht viel Geld hatten, musste es billig sein, dafĂŒr sollte viel los sein und sie wollten Spaß haben, was fĂŒr sie hieß: BIs in die Puppen unterwegs sein, morgens ewig schlafen und MĂ€dels kennen lernen. Das Hotel war weit vom Strand entfernt und im Hinterhof lag der MĂŒll – egal. Nach den 17 Stunden Busfahrt dĂŒrften die Ă€lteren Leute, die ebenfalls mitfuhren, mehr als aufgeatmet haben: Die Jugendlichen waren in ihrem Gaudi so versunken, in ihre Aufregung ĂŒber den ersten eigenen Urlaub, sie plapperten, lĂ€rmten, sangen, schĂ€kerten, machten Blödsinn, und merkten nicht, dass sie allen anderen Mitfahrern dabei grĂŒndlich auf den Keks gingen.

Im Meer gemerkt: Kann gar nicht schwimmen

Die Taschen wurden nach der Ankunft einfach ins Zimmer geworfen und alle stĂŒrmten ans Meer und ins Meer, bewaffnet mit Luftmatratzen und dicken Schwimmreifen oder nur mit Badehose, wie der Lieblingsmann, dem plötzlich einfiel – als er bereits im Wasser war – dass er gar nicht schwimmen kann. GlĂŒcklicherweise trug ihn das salzige Wasser, sonst hĂ€tte ich ihn spĂ€ter nicht kennengelernt. Der Tagesablauf blieb wĂ€hrend seiner Urlaubswoche ziemlich gleich – so wie ja auch ein Arbeitstag immer gleich ablĂ€uft: Bis zum Mittag wurde gepennt, dann ging es an den Strand. Dort wurde am Imbiss gegessen, was billig war, frittierte Sprotten, Spareribs mit Pommes, Blödsinn gemacht, so lange, bis es abends zur Party ging. Das dauerte bis morgens, so gegen sechs, zum Abschluss gabs FrĂŒhstĂŒck und noch ein kurzes Bad im Pool – und ab ins Bett. Bis zum Mittag…

Urlaub – einfach so fĂŒr zwischendrin

Heute packen wir einen Korb fĂŒrs Picknick, ĂŒberlegen, in welche Richtung es gehen soll und fahren los. Es ist heiß, also suchen wir ein SchattenplĂ€tzchen, am liebsten am Weiher und an einer Stelle, zu der wir nicht so weit laufen mĂŒssen. Am Waldweg steht kein Verbotsschild, nur an dem Weg, der durch die Felder fĂŒhrt. Wer jetzt meckert, der soll selbst mit einem schweren Korb voll mit Leckereien an der Hand bei 30 Grad im Schatten kilometerweit laufen. Durch den Wald ging es bergab, bis zum Waldrand. Die Weiher, zu denen wir eigentlich wollten, waren hier nicht, aber auf einem Waldweg ist eine Wende mit dem Auto nicht so einfach, auch dann nicht, wenn das Auto klein ist. Eine Bank steht und wartet, ein Weiher glitzert ein kleines StĂŒck hinter dem Feld. In der Ferne blitzen rote DĂ€cher ĂŒber Hecken, ein Kirchturm wacht.

Dösen am Weiher

Der Waldweg fĂŒhrt um den Weiher herum, das letzte StĂŒck geht es einfach durch die BĂ€ume, ohne Weg, bis zu einem kleinen schattigen Grasfleck. Die Vögel zwitschern, Frösche knarzen, Libellen jagen ĂŒber dem Wasser, das klar im Weiher schimmert. Es ist nicht tief, wir können bis auf den Grund sehen, trotzdem traue ich mich nicht mit den FĂŒĂŸen hinein, durch den graubraunen Schlick, auf dem einzelne BuchenblĂ€tter liegen. Am Ufer ein dĂŒrrer Ast, wie eine magere Echse mit Hörnern, die auf Beute lauert. Irgendwo knattert entfernt ein Helikopter, auf dem Weg kommen gelegentlich schwĂ€tzende Menschen vorbei, die uns hier aber nicht sehen.

Ring aus Gras

Grasflecken? Na und. WĂ€hrend ich auf dem RĂŒcken dem Flirren der BlĂ€tter zuschaue, flicht der Lieblingsmann einen Ring aus Gras fĂŒr mich.

Die schönsten Sommerurlaubsziele

Die schönsten Sommerurlaubsziele, die es fĂŒr mich gibt, sind die, die ich nicht planen kann, weil sie, wie dieser Weiher, dann vorbeikommen, wenn ich eigentlich woanders hinwill. Dann lasse ich mich treiben, nehme das, was mir geboten wird, ohne krampfhaft nach dem zu suchen, was mir in meiner Vorstellung vorschwebte. Und siehe da: dann ist fĂŒr einen Nachmittag ein ganzer Urlaub.

Das Fröschlein kommt vorbei.

Wer mag, kann einfach bis zum 15. Juli seine eigenen schönsten Sommerziele vorstellen und den Link dazu in den Kommentaren anhÀngen.

Verbunden mit: Daily prompt.