Waaahnsinn. Feiertag.

Da hab ich heute geschrieben, Kürbissuppe gekocht, wieder geschrieben, mich über die Sonne gefreut, die so schön warm ins Fenster schien, alles so, wie es hier eben so ist, wenn ich zu Hause sitze und arbeite. Alles nett, alles kommod.

Irgendwann war alles geschafft, die Sonne schien immer noch, der Mann kochte einen Kaffee, so gegen die kleine Müdigkeit und wir fuhren eben spontan los, nach Erlangen, um für den Mann was zum Anziehen zu kaufen, wir wollten mal sehen, ob wir was finden.

Auf der Gegenfahrbahn war Stau. Gut, da hab ich noch gewitzelt, dass wir dann in Erlangen eben trödeln müssten, damit sich alles auflöst, bis wir so zurückfahren. Doch dann haben wir nicht getrödelt, sondern fix eingekauft und sind ebenso fix zurück in den Stau gefahren. Einfach weil ich laut überlegt hatte, wo wir am nächsten Tag noch so gucken könnten und mich der Mann dezent darauf hinwies, dass morgen schließlich Feiertag sei und die Läden ausnahmsweise geschlossen sein werden.

Gut. Äh. Ja. Da bin ich ja echt Experte für, im Feiertag-vergessen und dann nichts im Kühlschrank oder so. Also. Auf ins Getümmel. Dass es dann so schlimm werden würde, wie es war, das hab ich nun wieder nicht gedacht: Auf dem riesigen Parkplatz fand ich ganz hinten in der letzten Reihe für mein kleines Auto tatsächlich noch ein freies Plätzchen. Schön. Da hab ich wenigstens ein bisschen Bewegung, weil der Weg bis zum Eingang ziemlich weit weg war. Innen war es nicht nur unglaublich voll mit Menschen, die sich quer über die Regale zuriefen, was sie alles noch bräuchten, sondern an manchen Stellen unglaublich leer: Es gab kaum noch Pilze oder Tomaten, die abgepackte Wurst in der Wurst-Theke war völlig ausgeräumt, das kleingeschnittene Obst ebenso. Nicht, dass ich das alles kaufen wollte, es fiel mir nur so auf. Mannomann. Es ist doch nur ein einziger Samstag, an dem – zusätzlich zum Sonntag – mal die Läden geschlossen sind, und schon kaufen alle ein, als gälte es, die kommenden sechs Wochen und den Einfall der Hunnen in die heimische Küche zu überstehen. Ich brauchte zwei kleine Hefewürfelchen, weil ich morgen Brötchen backen muss – schließlich hat der Bäcker auch zu – und musste mich dafür an vier vollgepackten Einkaufswagen vorbeischlängeln, erntete böse Blicke, weil ich einen Wagen ein bisschen an die Seite schob, nur damit ich an die Hefe konnte.

fränkischer tag 494

Hier ist Parken streng verboten

Dabei wollte ich eigentlich von meinem schönsten Hobby erzählen, ganz wie sich der Webmasterfriday das wünscht:

Fotografieren.

Aber das wisst ihr ja eigentlich längst alle.

Webmasterfriday: Das lese ich im Moment

Ilse Helbich: Vineta

Was bleibt, wenn jemand stirbt? Im letzten Kapitel beschreibt Ilse Helbich den gelinden Schrecken, der sie wohl befiel, als sie – nach dem Tod der eigenen, sehr betagten Mutter kam, den Nachlass zu ordnen. Da gab es nichts mehr: Weder Alben, noch Briefwechsel. Alles war von der Mutter sorgfältig vernichtet worden. Ilse Helbich schreibt gegen das Vergessen an und erinnert sich in „Vineta“ im Alter von 90 Jahren an ihre längst versunkene Kindheit. Aufmerksam wurde ich durch den Post von Maximilian Buddenbohm, der hier zu lesen ist: Herzdamengeschichten.

Nora Bossong: Gesellschaft mit beschränkter Haftung

Durch einen Zufall bekam ich den Tipp in meiner Facebook-Timeline: Nora Bossong liest in der Bamberger Uni aus ihrem neuen Buch. An dem Abend hatte ich Zeit und Muße genug, also fuhr ich hin. Das Buch wurde dort gepriesen als der „neue Buddenbrook“, als ein Familienroman, der den Niedergang über mehrere Generationen zeichnet. Es geht um ein Familienunternehmen, das – wie Krupp – in Essen beheimatet, weiches Frottee produziert, statt harten Stahl. Der Niedergang wird von Bossong als ermüdender Prozess des Firmenchefs gezeichnet, dem die Kraft fehlt, sich in der Welt durchzusetzen. Seine Tochter Luise beginnt mit 27 Jahren die Firma zu leiten, kämpft gegen den Konkurs, der schon lange in den Büchern schlummert: Aus einer sensiblen jungen Frau wird schnell eine kühl kalkulierende Firmenchefin.

Monika Detering: Nebengleis

Noch einmal Kurzprosa: Knapp, manchmal lakonisch. Kleine Begebenheiten, so, wie sie sich am Rande immer ereignen und selten wahrgenommen werden. Eigentlich wollte ich das Buch verschenken, kann mich aber noch nicht davon trennen, weil ich immer mal wieder eine Geschichte darin lese. Und noch einmal.

Daniel Golemann: Konzentriert euch!

Nur noch kurz die Welt retten, die Mails checken und – alles nebenher, nichts mehr richtig tun. Zwar darf mein Computer keinen Ton von sich geben, trotzdem sind mehrere Fenster gleichzeitig offen: Ich könnte ja etwas verpassen. Doch verpasse ich wirklich etwas, wenn ich nicht mitbekomme, was gerade auf Facebook an mir vorbeiströmt? Verpasse ich nicht viel mehr etwas, wenn ich mich nicht mehr in eine Sache versenken, mich konzentrieren kann? Frederik Weitz hat mich in seinem Blogpost „Würde Heidegger heute noch leben…“ auf das Buch aufmerksam gemacht, ich habe es seit einer Weile und lese immer wieder quer darin herum. Manches wird klarer.

Zoë Beck: Schwarzblende

Islamistischer Terror in Europa: In London wird ein britischer Soldat mitten in einem Park ermordet, von zwei Islamisten, die mit Macheten bewaffnet durch die Stadt laufen. So surrealistisch, wie das Buch beginnt: Das kann doch gar nicht wahr sein, das sind doch Spielzeuge, wie sich der Kameramann Niall, der alles beobachtet, einredet. Bis es keine Ausrede mehr gibt, weil ein Mensch tot ist. Ich mag Krimis eigentlich deswegen, weil sie mit der Möglichkeit spielen, was Menschen alles machen könnten – glücklicherweise aber selten tun. Das, was in Schwarzblende beschrieben wird, ist fürchterlich real. Und ganz nah bei uns, nicht etwa bequem weit weg.

Helmut Lethen: Der Schatten des Fotografen

Zu jeder Fotografie gehört eine Geschichte. Es scheint, als bilde eine Fotografie die objektive Wirklichkeit ab – doch wer genau hinschaut, kann sehen, dass sie nur ein vom Fotograf gewählter Ausschnitt ist, die dessen Sicht auf die Welt zeigt. Da hat Susan Sontag ebenfalls viel Kluges darüber geschrieben, das sich lohnt, zu lesen.

Das sind die Bücher, die sich im Moment rund um mein Bett aufhalten. Auf dem Küchentisch liegen die Zeitungen wie ein Tischteppich, neben dem Klo steht ein Band über die Rosen der Kaiserin Josephine, der Frau Napoleons, und andere Bücher liegen ebenfalls irgendwo herum. Wenn die Bücher nicht liegen, dann stehen sie in drei Bücherregalen. Als ich von Nordhessen nach Franken zog, habe ich einen Teil meiner Bücher verschenkt und einen anderen Teil via Bookcrossing auf Reisen geschickt.

Das ist mein Beitrag für den Webmasterfriday, der wissen wollte, was ich gerade lese.

Webmasterfriday: Die Gretchenfrage

„Nun sag, wie hast du’s mit der Religion?“ fragte einst die Grete den Heinrich, in Goethes „Faust“, der Webmasterfriday fragt es ebenfalls, anlässlich des Osterfestes.

Für dieses Jahr kann ich die Frage ganz einfach beantworten: Ich war am Ostersonntag in der Auferstehungsfeier in der Klosterkirche der Redemptoristen in Forchheim. Das hieß: Kurz nach vier aus den Federn krabbeln, einen Kaffee trinken, noch ein bisschen trödeln, die dicken Winterstiefel anziehen und losfahren. Vor der Kirche standen Menschen rund ums Feuer, wir gingen – der Kälte wegen – lieber hinein, setzten uns und warteten in der Dunkelheit. Kein Licht, keine Kerze, kein Nichts. Stimmt nicht ganz: Da die Sparkasse, die ihr Hauptgebäude auf der gegenüberliegenden Straßenseite hat, auch in der Nacht genügend Licht brennen lässt, war langsam etwas in der Kirche zu sehen, ganz so, wie sich langsam die Augen an das Dunkel gewöhnte. Die Engel und Heiligen saßen immer noch über und neben den Altären, die goldenen Ränder der Gewänder glänzten ein wenig.

Es dauerte. Es war dunkel. Es war ruhig, nur gelegentlich scharrte jemand mit den Füßen, hustete, oder schniefte. Zeit zum Warten, Zeit zum Nichtstun, noch nicht einmal zum Nachdenken, nein, ich habe einfach nur gesessen und gewartet.

Bis irgendwann die Stimme des Paters von hinten rief: „Lumen Christi“ und alle Anwesenden antworteten mit: „Deo gratias“. Das Licht der Osterkerze, die vom Pater getragen wurde, kam zum Altar, an diesem Licht wurden alle Kerzen angezündet und die Feier begann.

Ich kam mir vor, wie in einer anderen Zeit, in einer Zeit, die fast schon vergangen ist. In der es weder um Effizienz: „Wie schaffen wir den Gottesdienst in kürzerer Zeit und mit noch mehr Segen abzuhalten?“, noch um Kostenminimierung ging: „Die dünne Osterkerze reicht übers Jahr doch wirklich aus, überleg mal, wie viel davon immer am nächsten Ostern übrig ist“.

Was mache ich hier eigentlich? Da ist vor 2000 Jahren jemand am Kreuz gestorben – und man sagt, er sei auferstanden. Gesehen hat es ja schließlich keiner. Das ist eines der Geheimnisse, die einfach zu glauben sind – oder auch nicht. Schön finde ich es, dass es eine Gemeinschaft gibt. Auch wenn ich viele von den Menschen nicht kenne, mit denen ich hier in der Kirche saß. Macht nichts. (Ist schließlich bei einer Demo ähnlich, oder? Das ist auch kein Familientreffen.)

Ich arbeite mal die Einwände ab, die mir gerade einfallen, so rein prophylaktisch:

1) Die in die Kirche gehen, sind doch alle nur scheinheilig: In der Woche sündigen sie, am Sonntag geht es in die Kirche, und schon sind sie die reinsten Engelchen. Was andere machen, weiß ich nicht. Für mich gilt: Ich denke auch in der Woche daran, dass ich meinen Mitmenschen weder zur Last falle, noch über sie tratsche oder irgendwelche Dinge über sie erfinde, die ich dann den anderen erzähle.

2) Das kann man doch als aufgeklärter Mensch nicht im Ernst glauben: Doch, kann man. Es gibt Menschen, die glauben – so aus meiner ganz privaten Sicht – an noch viel seltsamere Dinge, Wiedergeburt beispielsweise. Und benehmen sich, als wollten sie das nächste Mal als Stinktier auf die Welt kommen.

3) Was die bösen Pfarrer mit den armen Kindern machen: Äh. Ich habe selbst so etwas nie erlebt – und daher werde ich dazu nichts weiter beitragen können. Ja, ich finde das schlimm. Aber ich finde auch, dass so etwas nicht in die Öffentlichkeit gehört. Jedenfalls nicht in eine hysterische und voyeuristische Öffentlichkeit.

4) Was im Namen Christi alles für böse Missetaten begangen werden: Von der Ermordung der Indianer und Hexen über die Inquisition und was weiß ich. Sicherlich lässt sich jede Idee sowohl im Guten verwirklichen, als auch für Böses missbrauchen. So, wie viele Stoffe in der einen Dosierung Medizin und in einer anderen Dosierung Gift sind.

5) Das Gold! Die Kirchen! Was das alles gekostet hat! Sicherlich war das teuer. Zumal gerade die barocken Kirchen mit ihrer ganzen Pracht in einer Zeit gebaut wurden, als viele Menschen drumherum ziemlich arm waren. Der dreißigjährige Krieg war gerade vorbei, mit all seinen Schrecken. Aber ehrlich: Wenn damals kein Geld für diese Pracht ausgegeben worden wäre, könnten wir sie jetzt nicht bewundern. Ich glaube nicht, dass in vierhundert Jahren Sparkassengebäude besichtigt werden, als kulturelle Highlights oder so. Auch wenn die ebenfalls viel Geld gekostet haben.

Und trotz alledem gehe ich – relativ regelmäßig – in die Kirche. Das ist so, und das wird in Zukunft auch vermutlich so bleiben. Manchmal ist die Predigt inspirierend, manchmal nicht, manchmal schweifen währenddessen meine Gedanken ab, weil sie einen Anstubser bekamen, manchmal gucke ich mir auch nur die Heiligenfiguren an und überlege, warum der eine aussieht, als würde er grüne Gummihandschuhe tragen. Für mich ist es nicht nur ein Ritual, das absolviert werden möchte, sondern eine Haltung:

Ich bin weder der Nabel der Welt, noch besser als meine Mitmenschen. Sondern völlig normaler Durchschnitt. Und nein, es reicht mir nicht für mein Wohlbefinden, mir irgendwelche Dinge zu kaufen und zu konsumieren. Für heute soll das genügen. Ein andermal vielleicht mehr dazu.

Webmasterfriday: Existenzangst

Ich existiere, das heißt: Ich bin am Leben. Die Existenzangst ist, wie der Duden beschreibt, folglich die Angst davor, dass ich a) mein eigenes Leben nicht meistern könnte. Oder b) die Angst vor Arbeitslosigkeit und Armut.

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Die Scheibe ist kaputt. Na und?

Die ersten 23 Jahre meines Lebens habe ich in einer Welt verbracht, in der alles ordentlich und vor allen Dingen sicher war: Ein Zaun sorgte dafür, dass sich die Menschen nicht in der großen weiten Welt verirren konnten, und – beispielsweise nach einem Ausflug oder einer kleineren Reise – wieder gut nach Hause zurückfanden. Als ich mit meinem ersten Studium fast fertig war, musste ich mir noch einmal einen Betrieb für ein Praktikum suchen. Ich kann mich noch gut an das Gespräch damals erinnern, das ich mit dem entsprechenden Verantwortlichen führte -und an meine Gedanken dabei: So. Das war’s jetzt. Das machst du bis zur Rente.

Während wir studierten, saßen wir oft zusammen und diskutierten, lasen, was wir in die Finger bekamen, wie beispielsweise Artikel über Glasnost und Perestroika, die uns der Statikprofessor druckfrisch aus Moskau mitgebracht hatte. Wir waren interessiert an allem, was das Leben so bereit hielt. Existenz? Jaklar, wir wollten mehr als nur existieren, wir wollten leben, lernen, und vor allen Dingen Sachen machen, für die wir selbst verantwortlich sein wollten. Wir wollten nicht nur machen, was andere für uns vorgesehen hatten.

Dann kam der 9. November 1989 – und in den Monaten danach schien alles möglich.

franken 727

Trotzdem kann ich durch sie hindurchsehen.

Bis sich diejenigen durchgesetzt hatten, für die Freiheit bedeutete, dass es immer Bananen in den Geschäften gab. Und all die anderen Dinge, die so viel bunter und duftender als alles waren, was wir vorher kannten. Jeder konnte plötzlich alles haben, völlig unabhängig von Beziehungen oder dem glücklichen Zufall, zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein. Sagte ich: Jeder konnte alles haben? Klar. Im Prinzip schon. Wenn denn das nötige Kleingeld dafür vorhanden war. Während meines ersten Studiums gab es 200 Mark Stipendium, davon habe ich 10 Mark für mein Zimmer im Wohnheim bezahlt. Der Rest blieb für Bücher, Essen, Trinken, Klamotten, in den Studentenclub gehen, Eis essen, was auch immer. Es klingt zwar unwahrscheinlich, war aber so: Das Geld hat gereicht. Ich fühlte mich auch nicht sonderlich eingeschränkt. Es hat wirklich gereicht. Wir waren im Theater, im Kino, haben gekocht und genäht, und relativ vergnügt miteinander gelebt.

Und plötzlich war ich frei – und musste nicht mein ganzes Leben lang in einem Büro mit der immer gleichen Arbeit verbringen. Diese hatte ich mir zwar selbst aus einer Liste von Studienmöglichkeiten ausgesucht, aber eher nach dem Motto: Welches ist die Variante, die mir am wenigsten schrecklich erscheint.

Jetzt fing ich noch einmal von vorne an – und habe etwas studiert, das mich einfach interessiert hat, zunächst ganz ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, ob es später einmal Geld einbringt. Nebenher habe ich gearbeitet, und mir somit das nötige Kleingeld verdient.

Diese Haltung blieb: Ich habe immer mal wieder Neues angefangen, ohne mir viele Gedanken darüber zu machen, ob es denn gut gehen würde. Das weiß ich ja schließlich erst hinterher. Bis jetzt hat das gut funktioniert: Irgendwie ging es immer weiter. Mich einfach hinzusetzen und darüber zu jammern, wie schlecht es mir doch gehe und wer alles daran schuld sei (außer mir selbst natürlich), das war nie eine Option. Menschen, die sich so benehmen, finde ich schon mitunter sehr skurril.

Wir leben in einem Land, in dem es keinen Krieg gibt, in dem keine Willkür herrscht, es genug zu essen gibt, einem Land, in dem es auch Geld gibt, wenn ich nicht arbeiten kann: Was brauche ich denn noch alles? Der Rest ist Luxus. Echtjetzmal.

Das war jetzt mein Senf zum Webmasterfriday und seiner Frage nach der Existenzangst. Wie geht es euch denn mit der Existenzangst?

 

Webmasterfriday: Die Sache mit der Meinungsfreiheit

Das Grundgesetz unseres Landes garantiert mir die Meinungsfreiheit, solange ich mit meiner Meinung niemand beleidige, nicht gegen Gesetze verstoße oder Jugendliche gefährde. So weit, so gut. Meinungsfreiheit. Warum erinnert mich bloß vieles, was ich wahrnehme, eher an die Witze von Radio Eriwan:

Gibt es bei Ihnen Meinungsfreiheit?

Im Prinzip ja. Sofern Sie den Zorn der Andersdenkenden aushalten.

Hupft ein Konrektor gänzlich von Schultasche unbeschwert in die Schule, weil er von den Hauptschülern, die er unterrichtet, ohnehin nichts hält und lieber darauf spitzt, dass er möglichst bald in ein angenehmes Amt gewählt wird – steht nichts davon in der Zeitung. Statt dessen lese ich begeisterte Elogen über diesen Menschen, der in seinem doch noch recht jungen Leben bereits so viele Ämter neben seinem Brotberuf bekleidet, dass ich mich frage: Wie geht das? Jedes einzelne Amt würde eigentlich den ganzen Menschen fordern, wenn man ihm denn gerecht werden wollte. Aber vielleicht ist er ja eine multiple Persönlichkeit, die sich zerteilen kann, CSU sei Dank.

Wenn die Parteien – die längst nicht die Mehrheit der Menschen in diesem Land vertreten – nur darauf achten, dass sie wiedergewählt werden und ansonsten möglichst alles tun, was die Wirtschaft von ihnen verlangt, dann kuscheln sie dort, wo eine klare Ansage und eindeutige Meinung besser wäre. Während der Bürgermeister von Rotterdam nach dem Pariser Anschlag klar sagt: „Wenn ihr die Freiheit nicht wollt, packt eure Koffer und geht!“, erinnert mich das „Der Islam gehört zu Deutschland“ von Frau Merkel auch ein bisschen an ein „Ich liebe euch doch alle!“.

Zur Meinungsfreiheit gehört auch die Versammlungsfreiheit. Ja, auch die Menschen in Dresden dürfen sich versammeln und ihre Meinung sagen, auch wenn das den Zorn vieler hervorruft. Warum redet hier keiner miteinander? Ach, die anderen wollen nicht zuhören? Vielleicht würde ja ein respektvoller Umgang helfen, auch wenn der jeweils andere eine Meinung hat, die nicht die meinige ist. Wer offen und ehrlich miteinander reden will, muss auch hören, was der andere zu sagen hat, selbst wenn es falsch sein sollte. Vorwürfe und Kränkungen helfen auf beiden Seiten wenig weiter.

In ihrer Meinungsbildung lassen sich die meisten Menschen stark von anderen Menschen beeinflussen: Dabei hat das direkte Umfeld, die eigene Familie, die Menschen, die ich kenne und von denen ich möchte, dass sie mich wertschätzen, die stärkste meinungsprägende Kraft. Weil sich Menschen nicht isolieren wollen, äußern manche ihre (wirkliche) Meinung nicht. Otto von Bismarck prägte für diejenigen, die sich gegen die Meinung der Mehrheit stellen, den Begriff der Zivilcourage: 1864 Ausgepfiffen wegen eines kritischen Beitrages im preussischen Landtag, stimmte ihm ein Verwandter, der dabei gewesen war, hinterher zu: „Du hattest eigentlich recht. Aber so etwas sagt man doch nicht.“ Bismarck entgegnete: „Wenn du meiner Meinung warst, hättest du mir beistehen sollen. Aber man wird es nicht selten finden, dass es ganz achtbaren Bürgern an Zivilcourage fehlt.“ (Singer, Kurt: Zivilcourage wagen – Wie man lernt, sich einzumischen; Piper Verlag 1992)

So ist das mit der Meinungsfreiheit. Im Prinzip haben wir sie ja. Solange nicht die Mehrheit dagegen ist. Das war mein Beitrag zum Webmasterfriday.

Webmasterfriday: Gute Mädchen kommen in den Himmel?

Der Tanzstundenabschlussball der Lieblingshausziege ist glücklich vorbei. Sogar der Folgekurs ist bereits vereinbart. Weil wir auch über Erlebtes schwätzen, wie das so bei ihr und damals bei mir war, kamen wir drauf: Zu meiner Zeit gab es gratis zur Tanzstunde auch noch Benimmregeln vom Tanzlehrer. Dieses Vergnügen blieb der Lieblingshausziege erspart.

Daher kam auch meine Frage für den Webmasterfriday: Woher wissen wir eigentlich, wie wir uns offline oder online benehmen sollen? Oder anders gefragt: Gutes Benehmen und Netiquette: Kann man das von alleine oder muss man das lernen?

Zunächst ist der Mensch als solcher ein Nachahmungstäter, und zwar von Anfang an: Er sieht ein Verhalten – und kopiert es. Jeder, der ein eigenes Kind hat, kennt das: Kaum bringt der Fratz die ersten Wörter unfallfrei, spielt er Bushido auf der Rücksitzbank – jedenfalls dann, wenn er vom Fahrersitz die entsprechenden Stichworte geliefert bekommt. Wer hier einen Schreck kriegt, sollte sich selbst einmal zuhören.

Immer geht es um Aufmerksamkeit, wie beispielsweise offline: Lernt Hänschen, dass er von seiner Mutter erst dann beachtet wird, wenn er in den höchsten Tönen kreischt, nimmt er schnell die Abkürzung und spart sich sämtliche Zwischentöne. Auf Spielplätzen lässt sich das manchmal gut beobachten.

Wer online als Trollhans unterwegs ist, will auch gesehen werden. Da er gelernt hat, dass er mit sanften Tönen und verständigen Kommentaren weniger Gehör findet, als mit Provokationen und Beleidigungen, wird erst posten, bevor er denkt – wenn überhaupt. Wobei das schon so eine nicht ganz einfache Sache ist: Gerade das Netz verleitet dazu, direkter auf sein Ziel draufloszuschreiben, als mancher im Gespräch sich jemals wagen würde. Wer sich wundert, wenn die Antwort ausbleibt oder harscher ausfällt, als gedacht, sollte in einer ruhigen Minute mal darüber nachdenken. Vielleicht stellt er sich ja auch im richtigen Leben auf den Marktplatz und brüllt den nächsten Passanten an, dessen Outfit ihm nicht gefällt: „Ey, siehst Du sch… aus, Alder!“ Wenn nicht: Auch im Netz gilt ein einleitender Gruß und eine Verabschiedung als höflich. Trotzdem muss es – wie in einem Gespräch auch – nicht unbedingt bei jedem Post verwendet werden. Es kommt eben darauf an.

So, wie ich mich im richtigen Leben auf einem Tanzparkett anders bewege, als in einer Muckibude, bei einem Bewerbungsgespräch anders rede, als mit den Kumpels in der Kneipe, so unterschiedlich kann der Ton im Internet durchaus sein. Hier hilft: Erst gucken und lesen, dann mitmachen. Lieber zunächst etwas freundlicher als die anderen, so ist der erste Eindruck jedenfalls nicht der Schlechteste.

Dabei bietet das Netz sogar einen unschlagbaren Vorteil: Während ich mich im richtigen Leben während eines Gespräches nicht zurückziehen und erst mal über eine Antwort nachdenken kann, bevor ich mit beiden Beinen mitten in den Fettnapf springe, kann ich das online sehr wohl. Hier brauche ich nicht sofort zu antworten. Hier kann ich mir sogar richtig Zeit lassen. Oder ich antworte überhaupt nicht. Das ist besonders dann hilfreich, wenn mein Blutdruck auf 180 und der Adrenalinspiegel so hoch ist, dass ich lieber draußen Holz hacke, statt eine Antwort in die Tastatur zu hämmern, die beim Gegenüber Zornesadern schwellen lässt und ihn zum Gegenangriff aufruft. Zwar ist der Schlagabtausch online nur verbal, doch oft nicht weniger verletzend, als ein echter Schlag aufs, ja, wohin auch immer.

Doch im Netz ist die Kommunikation auf den schriftlichen Ausdruck beschränkt, weder Mimik, noch Gestik oder Tonfall lassen darauf schließen, ob etwas scherzhaft oder beleidigend gemeint war. Auch im Internet kann eine Beleidigung als Straftat geahndet werden. Zumal: Sie ist gespeichert und wieder abrufbar.

Wozu gibt es Regeln? Sie helfen. Wer sie beherrscht, hat einen Rahmen, in dem er sich sicher bewegen kann. Wer erinnert sich noch an die Stelle aus Pretty Woman, in der sie lernte, wozu dieses ganze Besteck und die Gläser sind. Und die – war es eine Schnecke? – wegflutschte und vom Ober mit der Hand gefangen wurde? Klar, man kann auch mit den Fingern essen. Wer aber das Besteck nur deswegen polternd verschmäht, weil er nicht gelernt hat, es zu benutzen, will vielleicht nur seine eigene Unsicherheit kaschieren. Mag sein. Er benimmt sich trotzdem wie ein Yankee an König Artus Hof.

Da es aber keine Schule für Benimmregeln im Netz gibt, muss jeder selbst probieren, wie er klar kommt: Trial and error, gewissermaßen. Manchmal geht das gut, ein anderes Mal nicht. So wie im richtigen Leben auch: Wer im Bewerbungsgespräch frech wird, kriegt die gewünschte Stelle selten.

Achja. Die anderen Webmasterfreitagsblogger haben sich auch ihre Gedanken darüber gemacht:

Hans

Alex

Henning

Breakpoint

Saphira

Melanie und Thomas

Webmasterfriday: Neue Leser braucht der Blog

Ein etwas boshafter Spruch lautet, dass ein Journalist schreibt, damit er von den anderen Journalisten gelesen werden kann. Manchmal scheint es mir, als sei es in der Blogosphäre nicht anders: Ich blogge und lese andere Blogs und andere Blogger lesen meinen Blog. So fing es bei mir ja auch an: Ich las andere Blogs, und dachte mir irgendwann, dass ich auch meinen Senf gelegentlich an andere Dinge streichen und von dem erzählen will, was ich erlebe.

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Leser, die auch kommentieren sind für Blogger das Sahnehäubchen

Öffentlich. Zunächst hat sich das etwa so angefühlt, wie bei den Artikeln, die ich für die Zeitung schrieb: Ich schrieb etwas und veröffentlichte es im Blog. Wer es dann liest, kann ich genauso wenig sehen, wie bei der Zeitung. Ähnlich wie der Leserbrief ist der Kommentar im Blog: Die meiste Resonanz gibt es, wenn ich über ein Thema schreibe, das viele interessiert und wo es etwas Witziges zu gucken gibt, wie bei meiner Wasserkatz. Das ist das Schöne am Blog, so wie die Schokolade nach dem Salat: Ich kann machen, was ich möchte, gebe mir redlich Mühe und freue mich, wenn jemand liest. Ein Kommentar ist dann das Sahnehäubchen auf dem süßen Teilchen.

Statistiken. Die sagen mir, wie viele Besucher jeden Tag sich im Blog tummeln. Aber ob es stimmt? Ich weiß, dass manche Besucher über eher skurrile Suchanfragen kommen. Die dürften schneller wieder weg sein, als eine Katze von der heißen Herdplatte.

Lesen. Ich lese eine ganze Menge anderer Blogs, mal mehr und mal weniger regelmäßig. Das kommt immer darauf an, wie viel Zeit ich habe – und ob mich das Thema anspricht. Wenn mir dazu etwas einfällt, was über ein „Boah, gefällt mir!“ hinausgeht, etwas, das einen Gedanken darin weiterspinnt oder einen Widerspruch herausfordert, dann kommentiere ich gerne. Das ist aber auch abhängig von der Zeit, die ich habe. Über diese Kommentare kommen wiederum Leser auf meinen Blog. Welche Leser überhaupt regelmäßig bei mir lesen, das weiß ich nicht. Wie gesagt: Auch wenn ich andere Blogs abonniert habe, lese ich sie nicht immer. Wenn ich also von meinen eigenen Lesegewohnheiten auf andere schließe, dann heißt das: Gelegentlich wird mein Blog gelesen. Das ist doch schon etwas.

Zeit. Ein Tag hat vierundzwanzig Stunden – wenn das nicht reicht, ist ja noch die Nacht da. Irgendwie ist aber immer zu wenig Zeit, um alles ausgiebig zu lesen, zu kommentieren, zu würdigen. Das kann immer nur punktuell sein. Immerhin schaffe ich es, seit ich bei den Ironbloggern Franken bin, jede Woche wenigstens einen Blogpost zu schreiben. Da dieser Blog mein privater Blog ist, ich damit kein Geld verdiene, werde ich auch weiterhin das machen, was ich möchte. Würde ich jetzt auf mehr Leser spitzen, dürfte ich wahrscheinlich nur noch Bilder von meiner nassen Katze zeigen.

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Mit Speck fängt man Mäuse, und mit Katzenfotos Leser.

Vertrautheit. Lese ich andere Blogs, lerne ich darüber den jeweiligen Verfasser oder die Verfasserin kennen. Je länger ich lese, desto vertrauter scheint mir der/ die andere, ohne dass wir uns jemals in der Wirklichkeit begegnet sind. Und im Lauf der Zeit werden auch meine Kommentare persönlicher. Dabei gibt es immer noch eine Hemmschwelle: Gerade bei den bekannten Blogs in denen viele Menschen kommentieren denke ich manchmal: Da muss ich jetzt nicht auch noch… (Zumal viele der Kommentare oft nur ein „wie toll“ in Variationen bieten)

Blogparaden. Ich finde Blogparaden wie den Webmasterfriday wunderbar. Wenn ich etwas zum Thema sagen kann. Einfach so daran teilnehmen, nur um wie ein Hündchen auch an diesen (Themen) Baum zu pinkeln, dazu habe ich zu wenig Zeit. Schließlich habe ich neben diesem virtuellen Leben auch ein reales Leben, und das heißt: Jetzt ist es kurz vor Mittag, ich muss den Salat aus der Abokiste verbasteln und mich duschen, denn heute hat die Lieblingshausziege ihren Tanzstundenabschlussball.

Webmasterfriday: Der eigene Schreibstil im Blog

Vor einiger Zeit gab es in der Frankfurter Allgemeinen ein witziges Tool, mit dem der eigene Schreibstil mit dem Schreibstil bekannter Schriftsteller verglichen werden konnte. Damit aber zunächst der Blogpost gelesen wird, gibt es den Link erst am Ende desselben.

Der Webmasterfriday fragt in dieser Woche nach dem eigenen Schreibstil. Ob ich einfach und frei nach Schnauze schreibe oder elaboriert, also komplex und differenziert. Das kommt ganz darauf an. Weder mag ich ein Stakkato an kurzen, abgehackten Hauptsätzen, noch ein Durcheinander an Schachtelsätzen, bei denen das entscheidende Verb – das funktioniert im Deutschen ganz wunderbar – erst ganz am Schluss zu finden ist.

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Hier wird zwar nicht geschrieben, sondern gemalt, doch das gibt irgendwann auch einen eigenen Stil.

Ich versuche, verständlich zu schreiben. Mich kurz zu fassen – und trotzdem nichts Wesentliches zu vergessen. Ich weiß, dass im Internet anders gelesen wird, als auf dem Papier, auch aus meiner eigenen Erfahrung. Langweilt der Schreiber, bin ich fix weg. Das hat allerdings nichts mit der Satzlänge zu tun, ich lese auch gerne verschachtelte Sätze. Nicht alle Gedanken sind gerade und klar, manchmal sind die krummen Wege interessant, in ihnen lassen sich wie in einem Garten mit gewundenen Pfaden interessante Ideen entdecken. Allerdings fand ich auch schon solch kompliziert geschriebene Sätze, dass ich gedachte habe: Was hat der denn geraucht? Haben will…

Ich versuche, Bilder zu finden, damit abstrakte Gedanken verständlich werden. Es ist ein Unterschied, ob jemand einfach zur Arbeit geht, dorthin trottet, sich um die Ecke drückt oder davonschleicht. Das kann eine Metapher, Anapher oder ein anderes Stilmittel sein. Hier ist eine schöne Übersicht über die unterschiedlichen Stilmittel: Link.

Ich versuche, das Passiv zu meiden: „Dem Passiv gilt die Liebe von Gebrauchsanweisungen, Kochbüchern und Behördenbriefen“, schrieb Wolf Schneider in seinem Buch: „Deutsch fürs Leben“. Die Schriftsprache kann ziemlich kompliziert sein, ich erinnere mich noch gut an manche Deutschstunde in der Oberstufe, als uns der Lehrer die unterschiedlichsten Formen und ihre Feinheiten beibringen wollte. Manchmal bedauere ich heute, dass ich damals nicht besser aufgepasst habe. Denn mit Hilfe des Konjunktivs oder anderer Konstruktionen lassen sich manche Feinheiten besser ausdrücken. Da hilft nur: Nachschlagen, wenn ich was nicht weiß. Falls es mir auffällt. Wenn nicht, nun, dann bleiben Fehler stehen, von denen ich nicht weiß, dass es welche sind. Passiert bestimmt.

Ich lese viel: Bücher, andere Blogs, Zeitungen, was mir eben so zwischen die Finger und vor die Nase kommt. Dabei merke ich schnell, wann mich ein Artikel langweilt und ihn nicht zu Ende lesen mag. Ich versuche herauszufinden, wie jemand schreibt, von dem ich gerne etwas lese: Was macht der anders als ich?

Ich besuche Seminare: Die Bundesakademie in Wolfenbüttel hat einiges im Programm, bei dem sich Schreiben lernen lässt. Einfach stöbern. Ich war schon in Seminaren, die ´beispielsweise von Harald Martenstein (Kolumnenschreiben), Christoph Biemann (Schreiben wie die Maus) oder Klaus Viedebantt (journalistischer Reisebericht) geleitet wurden.

In diesem Beispiel: Link nimmt Johannes Flörsch einen wunderbar überdrehten Satz ein wenig auseinander.

Ich lerne immer weiter, probiere Dinge aus, und schreibe. Fertig werde ich damit vermutlich nicht. Und jetzt gibt es – quasi als Belohnung fürs Lesen – noch den oben versprochenen Link:

Faz.net: Ich schreibe wie…

Da der Link zur Faz laut Alex nicht dorthin führt, wohin er soll, hier jetzt ein anderer. Den hab ich vorher extra ausprobiert, er sollte also funktionieren:

Ich schreibe wie… (und führt zu einer englischsprachigen Seite)

Hier ist (dank Stefan) der Link zum deutschsprachigen Test: Ich schreibe wie…

 

Webmasterfriday: Hilfe, eine Blogkrise

Krise.

Krise im Blog.

Krise. Was für ein Wort. Das klingt wie: Von nun an geht’s bergab. Oder: Nächste Woche geht die Welt unter. Dabei war Krise ursprünglich nur die Bezeichnung für einen Höhepunkt. Ging es hinterher positiv weiter, mit anderen Worten: Hat der Kranke überlebt, dann war es ein Wendepunkt. Ansonsten ein Niedergang, eine Katastrophe, der Tod.

Ein Höhepunkt also: Ich stehe oben auf dem Berg. Erst einmal ist der Aufstieg geschafft. Da sollte genug Zeit und Muße für eine Rast bleiben, schließlich will ich die Aussicht ja genießen.

Für den Blog gilt das bei mir auch: Ich habe einen Beitrag verfasst, ihn noch einmal gelesen, damit möglichst wenig Fehler übrig bleiben, und stelle ihn online für alle zum Lesen bereit. Puh. Geschafft. Schön. Dann kann ich jetzt getrost eine Pause machen. Manchmal bis zum nächsten Tag, manchmal drei Tage oder aber einen Monat lang. Immerhin ist das hier mein privater Blog, da schreibt mir niemand vor, wie oft ich etwas veröffentlichen muss. Ich kriege nichts dafür bezahlt, ich mache das, weil es mir Spaß macht.

Innehalten. (Immer mal ein bisschen gucken, ob sich jemand für den Blogartikel interessiert.)

Ruhe bewahren. (Besonders dann, wenn ein Kommentar kommt, der mich erst einmal aufregt oder ärgert.)

Es nutzt nichts, wenn ich vor dem Monitor wie ein HB-Männchen auf und ab hüpfe, während ich auf die Seitenstatistik schaue. Davon lässt sie sich nicht beeindrucken.

Es sind Menschen, die meinen Beitrag angucken und lesen. Und wie das mit echten Menschen so ist, wenn es sie nicht interessiert, lesen sie das eben nicht. Das muss nicht am Thema liegen: Das, was mich interessiert, muss ja nicht alle interessieren. Ich langweile mich ja auch bei Themen, die anderen Menschen brennend am Herzen liegen und denke dann nur: Ist ja nun mal gut damit und nicht meine Baustelle.

Klar freue ich mich, wenn ich Kommentare kriege. Das fühlt sich an wie früher, als noch Bienchen unter die Hausaufgaben gestempelt wurden. Noch schöner ist es, wenn es – und sei es auf einem anderen Weg – zu einem Austausch kommt. Wie beispielsweise über die Briefe meines Großvaters, die ich hier angefangen habe, einzustellen. Damit können beispielsweise die restlichen Cousinen und Cousins mitlesen, die weit entfernt von mir wohnen. Außerdem gibt es Menschen, die sich mit der Geschichte ebenjener Infanteriedivision weitaus besser auskennen, als ich. Das ist logisch, ich habe ja gerade erst damit angefangen. Aber ich bekomme Hinweise, wie ich an alte Luftkarten der Aufklärung komme, die auf amerikanischen Webseiten lagern und die Stellungen relativ genau zeigen. Ein anderer gab mir den Hinweis zu einem Link, der zu einem Film mit privaten Filmaufnahmen aus der Division führt, die in Kampf- und Ruhepausen gedreht wurden. Die Briefe selbst verraten nicht viel vom Krieg. (Und ehrlich gesagt: Das finde ich auch ganz gut so).

Der Webmasterfriday hat nach der Krise gefragt, die eintritt, wenn der Blog mal nicht läuft, ich habe geguckt und festgestellt: Steht keine vor der Tür. Das ist auch gut so.

Immerhin schreibe ich beispielsweise Texte für andere Webseiten, da nennt sich das Arbeit, ich krieg es bezahlt und da gibt es auch keine Krise. (Dieser kleine Werbeblock musste jetzt einfach mal sein.)