Abendglühen am Walberla

Am Samstag stand ich zu nachtdunkler Zeit am Bahnsteig, stieg in den Zug, dieser fuhr 5.44 Uhr nach Nürnberg ab. Nach dreimal Umsteigen war ich nicht nur in München, sondern in Schleißheim, mehr als rechtzeitig zum Lustwandeln im Schloss Schleißheim.

Boah. Erst war Empfang beim Kurfürsten Max Emanuel, dann ging es hoch nach oben aufs Dach, anschließend noch in Garten und in die Obstplantage, bevor die gut vierstündige Veranstaltung in der alten Küche im Schlosskeller endete. Darüber schreibe ich später, ich bin immer noch ganz geflasht.

Sonntag schlief ich erst einmal aus, kurz nach dem Mittag fuhr ich mit der Lieblingshausziege nach Coburg, weil dort ein Stofflädchen mit Rabatten winkte. Sie fand auch etwas, ich leider nicht. Abends lockte uns das Wetter noch einmal aus dem Haus, wir zogen rund um das Walberla.

Walberla im Abendlicht

Blick vom Walberla zurück in die Ebene

Das Kreuz auf dem Rodenstein

Die steinerne Frau auf dem Walberla.

Abendleuchten auf dem Walberla

 

Fernweh ist nichts, was mich in weite Ferne lockt, es reicht, wenn die Sonne draußen verlockend grinst. Dann hält mich – fast – nichts in der Wohnung. Allerdings bin ich auch nach inzwischen vier Jahren in Franken immer noch begeistert von allem, was es hier so zu entdecken gibt. So weit muss ich also nicht reisen, wenn mich das Fernweh packt.

Unten am Parkplatz standen Äpfel herum, eine Schale für einen Euro. Wir nahmen welche mit – und heute hat der Mitbewohner daraus Apfelkräpfla für uns gebacken. Und weil er sich von mir anstecken ließ, hat er seinen ganz eigenen Blog gestartet: Fränkische Tapas, jetzt mit Apfelkräpfla.

Abschied.

Dürrer Baum am Walberla

Der Wind stürmte und pustete die Hitze weg, die in den letzten Tagen und Wochen wie eine stickige Decke über allem lag. Wir liefen rund um das Walberla, den Hexenberg, die ehemalige Keltenfestung. War es unten im Wald so stickig und schwül wie in einer Dampfsauna, fegte oben der Wind so über die Bäume, dass sie sich tief verbeugten. Er drückte uns richtig an die Banklehne, als wir oben auf dem Gipfel vom Kreuz aus in die Ferne träumten, ob der nächste Tag schon in Sicht sei. Glücklicherweise stand das Kreuz hinter uns, der Wind brachte stürmisch jede Menge frische Luft von vorne, falls also das Kreuz fallen sollte, würde es wenigstens nicht heißen: Sie wurden vom Kreuz erschlagen.

Der erste Pflaumenkuchen

Am Parkplatz gab es auf dem Obstregal zur Selbstbedienung neben Kirschen die ersten Pflaumen. Doch, es wird Herbst. Definitiv. Es ist zwar noch nicht August, doch es gilt, vom Sommer bereits Abschied zu nehmen. Die Pflaumen versüßen alles, und legen sich bereitwillig auf den ersten Pflaumenkuchen in diesem Jahr. Hätte ich mich in die Spitze des Geländers gestellt, hätte ich ein Kleid getragen, hätte mich jemand fotografieren können, ganz wie Kate Winslet in Titanic. Nur der stürmische Wind war flüchtig und ließ sich nicht aufs Foto bannen.

Blick vom Walberla

Warten auf den Regen am Walberla

Diese vorgezogene Wehmut setzte sich am nächsten Tag bräsig breit zwischen uns. Damit sie nicht so viel Platz hat, stürmten wir aufs Annafest, räumten das Zimmer um, bezogen die Betten frisch, liefen vom Gügel zur Giechburg, aßen Pizza und tranken frischen roten Federweißer aus dem Weinballon. Nach dem Abziehen gärte der Kirschwein nämlich so heftig, dass der große Ballon überschäumte – und uns den Federroten abgab, gewissermaßen.