Tagebuchbloggen am 5. März

Heute ist wieder der 5. des Monats – und da möchte Frau Brüllen wissen, was wir so den ganzen Tag lang machen. Sie nennt das WMDEDGT: Was machst du eigentlich den ganzen Tag und versammelt eine ganze Reihe an Tagesabläufen hier. 

Die Lieblingshausziege ist heute alleine zum Blusennähkurs, das heißt: Ich habe sie hingefahren und werde sie später wieder abholen. Zwar hat sie zu ihrer nicht-original-fränkischen Tracht schon eine Bluse genäht, aber eine zweite sollte es trotzdem noch sein.

Kurze Zeit später war ich zu einem Termin in einem anderen Nachbarort, dort wurden die Räume der zwei Krippengruppen vom katholischen Pfarrer gesegnet und ordentlich mit Weihwasser bespritzt. Vorher haben die Leiterin, der Bürgermeister, der Pfarrer und der Architekt geredet, sich bedankt und gesagt, wie sehr sie alle das freut, dass es jetzt so schöne Räume für die Krippenkinder gibt. Die Kinder wirkten allerdings ziemlich unsicher: Sie hielten sich an Papas Hosenbeinen fest, wollten um keinen Preis vom Arm herab oder sich auch nur einen Schritt vom jeweiligen Elternteil wegbewegen. Was ja auch logisch war: Sind sonst 11 Kinder mit zwei Erzieherinnen allein im Raum, standen jetzt die Erwachsenen so dicht, dass kaum noch Platz war.

Als ich zurückkam, jaulte die Kreissäge vor dem Haus: Der Bruder des Mitbewohners quälte die gesamte Umgebung und sägte Holz. Der Nachbar zur Linken fühlte sich herausgefordert und hielt mit seiner eigenen Kreissäge dagegen. Während die Kreissäge vom Nachbarn einfach schneller drehte und somit nur ein leises „sssss“ ertönen ließ, sang die andere mit jedem Holzstück ein lautes „Wiiiieeeiiieee“. Während der Bruder sägte, verstaute sein Vater alles sorgfältig im Hänger, so dass es dann gleich abgefahren werden konnte.

Da wir heute Abend zu einem Geburtstag eingeladen sind, bleibt die Küche heute kalt. Trotzdem backe ich zwei Käsekuchen mit Blaubeeren und die Königsberger Klopse lungern auch schon im Topf. Schließlich will die Lieblingshausziege was essen, wenn sie vom Nähen heimkommt.

Ich habe noch ein Bild fertiggemalt, das wird heute gleich verschenkt. Und weil noch Zeit ist, lege ich mich jetzt aufs Sofa, und lese. we 045

 

Tagebuchbloggen am 5. September

Es ist mit 9 Grad ganz schön kalt da draußen!

Ich hatte bereits die erste Kaffeetasse in der Hand, als meine Mutter mit diesem Ausruf ihre Enkelinnen darauf hinweisen wollte, dass sie für diese geradezu winterkalte Temperatur viel zu leicht gekleidet seien, doch deren Mutter zählte sämtliche Kleidungsschichten durch und befand sie für ausreichend.

Gestern fuhren wir von Oberfranken nach Westthüringen, in das Groß- und Urgroßelternhaus, das inzwischen von meinen Eltern bewohnt wird, da mein kleines rotes Auto dem großen blauen TÜV vorgeführt werden muss. Also fuhren wir heute nach Nordhessen, dorthin, wo sich der Sachverständige meines Vertrauens darum kümmern wird, der auf seinem Hof so viele Enten stehen hat, die er noch zum fliegen aka fahren bringen könnte, wie wohl kaum jemand anders.

Waldkappel-Friemen

Hier gibt es Enten.

Waldkappel-Friemen

Hier gibt es Enten.

Langsam fuhren wir auf der Landstraße zurück zu meinen Eltern, guckten noch hier und da im Vorbeifahren Dinge an, aßen Mittag und hofften auf eine Nieselregenpause, in der wir noch ein wenig auf der Mühlhäuser Kirmes herumstromern wollten.

Doch, der Regen hörte tatsächlich irgendwann auf. Ein blaues Loch in den Wolken versprach ein wenig Sonne, wir zogen los und kamen exakt bis runter in die Stadt. Dann fing ein neuer Regen an.

Kirmes Mühlhausen

Der Crepe ist gegessen.

Die Lieblingshausziege bekam einen Crepe, wir drehten eine kleine Runde über den traurigen Rummel im Regen, kehrten zurück und fanden das abgestürzte Einhorn im Rasen.

Mühlhäuser Kirmes

Abgestürztes Einhorn im Gras.

So kann das mit den Träumen und Wünschen ja nicht funktionieren. Da kuscheln wir uns lieber alle zusammen auf das Sofa, versinken in den spanischen Erinnerungen des Augusts, und klicken uns durch die drölfzigtausend Fotos, die ich in diesem Monat geschossen hab.

Vielleicht, aber auch nur vielleicht – und wenn es nicht regnet – gucken wir uns heute Abend noch das Feuerwerk an, mit dem die Mühlhäuser Kirmes immer beendet wird, das meine Urgroßmutter nie angucken wollte, weil sie, wie sie sagte, in ihrem Leben schon genug Feuerwerk erlebt hat.

Jeden 5. des Monats will Frau Brüllen wissen, was wir eigentlich den ganzen Tag lang machen. Deswegen schreibe ich es hier auf.

Tagebuchbloggen am 5. August: Sevilla

Sevilla

Frühstück in Sevilla.

Für meine Verhältnisse stand ich heute relativ spät auf. Allerdings war die Nacht – so viel Jammern auf hohem Niveau darf sein – einfach heiß. Der Miefquirl lief, damit die Luft wenigstens etwas bewegt wurde, das Fenster stand weit offen, die Tür ebenfalls. Das machte auch nichts, wir hatten hier in Sevilla ein Haus für uns ganz alleine, obwohl wir eigentlich nur ein Zimmer brauchten. Außer uns war schließlich niemand so blöd, und guckt sich im August Sevilla an. Doch, ein paar Touristen waren trotzdem da und drängelten sich überall mit aufs Bild, wenn ich nicht aufgepasst habe.

Sevilla.

Sevilla. Innenstadt.

Da ich die Pflicht in Sevilla: Alcazar, Kathedrale und so weiter schon absolviert hatte, blieb mir die Kür: Heute war Bummeln in kleinen Gässchen angesagt. Die gab es im ehemaligen Judenviertel, das allerdings schon lange keines mehr ist. Eng war es. Da die Häuser so dicht standen, dass die Sonne nicht bis nach unten schien, blieb es relativ schattig und kühl. Früher musste hier nur ein Esel mit zwei Wasserfässern durchpassen – mit Autos hat damals noch niemand gerechnet.

Sevilla.

Sevilla. Enge Straßen.

Unterwegs waren die meisten zu Fuß. Davon dürfte der größte Teil Touristen sein, so wie ich. Die Spanier fuhren mit Rollern, Motorrädern oder Fahrrädern. Unterwegs gab es immer was zu gucken, auch wenn ich weder ein Kleid, noch einen Fächer oder eine Tasse gekauft habe.

Sevilla.

Sevilla. Andenkenladen.

Sevilla.

Sevilla. Zwei Säulen aus römischen Zeiten.

An einem Platz standen diese beiden Säulen. Die haben die Römer einmal hier aufgestellt – und vergessen, sie beim Abzug wieder einzusammeln.

Sevilla.

Sevilla. Gazpacho und Kaffee.

Es war mittags: Zeit für einen heißen Kaffee und eine kalte Gazpacho. Gleich neben den Säulen gab es die kleine Leckerei, die bei dieser Temperatur durchaus als Essen durchging.

Sevilla.

Sevilla.

Ein Stückchen weiter waren kaum Menschen in den Straßen unterwegs, dafür aber die Jalousien hübsch verziert. Mittags haben die Läden übrigens fast alle zu – und machen erst abends wieder auf.

Sevilla.

Sevilla.

Dort, wo die Straßen wieder breiter waren, spendete Stoff den nötigen Schatten und ich schlich zurück zur Unterkunft. Vielleicht gehe ich noch einmal los, wenn es später etwas kühler wird. Lasst euch überraschen.

Irgendwann war einfach Appetit auf Tapas da. Eben mal so. Aber das ist in Sevilla überhaupt kein Problem.

Sevilla.

Sevilla. Tapas Bar.

Und der Rückweg zeigte, dass immer noch einiges los war. Noch nicht mal die Pferdchen vor den Kutschen hinter der Kathedrale hatten Feierabend.

Sevilla

Sevilla. Hinter der Kathedrale.

Und auf dem Platz war auch noch eine Menge los.

Sevilla

Sevilla. Hinter der Kathedrale.

Aber mir reichte es für heute. Morgen ist auch noch ein Tag, da geht es weiter, mit dem Zug nach Cordoba. Die rechte Tür von den beiden, das ist die Richtige für diese Nacht.

Sevilla

Sevilla.

 

Das ist mein Beitrag zum „WMDEDGT“ aka: Was machst du eigentlich den ganzen Tag. Frau Brüllen fragt das einmal im Monat, immer am 5., und ich mach da einfach mit.

Tagebuchbloggen am 5. Juli

Was machst du eigentlich den ganzen Tag?, fragt Frau Brüllen an jedem 5. des Monats.

Eigentlich wollte ich vor Tagesanbruch die Kühle nutzen, doch Max, mein lieber Schweinehund ließ mich erst erwachen, als die Sonnenstrahlen bereits auf meiner Nase tanzten. Dann eben nicht.

Zeitung

Zeitung

Den Kaffee gibt es mit Zeitung: Ich lese den Artikel von Slavoj Žižek in der Zeit: „Was ist jetzt noch links“, während vor dem Fenster die Elstern lärmen. Gestern habe ich noch eine Schüssel mit Wasser für die Vögel auf den Balkon gestellt, heute ist sie leer. Und das, obwohl der Nachbar gestern mit seiner Beregnungsanlage ein richtiges Regenfest für die Spatzen veranstaltet hat.

Als der Lieblingsmann die Brötchen holt, jammert die Bäckersfrau über die Hitze und darüber, dass sie am liebsten im Laden geschlafen hätte, weil dort der einzige klimatisierte Raum im Haus sei.

Serenade

Serenade

Ich schreibe noch schnell über die Serenade vom Freitagabend. Die Füße stecken dabei in einer Schüssel mit kühlem Wasser, die unter dem Schreibtisch steht. An diesem Abend spielte ein kleiner Junge selbstvergessen in dem Teich, aus dessen Mitte sonst eine Fontäne sprudelt und wurde – das vermute ich jetzt einfach mal – von den meisten Zuschauern rund um den Teich beneidet.

Zum Mittag Salat. Viel zu viel Salat. Aber sehr gut: Grüner Salat, Gurke und Paprika in Stückchen, geschnittene Pfirsiche und Erdbeeren, geschmorte Möhren- und Champignonscheiben, Schafskäse und Salatsauce.

Flohmarkt

Flohmarkt

Eine kurze Fahrt, zwei Dörfer weiter: Dort sitzen Menschen in ihren Gärten und Garagen, haben Tand und Tinnef auf Tapetentischen versammelt und warten auf Käufer. Das alte Geschirr, das sie zur Konfirmation geschenkt bekam, möchte eine ältere Frau jetzt endlich loswerden. Wenn es keiner haben will, kommt es in die Tonne, kündigt sie an – doch ich nehme nichts mit.

Auf der Rückfahrt bläst der Fahrtwind glutheiß durch das Autofenster. Das erinnert mich an die Erzählung: „Die Regentrude“ von Theodor Storm. „Die Luft ist lauter Feuer“, lässt Storm die Heldin unter der Hitze stöhnen. Er schrieb das Märchen einst in der Stadt, in der ich – Jahre später, versteht sich – die Oberschule besuchte.

Als Bilder und Text in der Redaktion sind, gibt es zur Belohnung Kaffee und Ruhe. Ich lese ein wenig herum und überlege, wie sich Amazon das so vorstellt: Die Autoren werden ab jetzt nach gelesener Seite bezahlt. Ich nehme aber an, dass der Käufer – auch wenn er das E-Book nicht lesen sollte, trotzdem den ganzen Preis bezahlen muss. Oder? Was passiert eigentlich dann mit dem Überschuss, dem Rest, dem, was beim Kauf bezahlt wird, aber nicht beim Autor ankommt?

Wenn ich mir ein Auto kaufe, bezahle ich dem Autohändler ja auch den geforderten Preis. Bezahlt der dann – je nach gefahrenen Kilometern – den Hersteller? Für ein Auto, das nur in der Garage steht und nicht gefahren wird, kriegt der Hersteller dann nichts?

Vielleicht sollte ich mir das mal von jemandem erklären lassen, der von Wirtschaft mehr versteht, als ich.

Ich fahre lieber mit dem Lieblingsmann auf den Keller. Dort ist auch eine Wirtschaft.

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Wandertafel am Parkplatz

Ergänzung: Wir fahren auf den Kreuzberg, und gehen dort auf den Lieberth-Keller. Das ist der kleine Keller in der Mitte, der uns ohnehin am sympathischsten ist. Auf dem Weg vom Parkplatz zum Keller sehe ich, dass die Schuhe, die neulich schon an der Wegtafel standen, immer noch stehen: „Wanderer, kommst du nach Sparta, verkündige dorten, du habest Uns hier liegen gesehn, wie das Gesetz es befahl.“

 

 

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Schuhe zu Füßen der Wandertafel

Ein Stieglitz hüpft unter den Bierbänken und sucht nach Futter. Fliegt auf, als ein Pärchen kommt: Sie in weiß-blond, mit Doppelkinn und Dreifachbauch im kleinen Schwarzen. Eng, selbstverständlich – und mit Pailletten am Ausschnitt. Er in brauner Tarnfleckhose, knielang, mit Aufschrift „Dragon Star“.

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Bier auf dem Keller.

Am Nebentisch mahnt die Frau ihren Mann, der vor einem Teller mit Pommes und Schaschlik sitzt: „Brauchst dich nicht so zu beeilen, isst dir keiner was weg!“

Tagebuchbloggen am 5. Juni

Was machst du eigentlich den ganzen Tag – oder kurz: wmdedgt? Das fragt Frau Brüllen an jedem 5. des Monats. Mein Tag heute:

Um fünf ist die Nacht zu Ende. Draußen krakeelen die Spatzen und ich bin wach. Da stehe ich lieber auf, als weiter im Bett zu liegen. Eine Tasse mit Glaubersalz – schmeckt nicht, ist aber nützlich, wenn ich eine Woche fasten möchte. Das mache ich gelegentlich – aus mehreren Gründen. Damit sich der fiese Geschmack im Mund wieder verzieht, koche ich mir hinterher noch eine große Tasse Kaffee und lese Zeitung, während ich den Kaffee trinke. In der Küche höre ich den Fröschen zu, die zwei Grundstücke weiter den Gartenteich bevölkern und ein Morgenkonzert geben.

Dann setze ich mich an den Laptop, der frühe Vogel ist auch schon da. Die Kohlmeise hat entdeckt, dass seit gestern wieder ein Meisenknödel im Futterhäuschen liegt, fliegt diesen gewissermaßen im Minutentakt an, pickt den Schnabel voll und startet wieder. Der Nachbar von gegenüber kommt mit einem Koffer aus seiner Tür. Hurra: Jetzt brauche ich mir – wenigstens für eine Weile – nicht mehr die Fingerübungen auf dem Keyboard anzuhören. Da der Nachbar dabei immer sein Fenster offen lässt, haben alle etwas davon. Vielleicht sollte ich einfach nur froh darüber sein, dass er kein Geld dafür haben will? Ich weiß es nicht.

Ich sitze an meinem ersten Text, da dröhnt das Müllauto durch die Straße und die beiden Müllmänner poltern mit den Mülltonnen vom Bürgersteig hin zum Auto, dann hebt die Mechanik die Tonne hoch – fzschsch – anschließend wird die Tonne wieder zurückgerumpelt. Ganz nach dem Motto: Nur dort, wo Krach und Dreck entstehen, wird auch richtig gearbeitet. Gut. Dann arbeite ich eben nicht richtig, schreibe allerdings trotzdem weiter. Die Deadline grinst schon.

Zwei Stunden weiter sind bereits zwei Texte fertig. Ich bin ganz stolz auf mich und belohne mich mit einem Päuschen, mache mir einen Tee, lese Zeitung und höre zu, wie es in meinem Bauch gluckst und gluckert. Huh. Mir fällt ein, dass ja gestern – trotz Feiertag – die Gemüsekiste kam. Da muss ich nachher aussortieren, in: Kommt in den Kühlschrank und wartet auf die Lieblingshausziege und in: Muss ich verarbeiten und einfrieren. Fasten heißt ja, nichts essen. Auch wenn ich damit nicht das Gemüse davor bewahren kann, dass es sich ein weißes Pelzchen überzieht. Achja: Weiter mit dem nächsten Text, damit bis Mittag alles geschafft ist.

Zwölf Uhr mittags: Fertig mit der Arbeit. Jetzt geht es in die Küche, Gemüse putzen und verarbeiten. Auf dem Balkon ist es mir um diese Zeit entschieden zu heiß. Also: Jalousien runter. Dann ist es zwar dunkel, bleibt aber kühl. Ich mache mir noch einen Tee, und fange mit der Küchenarbeit an.

Ein Uhr: Pünktlich zum Beginn der Mittagsruhe fängt der Nachbar, mit dem wir hier und hier schon viel Freude hatten, damit an, die Pfähle für seinen neuen Hühnerstall mit einem kleinen Rüttelfrosch und viel Krach in die Erde zu rammen. Toll. Vermutlich ist er dann bis drei Uhr nachmittags damit fertig. Dabei ist er gar kein Maurer, sondern Steinmetz, bräuchte also gar nicht pünktlich zu arbeiten. *fingerindieohrenstopf* So. Gulasch ist eingefroren, die dicken Bohnen müssen noch abkühlen, der Spitzkohl ebenso.

Da ich mich heute – glaubersalzbedingt – immer wieder auf der Toilette aufhalte, habe ich für die Fastenzeit zwei schöne Kochbücher als passende Lektüre ausgesucht. Ich finde es ja immer wieder erstaunlich, wie viel Zeit ich plötzlich habe, wenn sowohl das Kochen, als auch das Essen selbst einfach wegfällt. Ich habe Zeit – und putze eben mal das Fenster der Lieblingshausziege und hoffe einfach, dass sie sich darüber freut, wenn sie wieder zu Hause ist. Auf dem Balkon stehen noch zwei Töpfchen mit Freugemüse, die darauf warten, dass ich sie in die Balkonkästen an den Stellen einpflanze, wo es inzwischen – saisonbedingt – die ersten Lücken gibt: Sämtliche Hornveilchen und Stiefmütterchen haben nämlich jetzt endgültig beschlossen, dass es ihnen mit Blühen reicht.

Zurück am Laptop stürmt neben mir eine dicke Fliege immer wieder auf das Fenster ein, und haut sich den Kopp an. Ob die irgendwann kapiert, dass sie Glas so nicht zum Platzen kriegt? Solange sie mich nicht weiter belästigt, außer ihrem ssssss-bong, lasse ich die Fliegenklatsche noch in der Küche. Aber wenn, dann wehe! Puh. (Hab ich schon gesagt, dass es heute heiß ist, ich meine: Richtig heiß, so mehr als 30 Grad im Schatten. Da gehe ich doch nicht raus, jedenfalls jetzt noch nicht.)

Der Blattspinat ist auch schon in der Pfanne vorbereitet, wird gleich in ein Plastiktöpfchen gesperrt und anschließend – abgekühlt, versteht sich – in das ewige Eis versenkt. Jetzt ist genau die richtige Gelegenheit, in der Küche den Boden zu wischen: Wenn niemand kocht, wird schließlich auch nicht so schnell wieder etwas dreckig, logisch. Zwischendrin hat der Postbote geklingelt, und zwei Pakete abgegeben. In dem großen Paket sind die Kugelauflagen für die Autositze drin, das ist genau richtig bei diesen Temperaturen. Und im kleinen Paket sind zwei Stöffchen drin, eines für mich und eines für die Lieblingshausziege, außerdem ein Garnknäuel für Socken. Damit ist mein Programm für heute beschlossen: Schnitt raussuchen, zuschneiden, nähen. Oder so. Viel Spaß allen anderen noch bei: wmdedgt aka: Was machst du eigentlich den ganzen Tag.

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Ein Samstag, einfach so

Garten

Verregnete Erdbeerpflanzen

Gerade waren die Erdbeerpflanzen ganz frisch vom Unkraut befreit, schon regnete es und der Islandmohn rollte seine Blüten einfach ein und bastelte spitze Tüten daraus.

Ein paar Minuten später schien die Sonne und ich konnte noch den letzten leeren Blumenkasten auf dem Balkon mit Petersilie und Schnittlauch bepflanzen. So brauche ich nicht weit zu gehen, wenn auf dem Butterbrot einfach Grünzeug liegen soll.

Das Kind näht sich eine neue Lieblingshose für zu Hause, eine ganz bequeme. Leider haben sich die Ösen irgendwohin verkrochen, so dass sie heute noch nicht damit fertig werden kann.

Da der untere Bewohner des Hauses gestern ein Reh mitgebracht hat, gab es heute Mittag dessen Innereien: Die Leber in Cassis, Herz und Nierchen in Rotwein geschmort und die Lunge lieber für die Katz. Dazu Reis und Salat.

Kind kuckte Film, ich besuchte noch ein Chorkonzert und Blasmusik und der Tag klang völlig unspektakulär aus, so wie er schon den ganzen Tag war: Ein ganz normaler Samstag, ruhig, friedlich und ganz gelassen. Neuerdings tummelt sich übrigens nicht nur das uns schon wohlbekannte Blaumeisenpärchen am Meisenknödel, sondern sogar ein Spatz.

Tagebuchbloggen: 5. Mai

Was machst du eigentlich den ganzen Tag?

Als ich aufstehe, juckt mir das ganze Fell: Ein schlimmer Anfall von Urticaria (Nesselsucht) lässt mich aussehen, als hätte ich meine Nacht in einem Bett voller Brennnesseln verbracht. Das juckt! Ich gehe duschen, so kalt es nur geht, rubbele nicht zu viel an mir herum und ziehe einfach ein leichtes Kleid über. Schließlich soll es heiß werden und diese Juckerei ertrage ich besser, wenn es kühl ist. Woran das liegt? Keine Ahnung. Es kommt immer mal, glücklicherweise im Abstand von mehreren Jahren, und ist etwa nach drei Tagen wieder vorbei.

Zeitung lesen, Mails lesen, Blogposts lesen, Kaffee trinken: Dann muss ich schon los. Ich habe einen Termin beim Amtsgericht, über den ich berichten soll. Ein knapp zwanzigjähriger, der mit seinem Fusselbart, dem Sweatshirt mit Kapuze und den Turnschuhen mit pinkfarbenen Sohlen ein bisschen aussieht, wie ein zu groß geratener Teddybär, hat Menschen beleidigt und bedroht, sagt die Anklage. Er erzählt seine Version des späten Abends, die Zeugen ihre. In einer Verhandlungspause, in der sein Anwalt mit der Richterin darüber verhandelt, wie weiter verfahren werden soll, umarmt er seine Mutter, legt die Arme um sie und schmust mit ihr. Immerhin finanziert sie ihm sein Leben, da er weder Arbeit hat, noch irgendwelches Geld, dafür aber heute schon die achte Gerichtsverhandlung. Er bekommt eine Bewährungsstrafe, mit etlichen Auflagen. Die Richterin versucht ihm zu erklären, dass sie ihn beim nächsten Mal einsperren lässt, auch wenn sie nicht glaubt, dass das etwas nützt.

Kurz ein paar Dinge einkaufen, wieder nach Hause, wieder das leichte Kleid anziehen, schreiben. Wenn ich mich auf andere Dinge konzentrieren kann, ist das juckende Fell leichter zu ertragen. Das Kind kommt aus der Schule, und macht uns schnell was zu essen, weil ich bis jetzt keine Zeit dazu hatte: Reis mit Fischstäbchen gibt es. Auf die Fischstäbchen bekam ich einfach Lust, als ich einkaufen war. Das kommt vor. Weiterschreiben, gelegentlich das juckende Fell mit kaltem Wasser kühlen – das hilft – und dem Meisenpärchen dabei zusehen, wie sie den Meisenknödel im Futterhäuschen langsam vertilgen. Ich glaube, die füttern ihre Jungen im Nest damit. Nur sehr gelegentlich lässt sich mal ein Spatz am Futterhaus blicken.

Weiter schreiben. Das lenkt einigermaßen ab. Zwischendrin kommt die Katze und drängt sich zwischen Tastatur und Monitor, weil sie Beachtung und Streicheleinheiten braucht. Nach einer Weile hat sie genug, setzt sich auf das Nähkästchen, das immer noch auf meinem Schreibtisch steht und versucht, den Deckel mit der Pfote zu öffnen, auf dem sie gerade sitzt. Eigentlich wollte ich ja ein Lesekissen nähen, das Innenleben liegt auch fertig genäht vor mir. Ich bin nur mit der Füllung noch nicht zufrieden. Mal sehen, was mir da einfällt. Die Katze liegt jedenfalls ganz gerne auf den zwei Kilo Getreide, die ich ins Innenleben gekippt habe. Leider bräuchte ich mehr davon, dann wird mir das Kissen aber zu schwer. Wenn also irgendjemand eine Idee hat, bitte her damit.

Schnell noch ein Brot essen und noch einmal ausgehfertig umziehen. Schließlich muss ich noch zur Gemeinderatssitzung. Vor zwei Wochen wurden die Gemeinderatsvertreter mit ihrer Sitzung nicht fertig, also gibt es heute den zweiten Teil der noch offenen Tagesordnungspunkte. Hoffentlich brauchen sie nicht wieder so lange. Drei Stunden sind konzentrationstechnisch schon ziemlich lang. Immerhin muss ich ja wenigstens die Bemerkungen notieren, mit denen sich die einzelnen Fraktionen ihre Argumente um die Ohren werfen. Als ich nach dem öffentlichen Teil der Sitzung schnell nach Hause fahre, ist es schon dunkel.

Das Kind kniet bäuchlings auf dem Sofa und schreibt einen Brief mit Feder und Tinte an die beste Freundin, der Lieblingsmann guckt am Laptop den „Faust“ in der Inszenierung mit Gustaf Gründgens. Dazu hat er die Kopfhörer vom Kind auf, so kommen sie sich geräuschtechnisch weniger ins Gehege. Zwar hat das Kind auch ein eigenes Zimmer, in dem sogar ein Schreibtisch steht, doch da sie nach ihren eigenen Angaben ein Gesellschaftstierchen ist, ist sie eigentlich immer da, wo wir auch sind. Sehr nett.

Ich dagegen trinke schnell noch ein Glas Wasser, ziehe mein Nachthemd an, lege mich ins Bett und hoffe, dass das Buch, das neben dem Kopfkissen liegt, spannend genug ist, so dass ich irgendwann trotz des juckenden Fells einfach einschlafen kann.

Wer wissen will, was andere Blogger den ganzen Tag lang machen, guckt einfach bei Frau Brüllen vorbei. Da beschreiben noch viele ihren Tag unter dem Motto: Was machst du eigentlich den ganzen Tag, oder WmdedgT?

12 Bilder vom 12. April

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Frühstück mit Osterbrot.

Es ist Sonntag. Da wird erst ausgiebig gefrühstückt – mit Osterbrot und selbstgemachter Marmelade aus Brom- und Johannisbeeren.

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Blumen auf Balkonien

Anschließend zeigt ein Blick auf den Balkon, dass die Blumen, die ich gestern gekauft und in größere Töpfe gesetzt habe, alles gut vertragen haben. Prima. Kriegen sie also noch einen Schluck Wasser, und wir können einen Ausflug machen.

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Hier darf kein Pferd äppeln. Oder?

Der Ausflug geht nach Weißenohe, ins Lillachtal – wir wollen an den Sinterterrassen entlang zur Lillachquelle laufen. Ich dachte immer, dass die Pferde äpfeln, wenn sie den Schwanz so hochheben, wie auf diesem Schild.

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Zwei Paar Schuhe.

Wie jeder hier unschwer erkennen kann, kam sogar die Lieblingshausziege mit auf den Ausflug. Das freut das Muttertier. 🙂

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Sinterterrassen bei Weißenohe.

Die Sinterterrassen bei Weißenohe: Das ist gerade noch so im Landkreis Forchheim, aber nahe genug an Nürnberg, dass viele Menschen von dort aus hierher einen Ausflug machen. Da die Stadtmenschen nur einmal in der Woche eine grüne Verkehrsinsel sehen, müssen sie sich ausrüsten und anziehen, als ginge es ins Hochgebirge, wenn sie hier in der Fränkischen Schweiz unterwegs sind: Rucksäcke, Wanderstöcke, wetterfeste Jacken, Bergstiefel, Isomatten, Trinkflaschen…

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Sinterstufen bei Weißenohe.

Mitten im Wasser blüht schon was und sieht aus, wie eine Sumpfdotterblume.

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Die Lillachquelle

Hier ist jetzt die Lillachquelle. Weil noch Osterzeit ist, ist sie ebenfalls hübsch geschmückt. Die Sinterstufen bildeten sich, weil das Wasser sehr kalkhaltig ist und sind inzwischen gut 10.000 Jahre alt. Wer mehr wissen will, kann das hier nachlesen.

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Klosterbrauerei Weißenohe.

Anschließend haben wir gegessen, aber nicht hier im Bierhimmel. Der ist in der Klosterbrauerei Weißenohe.

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Kirchenfenster in Schnaittach.

Es war noch Zeit, der Tag wollte schließlich gut genutzt werden. Also beschlossen wir – weil es nicht so weit ist – noch nach Hersbruck zu fahren. Auf dem Weg lag Schnaittach. Die Kirche fiel uns auf, weil sie einen alten Turm neben einem relativ neuen Kirchenschiff hatte. Dieses wurde 1933 gebaut, wie eine Tafel verriet. Über dem Eingang leuchtete das bunte Fenster.

 

 

 

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Bergfestung Rothenberg

Über Schnaittach thront die Bergfestung Rothenberg. Wir haben das Auto abgestellt, sind hochgelaufen, aber nicht in die Festung hineingegangen. Die Mauern der Festung sahen aus, als wären sie aus Beton gegossen.

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Hersbruck

In Hersbruck gab es Eis, bevor es wieder nach Hause ging.

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Lieblingsblumen auf dem Balkon.

Jetzt freue ich mich noch auf eine schöne Balkonzeit, mit Buch und Blick auf die Blumen.

Noch mehr Bilder vom jeweils 12. jeden Monats gibt es bei: Draußen nur Kännchen.

Tagebuchbloggen

Kürzlich habe ich entdeckt, dass ich bei Frau Brüllen unter der Rubrik: „Was machst du eigentlich den ganzen Tag“, hübsch abgekürzt unter: WMDEDGT, viele Menschen einfach aufschreiben und verlinken, was sie den ganzen Tag lang so machen. Da das besonders bei jemandem wie mir, der gefühlt den ganzen Tag am Laptop Texte schreibt, so aussieht, als mache ich nichts, beteilige ich mich heute mal daran.

Gestern Abend hatte ich zwei Termine: Erst eine Jahreshauptversammlung vom Obst- und Gemüsebauverein. Die war schneller zu Ende, als ich gehofft hatte, und so war ich für meinen zweiten Termin etwas zu früh dran und musste warten, bis die Taucher aufgetaucht und in der Pizzeria angekommen waren.

Dank dieser Termine kam ich gestern etwas später ins Bett, als gewöhnlich – und als der Wecker klingelte und die Lieblingshausziege zum Wecken kam, drehte ich mich noch ein paar Minuten auf die andere Seite. Im Gegensatz zu den beiden, die noch hier wohnen, muss ich ja nicht pünktlich in einer Schule oder an der Arbeit sein. Aber nicht lange, dann fiel mir ein, was heute alles noch erledigt werden wollte – und so war ich doch mit einem Hupf aus dem Bett.

Einen großen Kaffee getrunken, etwas Zeitung gelesen, gewartet, bis ich mit der Katze allein in der Wohnung bin und dann habe ich erst einmal den Ofen angefeuert, den Computer hochgefahren und mit Schreiben angefangen: Zunächst den Text über die Sitzung des Gemeinderates, der noch nicht ganz fertig war, den Text über die Jahreshauptversammlung und dann zwei Blogtexte für eine Gebäudereinigungsfirma.

Zwischendrin geduscht, Katze gestreichelt, die frisch gelieferte Gemüsekiste nach oben geholt, ordentlich angezogen und zum Termin in die Bank: Hier bekam ich erzählt, wie deren Bilanz im vergangenen Jahr war, darüber muss ich dann aber erst morgen schreiben. Hoffte ich. Wieder nach Hause, einen Apfel essen, zurück an den Laptop. Noch einen Blogtext für die Gebäudereinigungsfirma. Jetzt sind es nur noch vier – von insgesamt 13.

Zwischendrin war es längst Mittag und der Lieblingsmann kam von der Arbeit nach Hause. Heute hatte ich es allerdings noch nicht geschafft, das Essen vorzubereiten. Da in der Gemüsekiste ein schöner frischer Salatkopf ist, sollte es diesen heute geben. Da der Lieblingsmann sah, dass ich am Tippen bin, fing er an, den Salat zu basteln. Ich roch schon die gebratenen Speckwürfelchen, linste in die Küche und sah: Ich irrte mich. Es wurden Schinkennudeln vorbereitet. Das ist immerhin ein von den Teenies sehr geschätztes Futter, wenn die Lieblingshausziege mit ihrem Schahatz kommt, wird ordentlich gespachtelt und nicht am Essen gemäkelt.

Weiter an den Texten. Noch vor dem Mittag wurde einer fertig: Jetzt waren es nur noch drei. Inzwischen klapperte in der Küche das Besteck. Ich hatte inzwischen auch ordentlich Hunger. Einen Salat gab es trotzdem, zu den Schinkennudeln. Nur die Lieblingshausziege kam nicht. Da hab ich wohl wieder nicht hingehört, als sie ganz genau und detailliert erklärt hat, wo sie wann ist und wo nicht. Also stiefelte der Napf mit den ganzen Nudeln zurück in den Herd, schließlich sollte die Katze ihr eigenes Futter fressen.

Der Lieblingsmann sauste wieder fort, ich räumte die Küche noch ein bisschen auf und bereitete mir einen Espresso, gegen das Fresskoma. Immerhin waren die Nudeln wirklich lecker. Da mir beim Schreiben die Sonne den Pelz gewärmt hatte, vergaß ich glatt, rechtzeitig Holz aufs Feuer zu legen. Also legte ich ein Stück Holz auf, und hoffte, dass es wieder anbrennt. Tat es nicht. Ich legte die leere Nudelpackung unter das angekokelte Holzstück – und hoffte wiederum. Doch, das Feuer fing wirklich wieder etwas an zu flackern. Auf in den Endspurt: Noch zweieinhalb Texte.

Zwischendrin meldete sich das Taschentelefon und möchte, dass ich die Akkus wieder auflade. Gerne doch. Noch anderthalb Texte.

Draußen der Himmel war schön blau, ich wäre gerne rausgegangen. Wenigstens für ein halbes Stündchen. Doch ich bin noch nicht fertig. Noch einen Text.

Bäh. Langsam zogen dicke graue Wolken über den Himmel. Menno. Ich wollte doch noch raus. Noch zweihundert Wörter.

fränkischer tag 1423

Enten? Gänse? Egal.

Zwanzig vor fünf: Endlich geschafft. Schnell umziehen und nichts wie raus. Ich brauchte dringend Auslauf. Das Foto zeigt auch, dass Sensor putzen angesagt wäre. Leider habe ich das noch nie gemacht. Weiß jemand, wie ich das machen sollte?

Die Lieblingshausziege war immer noch nicht da. Dafür wollte die Katze auf meinen Arm zum kuscheln. Der Tag war dann bald zu Ende, es gab Abendbrot und noch einen Termin: Jahreshauptversammlung beim Sportverein.